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Die Welt · 1900-02-09 · 6 (9.2.1900) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
6 (9.2.1900)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1900-02-09
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 6- „Die s£ Welt'* Seite 13 Vereinen herbeizuführen wünschten, weil principielle Differenzen kaum vorhanden wären. Eventuell müsse eine gegenseitige Verständigung angebahnt werden. Der Standpunkt, den die drei zionistischen Redner Ge witsch, Piekarsky undBerliner einnahmen und dem die Versammlung durch einstimmigen Beifall beistimmte, ist folgender: In allen inneren Fragen, also Angelegenheit der Cultüsgemeinde, Unterstützung jüdischer Handel- und Gewerbetreibender, Communalwahlen. wird die zionistische Partei die Bestrebungen des Jüdischen Volksvereines unterstützen. Wo es sich aber um politische Wahlen in die gesetzgebenden Versammlungen des Reiches oder der einzelnen Kroniänder handelt, lehnt sie ein Zusammengehen ab; einmal weil die zionistische Partei ein weiter gestecktes Ziel im Auge hat und auf dessen Verwirklichung hinarbeitetet, und andererseits, weil sie das Ziel der „Jüdischen Volkspartei " in Oesterreich für nicht erreichbar erklärt Voraussetzung seitens der zionistischen Partei für ein Zusammengehen in localen Fragen ist aber — und das wm-de ganz ausdrücklich betont- — dass das publicistische Organ der „Jüdischen Volkspartei" alles unterlässt, was den Zionismus oder seine Anhänger in falschem Lichte erscheinen lasse. Wien. Im „Jüdischen Volksverein" hielt Herr Doctor M. Rosen fei d am jüngsten Vereinsabende einen recht anregenden Vortrag über das Thema: „Nationalismus un<l Religiosität". — Der Gegenstand verlangt wohl mehr eine philosophische Erörterung; gleichwohl verstand es Redner, ihn zu popularisieren und auch dem Laien verständlich zu machen, indem er selbst einzelne Theile des confessioneilen oder ceremoniellen Judenthums als zur Förderung und Festigung des nationalen Selbstbewusstseins nothwendig hinstellte, welchen Standpunkt auch die mehr conservativen Herren Rabbiner Buchsbaum und Dr. Fink einnahmen. Dagegen trat Herr Schrifsteller Brau des entschieden auf. Er erblickt das Wesen der Religion mehr in idealer Lebensauffassung und will bloss die nationalen Cardinaltugenden der Sittsamkeit, Gerechtigkeit und Gutherzigkeit gewahrt wissen. Die Socialisten Dr. Kadisch und Doctor Lipschitz traten sämmtlichen Vorrednern entgegen, indem sie die nationalökonomische Basis der Existenz des Judenthums noch vor der religiösen, die ja mit den Zeiten variabel wird, gesichert sehen wollen. —n. Allerlei Nachrichten. In Bulgarien scheint die Regierung mit den Antisemiten in der richtigen Weise umzuspringen. Die Herren stellten folgende Forderungen: „1. Fremden Juden ist das Betreten des bulgarischen Bodens verboten. ± Ein Jude darf weder Güter kaufen noch Häuser bauen. 3. In den bulgarischen Städten dürfen Juden keine Geschäfte betreiben. 4. Die bulgarische Bank dürfe einem Juden kein Geld borgen. Ueberdies sollen alle Juden vom 10. Lebensjahre an eine besondere Kopfsteuer entrichten." Daraufhat nun der Minister des Innern R a d o s 1 a w o w in einem Circular an die Präfecten eine Antwort gegeben, in der er die schärfsten Massregeln gegen jede antisemitische Hetze befiehlt und die Präfecten persönlich Tür alles verantwortlich macht, was aus der Unterlassung entstehen würde. Von Birmingham geht, wie „Jewish World" berichtet, der Vorschlag aus, es solle in allen jüdischen Schulen die hebräische