Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 51 (23.12.1898)
- Article
- Kalusz [Nachricht]
- Date
- 1898-12-23
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Len« U ftr 5i Ueber 3« 0 Gäste waren anwesend. Die Tendenzrede „Ueber den Zionismus" hielt Herr H. Sussmann, ein Mitglied des Stanislauer Vereines „Erez Israel", der durch seine begeisterten und sachlichen Ausführungen stürmischen Beifall erntete. In der Discustion trat ein — wie er sich nannte — jüdisch-nationaler Socialist für den Socialismus ein. Er plaid ierte für die Verbesserung der Lage der Juden hierzulande. Eine kräftige Abfertigung erhielt er von dem hiesigen Arzte Herrn Dr. Nadel, einem eifrigen Zionisten und gewesenen^ Kadimahner, welcher mit gründlicher Sachlichkeit den problematischen Nutzen des Socialismus speciell für uns Juden nachwies. „Der Judenhass", sagte er „wird auch ein üppiges Gewächs im socialistischen Staate sein und in Anbetracht der drohenden Gefahr ist es Pflicht eines jeden Juden, vorerst für seine Haut Sorge zu tragen." Mit einem Cammers für den Stanislauer Gast schloss unsere Feier. Zkitschnstkurimdschau. Georg Brandes, der große „Dane", verweilte nach den bereits berühmt gewordenen „Einladungen" der polnischen Elite fast zwei Wochen in der galizischen Hauptstadt und verkehrte nur in Hofkreisen echter polnischer Observanz. Ueberall „fürstlich" ausgenommen, trachtete er seine Gleichgiltigkeit gegenüber dem Judenthum und seinen lockeren Zusammenhang mit demselben hervorzukehren. Wie consequent er dies befolgte, beweist folgendes Ercerpt aus einem Interview, welches der Lemberger Eorrespondent nach einer Unterredung mit Brandes in der Nr. 48 des Petersburger -..Kraj" veröffentlicht: Auf die Frage des Interviewers. ob er nichts von der Existenz des Zionismus gehört hätte, antwortet Brandes: „Ich kenne nur das Buch des Dr. Herzl („Judenstaat",. Dasselbe ist geradezu naiv. Die jüdischen Banqurers sollen Palästina vom Sultan abkaufen! Ich habe noch bis jetzt kein interessanteres Phantasiestück gefunden. Das ist schon Halbwahnsinn'. Die Mohammedaner werden es nicht zulassen, dass Palästina von den Juden in Besitz genommen werde, die Christen wahrscheinlich auch nicht. Uebrigens haben die Juden keine Merkmale einer besonderen Nation, sie bilden daher keine Nation. Schließlich renne ich die Judenfrage wenig, da es bei uns eine solche, mit Rücksicht darauf, dass im ganzen Lande bloß 600 Juden wohnen, gar nicht gibt." Trotzdem Brandes also die Judenfrage „wenig kennt", ließ er ex cathedra so viele „Gedanken" über dieselbe den Interviewer in dem sehr verbreiteren Petersburger Wochenblatte veröffentlichen. Dass er das Blatt und seinen Leserkreis genau kennt, beweist der Umstand, dass er dem Interviewer sogar das Innere der Rcdaction beschrieb und „angenehme Erinnerungen" aus seinem Aufenthalte in Petersburg erzählte'. P VücherweU. Die neuhcbräifche Aufklärungslitcratur in Galizien. Von Mar Weißberg, Leipzig—Wien, Breitenstein. 1808. Schon der Titel der vorliegenden Schrift zeigt, wie Unrecht diejenigen haben, welche die hebräische Sprache gleich der griechischen und lateinischen als eine todre Sprache betrachten. Die Continuität der hebräischen Sprache ist eben niemals unterbrochen worden. Sie ist die Sprache der Religion, welche mit dem Leben und der Literatur des Volkes in allen Epochen der Diaspora bis auf die neueste Zeit aufs innigste verbunden ist. Sie hat sich jederzeit den aus dem jeweiligen Milieu hervorgegangcnen geistigen Bedürfnissen angepasst, sie hat sich verschiedenartige Elemente angeeignet und sie in lebendiges Sprachgut umgeprägt. Das Hebräische des 19. Jahrhunderts hat seine eigene Grammatik, seine eigene Syntax und „spricht mit derselben Leichtigkeit über Taine, Nietzsche und Helmholtz, wie etwa die hebräisch-spanischen