Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 9 (2.3.1900)
- Article
- Wien [Nachricht] / E. L.
- Date
- 1900-03-02
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 9 „Die s£ Welt" Seite 11 bedarf. Als Beweis hierfür diene Ungarn, das jetzt Industrie- und HandeJsstaat werden will. In Deutschland sei der wirtschaftliche Antisemitismus jetzt etwas zurückgegangen, weil das Land noch unmittelbar nach einem enormen Aufschwünge stehe, der die Wohlhabenheit der Gesammtheit steigert, und weil Deutschland an und für sich eine nur geringe jüdische Proletarier-Bevölkerung besitze. Bei Zusammenfassung aller Betrachtungen des jüdischen Wirtschaftslebens muss sich für jeden objectiven Beobachter die Erkenntnis ergeben, dass die ökonomische Lage des Judenthums allein den Zionismus nothwendig und unentbehrlich macht, soll nicht der gesammte jüdische Mittel- und A r b e i t e r s t a n d nach und nach ins Bettelproletariat gedrängt werden. — In der auf das Referat folgenden Discussion sprachen noch die Herren Schapira, Jacques Hollitscher, Lewins o h n. Herr Dr. Awinowitzky aus R u s s 1 a n d gab seinem innigen Bedauern darüber Ausdruck, dass es in Wien nothwendig sei, die Stammesgenossen zuerst zu Juden zu machen, ehe dieselben für den Zionismus gewonnen werden können. Herr Egon L e d e r e r replicierte auf die Behauptung des Herrn Lewinsohn, „dieStellungnahme des Abgeordneten Bern er zu den Excessen von Holleschau und Wsetin sei nur eine ganz individuelle und nicht Ausdruck der Parteiansicht gewesen". Die Versammlung schloss erst gegen Mitternacht. E. L. Wien. (Jüdisch-akademische Verbindung „Maccabäa".) Die am 22. v. M. stattgehabten Chargen - wählen für das Sommersemester l'.lOO ergaben folgendes Resultat: Präses: stud. mech. Samuel J ungmann, Vic<>- Präses: stud. arch. Adolf S i 6 d m a k, Schriftführer: stud. ing. Alfred Hochstimm. Wien. In dem am 20. v. M. stattgehabten Wahlconvent der jüdisch-akademischen Verbindung „Unitas" wurden für das Sommer-Semester 1900 gewählt: Zum Präses med. Gabriel W o 1 f, zum Vicepräses ing. Gustav Quittner. zum Schriftführer med. Philipp S c h ö n w a 1 d. Wien. Die Ortsgruppe „Wieden-Margarethen" veranstaltet Dienstag den 6. März a. c. in den Sälen des Hotel ^Goldenes Kreuz", VI., Mariahilferstrasse 99, anlässlich des Jahrestages ihrer Gründung eine Akademie mit Tanzkränzchen unter Mitwirkung des Frl. R o s e" e vom k. k. Burgtheater, Herrn V o 1 k e 1 vom k. k. priv. Carl- Theater etc. Die Festrede hält Herr Schriftsteller York- Steiner, ferner kommen lebende Bilder (Unsere Colonien in Palästina) zur Vorführung. Die Ballmusik besorgt die verstärkte Salonkapelle Herlinger. Die Einladungen erfolgen von einem grossen Damen- und Herren-Comite aus den besten Kreisen unseres Bezirkes. Eine originelle Damenspende wird eine bleibende Erinnerung an diesen voraussichtlich schönen Abend bilden. Karten zu diesem Feste sind zu haben: Bei allen Comitemitgliedern, im Terassen-Cafe, V., Margarethen-Hof: in der Redaction der „Welt", und zwar Familienkarten ä K. 4.—, an der Cassa ä 5 K.—, Einzelkarten a K. 1.60, an der Cassa K. 2.— Wien. Sonntag den 18. Februar sprach Herr Paul L ö b 1 im Vereine jüdischer Mädchen „Hadassa" über „Palästina" nnd fand durch seine interessante, mit warmer Empfindung geschilderte Darstellung der dortigen Zustände, hauptsächlich in den jüdischen Colonien. lebhaften Beifall. — Herr Doctor L. Sofer hält Sonntag den 4. März, 4 Uhr nachmittags, im Vereinsiocale II-, Gredlergasse 9 (vis-ä-vis der Fruchtbörse), einen Vortrag: „Nietzsche und die Frauen". Gäste sind herzlich willkommen. Wien. Der Zionistische Frauenverein hielt am 25. v. M. seine erste Wanderversammlung in L ö b 1 s Restauration im VI. Bezirke ab. Frau Dr. Kahn, die unermüdlich für die zionistische Frauenbewegung wirkende Präsidentin des Vereines, eröffnete die Versammlung, indem sie die Ziele, welche der Verein sich gestellt, mit einigen treffenden Worten auseinandersetzte und die anwesenden Damen zum Beitritte einlud. Herr Primarius Dr. Kornfeld hob in seinem Vortrage: „Jüdische Lebens- und Weltanschauung" hervor, welche Rolle die jüdischen Frauen durch die ganze Geschichte unseres Volkes hindurch spielten. Der Redner erzielte mit seinen Ausführungen Beifall und Anerkennung der Anwesenden. — An den Vortrag schloss sich eine Discussion, in der zunächst Herr K o 1 i s c h den Krakauer Mädchenraub erörterte. Es sprachen später noch die Herren Dr. W e i s 1, Dr. Kahn, Sternberg und Berliner. Der Verlauf des Abends war sehr animiert. Bielitz. (Jüdischer Turnverein.) Ein anerkennenswertes Ergebnis zionistischer Thätigkeit ist die in den letzten Tagen