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Die Welt · 1900-02-23 · 8 (23.2.1900) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
8 (23.2.1900)
Article
[Ohne Titel] / Jüdische Kolonialbank <Direktion>
Date
1900-02-23
Page
11 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 8 ,Die 2$ Welt" Seite 11 Kundmachung des Jeiish Colonial Trust (Jüdische Golonialbank) Limited. An die einzelnen Zahlstellen, Vertrauensmänner und Vereine, welche Subscriptionen für die „Jüdische Colonialbank" entgegengenommen haben, sind bereits vor längerer Zeit die Allotementbriefe (Zutheilungsbriefe) zur Uebermittlung an die Zeichner abgegangen. In dieser Zuweisung der Allotementbriefe haben die Unleserliehkeit vieler Unterschriften und Adressen, sowie die Nichtbefolgung der von der „Jüdischen Colonialbank" publicierten Verlautbarungen manche Störung; verschuldet. Wir fordern hiermit alle Zeichnungsstellen, Vereine und Vertrauensmänner auf, die für London bestimmten Listen deutlich und in lateinischen Schriftzeichen zu führen, und wiederholen zur Vermeidung von Missverständnissen im Folgenden den Zahlungsmodus, der bei allen Rateneinzahlungen strengstens zu befolgen ist. Subscribenten, welche bereits im Besitze ihrer Allotementbriefe sind, haben die weiteren Raten an eine der Zahlstellen, die auf der Rückseite der Allotementbriefe für alle Länder genannt sind, gegen Empfang einer Bestätigung zu bezahlen. Diese Zahlstellen . sind berechtigt, für Rechnung der „Jüdischen Colonialbank" rechtsgiltig Gelder in Empfang zu nehmen und zu quittieren. Die Zahlstellen quittieren die Raten auf den Zutheilungsbriefen in den hierfür vorgedruckten Rubriken. Der Coupon, welcher sich neben dieser Rubrik befindet, ist vom Subscribenten zu unterschreiben und wird durch die Zahlstelle nach London geschickt. Hat der Subscribent bereits alle Raten bezahlt, so kann er den in allen Rubriken quittierten Allotementbrief direct oder durch Vermittlung seiner Zahlstelle an die „Jüdische Colonialbankin London einsenden, worauf die Zustellung der Actien an ihn erfolgt. Es steht auch jedem Subscribenten frei, seine Ratenzahlungen direct an die „Jüdische Colonialbank'' in London zu leisten. Die Bestätigung erfolgt dann ebenfalls von London. Alle anderen Subscribenten aber, welche bisher ihre Allotementbriefe noch nicht erhalten haben, mögen dieselben an der Stelle (Bankstellen, Vereine, Vertrauensmänner) reclamieren, wo sie subscribiert haben. Das Directorium der „Jüdischen Colonialbank". London E. C, 49 Leadenhall street. Allerlei Nachrichten. Der Schülinspector eines rumänischen Städtchens liess die jüdische Schule schliessen, weil die Kinder beim Hebräischlesen den Kopf bedeckt halten. In London soll demnächst ein bedeutendes püblicistisches Unternehmen ins Leben gerufen werden. Die Schriften, welche jetzt periodisch von der „Jüdischen Historischen Gesellschaft" herausgegeben werden, sollen eine Erweiterung erfahren, indem nun eine allgemeine Jüdische Publications-Gesellschafi gegründet werden soll, die ebenso wie die gleichnamige Gesellschaft in Amerika alle Arten jüdischer Schriften herausgeben würde. Es soll sich dabei in erster Linie um wissenschaftliche Werke handeln, dann aber auch um populäz-e, für die breiteren Massen bestimmte Uebersetzungen der Bibel und Commentare. In Paris starb dieser Tage Prof. Louis B e n t o w, Eector der Facultät zu D i j o n. B e n t o w war aus Deutschland gebürtig und gehörte zu denjenigen jüdischen Gelehrten, die wie z. B. Heinrich Weil und S. Münk, Deutschland verliessen, da sie ihres Glaubens wegen in der Heimat keine Anstellung finden konnten. Mit B e n t o w ist einer der bedeutendsten Sprachforscher hingeschieden. * In München legten die jüngst gewählten christlichen Armenräthe ihre Stellungen nieder, weil auch zwei jüdische Herren gewählt wurden, mit denen sie nicht zusammen arbeiten zu wollen erklärten. Die jüdischen Handwerker im Londoner Eastend haben, wie englische Blätter berichten, Tag und Nacht zu thun, um den Bedarf für die Truppen an Kleidern, Schuhen. Sattelzeug etc. fertigzustellen. Auf der Tagesordnung des demnächst in Paris stattfindenden Religions-Congresses steht als vierter Punkt «in« Discussion über die semitischen Religionen. * In Paris sarb dieser Tage Herr Paul Calmann Lövy, einer der bekanntesten jüdischen Verleger und Buchhändler Frankreichs. Fünfundvierzig Jahre waren es vorige Woche, dass den Juden die Rückkehr nach Spanien gestattet wurde. Ein interessanter Strike ist in N e w - Y o r k ausgebrochen. Die Strikenden sind die Schauspieler eines Jargon-Theaters, die jetzt nur 10—11 Dollars per Woche verdienen. Sie verlangen einen Minimallohn von 30 Dollars. Ein schönes Resultat erzielte der vor vier Jahren in Berlin gegründete jüdische „Verein für Arbeitsnachweis." Es wurden 1313 Personen feste Stellungen verschafft und für 213 Personen vorübergehende Arbeit besorgt, meist im Handelsstande. Der Verein widmete sich auch der Unterstützung und Beaufsichtigung von Lehrlingen. Ferner wurden Arbeitsstuben für Frauen eingerichtet. Die Mitgliederzahl beträgt 663. Dreissig orthodoxe Gemeinden New -Yorks haben kürzlich den Rabbiner Dr. L. W o 1 o w sky zum Oberrabbiner gewählt Der uns vorliegende, von Dr. Münk verfasste Rechenschaftsbericht der hebräischen Schule ..Chanauch-Lenaar" in Lemberg spricht sich namentlich über die misslichen Schulverhältnisse in Galizien und speciell in Lemberg aus. Die Schuld liege sowohl an den Eltern wie an den Lehrern. Letztere stehen meist auf dem Standpunkte der „Aufklärung", und die Eltern, ob zu den gesetzestreuen oder aufgeklärten gehörend, begegnen sich in dem Vorurtheile, dass treues Festhalten am Altüberlieferten und allgemeine Bildung Gegensätze seien, die einander ausschliessen, und so sind auch die Lehrer entweder gebildet oder fromm. Die Schule „Chanauch-Lenaar" will nun, wie das Programm besagt, die Gegensätze überbrücken. Vor einiger Zeit wurde von antisemitischer Seite in der „Neuen Bayr. Landeszeitung" gegen einen jüdischen Metzger die Beschuldigung erhoben, er habe schlechtes Fleisch verkauft Der Autor der Notiz wurde bereits wegen Verleumdung zu 100 Mark Geldbusse verurtheilt. Gegen den Redacteur schwebt die Klage noch, da er den Wahrheitsbeweis erbringen will,

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