Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 8 (23.2.1900)
- Article
- Lemberger Brief
- Date
- 1900-02-23
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Die 2& Welt»* Nr. 8 daselbst zu erlangen strebt. In dieser; Absicht hat auch das Executiv - Comite dieser verhältnismässig jungen, aber bereits sehr bedeutenden politischen Partei Galiziens beschlossen, auf alle mögliche Art die Wahl des gegenwärtigen Ministers Dr. Leonard P i e n t a k durchzusetzen, da er „der einzige sein soll, welcher die edlen Bestrebungen derselben genau versteht und aufs wackerste auch vertritt*. Dass diese Ansicht nicht ganz unbegründet ist, weiss ja hierzulande jedermann zur Genüge, der nicht gerade ein unmittelbares Interesse daran hat, anders zu denken. Uebrigens soll ja auch Dr. P i e n t a k jüngstens gelegentlich der bereits weltberühmten Araten- Affaire seine Gesinnung einigermassen enthüllt haben. Dem um die Wiedergabe seines geraubten Kindes fl. henden Vater soll er ganz offenkundig geantwortet haben, dass an den Klosterpforten seine Macht aufhöre. Für diesen Candidaten hat nun der grosse galizische Juden- und Judenthumsretter sein weites, ja allzu weites Herz geöffnet. Auf einer kürzlich stattgehabten Wählerversammlung hat Dr. Byk aufs klarste beweisen wollen, dass es heiligste Pflicht der jüdischen Wähler sei, das vacante Landtags- Mandat niemandem sonst als dem Minister Dr. P i e n t a k anzuvertrauen. Derselbe Dr. Byk hat vor nicht sehr langer Zeit, als derselbe Dr. P i e n t a k zum Präsidenten des Lemberger Gemeinderathes gewählt . werden sollte, urbi et orbi verkünden lassen, dass Doctor P i e n t a k der grösste Antisemit wäre. Freilich war dieser damals noch nicht Minister und hat noch keinen so grossen Einfluss haben können. Gegenwärtig aber verhält sich die Sachlage ganz anders. Da Dr. P i e n t a k galizischer Landsmannminister ist und somit bei allen, Galizien betreffenden Angelegenheiten das letzte und gewöhnlich auch massgebendste Wort hat, schien es Dr. Byk offenbar sehr gefährlich, einen so grossen Widersacher zu haben, auch wenn er sich als Antisemiten, oder wie er selbst will, als Asemiten und treuen Katholikenzögling vorstellt Ueber diese jüngste politische Vermählung schreibt das demokratische „Sfowo polskie", das verbreitetste polnische Tagblatt, unter anderem: „Der Standpunkt des Prof. Thullie wundert uns nicht. Da ist alles in bester Ordnung. Minister P i e n t a k gehört ja in sein Lager, gleich ihm sehnt doch auch er sich nach clericaler Herrschaft und Wirtschaft, gleich wie er selbst „macht" auch dieser im Antisemitismus .... Das sind ja wahre Freunde. Aber der Abgeordnete Dr. Byk? Dieser Fortschrittsmann und Liberale? Offenbar wirkt ein Ministerportefeuille ganz bezaubernd. Herr Byk hat bewiesen, dass auch die jüdische Gesellschaft, ebenso wie die christliche, ihre Stanczyken hat, aber dazu von noch schlimmerer Sorte, da diese sogar zu Compromissen sich hergeben, welche die eigene Würde verunglimpfen. Man sollte aber hoffen, dass die jüdischen Wähler an ihre eigene Achtung nicht vergessen werden woilen. Wenn aber die Juden selbst schon Antisemiten werden sollten, dann müsste man schon auf .. alles eingehen." Soviel das Centraiorgan der galizischen Demokraten, welches dem alten, an den Juden stets geübten Verfahren gemäss die That eines einzigen sofort verallgemeinert und dessen Schuld der „jüdischen Gesellschaft" zuschreibt. Jedenfalls aber wird die Frage, wer in Galizien eigentlich den Antisemitismus schafft und unterstützt, leicht