Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 3 (19.1.1900)
- Article
- [Kommentar]
- Date
- 1900-01-19
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 3 ,Dle 3$ Weif Seite 11 licht einen Artikel über den Zionismus und den- HI. Congress aus der Feder des russisch-jüdischen Schriftstellers Julius Hessen. Der Autor ist wohl gegen den „Staatsgedanken'- des Zionismu=, feiert aber in diesem die Hervorkehrung des nationalen Selbstbewusstseins und die Betonung der Notwendigkeit einer Rückkehr zum Judenthum. Die Redaction des „Rossija" behält sich vor, auf den Zionismus noch zurückzukommen. In dem letzten Hefte einer der bedeutendsten und einflussreichsten Monatschriften Russlands, der ..Russkaja Mislj", ist ein umfangreicher Artikel über den III. Congress veröffentlicht worden, der mit dem Signum L. J—e versehen ist. Dieser Artikel veranlasst den politischen Chroniqueur der Monatsschrift, zum erstenmale über den Zionismus in objectiver, sympathischer Weise zu sprechen. In den St. Petersburger „Nowosti" erschien vor kurzer Zeit eine Artikelserie von L. J. über den Zionismus. Zwei Artikel berichten über das Wesen des Zionismus, über die zionistische Agitations-, Organisations- und Culturarbeit, über die Colonialbank und deren Aufgaben, über die politischen Erfolge des Zionismus und das Verhalten der christlichen öffentlichen Meinung zu ihm. Die übrigen vier Artikel beschäftigen sich ausführlich mit dem III. Congress. In der sehr verbreiteten und angesehenen Zeitung „Birschewija Wjedomosti" erschien ein Bericht über den HI. Congress in zwei Fortsetzungen von dem Baseler Correspondenten dieser Zeitung L. Borissoff. Die antisemitische „Nowoje Wremja" bespricht den Zionismus in einem redactionellen Artikel. Hauptsächlich werden der III. Congress, die Colonialbank und der Empfang der zionistischen Deputation beim deutschen Kaiser erörtert. Der Artikel ist selbstverständlich antisemitisch gehalten, aber für diese Zeitung immerhin in bemerkenswert anständiger Weise. Das Blatt kümmert sich wenig um die ideelle Seite des Zionismus. „Für die europäischen Nationen", bemerkt es am Schlüsse des Artikels, „ist die praktische Seite des Zionismus viel wichtiger und interessanter. Wenn es dieser jüdischen Bewegung gelingen wird, die europäischen Länder und besonders Russland von dem Ueberflusse an Juden zu befreien, dann wird der Zionismus jenes moralischen Beistandes wert sein, von dem Dr. H e r z 1 spricht." „Odesskija Nowosti" und „Wolinj" haben ihre Spalten einer noch immer andauernden regen Discussion über den Zionismus geöffnet. Auch viele andere russische Zeitschriften brachten und bringen noch derzeit Artikel über den Zionismus, von denen fast alle freundlich gehalten sind. Unter dem Titel „Die Auferstehung" erscheint seit kurzem eine Monatsschrift in Bern, die sich die „Verallgemeinerung des zionistischen Gedankens und Wiederbelebung des Interesses am Judenthum" zum Ziele gesetzt hat. Als Herausgeber und Redacteur zeichnet J. J. Sapornik in Bern. Die ersteNummer der „Auferstehung" enthält einen Leitartikel vom Herausgeber mit der Ueberschrift „Können diese Gebeine aufleben?" — Hierauf folgt ein „Versuch einer wissenschaftlichen Begründung des Zionismus" von I-ak Mirkin. Ausserdem enthält die Nummer zwei feuilletonistische Beiträge: „Auf nach Zion" und „War es ein Traum?" — Wir wünschen diesem unserem jüngsten Bruderblatte das beste Gedeihen. „Jewish World4* bringt in Nr. 1 des neuen Jahrganges einen beachtenswerten Artikel über die Lage der galizischen Juden. Das Blatt führt aus, die jüdische Frage in Galizien könne ebensowenig im Wege der privaten Wohlthätigkeit gelöst werden, wie" die grosse universelle Judenfrage. Gerade die Principien der Humanität fordern gebieterisch, dass derartige Probleme von einem höheren Standpunkte aus angesehen und in gründlicherer, umfassenderer Weise ihrer Lösung