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Die Welt · 1898-12-23 · 51 (23.12.1898) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
51 (23.12.1898)
Article
Köln
Date
1898-12-23
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 1L J^c^sWdt: Rr. 51 8 io. Zu den Aufgaben des Delegiertentages gehören: a) Entgegennahme des Berichtes über die Thätigkeit der Vereinigung und den Stand der. zionistischen Bewegung, d) Stellungnahme zu den Beschlüssen des Kongresses und Verathung von Anträgen für denselben, c) Wahl der Leitung der Vereinigung, d) Beschlussfassung über Organisations- und Agitationsfragen. 8 n- In besonders dringenden Fällen ist die Leitung befugt, einen außerordentlichen Delegiertentag einzuberufen. Für den außerordentlichen Delegiertentag gelten dieselben Bestimmungen, wie für den ordentlichen (88 8, 9, 12 und 13). 8 12. Je 10 Mitglieder der Vereinigung wählen einen Delegierten, jedoch kann kein Ort durch mehr als drei Delegierte vertreten sein. An solchen Orten, wo die Mitgliederzahl von l0 noch nicht erreicht ist, gilt der Vertrauensmann als Delegierter. 8 13. Zum Delegiertentag hat jedes Mitglied der Vereinigung Zutritt. Stimmberechtigt sind jedoch nur die Delegierten mit je einer Stimme." Die Wahlen der Delegierten haben spätestens bis zum 20. December a. e. stattzufinden Tie Namen der Gewählten sind dem Bureau rechtzeitig mitzutheilen, worauf dann die Delegierten von unserem Bureau die Legitimationskarten mit Angabe der Stunde und des Ortes der Versammlung erhalten. Es ist dringend erwünscht, dass möglich st viele Delegierte zur Versammlung erscheinen. Tagesordnung:' I. Begrüßung der Versammlung durch den Vorsitzenden. 2. Bericht des Schriftführers über die Thätigkeit der Vereinigung im verflossenen Jahre. 3. Bericht des Cassenwarts über die Ausgaben und Einnahmen der Vereinigung. 4. Organisation und Agitation. 5. Culturfragen. 6. Die Stellung der deutschen Zionisten zu den Beschlüssen des Kongresses. 7. Decharge-Ertheilung und Wahl des Centralcomites und der Cassenrevisoren. Wir versprechen uns von der Thätigkeit der Zionisten Deutschlands speciell in diesem Jahre große Erfolge. Dank der Agitation derselben dürste die Gruppe der deutschen Zionisten in Jahresfrist sich mindestens verdoppeln. Die deutschen Juden sind ein zu bedeutendes Element im Gesammtjudenthum, als dass wir nicht eine regere Betheiligung von ihrer Seite mit Freude begrüßen würden. Frankreich. Paris. Noch immer wird der Versuch fortgesetzr, die Arbeit des Casfationshofes durch Interpellationen in der Kammer und im Senat zu stören und das Vertrauen des Volkes in die Rechtsprechung des höchsten stanzösischen Gerichtshofes zu erschüttern. Vor allem verbreiten die Antisemiten das Gerücht, dass durch die Einflussnahme stemder Diplomaten die Affaire Dreyfus als Hebel zur Vernichtung des stanzösischen Generalstabes, ja der ganzen stanzösischen Armee und damit Frankreichs benützt werde. Darauf bezog sich auch die Interpellation des Antisemiten L as i es in der Kammersitzung vom 19. Decsmber. Lasies interpellierte über die unter dem Ministerium B r i s s o n in Betreff der Revision des Proceffes Dreyfus begangenen Jndiscretionen. Er griff die Strafkammer des Cassationshoses an, indem er unter anderem sagte, dass ein Bruder des Präsidenten Loew ein deutscher Beamter sei, und dass der Präsident Dreyfus zu verherrlichen suche. Sodann erklärte Lasies, dass die Affairen Dreyfus und Picquart nur ein Vorwand seien, um die Armee anzugreifen, und warf der Regierung vor, dass sie durch ihre Schwäche sich zur Mitschuldigen mache; er verlangte schließlich, dass der Kriegsminister der Armee Schutz angedeihen lasse. Der Kriegsminister Freycinet wies diese Angriffe zurück und erklärte dann, dass sich das geheime Dossier in seinen Händen befinde. Es enthalte Documente, welche die Sicherheit des "Staates gefährden könnten, weshalb er es nur unter der Garantie, dass darüber nichts verlaute, ausfolgen werde. Er werde kein einziges Stück aus derHand geben, welchesdie Vertheidigung Frankreichs schädigen könnte. Als man einwart, dass ohne die Kenntnis der Documente die Revision eine Komödie sein werde, erwiderte Ministerpräsident D u p u y, dass die Unabhängigkeit der Justiz gewahrt werden, aber auch keine Vorsichtsmaßregel außeracht gelassen werden solle. Man könnte dem Cassationshofe die Documente mittheilen unter der Bedingung, dass von diesem alle Garantien geboten würden. Sollte dies nicht geschehen, so müsste das Dossier weiter den Richtern entzogen werden. Die Kammer billigte