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Die Welt · 1900-03-02 · 9 (2.3.1900) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
9 (2.3.1900)
Article
Berlin [Nachricht] / y. m.
Date
1900-03-02
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 »Die j£ Welt" Nr. 9 der Verein die Gewinnung von circa 70 neuen Mitgliedern zu verzeichnen. Demnächst findet eine zweite Versammlung statt. y. m. Braila. Samstag den 17. Februar 1900 hielt Herr Isak Agent im Lesevereine „Zion" einen Vortrag über: „Die praktische Schule". Der geistreiche Vortrag fand lebhaften Beifall. — Sonntag den IS. Februar fand im Saale des Lesevereines „Zion" eine Generalversammlung des Frauen- und Mädchen-Verein es „Judith" statt. Die Versammlung wurde mit einer kurzen Ansprache der Frau Rozia Elim an n eröffnet, worauf Fräulein Ella Herscovici über: „Die jüdische Frau und der Zionismus" referierte. Es wurden sodann Neuwahlen des Comites vorgenommen, die folgendes Ergebnis hatten: Frau Laura Strauss, Ehren-Präsidentin, Frau Rozia E11 m a n n, Präsidentin, Frau Mina Mo sc ovitz und Frau Jetty Rapaport, Vicepräsidentinnen, Frl. Ella Herscovici und Frl. Kunigunde P r i a 1 n i k, Secretärinnen, Frau Dr. Maria To ff. Cassierin, Frau Lehrer Daniel, Controlorin, und Frl. Ida Agent, Frau Fanny D i n e r m a n n, Frau E k s t e i n, Frau "Clara F i s c h 1, Fraü Eva Itzkowitz. Frau Jetty Kitzes, Frau Redelmann, Fiau Johanna Som m e r und Frl. Sommer, Comite- Mitglieder. — Die Versammlung schloss mit einer Vorlesung des Herrn B. Scharrer. Derselbe las „Jörn Kippur im Walde" von Th. Z 1 o c i s t i und „Heimat in'der Fremde" von M o s e n t h a 1 in ausgezeichneter Weise. Zeitschriftenrundschau. „Rasaritul", in einer seiner letzten Nummern die Lage der Juden am Ausgange des 19. Jahrhunderts besprechend, bemerkt unter anderem: „Der Zionismus hat unleugbar einen bedeutenden Fortschritt zu verzeichnen, namentlich in Rumänien, wo die fortdauernden Verfolgungen die •luden zwingen, dieser unhaltbaren Situation ein Ende zu machen." Die Uebertritte zum Christenthum besprechend, meint das Blatt, so bedauerlich die Thatsache an sich auch sei, so hat sie doch den Vortheil, das Judenthum von zweifelhaften und minderwertigen Elementen zu befreien. „Egalitatea", das gleiche Thema variierend, meint, dass die durch die Taufe herbeigeführte Lösung keine Lösung sei. Denn würden die Juden in grossen Massen übertreten und den versprochenen Lohn einheimsen wollen, dann würde sich bald ein anderer Grund finden, um sie systematisch von jenen Stellen fernzuhalten, die sie nur durch die Taufe zu erhalten in der Lage sind: Die letzte Nummer des „Echo Sioniste" enthält jüdische und zionistische Nachrichten aus allen Theilen der Welt, sowie viele lesenswerte Artikel. In der „Hazefirah" veröffentlicht Ch. D. Hur w i t z eine Artikelserie über „Zionismus vom national-ökonomischen Standpunkte". In der Einleitung informiert der Artikelschreibe]- den Leser über die materialistische Weltanschauung und den Einfluss des Materialismus auf die Entwicklung des Menschen. Der Artikel verspricht hochinteressant und belehrend zu werden. Das im Decemberhefte des „Hebrew Union College Journal" veröffentlichte Symposium über den Zionismus wird von folgender redactioneilen Note begleitet: Wir haben im Zionismus ein Phänomen vor uns, das im Verlaufe der Jahrhunderte verschiedene Phasen durchgemacht hat. In der Regel weisen derartige sporadische nationale Gefühlsausbrüche auf ein tiefliegendes inneres Bewusstsein hin . . . Die verstreuten Ueberbleibsel von allen vier Enden der Erde zu sammeln und ein aus deutschen, amerikanischen, russischen und algerischen Juden bestehendes Conglomerat in einem homogenen Ganzen zu vereinigen, ist keine leichte Sache. Das sind indes Fragen der Politik und der Opportunität, über die jeder sich aussprechen mag, nachdem die Juden der ganzen Welt über den Zionismus ihre Meinung geäussert haben werden. Zunächst möge die grosse Mehrheit ihre moralische Zustimmung geben, alles weitere ist Nebensache." In einer Correspondenz aus Rumänien im „Echo Sioniste" wird vor einem Unternehmen gewarnt, das unter zionistischer Flagge segelt und zur Auswanderung nach Anatolien räth. Die zionistische