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Die Welt · 1900-01-26 · 4 (26.1.1900) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
4 (26.1.1900)
Article
[Kommentar]
Date
1900-01-26
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 4 ,Die O Welt" Seite 11 gehört etwa ein Ghetto auch dazu? Vielleicht für die Antisemiten, welche damit ihre grenzenlose Verdorbenheit und unvergleichliche Intoleranz vor aller Welt ausstellen." „American Hebrew" veröffentlicht in der letzten vorliegenden Nummer einen prächtigen Artikel unserer wacker en Gesinnungsgenossin Frau Leah Ascher-Worcester. Die Frage lautet: ..Kann Amerika unser Zion sein?" Der Artikel, auf die Genesis des von amerikanischen Antizionisten herrührenden Ausspruches: „Amerika ist unser Zion und Washington unser Jerusalem" hinweisend, stellt dann die Fragen: „Kann Amerika den verfolgten Juden ein immerwährendes Zion sein? Kann Amerika uns vor weiteren Gefahren des Antisemitismus schützen? Kann Amerika unser Zion sein mit Bezug auf die moralischen Fortschritte der jüdischen Rasse? Die Antwort muss auf sämmtliche Fragen „Nein!" lauten. Auch in Amerika existiert Rassenhass. geradeso wie in der übrigen Welt. Er findet sich in der- Gesellschaft, in der Schule, auf den Universitäten und in der Tagespresse. Dankbar erkennen wir es an, dass uns Amerika grössere Freiheit gewährt, als irgend ein -anderes Land, aber was Zion uns geben soll, ein ständiges Heim, gibt es uns nicht! Unseren Herzenswunsch bildet Zion, der Wille Gottes und des jüdischen Volkes ist Palästina, und nicht Amerika kann uns Zion ersetzen." Die Jänner-Nummer unseres Londoner Bruderorgans „Israel" erscheint wiederum in prächtiger Ausstattung. Ausser einer Anzahl kleinerer Artikel und „Zionistiea" enthält das Heft einen Soldatenartikel unseres Freundes de Haas, eine reichillustrierte Beschreibung des Londoner jüdischen Taubstummen - Instituts, eine Charakterzeichnung Paul Lindaus und Dr. Gollancz. Musikbeilage und Jugend- Zeitung. Auch der Benjamin der englisch-zionistischen Jargon- Literatur „Das Volk", zeigt in der soeben erschienenen Nummer, dass es auf der Höhe der Situation ist. Neben einer Biographie Dr. Gasters und der Wiedergabe des jüngst auch in den Spalten der „Welt" veröffentlichten ..Menorah"- Artikels enthält „Das Volk" eine Polemik gegen „Jewish- Express". Eine Anzahl zionistischer Artikel, Informationen über die Bewegung etc., sowie Feuilleton vervollständigen das im übrigen durch schönen Druck von vielen anderen Jargon-Blättern vortheilhaft abstechende Halbmonats-Heft, Wir wünschen dem Blatte besten Erfolg. Die Londoner „Times" enthält in einer ihrer letzten Nummern eine Correspondenz aus Oesterreich über die zahlreichen Austritte aus der katholischen Kirche und über die Stellung der Katholiken Oesterreichs gegenüber den Juden. Es wird namentlich darauf hingewiesen, wie sehr der höhere Clerus unter dem streitsüchtigen Ultramontanismus leide, und man dürfe sich nicht darüber wundern, wenn in unserem aufgeklärten Zeitalter nicht alle mit den Ideen der streitbaren Cleriker übereinstimmen. Der jesuitische Fanatismus, unter dem die Juden so lange gelitten haben, werde hoffentlich bald schachmatt gesetzt sein. Der Artikel ist mit aussergewöhnlicher Schärfe geschrieben und geht namentlich mit jenen ins Gericht, bei denen die Religion nur der Deckmantel für die eigennützigen, politischen Pläne bildet. „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" müsse die Losung der Gegenwart lauten! Bücherwelt. Fülle von neuen, geistreichen Conjecturen und scharfsinnigen Erklärungen bietet, von denen sich sicher viele (wie Kirchenrath Oettli in einer Recension bemerkt) in der wissenschaftlichen Discussion erhalten dürften. dr. . . . 