beantwortet werden können : ob die „ungestüme" zionistische und national-jüdische Jugend, wie es Dr. Byk und seine Clique überall und stets wiederholen, oder gar, ob diese Herren selbst, die bedächtigen und grossen Diplomaten. k. traurige Schicksalsschläge nun mit seiner kranken Frau und drei kleinen Kindern dem erbarmungswürdigsten Elende preisgegeben. Er ist der Gefahr ausgesetzt, falls er den schuldigen Zins bis 1. März nicht erlegen sollte, delogiert zu werden. In dieser Noth bittet er herzlichst, es mögen sich gutherzige Menschen an dem edlen Werke der Unterstützung einer würdigen Familie betheiligen und ihm eine Beschäftigung verschaffen. Er spricht und schreibt mehrere Sprachen und ist verlässlicher Buchhalter. Zuschriften an die Redaction dieses Blattes. Dienstag den 27. d. M., abends 8 Uhr, findet im Restaurant G u t h, II., Stefaniestrasse eine öffentliche Vereinsversammlung des Einzelvereines „Wien" des „Zion" statt, in der Herr Architekt Marmorek über das Thema: „Die W a h 1 -„R e f o r m" in der israelitischen Cultusgemeinde Wien" referieren wird. Alle Cultuswähler sind freundlichst eingeladen, zu erscheinen. Der Agitationsausschuss. Bilder aus dem Assimilantenleben. Von R. K. (S.) in. Lebende Bilder. Siegfried: Herr Blaugelb. Brünhilde: Fräulein Diamantstein. Hagen: Herr Löwysohn (Confession protestantisch). Herr Lilienthal. Fräulein Karpeles. Herr Zwieback. „ Plohn. „ Löwy. „ Cohn. „ Sommersteiner. „ Grosswardeiner (Conf.: griechisch nicht-uniert) Günther: Gutrune: Die Mannen: Tribüne. Löbliche Redaction »Die Welt"! Ein schwer geprüfter Familienvater, 40 Jahre alt, der in besseren Tagen selbst ein Wohlthäter war, ist durch Weltchronik. Dr. Alexander Marmorek — Ritter der Ehrenlegion. Wie aus Paris berichtet wird, wurde unser ausgezeichneter Gesinnungsgenosse Dr. Alexander Marmorek zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Dr. Marmorek hat sich durch wissenschaftliche Arbeiten im Institut Pasteur eine hervorragende Stellung und in Fachkreisen einen allgemein geachteten Namen erworben. Adele Berger. In Meran ist am 18. Februar die bekannte Schriftstellerin Adele Berg er verschieden. Das plötzliche Ableben hat in Wien grosse Theilnahme hervorgerufen. JQdische Soldaten. In der Sitzung der Budgetcommission des Deutschen Reichstags brachte der Centrums-Abgeordnete L i n g e n s das Capitel „Jüdische Soldaten" zur Sprache. Er vertrat die bekannten Wünsche von Rabbinern, jüdischen Soldaten an hohen Feiertagen freizugeben, wie es in der englischen Armee Brauch sei. Der Kriegsminister wies darauf hin, dass diesem Wunsche so weit wie möglich Rechnung getragen werde, allerdings während der Manöverzeit könnten die jüdischen Soldaten nicht dispensiert werden. Das Passahfest in Südafrika. Sir Samuel M o n t a g u, der bekannte englische Philanthrop, hat es übernommen, die jüdischen Soldaten der englischen Armee mit dem ungesäuerten Brote zu versorgen, dessen sie zu Ostern bedürfen werden, und der Chief-Rabbi Dr. Adler wird die Vertheilung der „Mazzis" an die einzelnen Soldaten ins^Werk setzen. Magyarisches. Zugunsten der ruthenischen Bevölkerung Oberungarns hat der Ackerbauminister eine Action eingeleitet, die sich vorläufig auf den^ Szolyvaer Bezirk des Bereger Comitats erstreckt und mit deren Leitung als Ministerial-Bevollmächtigter Eduard v. E g a n betraut wurde. In einer in Munkäcs abgehaltenen Landesconferenz, welcher Bischof Julius Firczak präsidierte, hat nun Herr v.Egan über die bisherigen Resultate seiner*Action Bericht erstattet