Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 6 (9.2.1900)
- Article
- An Max Nordau
- Date
- 1900-02-09
- Page
- 15 (sequence 2)
- Language
- German
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Ni. 6 (Die x> Welt" Seite IS gelächelt, so oft Sie heimkamen zu ihr, nach Stunden harter Arbeit und geistiger Abspannung? Sie fühlten sich jung, wenn aus diesem faltigen Gesichte zwei frohe Augen Sie anblickten? Als ich Ihnen dann gegenüber sass und aus vollem, übervollem Herzen mir entgegenquoll, was später in Basel Männer und Frauen aller Stände, Juden und Christen, erhob und begeisterte, da war ich vorerst verblüfft. Das war mir damals alles noch so neu, es kam fast unvermittelt — und es schien so wenig vereinbar mit Max Nordau, dem Max Nordau, wie ihn das gebildete Europa kennt, dass meine Verwunderung auf Sie selbst zurückwirkte. Beim Hinausgehen erst wurde mir alles klar. Da reichte mir Ihr Mütterchen die Hand, und sie sprach liebe Worte zu mir. Ich hätte umkehren mögen, um Ihnen alles zu erklären, und ich hätte etwa so gesprochen: „Wundern Sie sich nicht über das Gefühl, das in Ihnen aufsteigt, über diese, mit elementarer Gewalt über Sie hereingebrochene Liebe zu unserem Volke. Das ist die Mutter, die Liebe zu der alten Frau — zu diesem lebendigen Stück Heimat, das Sie immer mit sich führten und das Sie mit der Vergangenheit verbindet Sie haben viele grosse und dicke Bücher geschrieben, die in vielen, vielen Auflagen verbreitet sind und die Ihnen das Lob der Menschen heimbrachten aus vielen Ländern, in mannigfachen Sprachen*. Der Mutter waren Sie darum nicht mehr. Vielleicht sogar brachte ihr die grosse Bücherwand, die sich zwischen sie und ihren Sohn schob, ein Stück Verlegenheit. Jetzt endlich ragt aus diesem geistigen Rüstzeug etwas, was sie gar nicht erwarten konnte, nicht zu erhoffen wagte, was sie aber so gut verstehen konnte, was sie mit heimlichem Stolze erfüllte. In ihrem Sohne -war dem Judenvolke ein Streiter erstanden, ein Helfer und Rather — und nun gehörte er ganz ihr, es war nichts Fremdes zwischen ihnen. Und ihr feines Gesicht überzog ein Schimmer reinster Glückseligkeit, des Muttergefühls höchste Weihe.--- Jahre sind verflossen seit jener Begegnung in Paris. Sie haben sich vorgewagt mit Ihrer Idee, und wenn auch die Massen des jüdischen Volkes Ihnen zujauchzten — Lüge, Verleumdung und Venrath, sie nagten an den Herzen aller, die sich ins Vordertreffen dieser Bewegung stellten. Was thats? Unsere Mütter lächelten uns zu. — — Da kam vor Wochen die Kunde, dass im Antlitze Ihres Mütterchens das Licht erloschen sei — und ich sollte Ihnen meine Theilnahme bekunden--- Das wollte nicht gelingen — es war mir, als lebte die gute alte Frau noch für mich, solange ich Ihnen nicht sagte, dass ich von ihrem Sterben wisse. Es war mir auch, als müssten Sie mit jedem neuen Briefe der Theilnahme Ihre Mutter aufs neue begraben. Wir nennen den Friedhof den guten Ort, hier an dieser Stelle ist ein guter Ort, ein reines Plätzchen für treue Kinder Ihres Stammes. „Die Welt" ist ein Familienblatt im höchsten Wortsinne, das Blatt einer grossen Sippe. Wir alle, die Glieder