Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1900-03-02 · 9 (2.3.1900) · p. 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
9 (2.3.1900)
Article
Antisemitica in England
Date
1900-03-02
Page
9 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315850-3315861-3367139--18205-3367253
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 9 ,Die & Welt" Seite 9 in einer Weise, dass man es neulich wagen konnte, zu annoncieren: „Wegen des jüdischen Versöhnungstages fallt im ,Music-Hall' die Vorstellung aus", und der unglaubliche Fall ereignete sich, dass die Effectenbörse an diesem Tage geschlossen blieb. An die Aufzählung dieser Thatsachen reihen sich die Namen der jüdischen Firmen an und die Capitalien, mit denen sie arbeiten; zum Schluss der Ausspruch: „Wir schlagen uns für eine internationale Oligarchie von Minenbesitzern und „Macht" - Speculanten in Prätoria." Zweites Capitel: Die rhodesianische Zeitungspresse. Darin wird die schlimmste und grösste Gefahr für das Land gefunden. „Das Land ist jüdischen und christlichen Finanzmännern ausgeliefert. Die ganze rhodesianische Presse stellt sich eigentlich nur als eine Anzahl finanzieller Circularo dar, die im Auftrag Lügen verbreiten. Sie sind eine Schmach für die ehrliche Journalistik, unsagbar niedrig an Gesinnung, ohne Scrupel, eine Pest, gegen die es nur ein Mittel gibt: kein Wort von dem zu glauben, was sie schreibt." Aber diese Presse befindet sich auch in London. „Daily Telegraph", „Daily News", „Financial News", alle jingoistisch im Tone und in den Händen von Juden. Wenn man in einer Zeitung in Kimberley oder Johannesburg liest, wie ein „Patriot" seiner „Entrüstung" Ausdruck verleiht, dann ist es sicher nur im Auftrage auswärtiger Juden-Cliquen, die in Südafrika dominieren und von denen wir Esel uns in einen Krieg haben treiben lassen. „Für wen führen wir den Krieg?- „Wir fechten, um die Weissen im „Rand" zu verdrängen. Mr. Fitzpatrick, der ein von Rothschilds Schwiegersohn, Lord Roseberry, „gesegnetes" Buch geschrieben, wird als der specielle Vertheidiger der „Uitlander" betrachtet.- Und nun werden alle die verschiedenen Unternehmungen, Eisenbahnconcessionen, Minen- und Dynamit-Monopole etc. aufgezählt, welche eine unversiegbare Quelle des Reichthums bilden für die verschiedenen Industrien, aber eine indirecte Steuer von mindestens 21/, Millionen Pfund Sterling bedeuten. „Diese Millionäre sind aber damit nicht zufrieden, sie verlangen mehr. Und darum der Krieg!" — —--— — — Unsere Leser werden genug haben von diesem neuesten Presserzeugnisse, zu dessen Verbreitung man sich eines Blattes mit einer täglichen Auflage von 350.000 bedient. B. Personalnachricht. Am 2i. Februar verschied in W ien die Gattin unseres Gesinnungsgenossen Herrn Dr. K. Rebner. Correspondenzen. Deutschland. Leipzig. Die hiesigen Zio nisten hielten dieser Tage im „Eldorado" eine von etwa 200 Personen besuchte Versammlung unter Leitung des Herrn Wiener ab. in der Herr Dr. Z l o c i s t i einen Vortrag über die „Ethik des Zionismushielt. Der Redner verbreitete sich dabei über die ethischen Ziele des Zionismus. Dieser verwerfe Falschheit gegen das Volk, in dessen Mitte man lebe, er fordere nationales Empfinden, Stärkung der eigenen Verantwortlichkeit. Der Zionismus pflege das sociale Empfinden und vor allem arbeite er selbstlos für die Nachkommen, denen er das Land der Väter zum Vaterlande bereiten wolle. Hierauf hielt Herr M. Buber einen Vortrag über die bisherigen Erfolge des Zionismus. Er wies auf die drei in Basel abgehaltenen Zionistencongresse hin, die die Arbeiten des Zionismus ganz wesentlich gefördert hätten. In fast allen Staaten der Erde habe der Zionismus Fuss gefasst, er wirke für Verbreitung der hebräischen Sprache und Literatur, er unterstütze wisssenschaftliche Anstalten und Institute, erziehe die Jugend des jüdischen Volkes für die Volkssache, gründe Studentenverbindungen und habe eine jüdische Colonialbank geschaffen. In der sehr lebhaften Debatte traten die Sympathien der Leipziger jüdischen Intelligenz für den Zionismus zutage, obschon sich einige Redner nicht mit allem, was der Zionismus erstrebe, einverstanden erklärten. Köln. Febr. Der Verein „Ibria". dessen erstrebenswerte und schöne Aufgabe es ist, das jüdische Selbstbewusstsein in der heranwachsenden