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Die Welt · 1900-03-09 · 10 (9.3.1900) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
10 (9.3.1900)
Article
Wien [Nachricht] / J. G.
Date
1900-03-09
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „Die & Welt' Nr. 10 leibt und lebt. Redner erörterte in fesselnder Weise das v erhälfnis der verschiedenen Schichten des Wiener Judenthums zum Zionismus. In ganz vorzüglicher Weise besprach sodann Herr W e issberger die wirtschaftlichen Momente im Zionismus. Ueberzeugend entwickelte er die ökonomische Notwendigkeit des Zionismus für alle Classen und Stände unseres Volkes. Der Herausgeber der spaniolischen Zeitung ..El Progreso", Herr Cohen, sprach über die Lage der •luden des Orients. Er führte aus, dass die durch die Alliance- Schule gegangene, im französischen Geiste erzogene Jugend dem Judenthum noth wendig verloren gehe. Zionistisch wirkende Lehrkräfte und ebensolche Schulbücher wären hier dringend vonnöthen. Herr Dr. A w i n o w i t z k y aus Russland'berichtete in anziehender Weise über die zionistische Organisation innerhalb der russischen Judenheit. Herr Baue h, Vorstandsmitglied des Jüdischen Volksvereines, gab dem Wunsche nach einer localen politischen Organisation Ausdruck. Herr Dr. S. Werner entgegnete ihm. dass der Zionismus in der kurzen Zeit, seitdem er in Wien wirke, nicht allen localen üebeln abhelfen könne und dass dies überhaupt nicht seine Aufgabe sei. Nach einer Schlussbemerkung seitens des Herrn Dr. Sofer schloss die Versammlung in später Nachtstunde. J. G. Wien. Die Ortsgruppen VI, VII und XV veranstalten Mittwoch den H.März a. c. in den Sälen des „Hotel Savoy*. VI.. Mariahilferstrasse 81, eine gross angelegte Purimfeier unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte und der Damen SonjaHerma, Concertsängerin, und MilaTheren. Schauspielerin des Raimund-Theaters, sowie der Herren Fritz Blum, Schauspieler am Deutschen Volkstheater, Eduard Kornau, Komiker, und Rober Epstein, Violinvirtuose, und der verstärkten Salonkapelle Herlinger. An die Akademie schliesst sich ein Tanzkränzehen. Die Einladungen zu dem Feste ergehen von einem grossen, aus U0 Damen und 100 Herren zusammengesetzten Comite. welches sich bereits Donnerstag den 15. Februar am ersten Comite-Abende im „Hotel Savoy" zusammenfand. Derselbe verlief unter Mitwirkung mehrerer Kunstkräfte sehr animiert und versprach einen vollen Erfolg des Hauptabends. Karten zu diesem Feste sind bei den Comite-Mitgliedern und in der Adm. der „Welt" erhältlich, und zwar Familienkarten ä s K (reserviert) und B K im Vorverkauf, an der Abendeasse 10 K. resp. 8 K. Einzelkarten;i :} K (reserviert) und K im Vorverkauf, an der Abendcasse 4 K, resp. :; K. Wien. Am :>. d. M. sprach im Einzelverein „Mariahilf- Neubau" Herr Richard Rappaport über „Jüdische Realpolitik". In zweistündigem Vortrage suchte der Redner die Berührungspunkte zwischen der Jüdischen Volkspartei und dem Programme des Zionismus zu präcisieren. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, den Vortrag auch nur annähernd im Rahmen eines kurzen Referates wiederzugeben.Es wurde auch in der nachfolgenden Debatte hervorgehoben, es möchte dieser Abend den Ausgangspunkt zu weiteren Debatten bilden. Der Berührungspunkte seien so viele, dass weitere Erörterungen im Interesse des nationalen Gedankens nothwendig seien. Es nahmen das Wort die Herren Dr. Weisl, Dr. Sofer, Bernhard, Dr. W e r n e r, Gross und Braunstein. Wien. Nach jeder Richtung hin gelungen war das am 1. d. M. im Saale der „Ressource" veranstaltete Purimkränzchen des Literarischen Geselligkeitsvereines jüdischer Mädchen „M o r i a". Die Präsidentin des Vereines, Fräulein Nathalie P o 11 a k, hob in ihrer Begrüssungsrede die geschichtliche Bedeutung des Purimfestes, namentlich für die jüdischen Frauen hervor, und erzielte mit ihren Worten ungeteilten Beifall. Fräulein K o 11 m an n declamierte das Gedicht „Umkehr" von H.Grünau. Daran reihten sich die übrigen Programmnummern, wobei die mitwirkenden Damen Ausgezeichnetes leisteten. Ein wacker gespieltes Lustspiel, „Fräulein Doctoi-% gab den jungen Damen Gelegenheit, ihr schauspielerisches Talent zu zeigen. Ganz besonders vorzüglich waren Fräulein VVestrei c h und Fräulein Halpern in ihren sehr schwierigen Rollen. Das Zusammenspiel war musterhaft. Der Tanz währte bis zum Morgengrauen. Wien. Der Verein der israelitischen Fleischselcher und Fleischverkäufer veranstaltet Mittwoch den 14. März HMH) im Festsaale des Hotel Continental, IL. Taborstrasse Nr 4. ein Costümkränzchen. Beginn 7 Ühr. Musik besorgt die Kapelle des k. u. k. Infanterie-Regiments Nr. 43, Graf Grünne: Damen in Costüm oder Balltoilette. Herren in Ball- oder Soiree-Toilette. Eintritt im