Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 2 (12.1.1900)
- Article
- [Ohne Titel] / Smolensky, A.
- Date
- 1900-01-12
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. -2 „Die 2& Welt" Seite. schönen- Schäferin", IX„ Sechsschimmelgassei eine öffent- 1 i che Versa mm lang. Zahlreicher Besuch -wäre hocherwünscht. Für den Einzelverein „Aisergrund" des „Zion" Der Präsident: Der Schrittführer: S. D e i c h e s. A. Smolensky. Lemberg, 1. Jänner ümmi. Die galizischen Gesinnungsgenossen gründeten jüngst eine Erwerbs-Genossonschaft. welche unter dem Namen „Jüdische Verlags - G e sellsch a ft", „Chewra lehozaath sepharim. Gesellschaft mit beschränkter Haltunglaut Beschluss vom Hl. October l^'.V-K Z. Kinn iis8/!«», im Genossenschaftsregister des k. k. Landesals Handelsgerichtes in Lemberg eingetragen wurde. Den Gegenstand des Unternehmens dieser "Gesellschaft bildet die Herausgabe jüdischer Zeitschriften, W e r k e u n d Broschüren politischen. ökonomischen, socialen, literarischen und wissenschaftlichen Inhaltes 2 des Gesellschaftsstatuts). Mitglied der Gesellschaft kann jede, sowohl physische als auch rechtliche, von der Direction autgenommene Person werden (£">). Ausser den sonst gebräuchlichen Vereinsrechten besitzt noch ein jedes Mitglied das Recht, an etwaigen Gewinnen zu partieipieren und alle Verlagswerke zu den von der jeweiligen Direction e rm äs s igten Preisen zu erhalten (§ 13). Der Preis eines Antheiles beträgt Ui Kronen, derselbe kann auch in Monatsraten ii 1 Krone entrichtet werden ('§ 11). ausserdem hat jedes Mitglied eine Einschreibgehür von 2 Kronen für je einen Antheil zu bezahlen (§ IS). An den Versammlungen kann man auch durch Bevollmächtigte theilnehmen 10). Indem die „Jüdische Verlags-Gesellschaftdie Verbreitung des nationalen Gedankens auf genossenschaftlicher Basis erstrebt, hofft sie den vitalsten Interessen des Judenthums zu entsprechen, Unter Hinweisung auf dieses Ziel erlaubt sich nun das gefertigte Griindungs-Comite, die p. t. Leser der „Welt* zum Beitritte zur „Jüdischen Verlags- Gesellschafthöflichst einzuladen. — Alle Geldsendungen sind an die Adresse des Herrn Max Sprecher, Lemberg 1 •">, mit dem ausdrücklichen Vermerke: „Jüdische Verlags- Gasellschaft"; Briefe an die des Herrn H. Löwenherz, Lemberg, ul. Strzelecka Nr. S, zurichten. Das vorbereitende Comite. Wir werden ersucht, folgende Berichtigungen abzudrucken : In der Nr. 40 der „Welt", Rubrik „Makkabäerfeiern" (Frankfurt a. M.). muss es anstatt J.'Goldmann S. H. Goldmann heissen. — In der Nr. 50 der „Welt". Rubrik „Makkabäerfeiern" (Riga), muss es anstatt Kaitz Taitz heissen. Bernhard Collin-Bernoulü. Aus Basel erhalten wir eine betrübende Nachricht. Bernhard C o 1 1 i n - B e r n o u 1 I i, einer unserer aufrichtigsten christlichen Freunde, ist Donnerstag, den -2K December 1800 einem Schlagflusse erlegen. Mit Collin-Bernoulli steigt ein Capitel Baseler Geschichte, nber auch zionistischer Erinnerung ins Grab. < >bwohl Kaufmann von Beruf, fand er doch auch Zeit für literarische und politische Angelegenheiten, denen er mit musterhafter Treue und Hingebung diente. So lenkte er schon frühzeitig die Aufmerksamkeit seiner Mitbürger auf sich. Schon in den Siebziger jähren wurde er vom Grossen Rathe zum Mitgliede des Strafgerichtes gewählt und gehörte dieser Behörde bis zu seiner Wahl in das Appellationsgericht, 1S0-2, an. Bis 1S07 sodann sass er im Appellationsgerichte, dem er viel Zeit und Mühe widmete. In den letzten Jahren war Collin mit Erfolg publicistisch thätig. Er redigierte den ökonomischen Theil der „Baseler Nachrichten". Mit