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Die Welt · 1900-02-23 · 8 (23.2.1900) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
8 (23.2.1900)
Article
[Ohne Titel]
Date
1900-02-23
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 ,Die & Welt" Nr. 8 Nach dem letzten Rechenschaftsberichte der „Alliance Israelite Universelle" betragen die Ausgaben der Gesellschaft 1.1S4.S25 Pres. Davon allein für die Schulen im Orient SS0.754 Frcs. Der Ueberschuss beträgt ca. 16.000 Frcs. Der Lordmayor von Belfast, Mr. Jaffe, hat zum Andenken an seine Wahl die gesammte, auf der dortigen Synagoge lastende Schuld zu bezahlen sich bereit erklärt. Vereinsnachrichten, Vereinsnachrichten müssen bis längstens Dienstag in Händen der Redaction sein. Später Einlangendes kann erst in zweitnächster Nummer erscheinen. Wien. Der zionistischeFrauenverein „Wien" hält Samstag den 24. Februar eine Wanderversammlung im Restaurant Löbel, VI., Schmalzhofgasse 10, abends 8 Uhr ab, wobei Herr Primarius Dr. S. Kornfeld einen Vortrag „Ueber jüdische Welt- und Lebensanschauung" hält. Gäste herzlichst willkommen. Wien. Samstag den 17. d. M. sprach Herr Dr. Awinowi tzky aus Russland imLocale der jüdischen Vereinigung „Jordania" über „Zionistische Organi sationen*. Der Redner besprach an der Hand seiner Erfahrungen in ausgezeichneter Weise die Verhältnisse im Wiener Zionismus und gab im Laufe der Discussion höchst interessante Anregungen. Der Vortragende fand am Schlüsse seiner Ausführungen wohlverdienten, lebhaften Beifall. Wien. Im Vereinslocale der jüdischen Vereinigung „Jordania", Verein von Handelsangestellten und Beamten, Wi en, IL, G r e d 1 e r g a s s e 9, findet Samstag den 24. Februar um 8 Uhr abends eine interne Discussion über „Unsere Parteipresse" statt. — Montag den 26. Februar um 8 Uhr abends hält Herr Gemeinderath Lucian Brunner einen Vortrag (mit Discussion) über .Demokratie undJudenthum". Gäste (auch Damen) herzlichst willkommen. Wien. Der Einzelverein „Leopoldstadt-Praterstrasse" des Verbandes „Zion" hält am Sonntag den 25. d. M., halb 10 Uhr vormittags, im Saale des Restaurants Bürgerhof, H, Praterstrasse 66, eine öffentliche, frei zugängliche Versammlung ab mit der Tagesordnung: „Die Wiener Juden und ihre Vertreter in der Cultusgemeinde". Referent: Herr Architekt Oscar Marmorek. In dieser Versammlung wird über die geplante neue Wahlreform der Cultusgemeinde die Meinung der Leopoldstädter Judenschaft zum Ausdrucke gelangen und bildet selbe den Beginn einer Reihe von Versammlungen in verschiedenen Bezirkstheilen. Der Einzelverein „Leopoldstadt-Praterstrasse" gibt ferner bekannt, dass am 1. März a. c. im Vereinslocal desselben, im Cafe „Orient", II., Praterstrasse 66 (reservierter Saal), um halb 9 Uhr abends, seine allmonatliche öffentliche Vereinsversammlung stattfindet, und hat er für eine interessante Tagesordnung Sorge getragen. Der Verein beginnt in nächster Zeit mit der Agitation in anderen Bezirkstheilen und wird ehestens eine grössere Versammlung in der Brigittenau stattfinden. Wien. Im literarischen Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria", IX., Berggasse 22, hielt Frau Institutsvorsteherin T h y 1 o Sonntag, am 11. Februar, einen äusserst interessanten Vortrag über die lyrische Dichterin Johanna Ambrosius und erntete durch ihre wahrhaft fesselnde Auseinandersetzung den lebhaftesten Beifall. Der nächste literarische Nachmittag findet, da die Mitglieder des Vereines mit den Vorbereitungen für das Purimfest beschäftigt sind, erst Sonntag den 11. März statt. Das zu veranstaltende Purimfest wird am 11. März in den Ressource-Sälen abgehalten werden und verspricht infolge der regen Thätigkeit des Vereines, wie immer, recht animiert zu werden. Die Nachfrage nach Karten lässt heute schon ein hübsches Reinerträgnis erwarten. Wien. Zu unserem Berichte in Nr. 7 über den Vereinsabend des Vereines „Fünfhaus" ist noch nachzutragen, dass den Vorsitz bei der Versammlung Herr Dr. Kr enb erger geführt hat. Wien. Zu dem in Nr. 6 veröffentlichten Berichte über den Discussionsabend im „Cafe Orient" wäre noch nachzutragen: In die Debatte griff auch Dr. A wino w it z k y ein, der als Gast der Versammlung beiwohnte. Er hielt eine sehr warme und zum Herzen gehende Rede über die Notwendigkeit des Zionismus. Seine Ausführungen wurden von der Versammlung mit grossem Beifalle aufgenommen. Die „Communalwahlen", die der Bericht erwähnt, sind die jüdischen Cultuswahlen. Wien. Die