entgegengeführt werden. Wenn der politische Zionismus das Ziel, das er sich gesteckt, erst erreicht hat, so wird mit dei allgemeinen Judennoth auch das grässliche Elend der Juden in Galizien langsam vielleicht, aber mit apodiktischer Gewissheit dahinschwinden. Die Nr. 11 der „Hatchiah", dieser von unserem Gesinnungsgenossen W. Schur in Chicago herausgegebenen ausgezeichneten hebräischen Wochenschrift, reiht sich den bisher erschienenen Nummern durchaus würdig an. Man findet in derselben eine Fülle von lesenswerten Artikeln und interessanten Nachrichten. Mit dieser Nummer beginnt auch in der „Hatchiah" eine aus der Feder des Herausgebers stammende Artikelserie zu erscheinen, die die Ueberschrift „Zangwill und der Zionismus' trägt und in der gegen einige Thesen, die Zangwill in seinem, auch den Lesern der „Welt" bekannten Artikel „Zionismus" in Beziehung auf die Judenfrage aufstellt, in vornehmer und klarer Weise polemisiert wird. Diese Artikelserie verdiente es, dass sie recht viele Zionisten lesen. Auch sonst werden alle wichtigen Vorfalle im zionistischen Lager in der „Hatchiah* getreulich registriert. Bei der gut zionistischen Tendenz dieser hebräischen Wochenschrift ist das übrigens etwas Selbstverständliches und braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden. Spenden für zionistische Zwecke: Verein „Zion" Lodz zum Andenken an die Mutter unseres hochverehrten Gesinnungsgenossen Max Nordau. . . . . '. Kr. 10.— M. N e u b r u n n in Swatow (China) ., 6.9« Summe . . Kr. 10.96 Für die Angehörigen des ermordeten Sternberg in Dolina: M. Neubrunn in Swatow (China) . . Kr. 11.— Für Beth Hasefer in Jaffa: Meier Elieser Lipschitz in Lemberg . Kr. 13.— Vom Neujahr 1900 an haben wir dem Verlage „Tuschijah" in Warschau unsere Vertretung für Russland übergeben. Die demnächst zur Ausgabe gelangende JVgitations- Nummer (deutsch) wird nur gegen Voreinsendung des Betrages abgegeben. Briefkasten. Franz F—I, Wien. Wir sind Ihnen für Ihre freu ndl. Mittheilungen sehr verbunden, können aber zu unserem lebhaftesten Bedauern heute nicht mehr auf die Sache zurückkommen. Olmützer Zionistin. Herzlichsten Dank. Feuilleton. Der kleine Engel.4) Eine Legende von David Frischmann. Uebersetzt aus dem Hebräischen von S. Baum. Die Legende, die ich Euch heute erzählen will, wurde schon von vielen Dichtern und Schriftstellern erzählt und niedergeschrieben — ich werde deshalb nur all das wiederholen, was ich gehört und gelesen. Die erste, von der ich das Folgende gehört habe, war selbstverständlich — meine Grossmutter. Eines Tages sassen wir gegen Abend vor ihr. Knaben und Mädchen, Kinder und Enkel und allerhand kosende Täubchen: ich war der Kleinste untor allen. Wir hörten ihr alle, Knäblein und Mägdlein, aufmerksam zu, wirhiengen an ihrem Munde, um uns ja nicht eines ihrer Worte entgehen zu lassen. Und Wellen süssen Lichtes ergossen sich ringsum über den ganzen Umkreis, und bunte Schmetterlinge schwirrten im Blau des reinen Aethers, der von einem Gartenende bis zum anderen uns umgab. Als ich nun die weissen Schmetterlinge erblickte, dachte ich: „Engelein, ja. Engeiein werden es wohl sein!~ Grossmütterchen erzählte Folgendes: .,Meine lieben Kinderchen! Ueber der Wölbung, die über unserem Haupte ausgespannt ist, im Himmel droben, wohnt unser lieber Herrgott, gross, erhaben, der Gott Abrahams, Isaks und Jakobs — was Euch allen ja bekannt ist. Der Himmel ist aber auch eine Werkstätte für viele, viele Engel, tausende, zehntausende, denn ihre Menge gleicht der Sternenzahl., je ein Engelein für ein Sternlein; und wie die Anzahl der Sterne nicht bestimmbar ist, so auch die der Engel, und bis auf den heutigen Tag weiss niemand, ob die Sterne von den Engeln abstammen oder die Engel Sprösslinge der Sterne seien. Diese guten Engelchcn haben den ganzen *) Zum erstenmale abgedruckt in der Vierteljahresschrift „Haeschkol". Heft 2.