Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 5 (2.2.1900)
- Article
- Der Senator Mercier
- Date
- 1900-02-02
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 6 „Die s> Welt?» Nr. 5 schliesslich auch alle die verbrecherischen Machinationen nachgesehen hätte, die er mit Schurken seinesgleichen gegen den Juden Dreyfus insceniert hatte, und der schliesslich nur wegen der schmutzigen Gelderpressungen, die er ohne Unterschied des Standes und der Confession ausübte, fallen gelassen werden musste. Mercier, der mit Lüge, Fälschung und Meineid bloss gegen einen Juden operiert hatte, der war gefeit g^-gen das Schicksal eines Esterhazy. Er blieb der gefeierte Held d?r Armee, der gehätschelte Liebling der Clerisei und — das beweist seine mit imposanter Majorität erfolgte Wahl zum Senator — auch der geehrte, hochgeschätzte, des Vertrauens seiner Mitbürger würdige Mann. So ehrt Frankreich die Männer, die mit Hintansetzung aller Scrupel und Rücksi« hten den Kampf gegen einen Juden, und sei es auch gegen einen unschuldigen, führen. Der Hass gegen die Juden verschafft auch in Frankreich eine gewisse Immunität. Nur der Hass gegen die Juden machte Mercier zu einer sympathischen, bezaubernden Erscheinung. In Wirklichkeit war jä nichts an itim, was fesseln, imponieren konnte. Selbst die fascinierende Aeusserlichkeit, die einst Boulanger zu dem Abgotte der Franzosen erhöhen konnte, fehlte diesem jämmerlichen Mercier, dessen Porträt mit Meisterhand einst Max Nordau — der ihn in Rennes studierte — mit folgenden Strichen gezeichnet hatte: „Den abstossendsten Kopf hatte General Mercier: eine unwahrscheinlich verrunzelte, verwitterte, zerknüllte Maske eines alten Weibes, trotz des kurzen, an den herabgezogenen Mundwinkeln niederstreichenden Schnurrbartes, der im Gegentheile durchaus zu diesem Gesichte einer bösen Sieben zu gehören schien; eine lange, dünne, an der Spitze wie ein Geierschnabel jäh gekrümmte Nase und kleine, bleiern glanzlose, starre Augen eines lauernden Krokodils. Die Stimme stand in merkwürdigem Einklänge mit der Physiognomie." Die Franzosen schwärmen sonst gewiss nicht für Männer, die wie alte Weiber aussehen. Aber bei Mercier haben sie eine Ausnahme zugelassen. Er war ja der ßekämpfer des Juden Dreyfus. Tribüne. (Für das in dieser Rubrik Publicierte ist die Redaction nichV verantwortlich.) Storozynetz, am 24. Jänner 1900. Geehrte Glaubensgenossen! Um die Herzen des jüdischen Volkes für den Zionismus zu begeistern, um der jüdischen Jugend eine jüdischnationale Erziehung zu geben und um in ihr die Liebe zur jüdischen Geschichte und Literatur zu wecken, hat der Ausschuss des hiesigen ZionVereines die Anlegung einer Bibliothek im Vereinsiocale beschlossen. Die Bibliothek soll möglichst reichhaltig sein, und besonders zahlreiche Werke in deutscher, hebräischer und in der Jargon-Sprache aufweisen. Nun hat zwar der hiesige Verein aus eigenen Mitteln für diesen Zweck eine namhafte Summe gewidmet, doch ist dieselbe bei weitem nicht hinreichend, um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Wir erlauben uns daher, auf diesem Wege an alle grösseren jüdisch-nationalen Vereine, sowie an alle akademischen Verbindungen den warmen Appell zu lichten, uns bei diesem schönen Werke behilflich zu sein, und von ihren grossen Bibliotheken unserer jungen und erst im Werden begriffenen Bibliothek Bücherspenden zukommen zu lassen. Jede, auch die geringste Spende ist herzlich willkommen und wird zur Erreichung unseres Zieles beitragen. Von der Hoffnung geleitet, dass unser Appell nicht wirkungslos verhallen wird, verbleiben wir mit Zionsgruss. Für den Vereinsausschuss des Storozynetzer Zionvereines : Der Secretär : Der Obmann : Chaim R e i c h m a n n. Adolf L i p p a. Samstag den 3. d. M., abends 8 Uhr, veranstalten wir im Restaurant R o s n e r. II., Praterstrasse, unseren zweiten Gesellschaftsabend. 