Jugend zu wecken und jüdische Geselligkeit zu pflegen, veranstaltet im Laufe des Wintercyklus eine Reihe von Vorträgen. Hierzu haben in uneigennützigster und liebenswürdigster Weise einige Herren ihre Mitwirkung zugesagt. Nachdem am 21.December 1*00 die Vortragsabende mit einem mit grossem Beifall aufgenommen Vortrage des Herrn Prediger Salomon aus ^Iserlohn über rZweck und Wert einer jüdischen Geselligkeit" eröffnet worden waren, sprachen am 28. Deceinber ISO!) gelegentlich der Heine-Feier Herr Samuel Dünner aus Köln über des Dichters „Rabbi von Bacharach", ferner am 1-. Jänner 10uo Herr Berg er aus Köln über „Heine als Nationaljude", am 11. Jänner Herr Prediger Fried l ander aus Düren über „Verkehr zwischen Juden und Christen", um 1*. Jänner- Herr Rabbiner Dr. Grabowski aus Barmen über „Lose Blätter aus der Geschichte' dos Judenthums". am 25. Jänner Herr Redaeteur Brisch aus Köln über „Die rheinischen Juden des Mittelalters", am s. Februar Herr Rabb. Dr. Cohn aus Bonn über „Würde und Anmuth der hebräischen Sprache", am 15. Februar Herr Hugo H e umannaus Köln über „Cremieux*. Am 22. Kebruar Herr Dr. Klee aus Bonn über „FlaviasJosephus. ein römischer Staatsbürger jüdischer Re ligion", am 20. Februar wird Herr Rabbinats-Candidat Marcus aus Köln <Thema vorbehalten), am 7. März Herr Rabbiner Dr. Nobel aus Köln (Thema vorbehalten) sprechen. Am 17. März findet eine grosse Purimfeier (Festredner Herr Prediger Salomon aus Iserlohn) statt. Am 22. März wird Herr Refendar Weyl aus Viersen über „Sabbatai Zewi". endlich am 20. März Herr Rabbiner Dr. R ü 1 f aus Bonn über den „grossen Ungenannten" sprechen. — Es wäre wünschenswert, dass Vereine mit solch edlem Streben auch in anderen Gemeinden entstünden. S. D. Halberstadt. (Orig.-Corr.) Herr Rabbiner Salomon Cohn, ein .geschätzter Gesinnungsgenosse, der die zionistische Idee in unserer Stadt" mit vielem Eifer propagiert, feiorte kürzlich seinen 7<>. Geburtstag. Aus diesem Anlasse erhielt er von seinen zahlreichen Verehrern und Schülern aus allen Weltgegenden Zeichen inniger Wertschätzung und Liebe. Rabbiner Cohn zählt zu den ersten Capacitäten Deutschlands auf tulmudischem Gebiete. — Welche Früchte der Blutaberwitz auch hier in Deutschland zeitigt, davon weiss ein hiesiger Jude, ein braver Handwerksmann, ein schönes Geschichtchen zu erzählen. Als dieser jüdische Handwerker nämlich einen 7—Sjährigen Strassenjungen, der vor seinem Laden allerlei Allotria trieb, zur Ruhe verwies, bekam er von ihm die Antwort zuhören : „W i 11 s t mich wohl Schächten, .lud'■ . . Man kann sich die Verblüffung des armen Juden vorstellen, als er von dem Schlingel diese Antwort bekam. Zum Glücke wurden die Worte des Strassenbuben von niemandem ernst genommen. Aber welches Unheil kann durch derlei Aeusserungen für die Juden erwachsen! Zum Beispiel in einem kleineren Städtchen mit einer ungebildeten Bevölkerung. Wir haben's ja erst in allerjüngster Zeit in Böhmen zu sehen Gelegenheit gehabt'. B —m. Frankfurt am Main. Im classischen Lande des Antisemitismus ist eine erfreuliche Bewegung in jüdischen Kreisen wahrzunehmen. In Marburg an der Lahn soll im Laufe des Sommers eine Anstalt eröffnet werden, welche den Zweck hat. Kindern die in Marburg die Schule besuchen wollen oder ein Handwerk erlernen wollen, deren Eltern unbemittelt oder minderbemittelt sind, Aufnahme zu gewähren. Die Förderer dieser Anstalt begründen in dem zu versendenden Circulare. dass sie durch Verbreitung der Bildung in den Volkselassen eine Abwehr des Antisemitismus erstreben. Diese Anstalt wird aber auch den Sinn für die jüdische Literatur und Wissenschaft bei der Jugend heben. Sie wird nach streng religiösen Grundsätzen gemacht. In der Reichshauptstadt, in Frankfurt a. M-. Darmstadt, Cassel, Giessen sind Localcomites für das Institut, welches den Namen „Schüler- und Lehrlingsheim * führen wird, gebildet. Denselben gehören Männer aller Parteischattierungen an. Um dieses wuhlthätige Unternehmen haben sich verdient gemacht Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Leo Münk und Geheimer Regierungsrath Prof. H. Cohen. Sie sind für das Zustandekommen unermüdlich thätig. S. F. Schneidemühl. Kürzlich trafen auf dem hiesigen Bahnhofe drei Wagen mit israelitischen Familien

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.