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Die Welt · 1900-01-26 · 4 (26.1.1900) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
4 (26.1.1900)
Article
[Ohne Titel] / Rosenberger, Erwin
Date
1900-01-26
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 ,Die j£ Welt?* Nr. 4 weg: die christlichen Arbeiter überziehen einander höchstselbst bis auf weiteres mit Krieg. Es ist gewiss wünschenswert und angenehm, dass die Gegner der Juden auf die glückliche Idee gekommen sind, die Judenfrage untereinander zu erledigen und tete ä tete, mit Ausschluss der Juden, massive Bierkrügel und dergleichen Argumente in die Debatte zu ziehen. Gut, ein wohlgezieltes Bierglas übt auf die Aussenfläche des Kopfes eine angenehme Wirkung aus, und man kann die chrlstlich-socialen Arbeiter nur ermuntern, die Discussion der Judenfrage fleissig fortzusetzen: aber was schaut bei der ganzen Geschishte heraus? Im günstigsten Falle würde jene Fraction siegen, welche das mildere, engere Programm hat: nur jene Juden, welche nicht getauft sind, also ein ziemlich beachtenswerter Theil der Juden, würde bekämpft werden. Und die getauften Juden könnten ungeprügelt durchs Leben wandeln. Es ist somit Grund genug vorhanden, dem günstigen Ausgange des Wiener christlich-socialen Bruderkrieges mit hoffnungsvoller Spannung entgegenzusehen. Zumal da jeder Jude nichts sehnlicher und glühender wünscht, als dass die Getauften, unter denen gar so viele sympathische Gestalten sind, möglichst ungeprügelt durchs Leben gehen. Erwin Rosenberger. Tribüne. (Für das in dieser Rubrik Publicierte ist die Redaction nicht verantwortlich.) Die jüdische Vereinigung „Jordani a'\ Verein von Handelsargesteilten und Beamten, Wien. II. Gredlergasse 9. hat eine Section für technische Beamte und Gewerbeschüler ins Leben gerufen, welche bereits eine stattliche Anzahl von Mitgliedern besitzt. Diese Section wird hauptsächlich durch Veranstaltung von wissenschaftlichen Fach vortragen, durch Abonnement von einschlägigen Zeitschriften und Anschaffung einer Bibliothek ihren Theilnehmern sowohl für das Studium, als auch für die Praxis Vortheile durch fachgemässe Ausbildung bieten. Anmeldungen jeden Samstag von 7«^—V210 Uhr abends im Vereinsiocale IL, Gredlergasse 9. Der Einzelverein Leopoldstadt-Praterstrasse des Verbandes „Zion" hält Dienstag den 30. Jänner im reservierten Saale des „Cai'6 Orient". IL, Praterstrasse 06, eine öffentliche Vereinsversammlung ab. Beginn 8 Uhr. Thema: 1. „Skizzen aus dem Wiener jüdischen Leben-. Referent: Herr Max B e r n ha r dt. ± Vortrag des Herrn Leopold Paul Löh! über seinen Aufenthalt in Palästina, insbesondere über die dortigen jüdischen Colonien. 3. Discussion und Eventualia. Wir ersuchen um zahlreiches Erscheinen. Hochachtend Für den Einzel verein „Leopoldstadt-Praterstr des ,.Z i o n", Wien : G e w i ts c h, Obmann. Hauser, Schriftführer. Jezierzany, -1-1. Jänner 1900. Geehrter Herr Redacteur! Ich habe auf dem hiesigen Postamte erfahren, diiss von vielen israelitischen Wohlthätern einem hiesigen Comite, welches sich „Allgemeines Unterstützungscomite der israelitischen Cultusgemeinde" nennt, Almosen zukommen. Da jedoch hier kein Unterstützungscomitc existiert, noch von einem solchen Geld unter die Armen vertheilt wird, scheint die jüdische Wohlthätigkeit missbraucht zu werden. Ich fühle mich verpflichtet, Sie um Veröffentlichung dieser Zeilen zu bitten, damit den Incorrecthciten ein Ende bereitet werde. Achtungsvoll Salonion H o 11 e r. An die jüdischen Schriftsteller und Bildungsfreunde! Die Verjüngung des jüdischen Volkes kann nur durch die Pflege der hebräischen Sprache und der modernen Literatur bewirkt werden. Demzufolge möchten wir hier eine hebräische und deutsche Bibliothek anlegen, die geeignet wäre, die hiesige Jugend zu erziehen und zu bilden. Da