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Die Welt · 1898-12-30 · 52 (30.12.1898) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
52 (30.12.1898)
Article
Ein jüdischer Maler
Date
1898-12-30
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 Nr. 52 theil. Die polnische Malercolonie in Rom gab zu Ehren Matejkos, der eben da weilte, ein Bankett. Bei dieser ehrenvollen Gelegenheit wurde auch Gottlieb gefeiert. „ . . Uns allen ward er theuer und lieb . . Und er ward uns theuer dadurch, dass er ehrlich bei seinem Bekenntnis bleibt und bei der Tradition seiner Väter, seine' Abkunft nicht verleugnet und sein Vaterland Polen, als ein rechter Pole liebt. Seine Werke geben Zeugnis, dass auch die Israeliten zum Ruhme des Landes beitragen können. . ." Matejko lud ihn ein, zu ihm nach Krakau zu kommen, um unter seiner Leitung ein großes historisches Gemälde auszuführen, welches „sowohl den Polen als den Juden gefallen, und sicherlich ihm vom Lande ab-, gekauft würde". Es sollte die Scene darstellen, wie „Kasimir der Große den Juden in Polen die Gerechtsame ertheilt". Gotllieb nahm den Vorschlag mit Freuden an. Er blieb noch einige Zeit in Rom, dann, zu Beginn des Jahres 1879 reiste er nach Krakau. Aber zur Ausführung dieses Bildes kam es nicht. . . . Mit großem Eifer arbeitete er am Bilde fort, welches er in Rom begonnen hatte :; „Christus predigend". Früher schon hatte er einen „Christus vor Gericht" gemalt, ein groß gedachtes Werk, das aber aus Wunsch und Willen seines Protectors Ignaz Kuranda, des Präsidenten der Wiener Cultusgemeinde, unvollendet blieb. Die. beiden Christusbilder und „Die betenden Juden" sind wohl das Bedeutendste, was Gottlieb geschaffen hat. Das Jahr 1879 ist das letzte seines Lebens. Im Juli zog er sich auf einer Reise von Wien nach Krakau eine Erkältung zu. In der Nacht vom 16. auf den 17. gab er den Geist auf. „Aha<ver im Diadem" war das letzte Bild, das er malte. Er porträtirte darin sich selbst. Dass er sich selbst den Goldreif, anlegte, mag man ihm nicht als eitle Ueberhebung anrechnen. Man sehe doch näher aus das.Bild und wie er sich schmückt. Esist der Maler Gottlieb, es ist aber auch Ahasver. Und der Goldreif ist das Leiden, das von der Stirne leuchtet, das zwiefaches Leiden: um aller Leidenschaft willen, der Liebe, des Weibes, des Menschlich-Persönlichen im Leben. Und das große Leiden um sein Volk. Girre Erwiderung.*) Von Leo Mozkin. ' (Schluss.) Nun behaupte ich noch mehr. Herr Bambus gibt uns Aufschluss darüber, warum sich manchmal größere Zahlen über die jüdische Bevölkerung Palästinas vorfinden. So sagt er uns: „Man muss von vornherein gegen die Zahlen der Missionen einen starken Zweifel hegen und man wird gut thun, immer die niedrigeren anzunehmen, da die Missionen und die Christen, zumal inJerusalem, dazu neigen, dieZahl derJuden zu übertreiben." (S. 165.) Diese Aeußerung habe ich in Palästina oft genug vernehmen können; die Statistik Jerusalems hat mir dieselbe bestätigt. Ueber die Logst des Herrn Bambus nur eine kurze Bemerkung! Warum sollte ich das System gehabt haben, die Zahl der palästinensischen Juden so niedrig als möglich anzugeben? Wenn mir schon böse Absichten unterschoben werden, so könnte noch das Gegentheil Sinn haben; da ich dem Gedanken einer einstweiligen inneren Colonisation voll und ganz zustimme, so hätte ich eigentlich systematisch eine möglichst große Zahl zusammenrechnen sollen. Wie leicht wäre es gewesen, eine angenehme Zusammenstellung zu machen! Welche Freude empfand ich auch auf der Hinreise, als ich noch die jüdische Bevölkerung von Jerusalem nach Bädeker zählte; wie wurde meine Freude herabgestimmt, als me:ne Annahme in Jerusalem spöttisch zurückgewiesen wurde! Die von Herrn Luncz vorgenommene Statistik widersprach jener Zahl ganz und gar. Ich musste mir bei einiger psychologischer Analyse sagen, dass die palästinensischen Juden absolut keine Veranlassung haben, ihre Dichtigkeit kleiner darzustellen, da das Interesse Europas für sie mit dem Wachsrhum der Bevölkerungszahl sich vergrößert und folgte dem Rathe von Bambus, die jüdischen Zahlen anzugeben. Ich that, was mir die Pflicht gebot. _ Die Angaben über die städtischen Ziffern fand ich noch in verschiedenen anderen jüdischen Schriften, so ähnliche in dem Allianceberichte dieses Jahres, so in hebräischen Berichten u. s. w. Außerdem lag vor mir eine Reihe fast völlig übereinstimmender Zahlen im Almanach von Luncz und in der Schrift von Bambus, ich konnte also ruhig dieselben gebrauchen, während ich für Jerusalem'ein umfangreiches, frisches Material besaß. Vielleicht jedoch sind für Herrn Bambus unmittelbar vor dem Congresse neue Offenbarungen auf dem Gebiete des Palästinawissens erstanden, dann war es seine Pflicht und Schuldigkeit, öffentlich vorzutreten und zu erklären, er habe soeben ein Buch voll