Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 1 (5.1.1900)
- Article
- Bielitz / -ff.
- Date
- 1900-01-05
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 1 ,Die 2$ Welt" Seite 11 der Nichtaufnahme von Juden aus dem GauverDande ausgetreten sind. Den hiesigen jüdischen Turnern wurde ganz treuherzig von dem freisinnigen Vorstande des deutschen Turnclubs „nahegelegt", dass sie nicht gern gesehene Gäste seien, und der Friede durch sie gestört werde. So sahen sich denn die jüdischen Turner, die bisher „treudeutsch" gesinnt waren, veranlasst, einen eigenen jüdischen Turnclub zu bilden. Das Gründungsfest desselben zeigte deutlich, wie mächtig der national-zionistische Gedanke sich auch in denjenigen Kreisen Bahn bricht, die früher von Juden und Judenthum nichts wissen wollten und in thörichter Verblendung fremden Volksgemeinschaften ihre ganze Thatkraft widmeten. Von hohem Interesse war es, den jugendlichen Enthusiasmus der älteren Mitglieder des Clubs zu beobachten. So frohgemuth mochten sie früher wohl niemals der edlen Turnkunst gepflegt haben, wie bei den Schauübungen anlässlich dieses jüdischen Festes. Es wurden bei dieser Gelegenheit von den hiesigen jüdischen Turnern die schönsten und schwierigsten Exercitien am Reck und Barren mit grösster Bravour und Präcision ausgeführt. Besonderen Beifall fanden die Frei- und Kürübungen. Beim Einüben dieser schwierigen Productionen machten sich als Vorturner die Herren Richter und Münzer verdient. Als die Turnerinnen in blau-weissem Costüme den Damenreigen ausführten, wollte der Applaus kein Ende nehmen und der Reigen musste wiederholt werden. Fräulein Charlotte Goldmann brachte den „Psalm" von Leo R a f a e 1 s mit viel Wärme und Geschick zum Vortrag und erntete dafür reichen Beifall. Grossen Anklang fand auch das von Herrn Arthur P o 11 a t s c h e k componierte „Jüdische Turnerlied". Dank und Anerkennung gebürt dem Director der hiesigen jüdischen Volksschule und Obmann des Clubs, Herrn G o 1 d b e r g, der keine Mühe scheute, diesen ersten jüdischen Turnverein Oesterreichs ins Leben zu rufen. — ff. Ung.-Hradisch. Der am i>S. December IM)'.» abgehaltene Wahlconvent derjüdisch-zionistisehen Verbindung „Acbiwah" ergab folgendes Resultat: Cand. med. Moritz Schmitz, Präses: stud. jur. Arthur Winter, Vicepräses; stud. jur. Arthur Schön, Schriftführer. Zuschriften für die , Achiwah" sind an den Vicepräses Arthur W iuter. Ung.-Hradisch, zu richten. Deutschland. Pless (Schlesien). Zu Beginn des vorigen Monats ist hier der jüdische Gelehrte R. Jechiel Mendelssohn, ein wackerer Bannerträger der zionistischen Idee von der guten alten Garde der Chowewe Zion, zu Grabe getragen worden. In Russisch-Polen geboren und daselbst unter der Aufsieht streng religiöser Eltern erzogen, später abwechselnd bald in Deutschland, bald wieder in seiner Vaterstadt Lublin lebend, vereinigte er in seiner Person die Traditionen der alten, polnischen Orthodoxie mit umfassenden Kenntnissen in vielen modernen Wissenszweigen. Mendelssohn war ein Polyhistor. In der gesammten Literatur der alten Griechen, Römer, Araber und Perser, wie in der der modernen europäischen Culturvölker war er wie selten einer bewandert. Daneben beherrschte er das ganze Gebiet des hebräischen Schrifthums. Auch in der alten und neueren Philosophie war er versiert und studierte eifrig neben dem Maimonides und . Saadjah Gaon die Werke Spinozas, Kants und Schopenhauers. Seine ausserordentliche Köperschwäche, die mit den Jahren immer zunahm, hinderte ihn häufig am Schreiben, weshalb nur verhältnismässig weniges aus seiner Feder durch den Druck veröffentlicht wurde. Dies ist auch der einzige Grund dessen, dass er trotz unermüdlicher Arbeitslust nicht dazu kam, seine „Geschichte der jüdischen Literatur", die