mit großer Stimmenmehrheit die Erklärungen der Regierung. Paris. Dem „Soir" zufolge befindet sich in dem geheimen Dossier Dreyfus' ein Berichc des früheren Brüsseler Gesandten Montholon über Zusammenkünfte, welche Dreyfus mit einem deutschen Officier im Auslande gehabt haben soll. Der Caffationshof verhörte am 20. d. M. auch den General Darras, den Major Mildy, den Obersten Gu4rin und den Capitän Anthoine betreffs der angeblichen Geständniffe Dreyfus'. ' Paris, 20. d. M. In der heutigen Sitzung des Senats, in welcher der Antrag, die Strafbestimmung hinsichtlich der Spionage und des Verrathes zu verschärfen, zur Verhandlung gelangte, vertheidigle Mousservin den Zusatzantrag, welcher dahingeht, den Verrath auch in Friedenszeiten mit dem Tode zu bestrafen. Clamazeran bekämpfte den Antrag als zu streng und bezeichnete gewisse Fälle als monströs, in welchen mit einer Verurtheilung vorgegangen wurde, ohne dass das gesummte Actenmaterial der Vertheidigung bekanntgegeben worden wäre. Anspielend auf die Revision des Proceffes Dreyfus sagt Redner, dass dieselbe eine Komödie wäre, wenn nicht alle Actenstücke dem Caffationshofe mitgetheilt würden. (Lärm.) Der Berichterstatter Morellet befürwortete die Annahme des Antrages mit der Begründung, dass es nothwendig sei, die Verräther zu bestrafen, welche als gemeine Verbrecher anzusehen seien. Schließlich nahm der Senat den Gesetzentwurf nach dem vom Ausschüsse festgestellten und vom Justizminister L e b r e t, sowie vom Kriegsminister Freycinet unterstützten Wortlaute an, wonach auch in Friedenszeiten des Verrathes schuldig befundene Functionäre mit dem Tode bestraft werden sollen. England. London, 9. December. Eine der optimistischen Phrasen, die sich aus meiner Kindheitslecture in das Gedächtnis meiner Mannesjahre hinübergerettet hat, lautet: „Courage, der Teufel ist tobt!" Mr. Bentwich veröffentlicht in der „Fortnightly Review^ einen prachtvollen Artikel über Zionismus, und sogleich lässt sich der „Jewish Chronicle” bereit finden, die Streitaxt zu vergraben. Ich für meinen Theil glaube nur Thaten und nicht bloßen Worten. Niemals war der Zionismus, wie unsere Gegner behaupten wollten, aggressivpolitisch, er ist eine nationale Bewegung, und die Herren wissen das auch sehr gut und haben trotzdem auch nicht einen Moment lang ihre Bemühungen unterbrochen, unsere Bewegung zu discreditieren. Wenn sie sich heute anders geberden, so ist das nur eine aus Angst vor unseren Errolgen znst?.ndegekommene Stiländerung. Eine wirkliche und ehrenhafte Gesinnungsänderunz müssten sie mit einem offenen Schuldbekenntnis einleiten. Bis dahin werden wir in kluger Ungläubigkeit dabei beharren, in dem neuesten Friedensruf einen neuen Trick zu sehen. .1. cle H. Amerika. Rew-Hork. (New-Iorker Chronik.) Eines der befriedigendsten Resultate der letzten Wahl war die Erhebung des Eolonel Theodore Roosevelt zu dem Range eines Gouverneurs des Staates New-Ivrk. Bis vor einem Jahre etwa war Colonel Roosevelr Ehes der städtischen Polizeimannschaft, und bei Gelegenheit der Einweihung des Hehrew Technical Institute gab er im Laufe seiner Ansprache folgende Prachtgeschichte zum Besten: Zur Zeit, als der berüchtigte Judensteffer Ahlwardt Amerika mit seiner Anwesenheit beehrte, um auch in diesem Lande Propaganda für seine edle Sache zu treiben, kamen einige seiner Freunde zu Colonel Roosevelt und ersuchten ihn, er möge ein Polizeiaufgebot auf mehrere Punkte des Saales vertheilen, in dem Ahlwardt seine antisemitische Campagne zu eröffnen gedachte, um den Vortragenden gegen einen eventuellen Angriff seitens „enragierter" Juden in Schutz zu nehmen. Colonel Roosevelt trug dieser Bitte bereitwilligst Rechnung, und wirklich nahm die Versammlung einen ganz und gar ungestörten Verlauf. Sehr begreiflicherweise: es war überhaupt nur eine handvoll Leute erschienen, die ihre Zeit mit dem Anhören der Ahlwardt'schen Tiraden verschwendete. Nach der Versammlung nahm Colonel Roosevelt den ergebenen Dank der unappetitlichen Clique entgegen, und erwiderte verbindlich, er habe mit dem Schutze der Person des antisemitischen Agitators 30 — jüdische Polizisten beauftragt! In hervorragender Weise zeichnete sich Roosevelt im letzten Kriege aus. Er war Befehlshaber des Regimentes, das den inzwischen zu großer Popularität gelangten Namen: „Rough Riders“ trug nnd aus allen Claffen aller Sectionen gebildet war. Während der Schlacht von San Juan bemerkte er die außerordentliche Bravour eines jungen Sergeanten, der Wunder von

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