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Die Welt · 1900-01-12 · 2 (12.1.1900) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
2 (12.1.1900)
Article
Berliner Brief
Date
1900-01-12
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „Die j£ Welt?» Nr. 2 Schwankender zu zerstreuen. So lautete die Tagesordnung vom f.. Jänner : 1. Wie stellt sich der Zionismus zu den jüdischen * JeLneinrteaugelegenheiten V ■J. Sind die auf den urient gerichteten Culturbestrebungen, der Bau von Eisenbahnen etc.. dem Zioui.smus schädlich oder förderlich V J. Zionismus od>r Coionisatiun 7 Iis »vi'uv zu wüuschcn. dass das so gegebene Beispiel allseitige Nachahmung tVmdc und insbesondere hier in Berlin derartige Abende veranstaltet würden. Der Erfolg würde die Mühe lohnen. Der Fliege jüdischer Geselligkeit widmet sich seit kurzem dortselbst der Verein „Ibria", der eine ganze Reihe hervorragender Redner für seine Vorträge gewonnen hat- Unter ihnen finden wir die Namen: Dr. Rülf. Dr. Nobel, Dr. Klee, welch letzterer Herr auch den Vorsitz im Vereine führt. Es ist somit dafür gesorgt, dass der Verein in gut nationaljüdischcm Sinne geleitet wird. Die deutsche Centrale besorgt jetzt die Aufstellung \on Listen aller deutschen Zionisten. auch derer, die hisher noch Corporationen nicht beigetreten sind. Das Unternehmen ist ein überaus dankenswertes, und »;s wäre zu wünschen, dass db* Vertrauensmänner sieh der allerdings nicht unerheblichen Arbeit mit grösstem Eifer unterziehen mochten. Der Werl solcher Zusammenstellungen ist ohne Weiteres klar und. für die Zwecke der Agitation, ein sehr erheblicher. Hoffen wir, dass die mühselige Arbeit uns den Beweis dafür liefert, dass der Zionismus in Deutschland nicht mehr eine quantite uegligeable ist. F. Felix Dahn über den Zionismus. lu einem Schreiben au unseren Gesinnungsgenossen Dr. Klee-Boun sprich! si«*hder beiühniteUichhr und Ih-cbtsiehrer an der Breshiuer l'niversiläl Felix Dahn über den Zionismus folgendermassen aus: .leb verfolge die z i o n i s t i s e h < Bewegung s c i i d e r e n H e g i ii n m i 1 I c b h a f t e r A n t h e i 1n u h in f. b i l 1 i g e d u r e Ii aus 1 h r e A u sf Q h r n n g e n u n d w ü r d e die V e r w i r k 1 i c h u n g dies v r G e d aukeu als Ii ö e h s l eis p r i e s s- 1 i c Ii für die Juden, f ü r P a 1 ä s 1 i n h und f ü r die N ich! j u d e n in u r o p a b e g r ü s s e n." Was den Werl der Erfüllung des zionistischen Ideais für die Nicht)udeti anlangt, so halte Klee darauf hingewiesen, wie durch den Abflugs überschüssiger Kiemente die oft schwer empfundene wirtschaftliche 1 oncurrenz gemildert würde und für gewisse Staaten der Yorwand forttiele, eine gewaltige Anzahl von Staatsangehörigen im Interesse socialer Selbsterhaliuug gewaltsam auf einein möglichst niedrigen Uulturniveau zu halten. Eine versprengte jüdische Colonie in China. Von Bruno Navarra. Kaifengfu. die am Gelben Flusse (Hoa;:hoi gelegene Hauptstadt der l'ro\üj/. Hönau, etwa 7.r> d«'utsche Meilen südlich v«m Peking entfernt, wird in den Augen des Ethnographen. Geschichtsforschers, sowie all«*r derer, die an den Wanderungen und an dem Schicksale lies jüdischen Volkes ein Interesse nehmen, stets einen eigenartigen Reiz besitzen. Denn fast zwei Jahrtausende hindurch bestand in dieser, im Herzen des grossen chinesischen Kaiserreiches gelegenen Stadt eine israelitische C o 1 o n i e. von der im gegenwärtigen Augenblicke allerdings kaum noch i-ine Spur vorhanden sein dürfte. Obgleich es schon lange bekannt war. dass sich seit vielen Jahrhunderten jüdische Genieinden in China ansässig gemacht hatten, so sind doch erst in neuerer Zeit nähere Nachrichten, die an Vollständigkeit allerdings viel zu wünschen übrig lassen, in die Oeffentlichkeit gedrungen. Man ist sieh noch immer nicht darüber im Klaren, zu welcher Zeit diese Kinwandermig eigentlich stattgefunden hat. Dieselbe