dieser Familie, die zerstreut sind in vielen Ländern von der Südsee bis zum Eismeer, wir stehen nun an einem offenen Grabe, und wir werfen jeder eine handvoll Erde auf den Sarg Ihrer Mutter, und im Namen aller reiche ich Ihnen die Hand und drücke sie in ernster Theilnahme. Auf dem Grabe werden Blumen blühen voll satten Duftes; aus leuchtendem Geranke wird ein ragendes Grabmal erstehen, dessen Legende nun tausende mit mir sprechen : Hier ruht die Mutter Max N o r d a u s, des treuen Sohnes. Wien, im Jänner 1900. H. York-Steiner. Lieder eines Bekehrten. IV. An die jüdischen Antisemiten! O klägliche Thoren, Im Wahne verloren, Die Ihr Euch los von dem Judenthum ringt Und hochnäsig meidet Den Bruder, der leidet, Weil Ihr Euch selbst etwas Höheres dünkt. . . Die frech Ihr verhöhnet. Beschimpft und verpönet. Euer Geschlecht in schnödem Verrath — Ihr streuet und säet, Indes Ihr unsschmähet, Rings nur des Hasses wuchernde Saat! Wie soll man uns achten, Wohlwollend betrachten, Wenn schon der Jude den Juden verdammt? Wie soll man uns lieben Und Rechl an uns üben, Wenn Ihr das Volk hasst, dem Ihr entstammt? Ihr klagt unablässig, Perfid und gehässig, Die eig'nen Genossen verleumderisch an Und schlängelt und drängt Euch, Kriecht, schleichet und zwängt Euch An ihre Peiniger dienernd heran. Und brauset hernieder Auf Euere Brüder^. Hetzenden Kriegsgeheuls tobende Wuth, Dann macht Ihr verstohlen Euch rasch auf die Sohlen, Und Ihr ergreifet heroisch die — Flucht. O niedrige Seelen, Die Ihr «u verhehlen Stets Eure Herkunft nur ängstlich begehrt, Den Juden verfehmet Und seiner Euch schämet — Ihr habt erst recht mich zum Juden bekehrt! Was tief Euch verhasst ist Und nur eine Last ist, Bleibt unser Stolz, unser Glanz, unser Ruhm — ■ Euch eine Bürde, Uns eine Würde Ist, war und bleibt stets das Judenthum! Paris, im Jänner 1900. Heinrich Grünau. Spenden für zionistische Zwecke: J. K., Wien, aus Anlass des Ablebens der Mutter unseres verehrten Gesinnungsgenossen Max Nordau........K 20. — A. Neufeld in Davos anstatt Telegramm zur Hochzeit des Frl. Ernestine Cohen mit Herrn St. Rosenzweig, Warschau . . Frcs. 2.90 Verein „Zion", Nadworna, anlässlich der Verlobung des Herrn Isak K n o 11 mit Fräulein Jetti Zweigel.......K 0.36 Ottava, Wien.......„ 2.— Bayer Julius durch Türkei und K a t z in Beirut........„ 1.95 Für Boryslaws hungernde Bergarbeiter: Sammlung des Herrn D. Wolffsohn, Köln am Rhein........K 81.-20 Sammlung des Herrn Dr. Nobel, Köln a. Rhein „ 34.S0 Summe K 116.— in Nr. 2 ausgewiesen K 2619.5-2 Totalsumme K 2735.52 Heute erscheint Nr. 5 unseres Jargonblattes. Dasselbe ist nunmehr auch für Russisch-Polen freigegeben. Die in Warschau lagernden Nummern werden, falls selbe noch nicht expediert sind, in kürzester Zeit im Besitze der Bezugsberechtigten sein. Allenfalls fehlende Nummern wollen direct bei der Administration der „Welt" reclamiert werden. Briefkasten. Fünfh. Voranzeige zu spät eingelangt. H. B., Schönlanke. Es soll richtig „Sinai" und nicht „Schiloh", wie Sie meinen, heissen. Besten Dank. Dr Sch., Görz. Besten Dank. Aber leider schon verspätet. 6. B., L—g. Diesmal leider nicht geeignet.