Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 11 (16.3.1900)
- Article
- Türkische Marranen
- Date
- 1900-03-16
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4 »Die Welt" Nr. 11 deshalb doch noch nicht, als echte, vollwertige Rechtgläubige werden sie trotzdem nicht anerkannt Sie haben auch nicht das richtige Zeug dazu, diese Marranen des Islam. Es sind durchweg moderne Menschen mit westeuropäischen Allüren und Tendenzen. Sie kleiden sich „ä la Franca", lassen ihre Söhne moderne Sprachen lernen, sind ganz vorzügliche Geschäftsleute und Rechenmeister, reisen viel und sind ganz und gar nicht fromm. Jeder nimmt sich nur eine einzige Frau, obwohl die meisten von ihnen die nöthigen Mittel haben, um sich geradezu fürstliche Harems zu halten. Ist es also zu verwundern, dass die wahren Moslemiten diese Sabbathianer Renegatensprösslinge nach dritthalb Jahrhunderten noch immer nicht anerkennen wollen? Diese Neutürken sind wirklich kluge und umsichtige Menschen, welche recht wohl wissen, was sie thun. Sie bleiben stets hübsch ruhig in Saloniki, denn nur in dieser Stadt des grossen Ottomanenreichs konnten und können sie noch ruhig leben und unbehelligt Reichthümer sammeln. In Saloniki war von jeher das türkische Element in der Minderheit, und die furchtbaren Eruptionen der indignierten Gläubigen gegen diese Scheintüi ken, welche in jedem mohammedanischen Centrum zweifellos ausgebrochen wären und die ganze Secte mit Stumpf und Stiel längst schon vernichtet hätten, in der Judenstadt Saloniki waren sie nicht zu befürchten. Von den Juden als Abtrünnige gemieden, von den übrigen Türken angefeindet und verdächtigt, bildet die grosse Colonie der Sabbathianer in Saloniki ein Enclave, eine inselförmige Ansiedlun? innerhalb der so buntgemischten, lebendigen Bevölkerung der grossen Handelsstadt. Es geht ihnen durchaus nicht schlecht dabei, und ausgezeichnete Rechenmeister, wie sie sind, würden sie sich in ihrer Isolierung ganz wohl befinden, wenn nicht ein unglückseliges Verhängnis ihre Zukunft, ihr Leben bedrohen würde. — Die ganze Secte geht an der Inzucht zugrunde, die Sabbathianer sterben an der Blutarmut ab. Kein Türke gibt diesen Sabbathianern seine Tochter zur Frau; ebensowenig führt er ein Mädchen aus dieser Kaste heim. Mit den Juden durften und konnten sich die Leute aus nahe liegenden Gründen nicht verschwägern und Mischehen mit Christen kamen überhaupt nicht in Betracht Und so sehen wir eine aus wenigen Familien bestehende Gemeinde von Menschen dazu verdammt, nur von den eigenen Säften zu zehren und zu leben. Innerhalb eines ganz engen Kreises circuliert eine geringe Menge Blut welches in dritthalb Jahrhunderten keinen einzigen Tropfen Zuwachs von aussen erhalten hat. Die unsinnigsten Ehen werden geschlossen: Onkel und Nichten, Geschwisterkinder, die nächsten Blutsverwandtschaften verbinden sich immer wieder. Fürwahr, dieser Ast vom jüdischen Volksstamme möchte fortleben und blühen, er kann aber weder Wurzeln fassen, noch einem anderen Baum aufgepfropft worden. Seine Wurzeln stehen frei, sie hängen sozusagen in der Luft. Dass dieser Ast nach so langer Zeit noch nicht ganz verdorrt und ausgetrocknet ist, dass er sogar noch immer bleiche, angekränkelte Blätter und Knospen trägt, ist nur durch die wunderbare Kraft und Fülle des Stammes erklärlich, von welchem er herrührt. Das aber kann nicht lange mehr so fortdauern. Die Sabbathianer müssen über Jahr und Tag an dieser Anämie sterben, wenn sie nicht rechtzeitig für frischen Bluteinschlag sorgen. Sie müssen, wenn sie weiter leben wollen, einen Raub der