Philosophen des Mutelalters über Aristoteles und Plato". Sehr richtig bemerkt der Verfasser, dass im Osten nicht etwa nur Gelehrte, sondern auch Kaufleute, Kleingewerbetreibende und Handwerker lebendige Fühlung mit der Literatur der ferneren und näheren Vergangenheit haben. Sie bedienen sich nicht in tendenziöser Absicht, sondern aus uralter Gewohnheit der heiligen Sprache in freundschaftlicher und geschäftlicher Correspondenz, in den mannigfachen Vorkommnissen des Handels und des öffentlichen Lebens. Es war ein glücklicher Gedanke, welch:r den Verfasser bei der. Wahl des Stoffes leitete. Die Cnltur der westeuropäischen Juden hat bereits ihre Geschichtschreiber gesunden; dem mächtig pulsierenden Geistesleben der Juden in Polen und Rußland ist die verdiente Würdigung noch nicht zutheil geworden. Weißberg macht den Versuch, uns in ein „unbekanntes Wunderland" zu führen. Vorläufig ist der erste Theil seines Werkes erschienen. Derselbe schließt mit dem von Gimpel Segal aus Wien ins Judendeutsche übertragenen „Sabbaihlied" des Rabbi Meir ben Samuel aus Szczebrzeszyn, das aus dem Jahre 1863 stammt und aus 30 aramäischen Strophen besteht. Die Verehrer Heines würden Herrn Weißberg Dank gewusst haben, wenn er sie mit dieser Uebertragung, welche immerhin das Original zur Genüge durchschimmern lässt, verschont halte. Es gehört fürwahr die ungeheuerlichste Geschmacksverirrung dazu, in dieser sonderbaren Idylle ein „hochmerkwürdiges Scitcnstück" zu der köstlichen „Prinzessin Sabbath" zu erblicken. 3. * Vür-rerrinlauf. Sie wollen nicht. Zeitroman von 21. G. v. Suttner. 2 Bände. Dresden und Leipzig. E. Piersons Verlag 1899. per Oinaugurattone de!!’ associazione fra la gioventü IsraelHica Fiorentina. Discorso dell' Ecc. mo Sie;. Cav. Dott. S. H. Margulies. Rabbino Maggiore. Ein Aaiserbnch. Festrede von Dr. Adolf K u r r e i n. 1898. Selbstverlag. Au die jüdischen Frauen. Ein Appell zur Umkehr von Rosa P o m e r a n z. Tarnopol. Verlag des Vereines „Ahawath Zion.“ Die Juden in Palästina. Von Leo M o z k i n. Berlin 1898. Verlag von SigbertsFriedländer. Die Existenzberechtigung des Ordens „Bnei Briss". Von Maximilian Stein. U- Feuille Uit. Mil Sorrrre .... Mit Sonne mödjf ich dich füttern. Mit Sonne, jüdisches Kind, Dass nimmer eisiges Zittern Dir durch die Seele rinnt. Und Frühling möchte ich gießen In deine Seele hinein. Dass Blumen und Knosp?n spneßen Und Quellen murmeln drein. Und Frühling und Sonnenleben Halten die Nächte gebannt .... Und Sehnsucht und Träume schweben Ums alte Jordanland .... Theodor Z l o c i st i. V- U «sere P a l ö ttitttif aljrt. Von Dr. I. Bodenheimer. (Fortsetzung.) Das hatten wir uns freilich nicht träumen lassen, N'ährend der Fahrt nach Palästina unseren Fuß auf kretischen Boden zu setzen. Schon saßen wir fünf Mitglieder der zionistischen Deputatton in der Schaluppe, und diese schoss wir ein Pfeil dem Ufer zu. Wir liefen in einen kleiner! Hafen ein, an besten Ufer in den türkischen Kaffeehäusern reges Leben herrschte. Der Schiffsverkehr schien allerdings unterbunden. Am Hafendamm ragte ein schlanker Leuchtthurm ans. Unter Leitung des Officiers, der uns abgeholt hatte, zogen wir in die Stadt, wo wir bald der vorausgegangenen 'Gesellschaft nebst unserem Capitän, dem Admiral S k r y d l o w, sowie dem provisorischen Gouverneur von Rethynrno, Oberst S ch o st a k. begegneten, welche letzteren in liebenswürdigster Weise unsere Ciceroni abgaben. Tie Sttaßen machen denselbenEindruckwiein anderemorientalischen Städten, wenn auch der Einfluss venettanischer Bauart nicht zu verkennen ist. Zu bemerken war nur die außerordentliche Reinlichkeit, tvelche die Ruffen durchgeführt hatten, und die im Orient doppelt wohlrhueud auf's Auge wirkte. Auch machte es einen seltsamen Eindruck und vermehrte keineswegs das Gefühl