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Die Welt · 1900-01-26 · 4 (26.1.1900) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
4 (26.1.1900)
Article
Jüdische Steuergelder
Date
1900-01-26
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 4 „Die & Welt" Seite 7 Summen stehen auf diese Weise folgenden jüdischen Gemeinden zur Verfügung: Wassilkow etwa 50.000 Rubel, Fastow über 30.000 Ruh., Korsunj über 28.000 Rub. und Rzisezew über 24.000 Rub. Insgesammt hatten die jüdischen Gemeinden fies Kiewer Gouvernements am 1. Jänner 1S09 einen Betrag von 823.384 Rubel ö Kopeken zur Disposition. Das fetzte Werk George Eliots. der berühmten Verfasserin des „Daniel Deronda", war, wie bekannt, „The Hep. hep, hep modern" (der moderne „H«>pp-Hepp .'"-Ruf). Dieses Buch der im Jahre 1880 verstorbenen grossen englischen Schriftstellerin erschien 1879, also nicht lange vor ihrem Tode. Wie fast alle Werke dieser christlichen Schriftstellerin, war auch dieses von einer innigen Liebe zum jüdischen Volke durchglüht. Mit divinatorischer Kraft prophezeite George Eliot in diesem Buche die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes auf dem uralten Boden der Heimat. Da das Buch in der letzten Zeit i»n Buchhandel nicht mehr erhältlich war, sah sich die „Federation of American Zionists" zu einer Neuausgabe veranlasst, die dieser Tage erschien. Dieselbe findet in christlichen und jüdischen Kreisen Amerikas grossen Anklang. Aus Anlass des fünfzehnten Todestages Perez Smolenskys 06. Schewat) hat sich in Odessa ein Comite constituiert, das eine ausführliche Biographie dieses grossen Vorkämpfers der nationalen Idee in hebräischer Sprache herauszugeben beabsichtigt. Zu diesem Behufe erliess das Comite einen Aufruf, in dem es alle Verehrer Perez Simolen skys. insbesondere aber diejenigen unter ihnen, die sich seiner persönlichen Bekanntschaft erfreuten, zur Mitarbeit einlädt. „Haideti Frati!" (Auf. Brüder!) benennt sich ein zionistischer Marsch, den Herr A. L e v y in Bukarest coniponiert hat. Die Musik ist prächtig. Der Marsch dürfte bald in allen zionistischen Vereinen gehört werden. Verleger: J. Louis Klinger, Bukarest, 7. Str. Calomfirescu 7 Der Wunderpriester Johann von Kronstadt. Eine der populärsten Persönlichkeiten des modernen Russland, der Priester Johann von Kronstadt, der, wie erinnerlich, zum kranken Czar Alexander III. nach Livadia berufen ward, hat vor kurzem seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert. Der greise Priester erhielt aus diesem Anlasse zahlreiche Adressen von den russischen Juden, in denen Johann von Kronstadt als wahrer Apostel der Nächstenliebe und der Toleranz gefeiert wurde. Priester Johann von Kronstadt hat diese ihm von unseren Glaubensgenossen in Russland dargebrachten Huldigungen auch ehrlich verdient. In einer Zeit, wo in Russland die Judenhetze das Bürgerrecht zu erlangen schien, war es der Wundci-priester Johann, welcher von der Kanzel herab Nächstenliebe und Duldsamkeit predigte und die verfolgten Juden in Schutz nahm.- Er benützte auch jede Gelegenheit, um den Juden in Russland seine Sympathien zu bekunden, verschmähte es auch nicht, unter den Russen aus der Gesellschaft für unsere Glaubensgenossen das Gefühl der Menschlichkeit zu wecken. Bald errichtete er auf eigene Kosten eine Schule für Judenkinder, bald spendete er einen namhaften Betrag für ein jüdisches Gotteshaus, bald eilte er den durch irgendein Elementarereig.^is ins Elend gestürzten Juden zuhilfe. Interessant ist auch ein Ausspruch, welchen der von Hof und Gesellschaft in Russland ehrerbietig geachtete Priester Johann über die sogenannten Ritualmorde that. Er sagte: „Die mosaische Lehre zeigt sich in ihrer ganzen Erhabenheit in der Predigt der Liebe zum Menschen und zum Nächsten. Nichts "hat diese Lehre unterlassen, was im Herzen der Juden Liebe und Mitleid zu seinen Mitmenschen wecken könnte. Schon das allein müsste genügen, um die Absurdität der Blutbeschuldigung zu beweisen." Die Feier des siebzigsten Geburtstage« dieses russischen Geistlichen gestaltete