Ortsgruppen VI., VII. und XV. veranstalten Mittwoch den 14. März a. c. in den Sälen des „Hotel Savoy", VI., Mariahilferstrasse 81, eine gross angelegte Purimfeier unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte und der Damen Sonja H e r m a, Concertsängerin, und Mila T h e r e n, Schauspielerin des Raimundtheaters, sowie der Herren Fritz Blum, Schauspieler am Deutschen Volkstheater, Eduard Kornau, Komiker, und Robert Epstein, Violinvirtuose, und der verstärkten Salonkapelle Herlinger. An die Akademie schliesst sich ein Tanzkränzchen. Die Einladungen zu dem Feste ergehen von einem grossen, aus 60 Damen und 100 Herren zusammengesetzten Comite, welches sich bereits Donnerstag den 15. Februar am ersten Comiteabende im „Hotel Savoy" zusammenfand. Derselbe verlief unter Mitwirkung mehrerer Kunstkräfte sehr animiert und versprach einen vollen Erfolg des Hauptabends. Karten zu diesem Feste sind bei den Comite-Mitgliedern und in der Adm. <ier „Welt" erhältlich, u. zw. Familienkarten ä 8 Kronen (reserviert) und 6 K im Vorverkauf, an der Abendcasse 10 K, resp. 8 K. Einzelkarten ä 3 K (reserviert) und. 2 K im Vorverkauf, an der Abendcasse 4 K, resp. 3 K. Wien. Der Ball, den die jüdisch-akademische Verbindung „Unitas" am 18. d. M. im Ronacher-Saale arrangierte, reihte sich den sonstigen Festveranstaltungen der „Unitas" würdig an. Ein erlesenes Publicum füllte das Parkett und die Estrade. Unter den Ehrengästen bemerkte man die Herren : Dr. Th. H e r z 1, Architekt Marmorek, Fabrikant Kremenetzky, Reichenfeld, Dr. Awinowitzky, Dr. Alexander M i n t z, Primarius Dr. Kornfeld, Professor Weiss, Oberst Alexander R. v. Eiss, Ing. Seidener, die „alten Herren" Dr. H. Loebl, Dr. K. Pollak, Dr. Laufer. Ferner waren anwesend die zur Theilnahme an der Conferenz des Bankcomites hier weilenden Herren Prof. Belkowsky, Sachs, Rosenbaum, die Vertreterinnen der beiden Mädchenvereine „Moria" und „Hadassa", die Abgesandten der „Jordania" etc. etc. — Das Reinerträgnis des Festes war den nothleidenden Boryslawer jüdischen Bergarbeitern gewidmet. Wien, 11. Februar. Unter dem Vorsitze des Präses Dr. E. F. W e i s 1 fand gestern abends die statutarische Generalversammlung des Einzel verein es „M ariahilf- Neubau" des „Zion" statt. Aus dem erstatteten Berichte ist vor allem die erfreuliche Thatsache zu constatieren, dass der Verein 244 Mitglieder zählt (44 mehr als im letzten Semester) und dass die Vereinsthätigkeit eine sehr rege gewesen ist. Gewählt wurden folgende Herren : Präses: Dr. E. F. Weisl; Vicepräses: Dr. Sofer und Michelstädter: Cassier: Spira und K o Ii s c h; Schriftführer : Bernhard, Fränkel, Sonderling; Hebr. Schriftführer : Sonnenschein; Schiedsrichter: Dr. Keller, Dr. L ö b 1, Oberst v. Eis s, Butschowitzer, Müller; Ersatzmänner: Dr. M e i s e 1 s, Denker; Beiräthe: W o h 1, König.B ernhardsen., Steinberg, Handl, Felsenburg, Spira, Weil, Montier, Kahane und Langfelder. — Herr Dr. Sofer sprach in anschaulicher und formvollendeter Weiseüber die Zustände,unter denen die Juden in Oesterreich und speciell in Wien zu leiden haben und erntete mit seinen Ausführungen allseitigen und verdienten Beifall. Die Debatte war recht lebhaft. Es wurden von den Rednern manche mehr oder weniger gerechtfertigte Wünsche mit Bezug auf die Agitation laut, deren Ausführung vom Districtsvorstande erhofft wird. Nach 11 Uhr war die Versammlung zu Ende. Wien. Am jüngsten Sonntag nachmittags veranstaltete die „Hadassa" einen öffentlichen Vortrag im kleinen Saale des Architekten-Vereines in der Eschenbachgasse. Herr Heinrich Glücksmann gab unter dem Titel „Ein moderner Hiob" eine Biographie des 1896 im Alter von 38 Jahren verstorbenen Dichters S. A. Weiss. Mehr als 350 Personen füllten den Saal bis auf das letzte Plätzchen. Nicht jeder Dichter findet nach seinem Tode die gebürende Anerkennung, namentlich wenn er sie, wie W e i s s, im Leben nicht gesucht. Und wenn die Strophen des fast unbekannten Todten die Lebenden -zu erwärmen und zu begeistern vermochten, dann dürfen wir dem, der diesen Schatz gehoben, doppelt und dreifach danken. — Fräulein Alice H e t s e y trug die Dichtungen Weiss' prachtvoll vor. Wunderbar schön und ergreifend sprach die liebenswürdige Künstlerin den Psalm: „An den Strömen Babylons" und das Gedicht „Auf den Tod meines Knaben". Die in tiefer Trauer erschienene Witwe des Dichters konnte den Beweis mit nachhause nehmen, dass

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