Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 51 (23.12.1898)
- Article
- Eine Erwiderung
- Date
- 1898-12-23
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Hk. 51 jfctyiiec Seite 7 und Jaffa, 41.000 und 7t.00, durchaus nicht. Von kundigen Einwohnern Jaffas wurde mir wiederholt die Schätzung von 3000 angegeben, während eine neue Statistik Jerusalems noch nicht 30.000 Seelen ergeben hat. Einige Wochen vor dem Congress hat sich Herr Luncz in unserem Aufträge der Mühe unterzogen, mir Zuhilfenahme einer Anzahl vertrauenswürdiger Personen eine sorgfältige Statistik Jerusalems über Seelenzahl, Beruf u. s. w. speciell für unseren Zweck von neuem auszuarbeiten. Aus seinen Tabellen, die nachher theilweise in seinem neuesten Almanach veröffentlicht wurden, habe ich meine Angaben und Berechnungen über Jerusalem gemacht, was einen großen Theil meiner Ausführungen bildet. Also die Zahlen über Jerusalem sind ganz neu! In seiner Broschüre behauptet Herr Bambus, dass Luncz' Zählung der Juden in Jerusalem weit hinter der richtigen Zahl bleibt, wovon mir auch der Grund bekannt sei. Einen wirklichen Grund kenne ich nicht, vielleicht ist damit eine Hindeutung aus einen rein äußerlichen Fehler ausgesprochen, der bei sorgfältiger und steiß.ger Arbeit nicht in Betracht kommen kann. Charakteristisch ist es aber für Herrn Bambus, dass er unter gleichen Verhältnissen Ende 1895 in seinen Briefen aus Palästina die damalige Angabe von Luncz als „sorgfältig" bezeichnete. (Fortsetzung folgt). P MaKKadLrr-Feirr«. Wien. Die Ortsgruppe „Mariahilf-Neubau" des „Zion" hatte in den großen Saal des Hotels „Englischer Hof" zu einer Makkabäerfeier (Samstag den 17. December 1898) ihre Mitglieder eingeladen. Gegen 3i;o jüdische Bürger der westlichen Bezirke Wiens waren dem Rufe gefolgt und lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit den geistvollen Ausführungen des Vicepräsidenten Dr. Leo Sofer. der ein getreues Bild des Zeitalters der Makkabäer darstellte. Herr Tr. W e i s l brachte hierauf anläßlich des Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers ein begeistertes Hoch aus unseren Monarchen aus, in das die Versammlung jubelnd einstimmte. Herr Mar Bernhardt legte die Bedeutung der Palästinareise der zionistischen Deputation dar und toastierte auf das Aclionscomite. Nun ergriff Tr. Theod. Herzl das Wort, um in knappen Zügen dem erst seit wenigen Wochen dem Zionismus ergebenen Kreise seiner Zuhörer das zionistische Programm zu skizzieren. Dr. Herzl schloss ungefähr folgendermaßen: Allen Juden, ob sie nun der alten Heimat sich wieder zuwenden, da sie sich hier unglücklich fühlen, oder aber an der liebgewonnen Stätte Zurückbleiben, bedeute der Zionismus eine Befferung der Lage. Wenn das erste Schiff, geschmückt mit der Zionsfahne, nach Palästina die Anker lichte, werde eine gewaltige Aenderung in den Gefühlen der Völker sich vollziehen. Die bisher feindlich geballte Faust werde sich lösen, und die Hand sich dem Juden freundlich entgegenstrecken, sei es nun zum Abschied oder zum ständigen freundschaftlichen Zusammenleben. Und damit sei ja die Judenfrage gelöst. Unter lautlosem Schweigen hatte die Menge Dr. Herzl zugehört, der in ungezwungenem Conversationstone, nur selten die Stimme steigernd, gesprochen hatte; und erst, als er völlig geschlossen batte, da wurde der Bann durch stürmischen, nicht enden wollenden Beifall gebrochen. Man konnte nun constatieren, dass von den zahlreichen Gegnern, die erschienen waren, bei jedem einzelnen beinahe ein völliger Wechsel in seiner Ansicht über den Zionismus sich vollzogen hatte, so dass die meisten der Ortsgruppe unaufgefordert beirraten. Mit einer launigen Ansprache des Dr. Leop. Kahn, der