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Die Welt · 1900-02-16 · 7 (16.2.1900) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
7 (16.2.1900)
Article
Wien
Date
1900-02-16
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 7 „Die # Welt" Seite 11 schulrath Dr. K o h n stellte die Schaffung eines Repräsentanten-Collegiums von 100—150 Mitgliedern als berathende Versammlung in Aussicht. Auch theilte er mii, dem Vorstande seien noch andere Entwürfe vorgelegt worden, über die man aber noch nicht schlüssig sei. — Zu einer Abstimmung kam es nicht, da der Vorstand der „Union" der Versammlung nur einen imformatorischen Charakter zuerkannte. Der Vorstand werde, wie der Vorsitzende bemerkte, nunmehr in einer demnächst einzuberufenden grossen Versammlung präcise Anträge stellen. Kolin. Es tagt nach langer Nacht nun endlich auch in Böhmen, die Strahlen der Morgensonne des Zionismus haben nun endlich (mehr oder minder durch die zersplitterten Fenster) Eingang in unsere Städte gefunden. Am b. d. M. fand hier unter ungewöhnlicher, allgemeiner Theilnahme der Juden dieser Stadt und der Umgebung eine zionistische Versammlung statt, deren glänzender Verlauf einem jeden Theilnehmer unvergesslich sein wird. Nach den herzlichen Begrüssungsworten des verdienstvollen, unermüdlichen Herrn Bondy, Vorstehers der Cultusgemeinde, welcher den Vorsitz führte, sprach Herr Prof. Wertheimer aus Prag (czechisch) über : „Die Entwicklung und historisch begründete Nothwendigkeit des Zionismus." Seine Ausführungen lohnte reicher Beifall. Stürmisch begrüsst betrat dann Herr Dr. Kahn aus Wien die Tribüne, um nach einer hebräischen Einleitung in gewohnter, geistvoller Weise das Wesen des Zionismus zu erläutern und die Zuhörerschaft zur Begeisterung zu entflammen. Diese gab sich zu wiederholtenmalen kund in den spontanen, herzlichen Beifallsbezeugungen während der anderthalbstündigen Rede und in erhöhtem Masse nach derselben. Den Culminationspunkt erreichte die festliche Stimmung und die Begeisterung, als Frau Dr. Kahn die Tribüne bestieg und mit viel Geschick und bewunderungswürdiger Geistesgewandtheit einen Appell an die zahlreich anwesenden jüdischen Damen richtete, sich zusammenzuthun zu einem zionistischen Frauenbunde. Es sprachen im Verlaufe der Debatte ferner die Herren: Robert Mandelik. Ing. Klein, Melichar, Dr. Ornstein, Dr. Hoch. Dr. Löwy (als Vertreter des Jüdischen Volksvereines), stud. jur. Gütig und H. Pollatsche k. Herr Dr. Kahn ergriff noch zweimal das Wort, um zu widerlegen und zu berichtigen, und Herr Prof. Werth e i m e r sprach das Schlusswort. Nachdem der Vorsitzende in warmen Worten des Dankes an die Gäste, vorzüglich an Frau und Herrn Dr. Kahn, der ungetheilten, allgemeinen Begeisterung Ausdruck verliehen hatte, schloss er um Va2 Uhr morgens die Versammlung. Einige Frauen der angesehensten Gemeindemitglieder Hessen es sich nicht nehmen, der Frau Dr. Kahn noch am Bahnhofe einen Abschiedsgruss zuzurufen und dadurch die tiefe Wirkung zu documentieren, welche ihr.» Worte in der vorhergehenden Nacht auf sie geübt haben. Natürlich durfte dabei auch der Blumenstrauss nicht fehlen. Dr. M. H. Przemysl, 7. Februar. Auf der Bühne des „Sokol"'- Saales ist gestern das Schauspiel „Dr. Theodor Herzl" von Lerescu aufgeführt worden. Das Stück bewährt sich als wirksames zionistisches Agitationsmittel. England. London. In einer Sonntag, den 3. d. M. abgehaltenen Versammlung des Londoner Vereines „Knights of Zion" hielt Sir Francis Montefiore eine grossangelegte Rede, in welcher er sich auch über die Uebernahme der Rothschild'schen Colonien durch die J. C. A. eingehend aussprach. Sir Francis Montefiore betonte, dass, so -sehr den Colonien eine weitere Entwicklung gewünscht werden müsse, diese doch erst dann in Wirklichkeit eintreten könne, wenn die vom Zionismus erstrebten öffentlich-rechtlichen Garantien vorliegen. Redner meinte auch, dass der Ausdruck „politischer Zionismus" sich nur auf die von uns beanspruchten öffentlichrechtlichen, mit Zustimmung der Mächte erhaltenen Garantien