Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 6 (9.2.1900)
- Article
- New-York
- Date
- 1900-02-09
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 „Die j£ Welt" Nr. ff recrutieren sich aus dem Hörern der verschiedenen New- Yorker Hochschulen. — DerZionisten-Verein in Syracuse hat eine Bibliothek gegründet und namentlich hebräische Bücher angeschafft. — In Rochester wurde ein Jung-Zion Verein gegründet, dem namentlich Schüler der höheren Unterrichtsanstalten angehören. — In St. Paul wurde im Zionisten- Verein ein Lesezimmer eröffnet, das auch zu musikalischen und sonstigen Veranstaltungen dient. — Die Gemeinde „Sons of Abraham" in Hagerstown hat sich zu einem zionistischen Vereine constituiert — In Troy, N.-Y. fand am Ii. d. M. eine grössere Versammlung statt, wo u. a. Rabbiner Alexander Lyons aus Albany, Lasker aus Troy und Professor Gottheil sprachen. Zu Ehren der auswärtigen Gäste fand ein Bankett statt. — In Syracuse veranstaltete der dortige zionistische Verein am 7. d. M. eine Versammlung, an der Rev. Morais und Stephen S. Wise sprachen. — „Ohavei-Zion"-Verein in New-York veranstaltet jeden Abend Unterrichtsstunden in hebräischer Sprache und Pentateuch. Auserdem findet jeden Freitag Abend ein Vortrag über •Jüdische Themen und Samstag Nachmittag ein solcher übeiden laufenden Wochen abschnitt statt. Endlich wird jeden Sonntag Abend über ein populäres Thema gesprochen. Der Verein„Daughters of Zion" in Brooklynhat einen Unterrichtscurs für jüdische Geschichte eröffnet. Vereinsnachrichten. Wien. Der Einzelverein „W ien" des ..Zion" hielt seinen zweiten Gesellschafts-Abend am Samstag den :>. d. M.. in Rosners Restaurant. „Vorzüglich gelungen" ist das Prädicat. das man dem Festchen geben muss. Als erste Nummer desÄbendsfigurierte eine zionistische Agitationsrede: Der religiöse undpolitischeZion i smu s. In trefflicher Weise entledigte sich Herr stud. theol. Sonderling seiner Aufgabe. In halbstündiger Rede verbreitete er sich über die zionistische Idee, deren Kernpunkt von Abrahams Zeit bis auf die unsere „das Land, das Gott verheissen", „das Land, das ich Dir zeigen werde", sei, wie der Befehl an den ersten Hebräer lautete. Im religiösen Zionismus ist dieser Gedanke verkörpert. Von Aloses bis in unsere Tage hinein dreht sich die ganze jüdische Religion nur um den nationalen Mittelpunkt Zion. Darum aber kann und darf der religiöse und politische Zionismus nicht voneinander getrennt werden. Gerade die religiösen Zionisten müssen das Gelingen des im politischen Zionismus verkörperten Gedankens wünschen. Nur im eigenen Lande kann der zwischen Orthodoxie und Reform tobende Kampf ausgekämpft werden und zum Frieden führen, zu jenem Punkte, den der Prophet mit den Worten verkündete: ..Juble und freue Dich, Tochter Zions, denn ich komme und throne wieder in Deiner Mitte." Stürmischer Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. Herr Eduard Grün erfreute die Gesellschaft durch den formvollendeten Vortrag zweier Heine'scher Gedichte und Herr Fi e dl e r excellierte mit zwei prächtig gespielten Violin-Soli, wobei seine kleine Schwester die Clavierbegleitung besorgte. Der Besuch war über alle Erwartung gut. Um halb!;> Uhr begann der Tanz und währte ohne Unterbrechung bis nachM Uhr. — Für den dritten Gesellsehafcs-Abend. der am 2i. d. M. stattfindet, stehen einige besondere Ueberraschungen in Aussicht. — Aus Anlass des Pur im wird der EinzelvereLn „Wien" des „Zion" am Samstag den 17. März eine grosse Feier — Purimspiel mit. Costümkränzchen (ohne Costümzwang) veranstalten, worüber demnächst das Nähere bekanntgegeben wird. Wien. Im Vereine der jüdischen Handels-Angestellten „Jordania" hielt Dr. Leo Sofer den angekündigten Vortrag über das Thema : „N ietzsche und die Jude n". Referent unterschied drei Perioden in dem Urtheile Nietzsches über die Juden, und zwar die Zeit, in der er unter Richard Wagners Einfluss stand, ferner die spätere, in der er sich von diesem Einflüsse emancipierte, und endlich die objective Epoche, wo er weder Philonoch Antisemit war, sondern eine ganz geklärte, selbständige Ansicht hatte. Er bewunderte besonders die Zähigkeit des jüdischen Charakters, sowohl des Einzelnen, als auch der Volksgesammtheit im Kampfe um die individuelle Erhaltung trotz der vielfachen Gegner, denen nur Verachtung entgegengestellt würde. Bekanntlich