Presse — namentlich die rumänische — sollte mit Nachdruck gegen diese neue Art von Fälschung auftreten. Eine redactionelle Erklärung des „Hebrew Union College Journal" in der Jänner-Nummer besagt, dass der Zionismus Thatsachen zutage gefördert habe, die nicht mehr todtgeschwiegen werden können. Denn die Annahme des zionistischen Programmes von Seiten so vieler über die ganze Erde zerstreuter Juden verleiht demselben eine gewisse Berechtigung und Stärke. Ob wir die zionistishen Lehren ganz oder theilweise acceptieren, können wir doch die fundamentalen Wahrheiten nicht leugnen, die der ganzen Bewegung zugrunde liegen. Auch Nr. 16 der von unserem ausgezeichneten Gesinnungsgenossen W. Schur in Chicago herausgegebenen hebräischen Wochenschrift „Hatchiah" weist einen sehr interessanten Inhalt auf. Besonders reichhaltig ist der zionistische Theil dieser Wochenschrift. Man sieht, dass das Blatt stets eifrig bestrebt ist, seine Leser über alle Vorgänge im zionistischen Lager au fait zu erhalten. Die anderenjüdischen Blätter Amerikas könnten sich „Hatchiah" in dieser Beziehung zum Muster dienen lassen. Unseren hebräisch lesenden Gesinnungsgenossen aber sei das Blatt hierdurch neuerdings bestens empfohlen. Nahezu sämmtliche jüdische Blätter Nordamerikas brachten in ihren December - Nummern „Neujahrs"- Artikel, in denen selbstverständlich in erster Linie das Verhältnis der Juden Amerikas zu ihren Mitbürgern anderer Confessionen zum Ausdrucke gelangte. Und da die jüdischamerikanische Presse auch unter Nichtjuden zahlreiche Leser hat, fehlte es auch nicht an Glückwunsch-Artikeln, wie sonst nur aus Anlass des Rosch-haschono zu findem Kurz und bündig schreibt „Jewish Voice" von St. Louis: „Möge das Jahr 1S)00 den Menschen Frieden bringen, die Juden eingeschlossen." „Woschod" enthält in einer seiner letzten Nummern zwei Artikel über den Zionismus. In dem einem hebt der Verfasser hervor, dass die Bewegung von vielen missverstanden wird, dass der Zionismus nicht dahin strebt, alle Juden nach Palästina zu führen und dass dieses nicht oft genug gesagt werden könne. Bücherwelt. F. H. Wettstein und S. J. Halberstamm. Zur Biographie Rapoports. Krakau. Verlag von A. Fausts Buchhandlung, Krakau 1900 (hebr). Eine etwas scharfe aber in vielen Punkten nicht ungerechte Kritik der im vorigen Jahre erschienenen Biographie Rapoports von Bernfeld. Auch uns scheint die Bernfeld"sehe Arbeit an einem Uebermasse von Objectivität und dem Bestreben allen Erscheinungen historisch gerecht zu werden, zu leiden. Zu starke Objectivität hört eben auf Objectivität zu sein. Gleichwohl können wir das harte Urtheil Wettsteins nicht theilen. Das Werk Bernfelds zeichnet sich durch Form und Auffassung vor den bis nun in der hebräischen Literatur üblichen superlativistisch gehaltenen Lebensbeschreibungen vortheilhaft aus. Die Berichtigungen und Ergänzungen des Verfassers sind genau und exaet gehalten und liefern einen werthvollen Beiträg zur Biographie Rapoports. B. W. Assimilation oder Organisation. Von Rabbiner Dr. Bernhard Templer. Selbstverlag. In der Broschüre tritt der Verfasser mitWärme für den Gedanken des Nationaljudenthums ein. Gegen die Assimilation werden eine Reihe treffender Argumente ins Feld geführt. Unter Berufung auf zahlreiche Bibelstellen richtet der Verfasser an die Juden den Appell, im Wege eines einigen Vorgehens die Judenfrage in nationalem Sinne zu lösen. Feuilleton. Für und Wider. „Warum so bestürzt, Herr Müller?" Herr Müller legte das Abendblatt aus der Hand und sagte tonlos: „Cronjehat capituliert." Auf den Mienen der beiden Herren, die mit Herrn Müller an dem Marmortische neben dem Billard sassen, spiegelte sich aufrichtige Theilnahme. „Aber eigentlich sollten Sie sich doch freuen, Herr Müller, Sie waren doch immer englandfreundlich." Herr Müller machte eine abwehrende Handbewegung: „Lieber Herr Schmidt, man ändert seine Ansichten. Sehen Sie, diese Heldenleistung des Cronje — —" „Ja," bemerkte der dritte Herr, „es ist etwas Phänomenales. Fast zwei Wochen lang in so einer Mördergrube zu sitzen, sich von allen Seiten mit einem Eisenhagel überschütten zu lassen, ich wüsste nicht, ob ich den Muth

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