sich deshalb zu einem Feste der Toleranz und der Nächstenliebe. Und ein Blick auf die „Thätigkeit" des Pfarrers von Währing-Weinhaus genügt, um zu begreifen, warum der russische Priester Johann in seinem Vaterlande solch ungetheilte Popularität geniesst. Freilich, Johann von Kronstadt ist mit der Salvator-Medaille nicht ausgezeichnet worden, dafür aber ist er die geachtetste Persönlichkeit im grossen Czarenreiche. „Hamlet" in hebräischer Übersetzung. In der Feuilletonrubrik des hebräischen Tageblattes „Hazefirah" erscheint seit Neujahr eine hebräische Uebersetzung von Shakespeares „Hamlet" in Fortsetzungen. Die Uebersetzung hält sich an das Versmass des Originals. Sie stammt aus der Feder Ch. J. Bornsteins. Hilfsaction der „Israelitischen Allianz". Die in mehreren Ortschaften Mährens gegen die Juden verübten Excesse gaben der „Israelitischen Allianz" zu Wien die Veranlassung, eine Hilfsaction zugunsten der durch die vorgefallenen Gewaltthätigkeiten geschädigten Glaubensbrüder einzuleiten. Das Ergebnis der Spendensammlung wurde hauptsächlich 86 Familien Geschädigter zu Holleschau zugeführt, wobei namentlich auf solche Bedacht genommen wurde, die durch den geschäftlichen Boycott in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Den Rest der Sammlung verwendet die „Israelitische Allianz" für die an kleineren Orten durch die Verfolgungen heimgesuchte jüdische Bevölkerung. Judendebatte in einer russischen Adelsversammlung. In der Adelsversammlung von Kursk fand unlängst, wie die offiziellen ..Kurskija Gubernskija Wjedomosti" melden, eine interessante Judendebatte statt, welche mit einer Niederlage der antisemitischen Scandalmacher endete. Anlass zu dieser Debatte gab folgender Fall: Bei der öffentlichen Licitation von Gütern, welche die Kursker Adelsbank ausgeschrieben hatte, erstand ein Jude das im Kursker Bezirk liegende Landgut eines zahlungsunfähigen russischen Edelmannes. In der Adelsversammlung meldete sich nun ein gewisser Kassatkin -Rostowskij, um gegen den „Uebergang eines Landgutes in jüdische Hände" Protest zu erheben. Er sagte, die Adelsbank hätte einem Juden das Gut nicht verkaufen sollen, um nicht eine Verjudung des Gebietes herbeizuführen. Er forderte deshalb die Adelsversammlung auf, die Ministerien des Innern und des Ackerbaues von der „Handlungsweise" der Adelsbank in Kenntnis zu setzen und die Annullierung des Kaufsvertrages zu erwirken. Da erhob sich der im Gouvernement Kursk durch seine gemeinnützige Thätigkeit bekannte adelige Gutsbesitzer Nikolai S c h i r k o w. um im Namen der Adelsversammlung gegen die Ausführungen Kassatkins Verwahrung einzulegen. Schirkow sagte : „Der engherzige nationale Standpunkt, welchen Kassatkin soeben vertreten hat. ist verwerflich, umsomehr als er in eine Ständeverwaltung getragen wird, welche nationale Gegensätze nicht kennen darf. Für die Interessen des Landes ist die von Kassatkin empfohlene Politik der nationalen Unterschiede höchst gefährlich und schädigend.^ Die Rede Schirkows fand die Zustimmung der Führer des Adels, des Fürsten Dolgorukij, des Gehoimrathes Rajo wskij Puschkarews, und die Versammlung lehnte den Antrag Kassatkins ab. Ob seines Misserfolges erbittert, hielt nun Kassatkin eine Brandrede gegen die Juden und brachte den Antrag ein, das Ministerium möge von der Adelsversammlung ersucht werden, den Juden den Erwerb von Immobilien im Gouvernement Kursk zu untersagen. Da aber die Adelsversammlung sich nicht zur Vollstreckerin der guten Absichten des Herrn Kassatkin hergeben wollte, so entschloss sich der edle Herr, auf eigene Faust zu handeln. Er fand einige Gesinnungsgenossen, welche die von Kassatkin verfasste Petition an das Ministerium des Innern um Drangsalierung der Juden mit ihren Unterschriften versahen. Nunmehr bleibt abzuwarten, welche Erledigung diese Petition im Ministerium erfahren wird. Dass sie nicht im Sinne des Herrn Kassatkin lauten dürfte, dafür bürgt der Umstand, dass die Adels Versammlung fest entschlossen ist, an dem

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