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Die Welt · 1900-02-16 · 7 (16.2.1900) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
7 (16.2.1900)
Article
Von Gregor X. bis - Narodní Listy
Date
1900-02-16
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die jC* Welt" Nr. 7 Kinder verlieren, und dann die Juden durch ihre Feinde bezichtigt werden, sie rauben und tödten heimlich Christenkinder und opfern mit dem Herzen und dem Blute derselben. Und es vorkommt dass die Väter eben dieser Kinder oder andere Christen, Gegner der Juden, heimlich oben diese Kinder verbergen, um den Juden etwas anhaben und als Preis des Loskaufes von den Quälereien eine gewisse Summe Geldes von den Juden erpressen zu können und sie dann die völlig falsche Angabe machen, dass die Juden heimlich und verhohlen die Kinder geraubt und getödtet haben und dass die Juden mit dem Herzen und Blute der Kinder opfern, während doch ihr Gesetz klar und ausdrücklichverbietet, dass sieBlut opfern, ossen oder trinken . . . Wir bestimmen daher, dass Christen in einem solchen Falle gegen Juden nicht gehört werden dürfen und verfügen, dass die aus einem derartigen frivolen Anlasse gefangenen Juden aus dem Kerker befreit und dass sie fernerhin wegen eines derartigen frivolen Anlasses nicht gefangen werden sollen, es sei denn, dass sie, was wir nicht glauben, auf frischer That ertappt wei den . . * So dachte und lehrte im dreizehnten Jahrhundert ein Papst. Haben wir es nicht herrlich weit gebracht? darf man da wohl mit trauriger Ironie fragen, wenn im zwanzigsten Jahrhundert von katholischen Priestern Artikel. Bücher, Predigten in die Welt gesetzt werden, die das „Blulmärchen;t propagieren, wenn ein grosses, freisinniges Blatt in Prag aus Geschäfts- und anderen Rücksichten -blutdürstige jüdische Secten" erfindet? _ A. Allerlei Nachrichten. Der zugunsten der jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten Chicagos abgehaltene diesjährige Ball ergab ein Reinerträgnis von rund 30.000 Dollars, der Wohlthätigkeitsbazar ein solches von mehr als 2000 Dollars. Der Ball der „Young Mens Hebrew Charity" erzielte für den Logenverkauf 10.700 Dollars oder 1000 Dollars mehr als im vorigen Jahre. Ueber „Die Juden in der Theatei weit" bringt der „Jewish Exponent" einige bemerkenswerte, auf die Vereinigten Staaten bezügliche Notizen. Wir entnehmen dem Blatte das Folgende: Würden die amerikanischen Juden ihre Unterstützung den hiesigen Theatern entziehen, dann müssten mindestens 50% ihre Thore schliessen, und die grossen Attractionen würden ohne Unternehmer dastehen. Von den renommierten Theatern, sowie von den bedeutenderen Schaustellungen werden über 80% von Juden geleitet, und 07% der grösseren und viele kleine Bühnen haben Juden zu Eigenthümern. Ein Kenner der Verhältnisse behauptete jüngst, dass in Chicago z. B. 60% des Theaterpublicums aus Juden bestehen, in New-York soll das Percentverhältnis ein noch grösseres sein. Hingegen befinden sich unter den dramatischen Schriftstellern wenig Juden. Namentlich das Schauspiel weist wenig jüdische Autoren auf. Vor kurzem hat sich in Wien unter dem Titel „Jeschouah" ein jüdischer Hilfsverein gebildet, dessen Zweck es ist. jüdischen Kleingewerbetreibenden, Kaufleuten. Lehrern und Privatbeamten kleine, zinsfreie Darlehen zu gewähren. Die J. C. A. bewilligte der Colonie Kraswaseli im Gouvernement Tschernigow 10.000 Rubel auf 50 Jahre