sollwie einige Forscher behaupten, von Uochinchina aus, wo Israeliten lange vor Christi Geburl ansässig waren, erfolgt sein; andere vertreten die Ansicht, dass im Jahre 7:t unserer Zeitrechnung, mithin drei Jahre nach der Zerstörung Jerusalems durch Kaiser Titus, mehrere jüdische Familien über Persieu durch Khorassau und Samarkand nach China einwanderten und sich ansiedelten. — eine Ansicht, welche darin eine Bestätigung findet, dass auf einer der Steintafehi, die in der gegenwärtig zerstörten Synagoge zu Kaifengfu vorgefunden wurden, verzeichnet stand, die Juden seien zuerst während der Han-Dynastie (5N—77) n. Chr.) unter der Regierung Kaiser Mingtis vom Westen her nach < ihina gekommen. Aus schriftlichen chinesischen Aufzeichnungen erfahren wir. dass die Israeliten, welche im <">. Jahrhundert in der Stadt Tschangyan. Provinz Schensi. mehrere Synagogen hesasseJi, zu dieser Zeit im Mittelreichc unter dem Namen „Tii-n Schuh-Kiau". das heisst indische, oder wohl richtiger gesagt, syrische Keligion bekannt waren, lu späteren Jahrhunderten nannte man sie, gleichviel wo man jene Religionsbekenner in China vorfand, „Tiau Kin-Ischiau". das heisst Seele, welche die S-.dinen (der geschlachteten Thier»*) ausreisst. Aus einer Anzahl chinesischer Gesehiehtswerke. die aus dem s. Jahrhundert stammen, ist ersichtlich, dass bereits zu Anfang der Tang-Dynastie UilN--'.»07» der regierend«« Kaiser einen Beamten ernannte, dem die iuachttiahme der Angelegenheilen jüdischer Gemeinden, sowie auch die Gerichtsbarkeit und dergleichen oblag; etwas Analoges bestand auch vniter den Muhane-dauern Chinas. Dass die Anzahl der israelitischen Gemeinden um »iie Mitte des!>. Jahrhunderts ganz bedeutend gewesen sein muss. geht aus d»-r Reisebeschreibung eines Arabers, namens Abou-Zeyd AI- Hassan, hervor, der erste Auslände!-, von dem uns direete Nachrichten über China überliefert worden sind. Er verfasste sein Reisewerk gegen Ende des!>. Jahrhunderts. Bei dem Blutbad«?, welches im Jahr«- *7S in Khanfu (dem heutigen ("auton » stattfand, sollen ausser Muhamedaneni und Christen, wie Abou-Zeyd berichtet, auch Juden mit umgekommen sein. Chinesischen Quellen «mlnehmen wir ferner, dass gegen Mitte des 10. Jahrhunderts zwischen der chinesischen Regierung un.l den jüdischen Gemeinden ganz vorzügliche Beziehungen bestanden, namentlich aber so in der Hauptstadt Hönaus, Kaifengfu. welches überhaupt der Mittelpunkt, der Israeliten-Colonien Chinas gewesen zu sein scheint. Di»; nächste Nachricht, welche wir über diese Colonie besitzen, ist »leu SteiutafeJn entnommen, die man. wie schon erwähnt, in der Hauptsynagoge Kaifengfus vorfand : «lie Inschrift besagt, dass siebzig jüdische Familien mit Baumwolbnzeug. das man als Tribut aus «Ion Ländern des Westens gebracht hätte, in Hönau angelangt seien und sich auf kaiserlichen Befehl in Pienliang (dem «lerzeitigen Kaifengfu) niedergelassen hätten, im Jahre I Pi:> wurde der Bau einer Synagoge in Angriff genommen: ihre Fertigstellung erfolgte zwei Jahre später, und zwar auf Kosten der Regierung. Aus des Venezianers Marco Polo Reisebeschreibungen geht hervor, dass «lie jüdischen Gemeinden gegen Ende des Ii. Jahrhunderts genügend zahlreich waren, um in China eim-n politischen Einfluss zu besitzen- Auch Ilm Batuta, der als arabischer Abgesandter China im Jahre 13iö bereiste, erwähni, dass es in Kinsai (dem heutigen Haugtschau. Hauptstadt der Provinz Tschekiang. etwa :i<) deutsche Meilen von Shanghai entfernt) eine starke jüdische Gemeinde gäbe, und dass sie mehrere Gotteshäuser besässe. Die bereits erwähnte, auf kaiserliche Kosten in Kaifengfu errichtete gross«; Synagoge wurde im Jahre lk'l auf kaiserlichen Befehl renoviert, und in derselben wurde eine kaiserlich«' Tafel, welche «1er damalige Regent der .Ming-Dynastie gewidmet hatte. 'aufgestellt : zu gewissen

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