Vorverkauf K. i>, an der Cassa K. 2-40. Familienkarten 4 Personen K. 6. Zuschriften sind zu richten an Herrn Siegm. Kornmehl, IX., Bergasse l'-K Kolin. Bei einer am 3. d. M. abgehaltenen Versammlung der hiesigen Zionisten wurde der einstimmige Beschluss gefasst, hierorts einen zionistischen Verein zu begründen. Bei der Wahl eines provisorischen Comites wurden nachstehende Herren gewählt: Emanuel Gelber als Vorsitzender. Moriz Eisner als Cassier. Max S a u d e k als Schriftführer, endlich die Herren Heinrich Beutler und Max Taube r. Zum Koliner Vereine haben sich bis heute Sö ordentliche Mitglieder und 3 Gründer angemeldet, deren grösster Theil bis zur Constituierung dem Prager „Jüdischen Volksvereine* angehören. Der Verein wird den Namen „Jüdischer Volksverein Zion in Kolin" führen. M. S. Lodz. Am 8. d. M. fand hier unter den Auspicien des hiesigen zionistischen Comites ein Concert statt, dessen Reinertrag den Abendschulen für jüdische Arbeiter gewidmet war. Der Erfolg war, dank der regen Agitation unserer zionistischen Jugend, ein sehr schöner. Mannheim. Hier hat sich vor circa 14 Tagen eine Ortsgruppe der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland-1 constituiert. Die Gruppe zählt bis jetzt ^t> Mitglieder, unter denen sich auch streng orthodoxe Männer befinden. Es werden vorläufig alle 14 Tage Zusammenkünfte mit Vorträgen abgehalten. Vorsitzender der Gruppe ist derzeit Herr Dr. med. R e g e n s b u r g e r. Wien, 8. Februar. Ueber den grandiosen Verlauf der gestrigen Smolenskyfeier berichten wir in nächster Nummer. Zeitschriftenrundschau. Seit längerem schon befassen sich ausländische jüdische Blätter mit den galizischen Verhältnissen, namentlich unter Hinweis auf die vom B'nei-Berith-Orden geplante Hilfsaction. „Jewish Exponent", der dieser für die österreichischen Juden so hochwichtigen Angelegenheit bereits eine ganze Reihe äusserst instruetiver Artikel gewidmet hat. erörtert in seiner Nummer vom 1(3. v. M. die von der österreichischen Grossloge des genannten Ordens ins Auge gefassten Hilfsmittel und bemerkt dazu : ,Obgleich wir jedes ernste Streben, das die Leiden unserer Brüder in Galizien zu lindern bezweckt, aufs freudigste begrüssen, müssen wir doch bedauern, dass der B'nei-Berith-Orden sich einer Aufgabe unterzieht, die seine Kräfte bei weitem übersteigt." Das Blatt geht nun Punkt für Punkt des Hilfsprogrammes durch, um den Beweis für seine Behauptung zu erbringen, und bemerkt zum Schlüsse, indem es sich auf den Paragraph 4 des Entwurfes zur Hilfsaction bezieht, welcher eine „internationale Union" verlangt: „Weshalb denn eine neue „internationale Union" schaffen, weshalb nicht den IV. Zionisten-Congress mit einer Prüfung dieser so ernsten Angelegenheit betrauen? War es nicht der Baseler Congress, wo zuerst der Donnerruf der „Judennoth" ertönte und überall, wo Juden wohnen. Wiederhäll weckte V Warum nun sollte nicht dieser selbe Congress die Heilmittel gegen das Uebel prüfen können, selbst wenn es sich um eine mehr locale Angelegenheit handelt? Kann denn das jüdische Volk es vertragen, seine Energie zu zersplittern, indem es neue „internationale" Vereinigungen schafft, wenn doch schon ein jädischer Congress, eine Vertretung von ganz Israel existiert? Dort sind alle Meinungen vertreten, unter den Vertretern sind nicht nur Aerzte, sondern auch Kranke, nicht nur Berather. sondern auch Rathsuchende, Leidende! Und ohne die Zustimmung dieser letzteren sind ja alle Heilmittel umsonst!" „Jewish Exponent" constatiert in seiner letzten Nummer mit Genugthuung. dass die zionistische Bewegung in Amerika in den letzten Wochen bedeutende Fortschritte zu verzeichnen hat. Prof. Gottheil, der in feindliches Territorium eingedrungen sei, habe die Gegner mit seinen Argumenten besiegt. Es sei gewiss, so bemerkt der grösste Gegner des Zionismus, der „American Israelite", dass das Interesse für die Bewegung gewaltig gewachsen sei, und dass namentlich die Jugend geneigt ist, dem Zionismus thatkräftige Unterstützung zu leihen. Im Februarheft der „Republique de demain" spricht Henri Gaillard über die Judenfrage. Sein letztes Capitel ist dem Zionismus gewidmet, den er als die einzige Rettung des jüdischen Volkes bezeichnet. Eine der letzten Nummern des in Baltimore erscheinenden Blattes .Jewish Comment" enthält einen interessanten Artikel aus der Feder Lewis Dembitz" über „Jüdische Autonomie". Es wird der Plan erörtert, es solle die „Jüdische Colonialbank" als englischer Unterthan ein autonomes Staatengebilde in der Türkei begründen. Man würde sie (die Bank) jedenfalls in anderer Weise behandeln, als irgendeinen in der Türkei wohnenden Fremden, der nicht im Besitze von Vertheidigungsmitteln ist.

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