Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 52 (30.12.1898)
- Article
- Galatz [Nachricht]
- Date
- 1898-12-30
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 *i 52 Gott sei dank, ruhig geworden, und wir geben uns dein Gefühle der Sicherheit bin; aberes glimmt immerfort unter der Lisch e. Die, welche die Verhältnisse kennen, wissen, dass wir auf einem Vulcan stehen. Man muss immer auf einen Ausbruch gefasst sein! Heißt das ein Leben? In ständiger Pein und ständigem Schrecken! .... Solange wir keinen sicheren Boden unter unseren Füßen haben, leben wir nur chaje zaar, und w i r müssen unser Alles einsetzen, erne gesicherte Heimstätte uns und unseren Nachkommen zu gründen, wo jeder seine Fähigkeiten entwickeln kann. Eben jetzt tagt in London das Comitö der Jüdischen Colonial bank, und wir hoffen, dass die Operationen bald beginnen werden. Wir können in dieser und in aller Hinsicht volles Vertrauen zu unseren Führern haben! . . . Wenn Dr. Herzl nur den „Judenstaat" geschrieben und sonst nichts weiter gethan hätte, konnten wir auch schon sagen: dajenu (dies genügt uns)! Um somehr, als er so Großes und Epochemachendes in Israel zustande gebracht, wie die beiden Congresse in Basel, die Verbreitung der zionistischen Idee aus dem ganzen Erdenrunde, die Schaffung der Jüdischen Colonialbank, das Interesse, das er dem Sultan und dem deutschen Kaiser für uns abgewann re. re. . . .Hierauf sprach Dr. Cohn über die geschichtliche Bedeutung des Chanukafestes und stellte einen sehr gelungenen Vergleich an zwischen den 'damaligen Zuständen und jetzt, sprach dann über die Protestrabbiner und erntete reichen Beifall. Herr Schein sprach eingehend über die große Bedeutung de? Empf anges der zionistichen Ab ordnung seitens des deutschen Kaisers in Jerusalem und die Begrüßung des Dr. Herzl inMikweh Israel, über die massenhaften Rateneinzahlungcn der Jüdischen Colonial-Bank, resp. Fortsetzung der Zeichnungen, über die Schekel- Jncassi re. und wurde sehr lebhaft acclamiert. Herr Samuely resümierte die obigen Reden und sprach mit großem Eifer und unter sehr großem Beffaüe darüber, was ihn veranlasst habe, Zionist zu werden. Fräulein Rosenthal verlas schließlich den Aufruf an die jüdischen Frauen seitens des provisorischen Frauen-Comites des zweiten Baseler Congreffes und wurde ebenfalls lebhaft acclamiert. Kolomea. Samstag den 9. December fand hier im großen Sparcassesaale die vom Vereine „Beth Israel“ zum Andenken an unsere Makkabäer veranstaltete Feier statt. Schon in den Nachmiltagsstunden machte sich für diese Feier eine rege Theilnahme bemerkbar, indem man Schwärme von Juden zu dem Versammlungsorte ziehen sah, um früher Einlass in den Saal zu gewinnen. Der Saal, welcher 3000 Personen fasst, war zum Erdrücken voll, das Parterre und die Gallerien waren überfüllt, und der Saal bot ein bisher noch ungesehenes Bild, welches die cbe.en Schichten des jüdischen Volkes mit dem jüdischen Proletariate bei einer nationalen Feier vereinigte. Das ist das Product der rührigen und unermüdlichen Arbeit der hiesigen strammen Zionisten unter Führung des Stadtarztes Doctor Rosenheck, die es durch die rastlose Agitation dahin brachten, dcsis das jüdische Volk in Kolomea auf den Ruf „Zion" hört und keiner _ zionistischen Veranstaltung fernbleibt. Nach einer kurzen Begrüßung seitens des Herrn Fell wurden die Chanukalichter von Herrn K a u f m a n aus Stanislau, bei meisterhafter Absingung der vom Cantor S k o l n i k verfassten Composition, ..Moaus-Zur“ unter Musikbegleitung, angezündet. Hierauf folgte die Festrede, gehalten von Herrn Dr. Rosenheck. Dieser schilderte in_ gewohnter beredter Weise die Bedeutung äer Makkabäer für das Judenthum und schloss nach Erschöpfung des geschichtlichen Theiles, dass die Zionisten, gleich den Makkabäern, trotz des Lärmens der Protestrabiner zu ihrem Ziele gelangen müssen. Tosender Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. Wer an der Lebensfähigkeit und Lebendigkeit der hebräischen Sprache zweifelte, ward sofort eines anderen belehrt, als das 14jährige Mädchen Lea Rosenkranz aus Sniatyn über die Bedeutung des Festes in einem freien, ungezwungenen Hebräisch sprach. Die Darstellung des Festspieles „Der ewige Jude" durch die Herren Jolle s. Solcher und D u n aj e r fand großen Beifall und haben die Productionen der Herren K. H i r o m. Z e i g e r und Kaufmann, erstere zwei durch ihre herrlichen Vwliuconcsrre, letzterer durch seinen meisterhaften Sologesang, zur Verherrlichung des Abends beigetragen. Besonderer Dank für das Gelingen des Abends gebürt dem Violinvirtuosen H i r o m, welcher speciell für diese Feier ein Potpourri jüdischer Lieder schuf. Nach einer gelungenen Production improvisierter jüdisch-zionisiischerLiederdurchHerrnB oxenbaum nahm das Wort zum Schluffe der bekannte Volksredner Herr Löbel Taubes, welcher die Erfolge der zionistischen Bewegung markierte und mit einem Hoch auf Dr. Herzl, in welches die ganze Versammlung stehend einstimmte, zur weiteren Arbeit an eiferte. Ein gemächlicher Commers in den Localitäten des Vereines ..Beth Israel“ beschloss die herrliche Feier. 