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Die Welt · 1900-02-02 · 5 (2.2.1900) · p. 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
5 (2.2.1900)
Article
Antisemitische Brüsewitze
Date
1900-02-02
Page
8 (sequence 1)
Language
German
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Seite 8 „Die 3$ Weif Nr. 5 Antisemitische Brüsewitze. Aus Stein amanger berichtet man dem „Wiener Tagblatt" über folgenden scandalösen Vorfall: Im hiesigen Hotelrestaurant „Saboria" sassen am 25. d. mehrere Wiener und Budapester Reisende, die ihre geschäftliche Thätigkeit hier festhält; mehrere gleichfalls im Locale anwesende Einjährig-Freiwillige des 11. Husaren-Regiments begannen mit einemmale die Gesellschaft der Reisenden in anffallendster Weise zu provocieren, indem sie von der anwesenden Zigeunerkapelle Hetzlieder auf die Juden anstimmen Hessen. Weder der Oberkellner noch der Hotelier Hainzmann, der plötzlich — abgereist war. machten diesem Treiben ein Ende. Mittlerweile sangen die hoffnungsvollen Einjährig-Freiwilligen zu den von den Zigeunern gespielten Liedern die gröbsten und beleidigendsten Texte. Als die Reisenden, welche selbstverständlich unbewaffnet waren, das Local verlassen wollten, sprangen die Jünglinge auf, schnallten die Säbel um, postierten sich beim Ausgang und beschimpften die Reisenden aufs neue, wobei abermals die gröbsten Insulten fielen. Die Reisenden haben für diese Beleidigung volle Genugthuung erhalten, da auf ihre Beschwerde beim Platzcommando hin zwei Officiere des Husaren-Regiments die Herren beim Mittagstisch aufsuchten und ihnen die strengste Bestrafung der Einjährig-Freiwilligen in Aussicht stellten. Die Reisenden gaben sich damit zufrieden und übersiedelten aus dem „Hotel Saboria", dessen Leitung nicht die Macht und den Willen bewies, seine Gäste vor dergleichen Vorkommnisse zu schützen, in das „Hotel Hungaria". Die Namen der Einjährig-Freiwillig, die bei dieser Affaire eine besondere „Bravour" bewiesen, sind : Graf Ladislaus Szechenyi, Graf Johann Somssich und Graf Karl W e n c k h e i m. Oer kampflustige Herzog. Aus London wird berichtet: Bei einem Empfang seiner vom Staatsgerichtshof freigegesprochenen royalistisehen Freunde hielt der Herzog von Orleans eine Rede, in der er den festen Willen bekundete, den Kampf nachdrücklichst fortzusetzen. Der Herzog appellierte an die Unterstützung aller, die Frankreich und die Armee lieben, und fügte hinzu, die Monarchie werde die Freiheit der Schule, das Recht auf Vereinigung vertheidigen, sowie die Macht des Judenthums und der Internationale bekämpfen. Der Soff. Ein witziges Wort des Fürsten Eulenburg, des deutschen Botschafters in Wien, wid colportiert. Es war bei einem .Jagdmahl in Wusterhausen, an welchem Fürst Fritz Eulenburg und der russische Militärbevollmächtigte Fürst Kutusoff theilnahmen. Der letztere war eifrig bemüht, die Herkunft seiner Familie zu erklären. „Wir Kutosofl's sind," sagte er, „ursprünglich auch Preussen, denn wir kamen aus dem jetzt preussischen Lithauen nach Russland hinüber. Damals hiessen wir Kutu." — „Aha," unterbrach 'hn der sehr humoristisch veranlagte Fürst Eulenburg, „erst hiessen Sie Kutu? Der Soff kam also in Russland hinzu." Ritualisierung von Fleisch und Schmalz. In deutschen Zeitungen findet sich folgende Erklärung: „In der Beilage ..Markt-Bärbel" der „Neuen Bayrischen Landeszeitung" vom 10. December 1809 ist die Behauptung aufgestellt worden, im Talmud stehe, dass man das Fleisch und das Schmalz, das man an Christen verkauft, vorher unrein machen solle. Dem gegenüber und mit Rücksicht auf die in weiten Kreisen dadurch hervorgerufene Beunruhigung des Publicums sehen sich die Unterzeichneten, als die Rabbiner der durch diese Beunruhigung zunächst