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Die Welt · 1900-02-02 · 5 (2.2.1900) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
5 (2.2.1900)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1900-02-02
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 5 ,Die s£ Welt" Seite 11 -als Gäste der „Jordania-' die Herren Berthold Feiwel aus Brünn und Dr. Awinowitzki aus Dorpat (Russland). Der Referent gelangte erst gegen Mitternacht zum Schlussworte. Wien. Im literisch-geselligen Verein „Moria" hielt am letzten Sonntag Herr Prediger Grün einen philosophischen Vortrag über „Moria, Simri und Zion", diese drei jüdischen Heiligtbümer mit den drei Patriarchen und den in ihnen verkörperten drei jüdischen Nationaltugenden, die Heiligkeit de* Gottes-, Lehr- und Familienhauses vergleichend. Der Zionismus sei das tiefempfundene, sehnsüchtige Streben nach Vereinigung des jüdischen Volkes auf heimatlichem Boden, woraus sich der Messianismus der Zukunft entfalten soll als Vereinigung aller Gutgesinnten, Edelmüthigen und wahrhaft Gottgläubigen. Wenn auch der Weg bis zu jenem Ziele noch weit sei, so werde der gute Wille die Schwierigkeiten überwinden. H. B. I. Die neuen und die alten Namen. „Volkher, hast Du Hildebrandt und Luciemen gesehen?" rNein.... im Tokio-Salon sind nur Wellegunde und Waltraute. R6ne und Siegmar — — — * „Geh' geschwind hinüber und sag' ihnen, sie sollen Alle herüberkommen: Onkel Isidor aus Brennporitschen ist da!" Rudolf K o h n (Schlackenwerth). aber seien auch jene Socialisten für den Zionismus gewonnen. „Jewish Chroncle" veröffentlicht aus „Stodes Zeitschrift für die alttestamentarische Wissenschaft" einige interessante Einzelnheiten, darunter folgende interessante Entdeckung : Die Sprüche Salomons von Cap. 10—22, 16 werden von der Bibelkritik dem König Salomo zugeschrieben. Die Zahl dieser Sprüche beträgt genau 375 nach dem Zahlenwerte des Wortes nöb'w- Noch mehr: Die Capitel 25 bis 29 enthalten eine andere für sich abgeschlossene Sammlung mit der Ueberschrift: Auch dieses sind Sprüche Salomos, welche die Männer des Chiskija, Königs von Juda, gesammelt haben. Diese Sammlung enthält 136 Sprüche, der Zahlenwert des Wortes "],Tp7n- Das Blatt fragt: „Ist dieses blosser Zufall oder haben wir hier wirklich eine Spur der rabbinischen Geometrie der Bibel?" Das „Hebrew-Union College Journal" beschäftigt sich in seiner December-Nummer lediglich mit dem Zionismus. Es veröffentlicht die Ansichten verschiedener jüdischer Gelehrten Amerikas, die sich theils für und theils gegen den Zionismus aussprechen. Die .Jüdische Chronik", Monatsschrift, herausgegeben und redigiert von Dr. Adolf K u rr e i n-Teplitz, bringt in ihrerer letzten Nummer einen ausgezeichneten Leitartikel unter der Ueberschrift .Das Kaiserwort", der aus der Feder des Herausgebers stammt. Wir müssten den prächtigen Artikel im ganzen wiedergeben, wollten wir ihn nach Gebür würdigen. Von actueller Bedeutung ist der Artikel (II): „Die Geschichte der Blutlüge", mit den Worten schliessend: „Die Blutlüge bleibt ein ewiges Denkmal; zu wesssen Ehre oder Schmach? Das wird die Geschichte, wird eine edlere Nachwelt beantworten." Zeitschriftenrundschau. Der „Erste Wiener Localanzeiger" enthält in seiner vorwöchentlichen Donnerstags-Nummer unter dem Titel: „Palästina und Zionismus" einen lesenswerten und allem Anscheine nach einer sachkundigen Feder entstammenden Artikel über das Baseler Programm, so weit die palästinensische Colonisation in Betracht kommt. In einem zweiten Artikel verspricht das Blatt eine Erörterung über die Ausführung der zionistischen Idee. „El Sionista", das Organ der argentinischen Zionisten. macht in seiner vierten Nummer die Mittheilung, dass es durch die Opferwilligkeit eines Mitgliedes in die Lage versetzt wurde, eine eigene jüdische Druckerei zu errichten. Hierdurch ist sein regelmässiges Erscheinen gesichert. Di«* vorjiegende Nummer bringt auf 4 Seiten Grossquart neben «inem interessanten Leitartikel mit dem Motto: „Aber man wird die Juden nicht in Ruhe lassen" eine treffende Schilderung der augenblicklichen Lage der Juden, ferner verschiedene Mittheilungen über die zionistische Bewegung, politische Nachrichten, sowie einen feuilletonistischen Theil. Es wäre zu wünschen, dass die