1 . . . g. „Syrische Tänze" für Pianoforte zu zwei Händen von Heinrich Schenker. Die beiden bei J. Weinberger erschienenen Hefte enthalten vier Tänze, deren Grundcharakter bei allen ähnlich ist. die aber in der geistvollen und durchaus originellen Behandlung jeder für sich ein Charakterstück bilden. Uns erinnerte diese Musik an jene orientalischen Frauen, die mit verschleiertem Antlitz gesenkten Hauptes einherwandeln; hebt aber ein plötzlicher Windhauch den Schleier, so blitzt aus den dunklen, träumerischen Augen ein leidenschaftliches Feuer hervor, das umso heisser lodert, jemehr es unterdrückt wird. — Wir können die syrischen Tänze wärmstens empfehlen. L. F. Proverbia-Studien zu der sogenannten Salom.-Sammlung c. X-XXII 16 von Dr. H. P. Chajes, gr. 8". Berlin. Schwetschke 189'.-». In den genannten Capiteln — dem nach Ansicht vieler Forscher ältesten Theile der Proverbia herrscht eino heillose Unordnung. Die Eintheilung ist eine zumeist willkürliche und die Verse entbehren grösstentheils jedes einigenden Bandes. Der Verfasser unserer Schrift macht zum erstenmale den Versuch, in dieses Chaos Methode zu bringen. Er glaubt nämlich, nachweisen zu können, dass die Verse früher in Spruchreihen vorlagen, die nach den Buchstaben des Alphabets geordnet waren. Wenn man auch dieser kühnen Hypothese zumindest mit grosser Reserve gegenüberstehen "muss, lässt sich nicht in Abrede stellen, dass durch diese Gruppierung an vielen Stellen der wirkliche Zusammenhang ermittelt werden kann und dass manche zutage geförderte Einzelheit lebhafte Anregung gewährt. Wir verweisen z. B. auf S. 11 V. 38, *9. Anm. U. S. '20 f. V. 1—11, S. 3-2 V. 17 f., S. 33 V. 28 f., S. 38 V. 13, 14 Anm. f., u. s. w. Von besonders grossem Interesse ist übrigens der vom Verfasser gebotene Commentar. der eine Feuilleton. Lieder eines Bekehrten. in. Zionsgruss. Sei mir gegrüsst in Deiner Herrlichkeit O Morgenröthe einer neuen Zeit! Die Du nach sturmdurchwühlter Leidensnacht Uns aufgestrahlt voll siegbewusster Pracht. Allüberall wo sich ergiesst Dein Licht, Weckst neues Hoffen Du und Zuversicht. Und zeigst dem Wandervolke im Exil Ein neues, schönes, grosses Lebensziel! Sei mir gegrüsst in Deiner Herrlichkeit Du lauter Weckruf einer neuen Zeit, Der Du gleich der Posaune mächt'gern Schall Die Todten weckst mit Deinem Wiederhall. Allüberall wo nur Dein Echo bebt. Das trockene Gebein sich neu belebt, Und es vollziehet sich an der Nation Das Wunder von Ezechiels Vision'. Sei mir gegrüsst in Deiner Herrlichkeit Du lichte Fackel einer neuen Zeit, Die Du mit Deiner zauberkräft'gen Glut In uns entzündest neuen Lebensmuth. Gleich jener Säule loh'ndem Feuerbrand, Der einst geführt uns ins Gelobte Land, So leuchte uns fortan Dein Flammenstrahl Den Weg zu unser'm Zionsideal! Sei mir gegrüsst in Deiner Herrlichkeit O Zionstraum von einer bessern Zeit! Der Du das Hei z erfüllst mit süssem Trost. Wenn ringsum auch der Hass der Feinde tost. Dem Geiste zauberst vor Du wundermild Der auferblühten Heimat göttlich Bild Gleich einer lieblich guten Märebenfee. Dass wir vergessen unser Leid und Weh. Sei mir gegrüsst in Deiner Herrlichkeit Du unser Losungswort der neuen Zeit, Um das auf tausendjähriger Pilgerfahrt Wir nun als treue Brüder uns geschart. Gleich jenes Schlachtrufs mächt'gem Donnerklaug. Vor dem des Feindes Mauer niedersank. So stürze auch vor unser'm Feldgeschrei Die Mauer geistesfinst'rer Tyrannei! Heinrich Grünau. Paris, im Jänner l!»(K). Der kleine Engel.*) Eine Legende von David Fischmann. [.'ebersetzt aus dem Hebräischen von S. Baum. (Schluss.) Zu jener Zeit kam der kleine Engel in den Stall, wo der „Himmelswagen" (Merkabah) sich befindet. Kabbalisten und Fromme klangvollen Namens umstanden ihn und studierten seine Maschinerie (Maasseh-Merkabah). Da versteckt sich der kleine Engel und wartet mäuschenstill, bis die Männer hinausgehen. Kaum ist dies geschehen, packt er hurtig den Wagen ui-d zieht ihn aus dem Stall, nimmt s >-

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