8r. Turu-Scverin. Donnerstag den 1">. December veranstaltete die hiesige Section „Dr. Carl L i p p e" des Zionvereines „Jischuv Erez Israel“ int deutsch-israelitischen Tempel eine Makkabäer- Feier, wobei Herr Mayer Markus vor einem überaus zahlreichen Auditorium über die Bedeutung dieses Festes, sowie über die Nothwendigkeit des Zionismus sprach. Abends fand diese Feier in dem, von obigem Vereine gegründeten Leseclub ihre Fortsetzung bei einem fröhlichen Bankett, bei welchem von dem Präsidenten Herrn M. R. Catalan, sowie von mehreren anderen Vereinsmitgliedern begeisterte Toaste auf die Anführer der zionistischen Bewegung, sowie auf diese selbst ausgebracht wurden. Den hiesigen zionistischen Vereinen, sowie dem hiesigen Frauen-Wohlchätigkeits-Vereine wurden namhafte Spenden zugeführt; auch eirculierten bei dieser Gelegenheit Schekelbücher unter den Mitgliedern und Gästen, welche bereitwillig ihren Schekel entrichteten. Huldigung. Die österreichisch-galizischen Jsraelitengemeinden in Palästina widmeten aus Anlass des Regierungs- Jubilänms eine Huldiaungsadreffe. Die Ueberreichuug derselben erfolgte vor einigen Tagen durch eine Deputation mit dem Führer der konservativen Juden in Galizien und dem Curator der österreichischen Jsraelitengemeinden in Palästina, Herrn Ignaz L. Schreiber in Drohobycz und Rabbiner S. Fü rst an der Spitze. Der Ministerpräsident Graf Thun empfieng die Deputation in sehr liebenswürdiger Weise. Er gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, dass der Kaiser sich über diesen Beweis der Loyalität der so weit vom Heimatlande entfernten israelitischen Unterthanen freuen werde, ließ sich den Inhalt der hebräischen Adreffe und die Bedeutung des Reliefs erklären und entließ die Deputation mit der Zusage, die Adreffe dem Kaiser zu unterbreiten. Eine Gedenktafel Heinrich Heines befindet sich seit kurzem jetzt auch in Hamburg, Heines zweiter Vaterstadt. Herr Julius Campe, der Sohn und Nachfolger des ManneS, in dessen Verlag die Schriften Heines erschienen sind, hat zu Ehren des Dichters in seinem Harpe eine etwa eineinhalb Meter hohe Heine-Gedenktafel anbringen laffen. „Henry, der Halsabschneider". Mit dem Spitznamen „Henry, derHalsabs chneider"bezeichnen die weinkundigenRheinländer das diesjährige Product ihrer Reben und geben damit der Ansicht, dass der 1898er Wein mit seiner scharfen Säure beim Trinken keine angenehme Nachempfindung in der Kehle Hervorrufe, sehr drastischen Ausdruck. Sauer und wenig ist die Signatur des Jahrganges. gg Rassenhass in Amerika. In der ganzen Union ist ein gesellschaftlicher Verkehr des Weißen mit dem Neger unmöglich. In drei Vierteln aller Staaten stehen schwere Zuchthausstrafen auf Heiraten zwischen Weißen und Negern. Die jetzt vorhandenen Mischlinge, die zum größten Theile der Sclavenzeit entstammen, bilden nicht etwa eine Art Verbindungsglied zwischen beiden Raffen — nein, ein jeder Mensch, der auch nur einen Tropfen Negerblut in seinen Adern hat, steht genau auf derselben Stufe wie der schwärzeste aller Schwarzen. Im Süden fährt kein Weißer in demselben Eisenbahn- oder Straßenbahnwagen mit einem Neger. Während der gebildete Schwarze in der schmutzigen und dumpfigen „Nigger Coach“ Platz nehmen muss, setzt sich der weiße „Cracker" (die niederste Glatze der Weißen im Süden) in das beste Eckchen der anderen Cars. Auch in den Staaten, die kein Verbot der Ehe zwischen beiden Rassen erlassen haben, ist eine Weiße, die einen Neger heiratet, für chre bisherige Welt auf ewig todt, während beispielsweise die Heirat mir einem Indianer durchaus nicht eine solche Folge hat. Noch jetzt, dreißig Jahre nach Aufhebung der Sklaverei, verehrt kern Weißer im Süden in einem öffentlichen Local, zu welchem Schwarze überhaupt Zutritt haben. Der Schwarze kann keinen Sitz unter den Weißen im Theater oder in Concertlocalen haben, er muss in die „Nigger-Gallerie". Geflügelte Kalauer. Der „Straßburger Post" wird geschrieben : „Wie lebhaft der Antheil ist. den die Dreyfussache auch außerhalb Frankreichs gefunden hat, geht wohl daraus hervor, dass einzelne Namen, die während des Proceffes allgemein bekannt geworden sind, von deutschen Blättern nahezu im Sinne geflügelter Worte gebraucht werden. Ich habe nur folgende Redewendungen ausgezeichnet: Das Schriftstück erwies sich als plumpes Henryficat. — Er brissonierte hin und her, ohne zu einem Entschlüsse zu kommen. — Er ist jetzt in einer ordentlichen Paty du Clämme. — Er hat seine Rolle ausgecavaignact. — Eine Zeitlang gelang es ihm, sich durchzuesterhazyeren, aber schließlich erlitt er doch das verdiente Geschick. Die größte That des Jahrhunderts. Das „kleine Journal" in Berlin hat eine Weihnachtsrundsrage veranstaltet, welche That die hervorragendste des 19. Jahrhunderts sei. Unter