Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 4 (26.1.1900)
- Article
- Philadelphia
- Date
- 1900-01-26
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr.-4 „Die 2£ Welt" Seite 9 heil in englischer Sprache über den dritten Baseler Congress. Der letzte Redner war Rev. Brodsky aus N e w- York, der im Jargon sprach. Sämmtliche drei Redner ernteten stürmischen Apnlaus. Frau Prof. G o 11 h e i 1, die ihren Mann hierher begleitet hatte, benützte ihre Anwesenheit in unserer Stadt, um im Frauenvereine „Benoth Zion" eine herrliche Rede zu halten, die dem Vereine viele neue Mitglieder .zuführte. Nach dem „Mass Meeting" arrangierte der Verein „Friends of Zion" den auswärtigen Gästen zu Ehren ein Bankett, bei dem es sehr animiert hergieng. Allerlei Nachrichten- Aus der Synagogen - Gemeinde Königsberg in Preussen ist eine Anzahl von orthodoxen Geineindemitgliedern ausgetreten, um eine Separatgemeinde zu bilden. Heber die Opportunität dieses Schrittes sind die jüdischen Blätter Deutschlands — je nach ihrer Richtung — getheilter Ansicht. Im grossen und ganzen ist die Ansicht vorherrschend, dass bei einigem guten Willen von beiden Seiten die Spaltung sich hätte vermeiden lassen. Während der Zionismus am Einigungswerke der Juden arbeitet, sind es die Gegner der Bewegung, welche die nothwendige Einigkeit im Judenthum stören. Die Verwaltung der israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem bei Hannover macht bekannt, dass zu Ostern eine Anzahl Knaben entlassen und für eine entsprechende Zahl neu Aufzunehmender Platz wird. Es sei erwünscht, etwaige Eingaben in dieser Beziehung bald an die üirection gelangen zu lassen. In Altona feierte der im Lebensjahre stehende Rabbi Jacob Cohn seine diamantene Hochzeit. Rabbiner Cohn ist der älteste Talmudist Deutschlands und das Haupt einer bekannten Rabbiner-Familie. Eine seltene Auszeichnung erhielten die Herren Rabb. Dr. Appel und Landgerichtsrath Heinsheinicr. nämlich das Ritterkreuz des badischen Ordens vom Zähringer Löwen. Regierungsrath Meyer wurde zum Geheimen Regierungsrath befördert. So ehrt der judenfreundliche Grossherzog das Verdienst seiner jüdischen L'nterthanen. In Stockholm wurde Frl. E. Lev y söhn. Tochter des dortigen Rabbiners, als erste Jüdin zum „ordentlichen Postexpeditorbetordert. In Chicago tagte Mitte v. M. ein ..Religionscongress'% und zwar im Tempel der Mount-Sinai-Congregation. Es waren „Debatten ohne Ende und doch kein Resultat," Ein Jubiläum, wie es in der Verwaltung einer öffentlichen Behörde äusserst selten vorkommt, begieng der Banquier Josef Böhm in Brieg. Er ist seit vollen 50 Jahren Mitglied des Stadtcollegiums. Einen glänzenden Beweis von Opferfreudigkeit erhielt die Verwaltung der Synagogen-Gemeinde ..Adas Jeschurun" in Berlin. Das vor einigen Tagen eröffnete Testament des verstorbenen Herrn Israel Kessler enthielt eine Stiftung von 400.000 Mark zugunsten der genannten Gemeinde. Ferner ist die Bestimmung darin enthalten, dass alle übrigen, im Testamente ausgesetzten Legate, deren Zinsen bestimmten Personen zufallen, nach 45 Jahren erlöschen, und dass das gesammte Capital dann ebenfalls der Gemeinde Adas Jisroel zufallen solle. Ausserdem sind noch verschiedene Legate speciell für Palästina gestiftet. Gegen die jüdischen Kaufleute in Moskau wird zu einem neuen Schlage ausgeholt. Bisher konnten jüdische Kaufleute, die eine Zeitlang der zweiten Gilde angehörten, leicht in der ersten Gilde Aufnahme finden, womit bekanntlich gewisse Privilegien verbunden sind. Das hat sich nunmehr in so ferne geändert, als die Handelskammer das kaufmännische Verwaltungsbureau instruiert hat, dass die Kaufleute zweiter Gilde nur ein Drittel ausmachen dürfen, zur ersten Gilde aber überhaupt kein Kaufmann zugelassen werden soll. Zu den Obliegenheiten des Liverpooler Lord-Mayors gehört auch die Veranstaltung eines Maskenballes für die tanzlustige Jugend der grossen Handelsmetropole. Mr. Louis S. Cohen hat sich dieser Pflicht in grossartigster Weise entledigt und wurde dabei von seiner Gemahlin bestens unterstützt. Das Fest, von dem alle Blätter voll des Lobes sind, fand im Kestsaale des Stadthauses statt, wobei der Lord-Mayor in grosser Staatskleidung die Honneurs machte Chief-Rabbi Dr. Adle r erhielt wegen seiner am ..Oueens-Sabbath" in der grossen Londoner Synagoge gehaltenen Rede und wegen der zugunsten der Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen gesammelten grossartigen Spenden ein königliches Dankschreiben. Die Cadetten des deutschen Schulschiffes „Gneisenau" machten jüngst von Jaffa aus eine E.xcursion ins Innere Palästinas. Der letzte Geburtstag des Sultans wurde in Jerusalem mit grossem Pomr und allgemeinster Betheiligung gefeiert. In Szolnok wurde der Vorsteher der dortigen Cultusgemeinde Dr. W. Lippe zum königlichen Tafelrichtcr ernannt. Der Leiter der weltbekannten „Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemüthskranke" in Sayn bei Coblenz, Herr Dr. Berendt, feierte letzter Tage sein üöjähriges Jubiläum als Leiter der Anstalt. Anlässlich der Feier erhielt er Glückwünsche von nah und fern. Die Millionenstadt, jenseits des Oceuns hi-silzt die meisten fremdsprachigen Zeitungen. Das Sonderbarste aber ist, dass im New-Yorker Ghetto die meisten davon in hebräischer Schrift erscheinen, und zwar: „Jüdischer Herold", demokratisch, „Jüdische tägliche Nachrichten", unabhängig. ^Vorwärts* und „Volks-Zeitung-, socialistisch, „Abendzeitung", officielles socialistisches Organ, und die „Abendpost", unabhängig. Die Auflage der meisten Blätter geht in die Tausende. In dem berühmten Schweizer Wintercurorte D a v o s ist seit kurzem unter der Leitung des Herrn A. Hirsch ein mit streng jüdisch-ritueller Küche versehenes Sanatorium für Lungenkranke eröffnet, das sich regen Zuspruches erfreut. Die von den Baseler Juden beabsichtigte initiative zur Aufhebung des Schacht Verbotes begegnet in der inneren Schweiz einer starken Opposition. Man befürchtet ein stärkeres Umsichgreifen des Antisemitismus und will eine umfassendere Revision der Bundesverfassung abwarten, ehe man die zur Beseitigung des Artikel i'öbis der Bundesverfassung nöthigen Schritte thut. Der Zionismus in Wien. Wenn man einmal daran gehen wird, die Geschichte der zionistischen Bewegung zu schreiben, wird man nicht umhin können, ein besonderes Capitel denjenigen Verhält-