Sabinerinnen ausführen. (Schluss folgt.) Arische und semitische Moral. Von Dr. Leo Sofer. Die Moral eines Volkes ist die Tafel seiner Ueberwindung, das heisst, aus der Sprache Nietzsches in unsere übertragen, das. was wir heute unter der Moral eines Volkes verstehen, ist nicht die dem Volke eigenthümlichste Sinnesart, sondern gerade ihr Gegentheil. Nach Hegel ist es der unveräusserliche Widerspruch seiner Eigenart, der von den Führern und Wegweisern der Völker ihnen mit ehernen Klammern aufgedrückt wird, und erst im Laufe der Geschichte einss Volkes gelangen die Gegensätze zum Ausgleiche. Wir können diesen Vorgang bei allen Völkern verfolgen; die grossen Genies unter den Nationen — denn diese machen die Geschichte der Nationen — giengen dabei wohl von zwei Erwägungen aus. Erstens sahen sie mit divinatorischem Blicke das Gedeihen des Volkes nicht in der schrankenlosen Entfaltung seiner Instincte, sondern in der Selbstzucht, und zweitens fanden sie in der Gegenmoral die Fessel, die sie dem störrigen Volke zu seinem Heile umwarfen und mit welcher sie es imch ihrem Belieben lenken konnten. So müssen wir aus verschiedenen Zügen in der Geschichte des jüdischen Volkes schliessen, dass ihm ursprünglich die heilige Pflege des Familienlebens fremd war: deshalb stellte der grosse Reformator des jüdischen Volkes die Tafel über ihm auf: Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass es Dir wohlergehe auf Erden. Ferner lag unleugbar in dem jüdischen Charakter eine schonungslose Strenge gegen Besiegte und Sclaven. Deshalb klingt überall die Mahnung durch : „Vergesset nicht, dass Ihr Sclaven und Fremde wäret im Lande Mizraim. Was Du nicht willst, dass Dir geschehe, das thue auch einem anderen nicht." Bei dem unserem Volke eigenen Hang zur Trauer und Wehmuth, finden wir überall die Aufforderung zu Gesang, Tanz und Freude. Die anderen semitischen Völker, die wohl mit denselben Trieben bedacht waren, die aber keine Reformatoren hervorbrachten, giengen auch an diesen Trieben zugrunde. Sie überwanden sich nicht, so überwand sie der Fremde. Nur die Araber fanden in Mohammed ein Genie, das einigermassen an Moses heranreichte; sie haben sich auch infolge dessen erhalten. Betrachten wir mit diesem kritischen Auge das Leben der Juden in unseren Grossstädten, so sehen wir, dass sie, der Leitung ihrer Tradition entwachsen, zum grossen Theile der Herrschaft ihrer Triebe verfallen und infolge dessen degenerieren. Die Neigung zum Familienleben schlägt in das Gegentheil um, das Nation algefühl schwindet und macht einem rücksichtslosen Kampfe eines jeden Einzelnen um seine Existenz Platz. Das Heil unseres Volkes liegt also in der Pflege unserer alten Ehesitten, in der Rückkehr zu der alten Art, wie wir unsere Kinder erzogen und um die uns alle anderen beneideten, wobei wir uns natürlich nicht den modernen Ideen verschliessen sollen; nein, wir sollen sie alle studieren, aber nui in einer Weise, wie sie unserer Eigenart entspricht, wirklich aufnehmen. Denn diese Eigenart hat unser Volk unter den ärgsten Bedrückungen lebensfähig erhalten; soll die Freiheit für uns der Tod werden? Betrachten wir* nun in derselben Weise die arischen Völker, so haben sie unleugbar den Hang des Lebens und Lebenlassens. Sie sind fremden Einflüssen zugänglich und überlassen sich im Gefühle ihrer überschäumenden Kraft gern den Regungen des Mitleids. Deshalb hängte Manu, der Gesetzgeber der Arier, über sie die Tafel des harten Herzens, als sie nach Besiegung der Tschandalas in die Gefilde Indiens herabstiegen. Die Tschandalas sollten der wärmende, nährende