1. Theil: Vortrag des Herrn cand. phil et theoL Sonderling über: Religiöser undpolitischerZionismus" mit anschliessender Discussion. 2. Theil: Tanzkränzchen. Die Tanzpausen werden durch ernste und humoristische Declamationen, Gesangs- und Instrumentalvorträge ausgefüllt. Da wir uns der Mitwirkung verschiedener ausgezeichneter Kräfte versichert haben, können wir den wertenTheilnehmern einen genussreichen Abend in sichere Aussicht stellen. Eintritt: 60 Heller die Person, 2 Kronen Familienkarte an der Cassa. Wir laden unsere werten Gesinnungs- und Volksgenossen, speciell aus dem IL Bezirke, herzlichst ein. — Am 6. d. M., abends 8 Uhr, hält in unserem Vereinsiocale He~r P. L Ö b 1 einen Vortrag über die Zukunft der palästinischen Colonien. Der Agitations-Ausschuss des Einzelverein „Wien" des „Z i o n". An die zionistische Studentenschaft Oesterreichs! Mehr denn je fühlen wir jüdische Studenten Oesterreichs jetzt das Bedürfnis, einander näher zu treten, einander näher zu stehen als bisher. Dieses allgemeine Bedüifnis der Einigung, die Gemeinsamkeit der Id*e, für die wir kämpfen, die wir hochhalten, die wir vertheidigen, für die wir zu jeder Zeit voll und ganz einzutreten gewillt sind, hat uns bewogen, die Einberufung eines Delegiertentages der zionistischen Studentenschaft Oesterreichs nach Prag anzuregen und mit Eurer Betheiligung durchzuführen. Wohin wir blicken, alle unsere Standesgenossen anderer Nationalität sind geeinigt, nur uns jüdischen Studenten Oesterreichs fehlt jede gemeinsame Arbeit, wir stehen da, ohne inneren, ohne äusseren Zusammenhalt, wissen kaum einer vom anderen. Deshalb erwachet, erhebet Euch, auf, auf zur Organisation! Zögert nicht, kommt recht zahlreich, beschickt den Tag zum Wohle der heiligen Sache, die wir vertreten. Zeigen wir unseren Feinden und Freunden, dass wir alle für eine Sache kämpfen, dass wir alle eines Sinnes sind, dass uns alle ein Geist beseelt, der Geist des Zionismus. Und so treten wir an Euch heran, uns bald mitzutheilen, welche Forderungen Ihr an den Delegierten tag stellet, damit wir zur Festsetzung des Datums, zur gemeinsamen Aufstellung des Programmes schreiten können. So seid denn herzlichst gegrüsst von Euren Brüdern in Prag. Das vorbereitende Comite des „Vereines der jüdischen Hochschüler in Prag", Fischmarktgasse 26. Die jüdische Vereinigung „Jordania% Wien, Verein von Handelsangestellten und Beamten, veranstaltet Donnerstag den 8. Februar 1900 um 8 Uhr abends in Ulimanns Restauration, EL, Malzgasse Nr. 1 (Ecke Miesbachgasse). eine öffentliche Vereinsversammlung. Tagesordnun g: 1. „Die wirthschaftlichen Ursachen des Zionismus." Referent Nathan Gross. 2. Discussion. Wilhelm Epstein, RobertSchwab, Präses. L Schriftführer. Jüdische Vereinigung „Jordania", Wien. Verein von Handelsangestellten und Beamten, IL, Gredlergasse Nr. 9 (vis-ä-vis der Fruchtbörse). Für Vereinsmitglieder unentgeltliche Unterrichtscurse. Buchhaltung (einfache und doppelte), verbunden mit einem Curse für kaufmännisches Rechnen, jeden Donnerstag von 7S8— 7,10 Uhr abends. Sten ographie (System Gabelsberger), jeden Sonntag von l/212— \/al Uhr mittags. Nation al-Oekonomie (mit Discussion), jeden Sonntag von 7,3—7,4 Uhr.^nachmittags. Anmeldungen und Auskünfte im Vereinsiocale jeden Donnerstag und Samstag von 7a8-7212 Uhr und jeden Sonntag von 7^2—7,1 und von 7a3—7,4 Uhr. Czernowitz 28. Jänner 1900. Im vorigen Jahre wurde Nord aus „Doctor Kohn" in Czernowitz mit unbestrittenem Erfolge aufgeführt. Heuer wird das Stück im hiesigen Stadttheater, das unter der Leitung des bekannten .Directors Franz Schlesinger steht, wiederholt werden. Für den 20. Februar ist nämlich