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Die Welt · 1900-03-09 · 10 (9.3.1900) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
10 (9.3.1900)
Article
[Ohne Titel] / Jüdische Kolonialbank <Direktion>
Date
1900-03-09
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 10 »Die Welt" Seite 9 in London zu leisten. Die Bestätigung erfolgt dann ebenfalls von London. Alle anderen Subseribenten aber, welche bisher ihre Allotementbriefe noch nicht erhalten haben, mögen dieselben an der Stelle (Bankstellen, Vereine, Vertrauensmänner) reclamieren, wo sie subscribiert haben. Das Directorium der -Jüdischen Coloniulbank-'. London E. C 49 Leadenhall street. Bilder aus dem Assimilantenleben. Von R. K. (S.) V. Sein Stolz! „Mich harn de Lait scho oft für'n Christen gehalten —" „Ah! Dich für einen Christen?!!~ „Nuna! D i c h wer'n se für an Christen halten! Hast* sich was eingebild't!" „Du glaubst das nicht? — Mein Ehrenwort! — Ich bin auch schon oft für einen Christen angesehen worden. — Erst neulich, im Eisenbahn-Coupe. Da hat mein Gegenüber zu mir gesagt: Alle Juden sind feige Lausbuben. Wenn ich irgendwo einem gegenüberstehe oder gegenüber zu sitzen komme, möcht' ich ihm am liebsten gleich 'ne Ohrfeige herunterhauen! Er hat mir aber keine Ohrfeige gegeben!- Tribüne. Ueber 100 jüdische Arbeiterfamilien in Bukarest haben uns die folgende herzbewegliche Zuschrift eingesandt, auf die wir hiermit die Aufmerksamkeit unserer Leser lenken. Die RedactioD. Wohl allenthalben in der jüdischen Welt ist es bekannt, wie schwer die Juden in Rumänien um ihre Existenz zu kämpfen haben. Jede Möglichkeit zur menschenwürdigen Fristung ihres Daseins wird ihnen nach und nach entzogen. Nun fängt man bereits an. uns armen Arbeitern das einzige zu nehmen, was uns kümmerlichen Lebensunterhalt gewähren kann: die Arbeitsgelegenheit. Seit sechs Monaten bekommen wir mehr keine Arbeit, man sagt uns cynisch, die Fremden brauchten nicht zu arbeiten. Auch Christen, die keine rumänischen Staatsbürger sind, werden von jeder Arbeit ausgeschlossen, aber was hilft uns das? Die fremden christlichen Arbeiter können sich schon irgendwie behelfen, wir aber stehen ganz hilflos und verlassen da. Niemand unterstützt uns in unserem schrecklichen Kampfe um das tägliche Brot für unsere darbenden Frauen und Kinder. Wir Arbeiter kommen täglich zusammen und berathschlagen über unsere trostlose Lage. Aber wir sind viel zu schwach, uns gegenseitig zu helfen. Frühmorgens gehen wir nach Brot aus, aber umsonst: Wenn wir spät am Abend heimkehren, können wir unseren schreienden Kindern, unseren still leidenden Frauen nichts geben, als Vertröstungen auf den nächsten Tag. Diejenigen unter uns. die noch etwas erspartes Geld haben, wandern massenhaft nach Amerika und Anatolien aus. Wir Aermsten der Armen entbehren auch dieses äussersten Auskunftsmittels. Die meisten von uns verzweifeln an jeder Hilfe. Rathen Sie uns, verehrte Herren, wie wir dem Hungertode entgehen sollen . . . Die Zuschrift ist von G5 Spenglern, 21 Anstreichern und 17 Tischlern und Maurern unterzeichnet. Amsterdam, 2S. Februar li>00. Werte Gesinnungsgenossen! Der südafrikanische Krieg hat in Holland viele Opfer gefordert. Viele hunderte von Diamantschleifern, grösstentheils Juden, verkommen vor Hunger und Elend. Stadt- und Landgenossen leisten ihnen nach Kräften Hilfe. Allein das genügt nicht. Die Noth wächst von Tag zu Tag. und