hatte Nietzsche viel darunter zu leiden, dass er sich der Juden platonisch annahm, und dies trug auch theilweise zur Beschleunigung der Katastrophe bei, die auch wir lebhaft zu bedauern haben. In der sich an den Vortrag anschliessenden Discussion hob Herr Ledeier den materialistischen Standpunkt Nietzsches hervor, während Prediger Grün die „Heirenmoral" des „Uebermenschen" mit dem Judenthum in der Weise in Einklang zu bringen suchte, dass er den auf sich gestellten Idealmenschen als Herrn über seine Leidenschaft, erhaben über Lüste und Lästernder Gottheit ähnlich, hinstellte. Wien. Die in der Plenarversammlung der jüdischen Vereinigung „Jordania", Wien, Verein von Handels-Angestellten und Beamten, vorgenommenen Ausschusswahlen, hatten folgendes Resultat. Gewählt erscheinen: Wihelm Epstein, Präses, Nathan Gross, Vicepräses, Robert Schwab. I. Schriftführer, Alfred Neumann, IL Schriftführer, Ferdinand P e r 1 b e r g, Cassier, Max Singer, Bibliothekar. Ferner ohne Functionen: J. Brauner, Jacob Ehrlich, Emanuel K o h n, Richard Pappenheim. Egon L e d e r e r und Emil Spitzer. Wien. (Allgemeiner hebräischer Spra chverein.) Die infolge von Privat- und Agitationsreisen des Herrn Dr. Kahn unterbrochene Vorlesung über „Die Tanaim" wird Mittwoch den 14. Februar 1900, 8 Uhr abends, im Saale desCongressbureaus wiederaufgenommen. Thema': „Rabbi Jochanan ben Sakais Schüler und Nachfolger." Wien. Mittwoch den 14. Februar 11*00, S Uhr abends, im Locale des „Jüdischen Volksvereines, 2. Bezirk, Haasgasse S (Untere Augartenstrasse 19), Vortrag des Herrn Dr. CarlLifczis über „Einiges aus dem Rechts- und Wirtschaftsleben der Juden im XVIii. und XIX. Jahrhundert". Gäste, auch Damen, willkommen. Wien. Der zionistische Frauenverein in Fünfhaus, wird sich als eine Filiale des „Zionistischen Frauenvereines in Wien" constituieren. Wien-Fünfhaus. Am Vorabende des 7. Adar veranstaltete die hiesige Chewra Kadischa aus Anlass ihres 10jährigen Bestandes einen solennen Trauergottesdienst, bei welchem Herr Rabbiner Dr. Jonathan Wölf unseren Lehrer Moses als kunstverständigen Meister in der Entwerfung der Menorah und in Anfertigung der hohenpriesterlichen Kleidung schilderte. Mit einem Gebete für die verstorbenen Vereinsmitglieder schloss die erhebende Feier, der sodann eine „Süden" folgte, bei der mehrere Rabbiner Reden hielten. Wien. Im Verein jüd. Mädchen „Hadassa" hielt Sonntag den 4-. Febraar Herr Dr. H. S. Loebl einen Vortrag: „Der Mensch als Urbild moderner Erfindungen". Die vom Referenten geistreich angestellten Vergleiche der menschlichen Organe mit den uralten und modernsten Erfindungen fanden bei den zahlreich erschienenen Gästen und Mitgliedern lebhaften Beifall. Sonntag den 11. Februar a. c. veranstaltet der Verein im Saale des Wissenschaftlichen-Club, I., Eschenbachgasse 9, Mezzanin, einen Vortrags-Nachmittag: „Die Lyrik eines modernen Hiob", Vortrag von Schriftsteller Herrn Heinrich G1 ü e k s m a n n, „Recitation illustrierender Dichtungen" Fräulein Alice Hetse'y Mitglied des Raimund-Theaters. Beginn i Uhr nachm. Gäste herzlichst willkommen. Wien. Der Hauptverein „Leopoldstadt-Praterstrassedes „Zion" hielt am 30. v. M. im Cafe Orient eine gut. besuchte Versammlung ab. Unser rühriger Gesinnungsgenosse Max B ernhart gab in vorzüglicher Weise Bilder aus dem Wiener jüdischen Leben zum besten. Drastisch zeichnete er die sogenannten jüdischen Parteihelden, die heute liberal und morgen socialistisch wählen, in ihrer wahren Gesinnung. Das sind die jüdischen Antisemiten, die von dem freiheitlichen Zuge nichts wissen wollen, der jetzt in allen fünf Welttheilen durch das Judenthum zieht. Der durch wiederholten Beifall ausgezeichnete Vortrag machte auf alle Anwesenden einen grossen Eindruck. Sodann nahm Herr Paul L ö b 1 das Wort zu einer Schilderung Palästinas und der Colonien, die ebenfalls reichen und verdienten Beifall erzielte. Vor Eintritt in die Discussion begrüsste der Vorsitzende zunächst Herrn Dr. L ö w i t, welcher die Grüsse des Vereines „Professor Hermann Schapira" in SJ. Petersburg überbrachte : sowie Herrn Dr. Awinöwitzki aus Dorpat. Sodann begann die Discussion. Das Vorstandsmitglied des „Jüdischen Volksvereines" Herr Bauch eröffnete dieselbe mit der Erklärung, dass er persönlich wie der grösste Theil seiner Collegen ein Zusammengehen mit den zionistischen