und am meisten betroffenen Rabbis atsdistricte, zu folgender Erklärung veranlasst: Wir weisen die Behauptung, dass im Talmud sich eine derartige Vorschrift oder irgend ein Satz finde, der auch nur im Entferntesten in solchem Sinne missdeutet werden könnte, ebenso wie die daran geknüpfte, das Verhältnis der Juden zu ihren Mitbürgern in gehässiger Weise verdächtigende Begründung mit Abscheu und Entrüstung zurück. Jeder, der mit dem Geiste des Talmud auch nur einigermassen. vertraut ist, muss wissen, dass derselbe nicht nur eine solche Handlungsweise nicht gebieten kann, sondern im Gegentheil sie aufs schärfste verurtheilt. Dem fügen wir noch hinzu, dass gegen den verantwortlichen Redacteur genannter Zeitung Strafanzeige bereits erstattet ist. Dr. Salomon Bamberger Districts-Rabbiner, Burgpreppach. Dr. Salomon Stein, Districts-Rabbiner, Schweinfurt." Der Wochenbericht des Matrikelamtes der Wiener israel. Cultusgemeinde vom 21. bis 27. Jänner vermerkt 59 Geburten, 9 Trauungen, 28 Sterbefälle. Personalnachricht Unser Gesinnungsgenosse HerrDoctor Jancu Goldenstein hat sich in J a s s y als Arzt etabliert. Kaiserfeier in Köln. Die Zionistische Vereinigung in Köln hat den Geburtstag des Kaisers unter zahlreicher Betheiligung festlich begangen. Bodenheimer eröffnete nach einem stimmungsvollen Präludium die Versammlung und wies in schwungvollen Worten darauf hin, wie zu allen Zeiten die deutschen Juden treu zu Landesfürst und Vaterland gestanden haben, und wie namentlich die Anhänger der zionistischen Bewegung das Gefühl innigsten Dankes für Kaiser Wilhelm II. hegen. Der denkwürdige 2. November 1S08, an dem der Kaiser im Zeltlager zu Jerusalem der zionistischen Abordnung sein Wohlwollen — das Interesse für ihre Bestrebungen ausgesprochen hat, würde allen deutschen Zionisten stets unvergesslich bleiben. Der Redner schloss mit einem begeistert aufgenommenen Hoch, die Versammlung sang stehend die Nationalhymne und Cantor Cohn trug das traditionelle hebräische Gebet für Kaiser und Reich vor. Hierauf hielt Klee- Bonn die Festrede, die sich mit der Bedeutung der zionistischen Bewegung in und für Deutschland beschäftigte, in Deutschland insoferne, als sie geeignet sei, ethisch auf die jüdischen Massen zu wirken und der Colonialarbeit grossen Stiles Verständnis für die modernen Aufgaben überseeischer Wirtschaftspolitik zu wecken, für Deutschland, denn ein mit Juden besiedeltes Palästina werde die natürliche Vermittlerin zwischen Deutschland und dem Orient bilden, da beinahe 9/1Q der gesammten Judenheit die deutsche Sprache als Umgangssprache gebrauchen. Dieses ideale Band müsse reale, wirtschaftliche Folgen zeitigen. Im Anschlüsse an die Rede wurde folgendes Ergebenheits- Telegramm an den Kaiser abgesandt: „Die in der Philharmonie zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers tagende Festversam mlung der Zionistischen Vereinigung zu Köln legt ihren unterthänigsten Glückwunsch an den Stufen des Thrones Sr. Majestät nieder mit dem Gelöbnisse unwandelbarer Treue und Ergebenheit für Kaiser und Reich. Die Zionisten der ganzen Welt, insbesonderedie deutschen Zionisten, werden die hoheGnade nie vergessen, welche Se. Majestät uns durch den Empfang der zionistischen Abordnung im Zeltlager zu Jerusalem erwiesen haben." Die wohlgelungene Feier wurde nach einem herzlichen Schlussworte des Rabbiners Dr. Nobel und nach Uebermittlung eines „treuen Zionsgrusses" an unseren verehrten Führer Dr. H e r z 1 geschlossen. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Graz. Samstag den 30. December v. J. veranstaltete der erst kürzlich ins Leben gerufene Verein „Zion" im Saale der Kaufmannschaft seinen ersten Winter-Vortrags-

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