dieser vielseitigen Beschäftigung verband er eine erfölgi'eiche Thätigkeit in kirchlichen Fragen. Er war Mitglied der Synode- und des Kirchenvorstandes zu St. Bernhard. Collin erreichte ein Alter von 75 Jahren. Auch der zionistischen Sache hat Collin-Bernoulli gedient. Gar viele Besucher des ersten Congresses fragten sich, wer in der ersten Zuhörerreihe der Mann mit den scharf geschnittenen Zügen und den nach rückwärts gescheitelten, weissen Haaren sei, der an allen Sitzungen theilnahm und den Debatten mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte? L"nd wenn dann die Antwort lautete: das ist einer von unseren neuen, ehrlichen, christlichen Freunden, dann sah sich Collin zu seiner Ueberraschung öfters von vielen umringt, die ihm herzlichst dankten. Und er verdiente auch herzlichen Dank. Denn es war die Zeit der Protestrabbiner. Von München musste der Congress nach Basel verlegt werden. Ein Angriff löste den anderen ab. Eitie Unterstellung folgte der anderen. Und das kam alles von jüdischer Seite. Bitternisse genug, aber auch Grund genug, um jeden neuen Freund, auch wenn er eines anderen Bekenntnisses und eines anderen Stammes war, freudig zu begrüssen. Collin-Bernoulli, mit ihm der ebenfalls schon verstorbene Buchhändler Kober, der Schwiegersohn des protestantischen Bischofs von Jerusalem, Gobat, thaten das Möglichste, um den Congress in Basel zu ermöglichen. Den Liebesdienst, den wir von Juden erwarteten, thaten sie. Darum gebürt ihnen unser Dank. Wenn wir auch über diese Zeit der schmerzlichsten Enttäuschung und der tiefsten Betrübnis den Schleier der Vergessenheit breiten wollen, nie werden wir jener vergessen, die sich dienstbereit und treu unserer Sache anschlössen. In der zionistischen Erinnerung wird Bernhard Collin- Bernoulli immer einen Ehrenplatz besitzen. Seh. Weltchronik. Nachod-Polna. Die böhmische Stadt Nachod. bekannt durch ihre vorjährigen Judenexcesse, war nahe daran, die Lorbeern Polnas zu erringen. Ein christliches Dienstmädchen, das bei einem Juden in Diensten stand, verschwand plötzlich. Der für die Bevölkerung naheliegendste Gedanke war: Wieder ein Ritualmord! — In der Bevölkerung entstand eine bedrohliche Gährung, die für die Juden gefährliche Formen annehmen wollte. Die antisemitischen Blätter bemächtigten sich wieder der Afraire und begannen mit schurkischen Andeutungen und den bekannten niederträchtigen Wortvvendüngen, einen neuen „Ritualmord" zu construieren. Zum Glücke wurde dieser Tage das vermisste Mädchen ohne jeglichen „Schächtschnitt" am Grunde des Mettau-Flusses aufgefunden. Sie hatte schon lange Selbstmordgedanken geäussert. Der französische Hochverrathsprocess. Der Staatsgerichtshof hat am 1. Jänner sein Urtheil gefällt: Derouli'de wurde zu zehn Jahren Verbannung verurtheilt: für diese Strafe votierten 115, für fünf Jahre :>'->, gegen jede Strafe (11 Senatoren. Ein Senator stellte die Frage, ob die Strafe von zwei Jahren, welche gegen D e r o u 1 e d e verhängt wurde wegen Beleidigung des Senates, in der Strafe der Verbannung inbegriffen sei, was bejaht wurde. Derouli'de braucht also diese Haft nicht mehr abzubüssen. Büffet wurde gleichfalls zu zehn Jahren Verbannung verurtheilt, und diese Strafe wurde mit demselben Stimmenverhältnis beschlossen, wie die D e r o u 1 e d e s. Am schlechtesten kam G u e r i n weg, welchem der Staatsgerichtshof zehn Jahre Gefängnis zuerkannte. Der flüchtige Graf Lue S a 1 u c e wurde in contumaciam zu zehn Jahr eji Verbannung verurtheilt. G u e r i n wird seine Strafe in einer Festung des französischen Continentes abzubüssen haben.