wir aber nicht in der Lage sind, uns die dazu nöthigen Bücher anzuschaffen, so bitten wir alle Freunde unserer Bestrebungen, dass sie uns gütigst mit ihren eigenen oder fremden Werken oder sonstigen Spenden unterstützen mögen. Im Voraus dankend, zeichnet mit Zionssruss der Verein „Chowewe Zion" Bolechow, Galizien. Weltchronik. Revision der Judengesetze. In Petersburg ist eine Commission zur Prüfung der besonderen Gesetze für Juden ernannt worden. Wie der „Courier" berichtet, hat die Commission unter Vorsitz des Sectionschefs im Ministerium des Innern, von Goldenbrandt, ihre erste Sitzung abgehalten. Es ist zu hoffen, dass die Arbeit schnell vor sich gehen wird, und dass endlich ein Leitfaden in diesem Labyrinth gefunden wird. Das Verhältnis der Confessionen. Nach Prof. Dr. M i r b i gestaltet sich das Verhältnis der verschiedenen Confessionen zu Ende des 19. Jahrhunderts in folgender Weise: Gegenwärtig gibt es nach seiner Berechnung 555 Millionen Christen, 9 Millionen Juden, 245 Millionen Bekenner des Islam, Millionen Buddhisten und Confucianer, 271 Millionen Hindus und 112 Millionen .,Heiden~. Ein hoffnungsvoller Jüngling. Wir lesen in der Berliner .,lsr. Rundschau" : „Vor kurzer Zeit erschien in der Berliner Monatschrift ,Die Kritik" ein confuser Artikel über Reformjudenthum und Zionismus von einem Herrn Richard Lichtenstein aus Köln . . . Gutem Vernehmen nach bereitet sich Herr Lichten st ein augenblicklich nicht nur auf das Abiturientenexamen. sondern auch auf eine neue Broschüre gegen den Zionismus vor. Nebbich — Die civilrechtlichen Folgen der Plünderungen. Unter dem Vorsit c seines Präsidenten, des Kammerrathes P o 1 l a k, hielt dns Gremium der Wiener Kaufmannschaft jüngst eine Plenarsitzung ab, um über Massnahmen zu berathen, durch welche einer Schädigung der Kaufleute durch die Folgen der wiederholt bei Excessen in Provinzorten stattgehabten Plünderungen von Geschäftsleuten vorgebeugt werden könnte. Es wurde betont, dass infolge der hochgespannten nationalen und eonfessionellen Leidenschaften derartige Ausschreitungen leider häufig vorkommen, und dass dadurch jene Wiener Kaufi>ute, die den betroffenen Kaufleuten Credit gewährt ha!<en, oben falls in Mitleidenschaft gezogen werden. In der Debatte wies der Vicepräsident Winker daraufhin, dass allerdings mehrere Landesordnungen eine Ersatzpflicht in solchen Fällen normiren, dass ab°r in der Praxis diese Bestimmung dadurch illusorisch wird, dass diese Ersatzpflicht an den Nachweis eines Verschuldens der Gemeindeorgane geknüpft ist, welcher Nachweis bisher niemals erbracht werden konnte und überhaupt nur unter den allergrössten Schwierigkeiten möglich ist. An der Discussion betheiligten sich noch die Gremialräthe Karl Russleithner. Leopold Wiener, Cornel Spitzer und Julius Mauthner. und es wurde einhellig der Beschluss gefasst. die Regierung im Petitionswege zu ersuchen, dass für solche Fälle eine Schadensersatzpflicht der Gemeinde, des Landes und des Staates auch ohne Nachweis eines Verschuldens der mit dem Sicherheitsdienstebetrauten Gemeindefunctionüre gesetzlich festgestellt werden möge. Ausweisung. Aus Sretensk (Ost-Sibirien) sind <>U jüdische Kamilien ausgewiesen worden, weil sie die nothwendigen Documente, die ein Recht zur Sesshaftigkeit gewähren, nicht aufweisen konnten. Jüdische Steuergelder. Wie die russische Zeitung .,Kiewlanin" mittheilt, besitzen manche Städte des Kiewer Gouvernements sehr grosse Summen an sogenannten Korobkasteuergeldern, die sich seit vielen Jahren angehäuft haben. Diese Gelder stehen zur Verfügung der jüdischeu Gemeinden, jedoch ist zu ihrer Verwendung eine Erlaubnis des Ministers des Innern, der seinerseits der Zustimmung des Finanzministers bedarf, erforderlich. Besonders grosse

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