er in einzelnen Monographien in hebräischer und deutscher Sprache herauszugeben beabsichtigte, zu ordnen und zum Drucke zu befördern. Als vor ungefähr zwei Jahrzehnten die Zionsidee sich in Russland Bahn brach, schloss sich auch R. J. Mendelssohn der Bewegung an. Seine Begeisterung für dieselbe steigerte sich noch, als einige Jahre später der selige Bialystoker Rabbiner R. Samuel Mohilewer Mendelssohns Schwägerin als Ehegenossin heimführte, was zur natürlichen Folge hatte, dass zwischen beiden grossen Männern sich ein reger < iedankenaustausch in Brieten und persönlichen Unterredungen entwickelte. In einer Reihe gediegener Artikel, die in der „Jüdischen Wochenschrift" von Dr. Rahmer in Magdeburg erschienen, äusserte sich Mendelssohn über den Zionsgedanken mit grossem Verständnis und inniger W ärme. War er auch infolge seiner physischen Leiden in den letzten Jahren verhindert, an dem Zionismus in seiner neuen Form thätigen Antheil zu nehmen, so kann er trotzdem als einer der begeistertesten Pionniere unserer Idee gelten, der mit der Feder in der Hand sich für die politische und geistige Wiedergeburt seines Volkes mannhaft einsetzte. Ehre seinem Andenken. D. C. Amerika. Philadelphia,!-">. December. Einige Daten über die zionistische Frauenbewegung in X e w - Y o r k und Philadelphia dürften für die Leser der „Welt" von Interesse sein. Es wurde bereits über die grosse Versammlung vom October berichtet, in der Frau Professor Gottheil über den Zionismus der jüdischen Frauen referierte. In Philadelphia ist es der Verein „Daughters of Zion" (Töchter Zions). der die zionistische Frauenbewegung leitet und zur Federation der amerikanischen zionistischen Vereine gehört. Er zählt circ:i lo<> Mitglieder, deren jedes zum mindesten eine Actie der Colonialbank zu zeichnen verpflichtet ist. Einem Berichte der Vereinsleitung sind folgende Daten zu entnehmen : Als der Verein „Zionsfreunde" im Jahre 1ni>n gegründet wurde, gehörten auch einige Frauen zu seinen Mitgliedern, und diese wussten derart erfolgreich Propaganda zu machen, dass schon nach kurzer Zeit mehr als öo Frauen und Mädchen beitraten, die im October sich zu einem besonderen Vereine constituierten. Der neue Frauenverein gieng aber stets mit dem alten Vereine zusammen, und nur bei besonderen, die Frauen speciell berührenden Fragen hielt er eigene Versammlungen ab. In der letzten Baltimorer Zionisten-Conferenz war der Verein durch drei Mitglieder vertreten. Der Verein Veranstalter ausser den sonntägigen Vorträgen specielle jüdische Geschichts- und hebräische Spracheurse. Am 1">. Februar wird die erste grössere Feier stattrinden, die der Frauenverein arrangiert. — In X e w- York ist die Zahl der zionistischen Frauenvereine natürlich eine grössere. In einer Darstellung der Frau Professor Gottheil sind folgende Daten von Interesse: Es existieren in Xew-Vork fünf zionistische Frauen- und Mädchenverein davon drei, deren Mitglieder aus Russland stammen, und einer, aus deutschen Frauen bestehend. Von den Vereinen subscribierte ein Mädchenverein :)<> Shares der Colonialbank, ausserdem zeichneten noch die einzelnen Mitglieder. In einem Vereine soll demnächst eine Vortragsserie;tus Grätz" jüdischer Geschichte stattfinden. B. Allerlei Nachrichten. Die Synagoge in Savanna (Georgia) wäre letzthin fast durch Feuer zerstört worden. Mit vieler Mühe gelang es, den im Kellergeschosse entstandenen Brand zu löschen. Das schöne Gotteshaus hat lediglich durch den intensiven Rauch gelitten, verbrannt ist nicht viel, und der Schaden ist relativ gering. Der Theater-Erfolg der „Kinder des Ghetto" hat Z a n g w i 11 veranlasst, seine in „Harpers Magazine" erscheinende Xovelle „Der Mantel des Elia" zu dramatisieren. Die erste Aufführung soll in Xew-York stattfinden.