bezöge. Diese von uns verlangte Basis für die weitere Colonisierung macht unsere Gegner nervös. Aber das dürfe keinen, der es ehrlich mit dem Judenthum meint, abhalten, unser Programm als berechtigt anzuerkennen. Des weiteren sprach sich der Redner über die Zukunft der Colonien und des Landes aus. Der Redner erzielte mit seinen Worten einen grossen Effect bei den zumeist dem Eastend angehörenden Zuhörern. Afrika. Capstadt. Unserem Gesinnungsgenossen Oberst Goldsmith wurde hier bei seiner Ankunft von den hiesigen Zionisten ein enthusiastischer Empfang bereitet. Bei einem Bankette, das ihm zu Ehren veranstaltet wurde, wurden ihm grosse Ovationen dargebracht: Er möge allen Gefahren des Krieges glücklich entgehen, wohlbehalten in seine Heimat zurückkehren und noch lange zum Wohle unseres Volkes im Dienste des Zionismus thätig sein. - - k Vereinsnachrichten, Wien. (Orig.-Corr.) Die jüdische Handlungsgehilfen- Vereinigung „J o r d a n i a" setzt ihre so erfolgreiche Propaganda-Thätigkeit mit ungeschwächtem Eifer fort. Für den S. ''d. M. berief sie abermals eine, öffentliche Agitations- Versammlung ein. bereits die drittejm Verlaufe der heurigen Wintersaison. Diesmal wurde ein Leopoldstädter Versammlungslocal gewählt. Dasselbe war zur anberaumten Stunde überfüllt. Auf der Tagesordnung stand ein Referat des Vereinsmitgliedes Nathan Gross: „Die wirtschaftlichen Ursachen des Zionismus." Der Referent verstand es, sich seiner Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit der Versammlung zu entledigen. In einer circa einstündigen Rede führte er den Nachweis, dass zur Begründung des Zionismus nebst nationalen, religiösen und culturellen Momenten auch wirtschaftliche Ursachen, und diese nicht in allerletzter Reihe, herbeigezogen werden können. Es verlohnte sich sicherlich, das mit vielem Beifalle aufgenommene vorzügliche und durchaus sachliche Referat eingehender zu behandeln : leider macht uns das die Knappheit des verfügbaren Raumes unmöglich. — Die Discussion, die sich an das Referat schloss, war sehr anregend. Von den zionistischen Rednern verdienen es namentlich die Herren Dr. Ludwig Werner und Dr. Awinowitzky, dass man ihrer besonders Erwähnung thue. Auch ein Gegner nahm das Wort. Löwensohn heisst er, und er nannte sich einen Socialdemokraten. Herrn Löwensohns Gunst haben sich die Zionisten aus z w e i Ursachen verscherzt. Die eine wäre d i e, dass die bösen Zionisten stets eine förmlich höllische Freude daran zeigen, wenns ihnen gelingt, den Socialdemokraten eins am Zeuge zu flicken. Das müssten sich die Zionisten entschieden abgewöhnen. Des weiteren dürften es die Zionisten, sofern sie es mit ihrer Hilfe fürs jüdische Volk ehrlich meinen, durchaus nicht zulassen, dass in gewissen Wiener Tingi-Tangls das Judenthum carikiert werde. Andere Wünsche an die Adresse der Zionisten hat Herr Löwensohn nicht. Man sieht, ein sogar ganz bescheidener Herr, dieser Herr Löwensohn. Dennoch sahen sich die Herren Leder er und Gross, letzterer in seinem Schlussworte, veranlasst, Herrn Löwensohn schar zu erwidern. Was den Zionisten, den unverbesserlichen, schwerlich die Sympathien des Herrn Löwensohn eintragen wird. x. y. Wien. Im Saale Ehrbar hält Recitator Eduard Grün Donnersnig, den *2± d. M. um halb S Uhr abends einen Vortrag mit ren-hhaltigemProgramme classischer Dichtungen, ausserdem wirken an dieser Akademie eine Pianistin und ein Violinviruio-e mit. Karten sind an der Cassa zu haben. Wien. In der Vereinsversammlung des Einzelvereines .Wien" dos _Zion" vom 6. d. M. sprach Herr Paul Löbl über die Zukunft der palästinensischen Colonien. Der Redner verglich die Zustande der Colonisation Palästinas zu deren Beginn mit den tzt dort herrschenden. An der Hand von Daten bewies er, dass nicht nur jedes Gewerbe und Handwerk bestehe und seine Leute ernähre, sondern dass in den einzelnen Colonien auch genügende Cnterkunftsräume und sonstige Mittel vorhanden sind, um eine Anzahl neuer Colonisten aufzunehmen und zu ernähren. Ferner sei auch

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