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Die Welt · 1900-01-26 · 4 (26.1.1900) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
4 (26.1.1900)
Article
Kleine Geschichten
Date
1900-01-26
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 ,Die 2$ Welt4 Nr. 4 „Liebe Grethe, mein Kopfweh wird immer scli!immer, es wird mir wohlthun, nachhause zu fahren und zu Bette zu gehen ..." Grethe begleitete die Freundin bis ins Vorzimmer. Zärtlich besorgt, fragte sie. als sie ihr in die Pelzjacke half: „Sag\ ist's wirklich sonst nichts als ein bissl Kopfweh?K „Gewiss nicht,a antwortete Mia, „aber eines muss ich Dir doch sagen, weisst Du, ich staune, dass Du Esther, geladen hat . . . Denn weisst Du, wir verkehren principiell mit Juden nicht . . - II. Der junge Baron. Der junge Baron Ephraim von Hohenaus war in übler Laune. Er fieng an, die Sache ungemüthlich zu finden. Nun ja, er verkehrte, obgleich die Millionen, über die seine Familie verfügte, viel zahlreicher waren, als deren Ahnen — bei so vielen altadeligen Familien soll das Umgekehrte der Fall sein — mit den SprössHngen der vornehmsten Geschlechter, aber ... Es war ein Aber dabei. Dieser Verkehr war ein nicht ganz harmonisch ausgeglichener. Er bewegte sich vielmehr geradezu im Extremen. Vor einer Stunde z. B. war der junge Markgraf Piccino bei ihm gewesen und hatte mit ihm so herzlich und kameradschaftlich gesprochen, als ob ihre Ururgrossväter in der gleichen Angelegenheit zur Zeit der Kreuzzüge im Gelobten Lande sich befunden hätten. Der Markgraf hatte sogar in einer geradezu freundschaftlichen Weise die Bagatelle von 5000 Kronen, die er für ein paar Wochen brauchte, angenommen — aber kurz darauf, als sie sich im Club trafen, schien der Markgraf wieder wie ausgewechselt. Das Undefinierbare, Räthselhafte, welches nicht den Markgrafen allein, sondern auch dessen Freunde und Clubgenossen von ihm, dem Baron Ephraim von Hohenaus schied, sobald er nicht allein, ohne Zeugen mit ihnen war, war schon wieder da, verrieth sich in tausend Kleinigkeiten, die der Baron empfand, wenn er aucli that, als ob er sie nicht merkte. Die sociale Gleichstellung, die vor einer Stunde erst einen so herrlichen — durch 5000 Kronen markierten — Triumph gefeiert hatte, war sozusagen im Handumdrehen wieder verschwunden. Sie hatte einer gewissen vornehmen, gönnerhaften Herablassung Platz gemacht. Der Baron hatte in solchen Momenten immer die Empfindung, als ob er der Schuldner jener wäre, denen er so oft aus den andauernden momentanen Verlegenheiten geholfen hatte, deren Autographe er als zarte Zeichen der Erinnerung iu seiner Schreibtischlade aufbewahrte. Als der gegenwärtige Besitzer von Millionen und der präsumptive Erbe von weiteren ungezählten Millionen hatte der junge Baron Ephraim niemals die Notwendigkeit gekannt, über sich und seine Lage angestrengt nachzudenken. Aber da er von Haus aus nicht ohne Verstand war, hielt er den Moment für gekommen, um einmal zur Abwechslung auch von diesem Gebrauch zu machen und er stellte beiläufig folgende vergleichende Studie an: Im Kreise der jungen Cavaliere, die meinen Vater kaum kennen wollen, von denen keiner mehr taugt als ich, werde ich von oben herab behandelt, als wäre ich der — Hausjude. Im Kreise meiner Glaubensgenossen werde ich auch von jenen, die viel mehr wert sind als ich, weil sie meinen Vater kennen, mit Achtung, ja sogar mit Auszeichnung behandelt. Dazu kommt noch, dass jene, die auf mich herabsehen, mich ausbeuten, während die, die mich ehren, selbstlos und uneigennützig sich zeigen .... Ich laufe den ersteren nach und vermeide so viel es geht, die letzteren. Ist das klug, vortheilhaft, anständig? . . . . Als der junge Baron Ephraim von Hohenaus mit seinen vergleichenden Studien so weit gekommen war, verfiel er in ein tiefes Nachsinnen..... III. Der Deutsche. Als er die Universität bezog, war seine Brust von stolzen Idealen geschwellt. Erfühlte sich so durch unddurch als Deutscher, begeistert von den nationalen Idealen ... Dass er als Jude geboren worden sei, das wusste er kaum mehr, keineswegs dachte er daran. Aber wvlch merkwürdige Wandlung. An der Universität fanden die deutschen Studenten, an die er sich anschliessen wollte, alle, ausnahmslos, dass er nur ein Jude sei, ganz ohne jede Spur vom Deutschthuni . . . Seltsam! Obwohl man ihn fort und fort an sein Judenthum erinnerte, fühlte er sich doch noch immer nicht als Jude und er forderte blutige Genugthuung von denen, die ihm sein Deutschthum abstritten. Sie zuckten die Achsel: „Der Jude ist nicht satisfactionsfähigtt höhnte einer, der sich auf seine reckenhafte Gestalt besonders viel einbildete. „Aber schlagen kann er doch, wenn man sich auch nicht mit ihm schlagen will", rief der Beleidigte, vor Zorn bebend und schlug dem starken deutschen Studenten ins Antlitz, dass es von Blut überströmt wurde ... Zum Zweikampfe kam es auch dann nicht, aber der jüdische Student, der sich für sein Deutschthum hatte schlagen wollen, wurde relegiert. Als er sein Consilium abeundi in der Tasche hatte, flüsterte er vor sich hin: „Sollte ich vielleicht doch kein Deutscher, sondern ein Jude sein?- Max Rott er. Spenden für zionistische Zwecke: Bacher Eisig in Stanislau. Sammlung bei einer Tanzunterhaltung...............K 4.20 Meier Heisch Stier in Wiznitz......._-_•_» Summe . . KSTaÖ j>ty*2Ki^StrT }S2 "'i:"" J?B*T>*£ S*~ wi**t?"> >£,,~ ]V2b';'V" >t"-2cb:*;c>::^2» x*i ♦"ttSjm KT» Ewar .ja»»*!» pnpsrn ijn jrr Verschiedene Nummern des Jahrganges 1899 können zur Propaganda an Vereine gegen blosse Entrichtung des Portos abgegeben werden. — Porto für Oesterreich und Deutschland für 5 Kilo Kronen 0.60 Serbien ., 5 .. .. 1.— Russland 2 .. 2.— Rumänien .. 5 „ 1.2?» England .. .. .. 2.35 Irland r. 5 „ „ 2.60 Vom Neujahr 1900 an haben wir dem Verlage „Tuschijah" in Warschau unsere Vertretung für Russland übergeben. Die demnächst zur Ausgabe gelangende Agitations- Nummer (deutsch) wird nur gegen Voreinsendung des Betrages abgegeben.

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