Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 52 (30.12.1898)
- Article
- Berlin [Nachricht]
- Date
- 1898-12-30
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. 52 JPft^WdC Seite 11 spruch gegen die Acclamation die Einhelligkeit der Versammlung zu stören suchten. Wie«. Dienstag, den 20. d. fand in Hatscheks Localitäten in der Leopoldstadt eine öffentliche Versammlung des jüdischen Beamten- und Handlungsangestellten - Vereines „Jordania" statt, die sich eines starken Besuches erfreute. Der Referent, Herr Architekt Oscar M armorek, bewies in glänzender Weise'die Logik und innere Nothwendigkeit des Zionismus und hob untergroßem Beifalle der zahlreich anwesenden nichtzionistischen Beamten und Handlungsangestellten den Parallelismus der zionistischen Idee mit den socialen Besttebungen unserer Zeit hervor. In der dem Referat folgenden Discussion sprachen contra die Socialdemokraten Blumenthal, Friede! und G etreu er, wurden jedoch durch die Herren Nathan Groß, der sich alsnationalen Socialdemokraten. vorstellte, Architekten Marmore!, B. Tag, Dr. W. Marmore!, sowie Herrn B erliner in gediegener Weise widerlegt. Die Versammlung, die zeitweilig durch mehr oder minder absichtsvolleLärmereien jungersocialdemokratischer Besucher gestört wurde, nahm hieraus eine vom Präsidenten der „Jordania" Herrn Sereth beantragte Resolution an, in der sie ihrer Sympathie für die Bestrebungen der zionistischen Partei Ausdruck gab. Der gelungene Verlauf dieser Versammlung bedeutet einen weiteren Erfolg der Vereinigung, die bereits das Jntereffe weiterer Kreise für sich gewonuen hat. Kolomea. Am 14. November L I. fand im Sitzungssaale deS hierortigen Gemeinderathes eine Massenversammlung statt, in wächer Herr Dr. Salomon Rosenheck sein Referat über den zweiten Baseler Congress erstattete. Der Referent definierte in sachlich-klarer Weise den Zionismus und charakterisierte in scharf pointterten Worten die Thäligkeit des Rabbi Bloch. In bekannter beredter Weise verglich er die Erfolge des zweiten Congreffes mit den Erfolgen des ersten. Die jüdische Eolonialbank bezeichnete Redner als eine weitere Etappe zur Realisierung des politisch-zionistischen Pro» grammes. Mit einem Appell zum Anschluffe an den hierortigen Verein schloss der Referent. Brzezaui, 17. November. Sonntag abends am 23. October l. I. hielt hier der Verein „Bnei Zion“ eine Versammlung tra „Beth Hamidrasch“ hagadol ab. Viele Hunderte Personen, darunter zahlreiche Orthodoxe, hatten sich eingefunden und der große Saal war bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Unser Delegierter am zweiten Baseler Eongreffe, Herr I. Schwadron aus Zloczüw, stattete Bericht über den zweiten Congress in Basel ab. Seine begeisterten Worte über den modernen Zionismus, über Dr. H e r z l und den Congress cntfeffelten einen so leidenschafttichen Enthusiasmus im Publicum, dass es sich nicht enthalten konnte, selbst im Beth Hamidrasch durch minutenlanges Händeklatschen und stürmische hedad-Rufe seiner Begeisterung Ausdruck zu geben. Zum Schluffe forderte Herr Schwadron in einem Aufruf das Volk auf, es möge sich mit aller Kraft für die hebräische Sprache und Literatur einsetzen. Die Versammlung erklärte sich mit den Beschlüssen des H. Baseler Congreffes ein» verstanden, drückte dem Äctionscomite in Wien ihre vollste Sympathie aus, und wünschte allen seinen Unternehmungen zum Wohle des jüdischen Volkes bestes Gelingen. Sadagora. Am 19. November d. I. hielt Herr M. Bauch aus Botus any in den Localitäten des Zionvereines vor einem zahlreich erschienenen Publicum einen gediegenen und mit Beifall aufgenommenen Vortrag über den Zionismus, wobei der Redner die 'Lage der Juden in Rumänien und das Aufstreben des Zionismus schilderte. — Dem genannten Redner wurde allseits Dank gezollt. Nowo-Radomsk, 21. November. Dank den Bemühungen der Herren M. L e w k o w i c z, A. D. Brüll und B. Stattler fand „Schemini Hoazeret“ hier im Locale des Herrn M. Grünberg ein zionistisches Meeting statt. Bei demselben waren die angesehensten Männer.