die Mittel der Wohlthäter sind ihr nicht gewachsen. Wir richten an unsere Gesinnungsgenossen die Bitte, uns in unserer Hilfsaction mit Beiträgen zu unterstützen. Jede Gabe ist Z'doko, Wohlfhätigkeit — jede Gabe ist auch eine Agitation für unsere heilige Sache. Die eingelaufenen Spenden werden veröffentlicht werden. Der Vorstand des .Niederländischen Zionistenbundes" : Isidore Hen. Schriftführer. Sendungen nimmt entgegen : „Der Nederlandsche Zionistenbond. Plantage Doklaan ('», Amsterdam. Holland", oder Isidore Hen, Amsterdam. * . * In Nr. G unseres Blattes. Rubrik „Tribüne". 15. Zeile von oben, soll es anstatt Dr. Klein richtig D. Klein heissen. Weltchronik. Max Nordau über seine Mutter. Der Zionistenverein zu Orscha in Russland hat an Dr. Max Nordau anlässlich des Ablebens seiner Mutter ein Beileidsschreiben gerichtet, das Dr. Max Nordau mit folgendem Briefe beantwortete : „Ich kann ohne Uebertreibung sagen, dass unser Volk in meiner unglücklichen Mutter eine seiner besten, frommsten und treuesten Töchter verloren hat. Wenn ich mich als Jude fühle, wenn ich meiner Rasse ergeben bin, so verdanke ich es ausschliesslich meiner Mutter. Und wenn ich immerwährend meinem Volke dienen werde, so ist es in erster Reihe deshalb, um in meinem Bewusstsein das gesegnete Andenken meiner alten Mutter zu ehren." Ein Naturprediger. Die Breslauer Strafkammer verurtheilte den bekannten Naturprediger Schriftsteller Johannes G u 11 z e i t aus Loschwitz bei Dresden wegen Beschimpfung der jüdischen Rpligionsgenossenschaft durch einen im hiesigen freireligiösen Verein über das Alte Testament in Beziehung auf Bildung und Sittlichkeit gehaltenen Vortrag zu drei Monaten Gefängnis. Der letzte Präfect. In Rouen starb in diesen Tagen der letzte j üdisc Ii e Präfect Frankreichs. Em est H e n d 1 e, der frühere Präfect des unteren Seine-Kreises, im Alter von (50 Jahren. Hen die war ein begeisterter Republikaner, der sich bei allen Bevölkerungsclassen des grössten Ansehens erfreute, der aber auch an allen die Juden Frankreichs betreffenden Angelegenheiten den wärmsten Antheil nahm. Er war durch seine Gattin, deren Vater gleichfalls Präfect gewesen war, in verwandtschaftliche Beziehung zu dem bekannten Philanthropen Albert Cohn getreten. Die Leichenfeier für H e n d 1 e, die ihm von der Stadt Rouen bereitet wurde, fand in der Präfectur statt. Es hielten hierbei neben dem Grossrabbiner Zadok Kahn aus Paris mehrere Senatoren und Maires ehrende Nachrufe. Die Leiche Hen dl es wurde nach Paris geschafft, wo sie unter ungewöhnlich grosser Betheiligung beigesetzt wurde. Mit der Reitpeitsche. Ein antisemitischer Amtsrichter hatte sich in Siegen vor dem Schöffengericht zu verantworten. Der Amtsrichter Freese in Laasphe, Führer der Stöckerianer daselbst, hatte im Wirtshause bei einer Besprechung der Bibel Variationen des Stadtverordneten Preuss in Berlin laut zu seinem Nachbar gesagt: „Die Juden werden nachgerade so unverschämt, dass man gut thut, ihnen mit der Reitpeitsche zuleibe zu gehen!~ Der an einem anderen Tische sitzende jüdische Geschäftsreisende Kanter trat an den Tisch des Amtsrichters mit den Worten : „Wie kommen Sie dazu, sich in solcher Weise übei die Juden zu äussern, zumal Sie Amtsrichter sind?" Statt einer Entschuldigung beschied Freese den Kanter unhöflich und rief schliesslich den Wirt herbei, damit er

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