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Die Welt · 1900-03-02 · 9 (2.3.1900) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
9 (2.3.1900)
Article
Amsterdamer Brief
Date
1900-03-02
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 9 „Die & Welt" Seite 7 Der Redner untersuchte nun die verschiedenartigen Gestaltungen der Messias-Idee und stellte die folgenden Thesen auf. Die im Geiste derZions-Lehre lebenden, also orthodoxen Juden seien alle Zionisten. Sie harren aus, handeln aber nicht: ihr Zionismus sei passiv. Diejenigen, deren Leben wohl nicht den jüdischen Gesetzen enstprieht, die aber die gesellschaftliche Lage der unterdrückten und geknechteten Juden zu heben im Begriff sind, seien aber ebenfalls gute Zionisten, ihr Zionismus sei activ, fruchtbringend. Anfang März soll der Niederländische Zionistenbuml ein eigenes Organ herausgeben. Zweiwöchentlich wird nämlich ein bestimmter Kaum vom „Centralblad voor Israeliten in Nederland" für den zionistischen Verein reserviert werden. Schriftstellerisch begabte, in den hiesigen literarischen Kreisen bekannte Zionisten haben schon ihre Mitwirkung zugesagt. Als Mitglied in den Hauptvorstand ist vom Haager Vereine neuerdings Herr J. Kann gewählt worden, so dass der Vorstand des Niederl. Zionistenbundes folgende Männer umfasst: A. van Co 11 ein, Präses, Gerhard Polak. Schatzmeister. J. Kann, A. J. Mendes da C o s t a, Isidore H e n, Schriftführer. Is. Hen. Bilder aus dem Assimilantenleben. Von R. K. (S.) IV. Im Seebad. „Also, auf Wiedersehen, Herr Weiss! Es hat mich sehr gefreut, Sie kennen zu lernen, Herr Weiss, ich besuche Sie bestimmt, sobald ich wieder nach Wien zurückkehre . . . aber Sie haben mir ja noch gar nicht gesagt, wo ich Sie treffe!" „Ich habe — ein--Geschäft — am — — — Salzgries. Ich muss Ihnen aber doch noch ein Geständnis machen. Sie werden's nicht bemerkt haben, ich bin nämlich — ich bin---ich bin ein Israelit. . ." „O, das macht nichts! Im Gegentheil. Das erleichtert mir mein Geständnis. Ich muss Ihnen auch etwas eingestehen. Entschuldigen Sie, dass ich's Ihnen noch nicht gesagt habe, Herr Weiss! Ich habe — ich hab' nämlich --ich hab' einen Buckel. Sie haben es gewiss nicht bemerkt.11 Tribüne. (Für das in dieser Rubrik Publicierte ist die Kedaction nicht verantwortlich.) Smolensky-Feier. Die akademische Verbindung „Kadimah" veranstaltet anlässlich der 15. Wiederkehr des Todestages des grossen neuhebräischen Dichters und Romanschriftstellers Perez Mossie witsch Smolensky Mittwoch, den 7. März 1900, 8 Uhr abends, im'Festsaale des Hotel Continental, IL, Taborstr., eine Erinnerungsfeier. Der Name Perez Mossiewitsch Smolensky ist mit der Regenerationsgeschichte des jüdischen Volkes untrennbar verbunden. Nicht nur ein gottbegnadeter, unsterblicher Dichter, auch ein treuer Sohn seines Volkes war er. Er suchte und fand sein Ideal nicht in fremden Lagern. Sein Leben gehörte seinem unglückliche Volke. In dessen Diens'e lebte und starb er. In allen Orten Russlands, wo Juden wohnen, werden alljährlich Gedenkfeiern begangen. Die ..Kadimah", die mit Stolz den Gefeierten zu ihren Gründern zählt, ehrt sich selbst, wenn sie Smolensky ehrt. Programm. 1. Gaudeamus. 2. Begrüssungsrede des Präses der „Kadimah". 3. B u n d e s 1 i e d der „Kadimah". 4. Festrede, gehalten von Professor Dr. Leon Kellner. 