- inclusive die Vorsteher der Gemeinde anwesend. Herr Z. Goldmann hielt zwei vorzügliche zionistische Vorträge. Nachher sprach unser Gesinnungsgenosse Herr M. Lewkowicz, dem wrr die Constituierung des Vereines und die sonstigen Veranstaltungen zu verdanken haben. Er setzte meisterhaft die Resultate des zweiten Baseler Congreffes auseinander und erntete von allen Setten Beifall. Hierauf sang Herr S. Sachs, Cantor der hiesigen Gemeinde, einige Zionslieder Bnrsztyn. Am 1. d. M. fand hier eine sehr zahlreich besuchte Versammlung der hiesigen Zionisten statt, an welcher der gesammte Cultusvorstand und die angesehensten Mitglieder unserer Gemeinde theilnahmen. In derselben sprach unser bewährter Gesinnunasgenosse, Herr Tiger aus Lemberg, über das Thema „Was will der Zionismus?" In einer fast zweistündigen Rede suchte Herr Tiger die im „Judenstaate" enthaltenen Ideen gemeinverständlich darzustellen und wies nach, dass jeder orthodoxe Jude in erster Reihe Zionist sein müsse. Reicher Beifall lohnte am Schlnise den Redner für seine Ausführungen. — Die Statuten eines zu gründenden zionistischen Vereines wurden bereits der Behörde vorgelegt. Sniatyn, 4. December. Vorigen Sonntag constituierte sich ein Verein ..Zichron Zion“ auf Grundlage des Baseler Programmes. Fast-alle Mitglieder des nur dem Namen nach existierenden Lacalcomitös des „Ahawath Zion“ in Tarnow sind dem Vereine nach längeren Verhandlungen, die Herr Josef M. Sinnreich leitete, beigetreten. Gewählt wurden die Herren: F. Kreisler, Ehrenpräsident: E. Rath, Obmann: L. Handel, dessen Stellvertreter; M. Ungar, Cassier; S. Schärf, Controller; I. M. Sinnreich, Schriftführer: L. Teitelbaum und I. B l u m e t. Mieter: Hier wurde ein.zionistischer Verein ..Beth Israel“ gegründet. In den Ausschuss wurden gewählt die Herren: M. ^A s ch h e i m, M. H o r o w i tz, Ch. Klein, I. Groß, 21. otcmplcr, I. Klausner. Delatyn. Durch die eifrige Agitation des Herrn B. J.H arz aus Nadwörna hat hier die zionistische Bewegung neuen Aufschwung genommen. Katiovitz (Preuß. - Schles.), 14. December. In der l.-tzten, Montag den 1-2. d. M. abgehaltenen Generalversammlung des (zionistischen) Montefiore-Bereines wurden für das künftige zweite Vereinsjahr gewählt: Vorsitzender M. Moses, Schriftführer Grabowsky, Rendant F. Koch mann, Beisitzer W. Lew in und H. B eng er, Revisoren I. Grünpeter und B. K o ch m a n n. Liverpool. Hier fand am 4. December ein Massenmeettng statt, bei welchem Herr Masel aus Manchester in einer beifällig aufgenommenen Rede die allgemeine Lage des jüdischen Volkes schilderte und die zionistische Bewegung als die einzige Rettung bezeichnete. Er polemisierte mit Erfolg gegen diejenigen, die den Zionismus aus religiösen Gründen bekämpfen zu müssen glauben. Nach ihm sprachen die Herren Rev. Lew in und Becker, die ganz im Sinne des Vorredners zu einem einigen Wirken für das jüdische Volk anregten. In Glasgow fand ebenfalls am 4. December ein zionistisches Meeting statt, in welchem die Herren Scheinfeld und W e i n st e i n Reden hielten. Die Gründung eines Zionsvereines wurde einstimmig beschlossen und in Angriff genommen. J. Exp. Bern, 6. December. Am 4. December 1898 wurde hier ein Verein unter dem Namen „Verein Zion Bern" gegründet: da? Comit6 besteht aus den Herren Jacob Pro pp er, Vorsitzender, Hermann L i e b s ch ü tz, Schriftführer und Hermann H a us er, 'Cassier. Gründer des Vereines ist Herr Dr. med. Herrn. Hoffenfeld. Dem Vereine gehören hiesige Bürger und die hiesige akademische Jugend als Mitglieder an. P ConchmdtHku. Deutschland. Berlin. In der Deccmberversammlung des „Centralvereincs deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hob der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Horwitz, es als ein besonders tadelnswertes Verhalten der zionistischen Parteileitung hervor, dass sie am Eingänge des Locals an die Besucher der Versammlung ein zionisttsches Flugblatt vertheilen ließ. Es ist ein hohes Maß von Zartgefühl erforderlich, um einen erheblichen Unterschied darin zu finden, ob man ein Flugblatt durch einen privaten Bediensteten oder durch einen Postboten überreichen lässt. Was aber von dem Zartgefühl des Herrn Dr. Horwitz zu halten ist, geht daraus hervor, dass er in feiner vernichtenden Kritik so weit gieng, das Zettelvertheilen des Zionismus in geistreicher Wortspielerei als „C Y n i s m u s" zu bezeichnen. — Nun — de gustibus non est disputandum. Unseres Erachtens hat Herr Dr. Horwitz, der feine Auchgerinane, der er doch sein will, durch diesen Vergleich einen Cyuismus seiner Gesinnung bekundet, wie er hoffentlich unter Juden nicht gar oft Vorkommen dürfte: er hat mit dem Namen „Zion", welcher von Juden und Christen hochheilig verehrt wird, Spott getrieben. Wir bitten Herrn Dr. Horwitz im Evangelium St. Matthaei. Cap. VH, Vers 5 nachzulesen. Dort steht geschrieben: „Du Heuchler, ziehe am ersten den Balken ans Deinem Auge; dann besiehe, wie Du den Splitter aus Deines Bruders Auge ziehest". y.