Sprache zu einem Obligatorium in der Weise gemacht werden, dass sie gleich anderen lebenden Sprachen unterrichtet werde. Das Interessante dabei für uns Zionisten ist, dass dieser Vorschlag von antizionistischer Seite gemacht wird. Der Vorstand der israelitischen Cultüsgemeinde in Elberfeld beklagte sich bei der Polizei über aufreizende antisemitische Placate. Die Polizei entfernte dieselben, resp. Hess sie überkleben und veranlasste ausserdem gegen den Drucker Klageerhebung wegen Aufreizung zum Classenhass. In der arabischen Stadt Aden befindet sich eine 5000 Seelen zählende jüdische Gemeinde, die keine Schule besitzt, obgleich sie sich in guten Verhältnissen befindet. Der Besuch der englischen und französischen Schule ist den Kindern verboten, da die Eltern sonst in den Cherem kommen. Ein Correspondent des „Jewish Herald" von Melbourne berichtet, dass ein Paragraph des „Melbourno Club" die Aufnahme verweigert „britischen Unterthanon jüdischen Glaubens". Die bekannte Schächterangelegenheit in dem rheinpreussischen Städtchen Rheydt ist in eine neue Phase getreten. Das Urtheil des Bezirksausschusses in Düsseldorf, der zugunsten einer Einschränkung des „Schächtens" entschied (ähnlich wie auch in Wien der Vorschlag des Magistrats-Vicedirectors Preyer lautet), wird beim Oberverwaltungsgerichte in Berlin angefochten werden. Uebrigens sind, neueren Berichten zufolge, auch in Aachen Bemühungen im Gange, die auf Einschränkung des,Schächtens" hinzielen. Vom Neujahr 1900 an haben wir dem Verlage „Tuschijah" in Warschau unsere Vertretung für Russland übergeben. Die demnächst zur Ausgabe gelangende Agitations- Nummer (deutsch) wird nur gegen Voreinsendung des Betrages abgegeben. ÄrBffiKto.NKnxr? dshs??:i* ß w^n? rir-n frSss-sran *vä -px inpaai: Er« ra^snasn cbbxä ,ysmrn ppcs jsnnraK1? ^rcrutti p« »h ♦fSÄWsr; ex a-'X -tfaapsnps ,-rri a-nysap? ea*3 src^T'xs^Sx ,p"i lyararsnsracüixsra -isn pxtrisa -dtö-t« nsn ap?T-r |i?bSstn psrai: snar^nys ♦imsm.tsTö^pri "a^pn« isn pfaana Bilder aus dem Assimilantenleben. Von R. K. (SO- Im Coupe erster Classe. Erster Passagier: „Mein Name ist Kornfeld, Director der Bodencreditbank." Zweiter Passagier: „Ich heisse Colbert . . . Chef der Firma Colbert & Co." Dritter Passagier: „Colley ist mein Name. Meine Frau ist die berühmte australische Künstlerin Ada Colley." Vierter Passagier: „Ich heisse noch Kohn. Ich bin der Erzbischof von Olmütz." Zeitschriftenrundschau. Der Mainzer „Israelit" enthält eine Correspondenz aus Basel über die Einweihung des dortigen vergrösserten „Beth-Hamidrasch", in welchem anlässlich des ersten Congresses unser vortrefflicher Gesinnungsgenosse Rabbiner Dr. Schaff er in Baltimore einen Vortrag hielt In der Correspondenz wird unter anderem Folgendes ausgeführt: „Es ist aber auch als eine ganz aussergewöhnliche Errungenschaft zu betrachten, in Basel, wo der grösste Theil der Jugend von den Idealen des Zionismus beseelt.... in dieser Zeit ein Lehrhaus ... zu gründen." Dass der Zionismus ein die jüdische Lernthätigkeit hemmender Factor sei, ist zum mindesten neu! Der bereits avisierte zweite Artikel des „Wiener Local- Anzeiger" über „Palästina und der Zionismus" gibt dem ersten, in voriger Nummer besprochenen, in nichts nach. Er ist in einer Weise geschrieben, die der zionistisch. Bewegung nur Freunde zuführen kann. Die Quintessenz der Bewegung ist in sehr instructiver Weise — und absolut objectiv — auseinandergesetzt, und es wird namentlich hervorgehoben, wie das Ziel ein so

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