Unrichtigkeiten und kritiklos (besaß er doch einen Gewährsmann *) Siehe die „Welt" Nr. 44, 45, 50 u. 51. weniger als ich, nämlich Bambus) niedergeschrieben, er habe nur alte Ziffern angeführt, die schon sehr weit zurückliegen, die Seelenzahl Palästinas tief unter der Wirklichkeit angegeben u. s. w. u. s. w. Nichts von alledem! Ruhig sitzt er aus dem Congresse, er erröthet nicht' bei dem Gedanken, dass er durch Wiederholung der Luncz'schen Angaben mit dazu beigetragen, das „schreckliche Unheil" zu veranlassen und schweigt sich aus der Tribüne über diesen Punkt muthig aus, im Herzen aber schmiedet er eine feine Waffe gegen den Gegner. Ist das cüi edler Kämpfer! Denn welcher Grad von Verderbtheit gehört dazu, um unter der Maske der Wahrheitsliebe jemand öffentlich in schärfster Form und hinterlistig zu beschuldigen, dass er böswillig falsche Zahlen gebrauche, die man selber in einer eben veröstenilichten Schrift angibt! Die solchem Treiben gebürende Bezeichnung überlasse ich den Lesern. Uebrigens glaube ich nicht einen Augenblick an die plötzlichen Offenbarungen im Palästinawissen des Herrn Bambus, ich zweifle nicht daran, dass Herr Bambus von der Falschheit seiner Angriffe überzeugt ist. Durch welche Neuerscheinung sollte die Erleuchtung über Herrn Bambus gekommen sein? Folgendes diene noch zur Belästigung: Schon vor einigen Jahren, im Jahre 1892, hat Herr Bambus in seiner Broschüre „Palästina in der Gegenwart" die jüdische Einwohnerschaft von Sasted mit 13.090, doppelt so viel, als nach seinem Besuche Palästinas, angegeben; also war die Offenbarung hinsichtlich Saffeds bei Herrn Bambus schon vor sechs Jahren gewesen, er ist jedoch von diesen Angaben abgewichen, da er sich überzeugt, dass die Missionsdaten bezüglich der Juden, der Wahrhaftigkeit entbehren. Jetzt aber ist er empört! Trotzdem nun ein Zeuge der Richtigkeit meiner Angaben, Herr Bambus von jetzt, sich selbst in so seltsamer Art widerlegt, glaube ich doch, dass Herr Bambus vor wenigen Monaren recht gehabt, dass meine Angaben der stabilen Städte Hebron, Saffed, Liberias u. s. w. richtig sind. Was aber das wichtige Jerusalem anbetristt, so vertraue - ich auf die Gewissenhaftrgkelt des Herrn Luncz, der wohl gewusst hat, zu welchem Zweck seine von neuem vorgenommene, ausführliche Statistst verwendet werden soll; war er doch allerseits einzig und allein als für eine solche Arbeit geeignet empfohlen worden. Im allgemeinen kann ich es aussprechen, dass zusammengenommen gewiss 4/s meiner Angaben über die palästinensischen Verhältnisse allerneuesten Datums sind, was ich natürlich zum Theil der Hilfsbereitschaft verschiedener Zionsfreunde zu verdanken habe. Mit ruhigem Gewissen kann ich aus jene Monate zurückblicken, da ich eine kaum zu bewältigende, mannigfaltige Arbeit auszuführen hatte. Nie aber dürfte es Herrn Bambus gelingen, jene großen Eindrücke, die ich aus Palästina mitgenommen, durch hässliche Polemsten in mir zu vermischen. Ewig erinnerlich werden mir jene Tage sein, da ich zum erftenmale unser altes Heimatland erblickte, da ich die zudäischen Berge, das Todte Meer, Galiläa mir dem Genezarelhsee, den Karmel sah, da ich jüdische Bauern an der Arbeit beobachtete und hebräische Hymnen hörte. Wahrlich, nie werde ich Jerusalems, — des wunderbaren Jerusalems — nie des, Palästina umspülenden Meeres oder des unser Land überwölbenden Himmels vergessen. Jene palästinensische Sonne aber, die durch ihre Strahlenpracht bezaubert und blendet, wandelt noch immer vor mir, einer Wirtlichkeit gleich, das heiße Zurücksehnen nach dem historischen Lande immer stärker entfachend. Ein sinnentstellender Druckfehler hat einen Theil meiner Ausführungen in der letzten Nummer der „Welt" unverständlich gemacht. An der Stelle: — — ebenso wahr, wie die Behauptung an einer anderen Stelle. Luncz betont selber, dass er für die meisten Plätze keine neueren Angaben habe, sondern alte Ziffern, die schon sehr weit zurückliegen" muss statt „-Stelle. Luncz betont — —" heißen: „-Stelle, Luncz betone-". Denn nicht Luncz, sondern Bambus behauptet es von Luncz, ohne die Quelle anzugeben, wo Luncz derartiges betont, während aus allem gerade das Gegentheil folgt, dass die betreffenden Zistern nicht schon sehr weit zurückliegen, sondern -nur ein paar Jahre alt sind, gerade auch aus Bambus, Luncz selber aber weder in seinen Schristen, noch mir gegenüber mündlich solches betont hat. V M akk ab iier-Friern.) Graz, 8. December. Gestern, den 7. d. M. fand eine große Malkabäer-Feier statt, welche von den zionistischen Studierenden veranstaltet war und folgendes Programm halte: 1. Begrüßung der Erschienenen durch Herrn Franz Schwarz; 2. Gaudeamus; 3. Festrede, gehalten von Herrn Franz Schwarz; 4. Weihelied *) Ein Thci! der Festberichte über die Makkabäerfeier folgt

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