5. »Ein Hauch weht durch die Lande", Männerchor. Worte von Leon Rafaels, componiert von Ignaz Brüll. Dirigent: Herr Josef Königsberger, Dirigent der „Harfe". 6. Recitationen. Herr J. H. Gros s, Oberregisseur des k. k. priv. Theaters in der Josefstadt. — Tgnaz Brüll: „In arabischer Weise". Ciaviervortrag vom Componisten. 7. Lieder, gesungen von Herrn Professor Eduard Gärtner. Ignaz Brüll: a) „Stark wie der Tod ist dio Liebe", aus dem Hohen Liede (Schir Haschirim) : b) „Du wirfst die Angel"; c) „Trinklied", beide nach Gedichten von Jehuda ben Halcvy. S. Rede des Herrn Dr. M. T. S c h n i r e r, Gründungspräses der „Kadimah". D.Lieder, gesungen von Fräulein Rena R o 11stein von der königlichen Hofoper in Berlin. Ciavierbegleitung : Herr Josef Königsberger. Josef Königsb e r g e r : „Wie kommt es nur"? Franz Schubert: „Der Tod und das Mädchen". Robert Franz: „Mein Schätz! hat mi verlassen*. 10. SyrischeTänze. vorgetragen vom Compo nisten Herrn Dr. .H. Schenk er und Herrn M. V i o 1 i n. Festkleid. I. A. d. A. C. J. U. C. Littmann. J. L*. C. Feingold, dz. XXXdz. X- Weltchronik. Die Errichtung eines Schauspielhauses in Jerusalem wird von dem Berliner Componisten Alfred Lenz geplant. Dasselbe soll während der Pilgersaison geöffnet sein und das orientalische, sowie das biblische Drama, namentlich aber die Oper und Operette pflegen. Das Gebäude soll aus leichtem Material aufgeführt werden, nach dem Muster der Bayreuther Oper. Lenz, der türkischer Unterthan, ist, hofft, die Concession der Behörden zu erlangen. Die Financierung soll ein Berliner Consortium übernehmen. Das Judenthum in Australien. Aus S i d n e y wird berichtet : Der hiesige „Jewish Education Board" hielt vor einiger Zeit seine jährliche Generalversammlung ab und konnte einen Bericht entgegennehmen, der nach jeder Richtung hin erfreulich lautete. Die Zahl der Kinder in den jüdischen Schnlen ist auf 520 gestiegen, wovon 2S7 Knaben und 233 Mädchen sind. Die Finanzen stehen gut, das Bankett zugunsten des Fonds hat ein aussergewöhnliches Resultat gegeben. Ein judenfreundlicher Erlass. Wie die in Odessa erscheinende Zeitschrift „Jusnoje Obosrenie" (Südliche Rundschau) meldet, hat der Petersburger dirigierende Senat an die Gouvernements- Verwaltungen einen Erlass gerichtet, wonach diesen Verwaltungen strenge untersagt ist, die von den Handwerker- Zünften jüdischen Handwerkern ausgestellten Zeugnisse zu annullieren, um hierauf die jüdischen Handwerker in das Niederlassungsgebiet auszuweisen. Um zu begreifen, welche Bedeutung dieser Erlass für die jüdischen Handwerker Russlands besitzt, muss darauf hingewiesen werden, dass während der letzten Jahre in den innerrussischen Gouvernements die Praxis eingeführt wurde, die Zeugnisse jüdischer Handwerker zu annullieren und ihnen somit das Wohnrecht ausserhalb der jüdischen Niederlassungsrayons zu nehmen. Durch diese Praxis wurden viele jüdische Familien völlig ruiniert. Der nunmehrige Erlass des Senates hat diesem Uebel ein Ende gemacht. Die „Alliance Israelite Universelle" hat in Smyrna eine jüdische Schule gegründet, die dieser Tage eröffnet wurde. „Hebrew Technical Institute", eine sehr segensreich wirkende jüdische Gewerbeschule in New-York, hat vor kurzem ihren Jahresbericht veröffentlicht Demselben ist zu entnehmen, dass die Anstalt täglich von 175 Zöglingen besuchtist Die Einnahmen betrugen im vorigen Jahre 37.79i-3:i Dollars, die Ausgaben 35.971-60 Dollars.

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