Bemühungen der „Liga Dr. Th. Herzl", durch das Blatt dem Zionismus Anhänger zu gewinnen und die Einigkeit unter den Juden Argentiniens zu stärken, sich erfüllen möge. „Nineteenth Century Review enthält einen hochinteressanten Artikel über die Ursachen des Antisemitismus in Frankreich, der sich aber ebenso gut auf alle übrigen Staaten mit parlamentarischen Zuständen anwenden lässt, indem die Ursachen annähernd die gleichen sind: Die Zugehörigkeit der Juden zu den verschiedenen Parteien, deren jede als Ablagerungsstätte für den durch die verschiedenen politischen Ansichten erzeugten Hass die Juden auswählen. Mithin stellt sich die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden als ein Danaergeschenk dar. Der Artikelsehreiber hofft auf ein Schwinden der antisemitischen Bewegung, die er schon im Augenblick für „fast todt" betrachte, eine Theorie für die er allerdings den vollen Beweis schuldig bleibt. In einem redacüon eilen Artikel variiert „jewish Express" das bekannte Wort, indem er behauptet: '„Alle Wege führen zum Zionismus." In geistvoller Weise geht der Schreiber die verschidenen gegen der Zionismus erhobenen Einwürfe durch, die namentlich seitens den englisch-jüdischen Socialisten erhoben werden, welche endlich in ihrem Organ „Justice" zugestehen müssen, dass die nichtjüdischen Socialisten es mit ihrem Parteiprogramm nicht unvereinbar finden, gleichzeitig auch Antisemiten zu sein. Dass diese Erkenntnis sich endlich Bahn brechen würde, hatte „Jewish Express* schon lange vorausgesagt. Damit Bücherwelt. Robert Jaffe, der auch unter dem Pseudonym „Max Aram" schreibt, ist den Lesern unseres Blattes längst kein Fremder mehr. So dürfte auch das im Jahre '.894geschriebene. 1S95 "m erschienene Erstlingswerk, mit dem der jugendliche Autor seine literarische Laufbahn begann und über das er inzwischen weit hinausgelangL doch bei vielen unserer Leser lebhaftem Interesse begegnen. Arnold Mann: Liebet Eure Feinde. Eine apologetische Erzählung. Frankfurt. Verlag von J. Ka uff mann 19(X). Ein Tendenzroman, der das grosse Unrecht des Antisemitismus darthun will. Dieser wird darum in ein allerdings nicht ungefährliches Dilemma eingezwängt. Sind die Juden als Freunde der christlichen Mitbürger zu betrachten, dann ist es M 'nschenpflicht, sie zu lieben. Werden sie aber von der christlichen Gesellschaft als Feinde angesehen, dann gebietet, das christliche Gebot der Feindesliebe, ihnen wohlwollend zu begegnen. Das Judenthum lehrt zwar nicht, den l"Vind lieben, es gebietet nur, ihm zu verzeihen, ihm keinen Groll nachzutragen, denn es geht eben tiefer auf den Seelenzustand des Gekränkten ein und gebietet ihm nichts Uebermenschliches. Trotzdem sind die Juden eher fähig, diese Christenlehre zu üben, da sie stets die gehasste Minderheit gebildet und am eigenen Leibe die Wirkungen der Lieblosigkeit erfahren haben. Es soll ferner dargethan werden, dass der Antisemitismus unmoralisch sei und darum in der Regel nur von moralisch Schiffbrüchigen betrieben werde. All das will uns diese apologetische Erzählung zeigen. — In dem Städtchen Göllheim in der Rheingegend lebt die christliche Bürgerschaft mit der jüdischen friedlich beisammen. Als gutes Beispiel wirkt die brüderliche, innige Freundschaft, die den Kaufmann Seligman Feist — wegen seiner Klugheit und Gelehrsamkeit der .,Judenpapst" genannt — mit seinem einstigen Schulcollegen. d^m Holzhändler Robert VV'egner, verbindet. Robert Wegner ist ein „halber Jude" geworden, ohne bei seinen Mitbürgern — freilich mit Ausnahme des Pfarrers — Anstoss zu erregen. Da bringt der in den Grossstädten geborene Antisemitismus ein verkommenes Subject als politischen Agitator in diese Gegend, der hier „Stimmen* werben will, um ein Mandat zu erringen. Er weckt in den christlichen Mitbürgern den Neid, bringt es mit Hilfe des Pfarrers und durch lügenhafte Intriguen dazu, dass Robert Wegner an seinem Jugendfreunde zum Verbrecher wird. Trotzdem hebt ihn der Jude wieder aus dem moralischen Sumpfe empor, führt den Jugendfreund, als er gebrochen aus dem Kerker zurückkehrt, auf den rechten Weg zurück und übt an ihm solchermassen Christonpflicht. Im Hintergrunde spielt sich ein kleiner Liebesroman zwischen der Tochter des

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