zinsfrei für die Vergrösserung der Absiedlung. Am 31. Jänner waren es 50 Jahre, dass in die preussische Verfassung die Clausel eingefügt wurde, welche die Gleichberechtigung der Juden aussprach. Im Jahre 1S55 stellte dann der bekannte Kreuzzeitungsmann Hermann W a g n e r den Antrag, Artikel 12 zu streichen. Dr. LudwigPhilippson, damals Rabbiner in Magdeburg, war der erste, welcher Lärm schlug und mehr wie 300 preussische Gemeinden zu einem Proteste veranlasste. Die Folge war, dess der Antrag abgelehnt wurde. Ueber den „Reichthum der Juden" gibt eine Mittheilung des Statistischen Bureaus des preussischen Ministeriums des Innern interessante Aufschlüsse. Unter den 11 reichsten Leuten mit über 30 Millionen Mark Vermögen, befindet sich 1 Jude (Rothschild in Frankfurt a. M.). Unter den 136 Millionären im Regierungsbezirke Potsdam befindet sich aber überhaupt kein Jude, ebenso sind im Regierungsbezirke Magdeburg, Köln und Düsseldorf mit seiner grossen Zahl Millionäre nur sehr wenige Juden. Unter den 49 Glücklichen aber, deren jährliches Einkommen mehr als 1 Million beträgt, sind nur 5 Juden. So steht's mit den „Reichthümern" der Juden. In C ö 1 n müssen nach einer neuen Verfügung auf allen Firmenschildern die Vornamen ausgeschrieben sein. Infolge dessen befürchten viele jüdische Geschäftsleute eine Schädigung, indem bei der herrschenden antisemitischen Strömung die leicht erkennbare jüdische Confession des Geschäftsinhabers nachtheilig wirken könnte. In jüdischorthodoxen und nationalen Kreisen wird die Verordnung natürlich mit Freude begrüsst und dabei bemerkt, dass, so wenig der deutschen Export-Fabrication das „Made in Germanyschädlich geworden, so wenig werde der wirklich reelle jüdische Geschäftsmann Schaden erleiden. Von zehn zu zehn Jahren findet nach einer internationalen Vereinbarung sämmtlicher Culturstaaten in jedem Lande eine allgemeine Volkszählung statt. Heuer ist wieder der Termin hierfür gekommen, und es werden bereits die Vorbereitungen zu dieser umfamgreichen Arbeit wie überall, auch in Wien getroffen. In den Ausschüssen der einzelnen Wiener Gemeindebezirke circuliert nun ein Antrag, dass ein bezirks weises Verzeichnis über die Zugehörigkeit zu den verschiedenen Religionsgenossenschaften angelegt werde. Der Zweck, der mit diesem Antrage verfolgt wird, ist wohl sehr durchsichtig. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Wien. Am 12. d. M. fand in Guths Restaurant eine gut besuchte Vereinsversammlung der Oester r. Israelit. Union statt. Der Zutritt war sowohl Vereinsmitgliedern wie Mitgliedern der Cultusgemeinde^ erlaubt, indes gewährte die Leitung der Versammlung nur den Mitglidern der „Union" das Wort. Es handelte sich in der Hauptsache um die neue Wahlreform der Cultusgemeinde oder, wie ein Redner sich richtig ausdrückte, um den Rückschritt, den der Cultusvorstand vorzuschlagen sich anschickt. Unter den zahlreichen Rednern sprachen sich nur einige der erschienenen Vorstandsmitglieder für das proponierte Dreiclassen-System aus. Herr Lucian B r u ri n e r verthejdigte seinen, in voriger Nummer der „Welt" veröffentlichten Entwurf, sprach sich aber auch schliesslich für eine von Herrn kaiserl. Rath Pollak vorgeschlagene Bezirks Vertretung aus. damit jeder der 19 Stadtbezirke einen Vertreter seiner speciellen Interessen im Cultusvorstande habe. Herr Landes-

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