erfolgte Gründung eines jüdischen Turnvereines. Die liebenswürdige Aufnahme, die dieser Verein unter der jüdischen Bevölkerung hier findet, lässt ein Gedeihen des Vereines erwarten, und es ist zu hoffen, dass auch diejenigen Herren, die dem — in puncto u n t e r s t ü t z e n d e r Juden — „liberal" sich nennenden deutschen Turnverein angehören, ihre Subvention von nun an dem jüdischen Turnvereine zuwenden werden. Die constituierende Versammlung, an der auch die D a m e n d a s W a h 1 r e c h t h a 11 e n,' verlief sehr animiert und wurden die Herren: J. Goldberg, Schuldirector, als Obmann, Dr. S t e c k 1 Obmannstellvertreter, Sonderling und Huppertals Schriftführer, Richter und H o f m a n n als Geräthemeister, Polaczek und Gold wurm als Cassiere gewählt. Wir wünschen dem jungen Vereine, er möge seinen segensreichen Wirkungskreis mit Erfolg ausfüllen und ein Sammelpunkt für die jüdische Jugend werden. —ff. Graz. Am 10. Februar 1900 sprach im Vereine „Zion" Se. Ehrw. Herr Dr. Emanuel Schwarz aus E g e r übor das Thema „Ein nationaler Dichter" in Gegenwart von ca. 300 Personen. Mit meisterlicher Kraft stellte der Vortragende die Gestalt Jehuda Halevys aus seinerzeit heraus plastisch dar, indem er seinem Hörerkreise Einblick gewährte in das jüdische Geistesleben des maurischen Spanien. Der brausende Beifall, der den Schluss der Rede begleitete, mag dem Vortragenden zur Genüge die Erkenntlichkeit seines Auditoriums erwiesen haben. Bei,dem Bankette, das dem Vortrage folgte, feierten Herr Dr. Weiss, der den Abend mit einer Rede über „Nationale Kunst" eröffnet hatte, sodann die Herren Ernst Maie r und Ing. Rosenstock den ehrwürdigen Gast. Und wieder erbrauste ein Beifallssturm, als unser Vereinsquartett, das die Herren Dorn und Goldberg er mit Bravour schulten, mit herrlicher Tonfülle Brülls Psalmcomposition zum Vortrage brachte. Als der Abend schloss. war man darüber einig, dass die Idee der jüdischen Renaissance auch in der isolierten Alpenstadt Graz viele Anhänger zähle. K—r. Czernowitz. Dieser Tage fand in einem Saale der jüdischen Volksschule eine vom Abgeordneten Dr. Straucher einberufene Vertrauensmänner - Versammlung statt. Die zionistische Colonie war ziemlich stark vertreten. Etwa zehn Zionisten standen zehn Indifferente und weitere zehn Antizionisten gegenüber. Gegenstand der Berathung bildete ein über Ersuchen des Herrn Dr. Straucher von unserem Gesinnungsgenossen Dr. Ebner ausgearbeiteter Entwurf eines Statuts für den zu gründenden „Judenbund", beziehungsweise für den Landesverband Bukowina dieses Bundes. Dr. Straucher trat mit grosser Wärme für die Begründung des Verbandes ein, während Dr. M e n c z e 1 in fast einstündiger Rede die abweichende Meinung, beziehungsweise die Forderungen der Zionisten präcisierte. Dr. M e nczel trat dafür ein, dass im Anschlüsse an die zionistischen Ortsgruppen in der Bukowina grosse Volksbildungsvereine gebildet werden, welche die Grundlage der zu schaffenden Organisation, welche von unten nach oben vor sich zu gehen habe, bilden soll. Es entspann sich eine sehr lebhafte Debatte, in welcher auch über den Zionismus als solchen discutiert wurde. Unsere hiesigen Führer bewährten sich neuerdings als schneidige Debatter, und man kann ohne Ueberhebung sagen, dass der Sieg auf zionistischer Seite war. Auch im Meritorischen gieng der Antrag des Dr. Menczel mit der Modifikation durch, dass ein aus fünf Herren (Dr. Straucher, Dr. Menczel, Dr. Ebner, Lazar Roth und Adolf Kommer) bestehendes Comite eingesetzt wurde, das den erwähnten Organisations-Entwurf nochmals berathen soll: die Zionisten hoffen, den Antrag des Dr. Menczel vor der grösseren Versammlung, die demnächst stattfinden soll, und an der etwa 400-500 angesehene Bürger theilnehmen werden, durchzubringen. Berlin. Die im vorigen Jahre bereits vielfach angeregte Idee,. einen zionistischen Frauenverein zu begründen, hat endlich greifbare Gestalt angenommen. Um die Constituierung dieses Vereines zu beschleunigen, versammelten sich am IS. December zehn Damen bei Frl. Tauber. In dieser kleinen Sitzung wurde der Beschluss gefasst, einen öffentlichen Vortragsabend zur Werbung weiterer Mitglieder zu veranstalten. Am -22. Jänner fand auch in den Räumen des „Münchener Hof* eine von circa 350 Personen besuchte Versammlung statt, in der Herr Martin Buber einen glänzenden Vortrag hielt. Nach Schluss des Vortrages eröffnete Frl. Lina B ergmann mit einer auf die idealen Ziele des Vereines hinweisenden Ansprache die Discussion. Hierauf sprach Frl. Lina Tauber. Ihre Ausführungen fanden vielen Beifall. Dank dem Vortragenden und den beiden Vorsitzenden, Frl. Tauber und Bergmann, hat