immer mehr in diesen Bezirken Wiens die Herzen der jüdischen Bevölkerung sich erobert, schloss der officielle Theil. Großer Dank gebürt den Damen und Herren, dre in der liebenswürdigsten Weise ihre Kunst in den Dienst des Zionismus gestellt, vor allen dem Frl. «. G r ü n w a l d, die durch vollendete Liedervorträge das Publicum bezauberte, und den Herren Alex. Pordös, S. Weinverger und Otto Herz, die durch zionistische Skizzen die dem Feste angemessene Stimmung erhöhten. Fröhlicher Gesang und Tanz hielt lange über Mitternacht alle Festrheilnehmer zurück. Wien. Der Verein „Zion" in Favoriten veranstaltete letzten Donnerstag eine große Makkabäer-Feier, zu der sich eine zahlreiche Versammlung eingefunden halte. Auch die jüdisch-nationale Verbindung „Kadimah" hatte eine Abordnung entsendet. Tie begeisterten und begeisternden Worte, die der Festredner stuck. Uprimny fand, um den Kampf und Sieg der jüdischen Helden für die Freiheit und Selbständigkeit ihres Volkes zu verherrlichen, lohnte die Zuhörerschaft mit brausendem Beifalle. Die Tendenzrede hielt Herr Dr. I. Marmorek, der ausführte, dass die Juden nicht durch ihre Ueberzahl, sondern durch die Macht der Idee zu siegen wissen, mögen sie gegen nichtjüdische Feinde kämpfen oder mag es sich um zielbewusste geistige Strömungen in ihren eigenen Reihen handeln. Nach einer musikalischen Production, an welcher sich Herr und Fräulein Straßberg, Obercantor Schlesinger, Prof. Hirschler, sowie Fräulein Gilinska in künstlerischer Weise betheiligten, schloss die schöne Feier mit einem von Herrn Dr. Rosenthal gesprochenen und enthusiastisch aufgenommenen Toast auf Dr. Theodor Herzl. Um das Gelingen des Festes, dessen Reinerträgnis rür die Bekleidung jüdischer Kinder verwendet wird, machte sich das Comitö und insbesondere dessen Obmann Herr S. Pisk, sowie der Schriftfürer Seligmann sehr verdient. Wien. Die akademische Verbindung „L i b a n o n i a" veranstaltete am 14. December in Herlingers Restaurant in Rudolfs- Heim eine Makkabäerfeier, Nach der Begrüßung der zahlreich erschienenen Gäste durch das Präsidium setzte der Festredner ouuck. ineck. David Huschak die Bedeutung der Makkabäerfeier auseinander. Nach Absingung zionistischer Lieder ergriff eunck. ineck. Oskar Rosenberger das Wort, um das Wesen des Zionismus darzulegen. Dem ernsten Theile folgte ein gemüthlicher, der die Anwesenden in animierter Stimmung noch lange Zeit zusammenhielt. Graz. Am 17. d. M., 8 Uhr abends, fand der Gründungscommers der Jüdisch-akademischen Vereinigung „I v r ä a", verbunden mit einer Makkabäerfeier statt. Schon vor Beginn des Festes füllte sich der hübsch decorierte „Annensaal" mit einem Publicum, das die Intelligenz und die führenden Kreise der Grazer Judenschaft im Vereine mit zahlreichen Vertretern des Mittelstandes aufwies. Unter den Erschienenen sah man den Delegierten des Wiener Actionscomitäs, Dr. Sieg. Werner, Rabbiner Dr. Mühsam, als Ehrenmitglied des Vereines, den Cultusvorsrand Biller, die Herren E. Mayer, W. und M. Mayer, viele Gemeindemitglieder und die Vertreter mehrerer akademischer Verbindungen, darunter auch einen aus Petersburg u. v. a. Nachdem der Vorsitzende Herr Fuchs die erschienenen Gäste begrüßt und den Delegierten des Wiener Actionscomitäs vorgesteüt hatte, sprach er in kurzer, aber ausgezeichneter Weise über die Makkabäer. Hieraus ergriff, stürmisch begrüßt, Herr Tr. Werner das Wort/ um in einer mehr als eineinhalbstündigen Rede über Zweck, Wesen und Ziele des Zionismus zu sprechen. In ebenso klarer als ergreifender Weise wusste der Redner sein Thema zu erörtern. Mächtig war der Eindruck, den seine Schilderung der furchtbaren Judennoth des Ostens auf die Anwesenden machte. Noch erfreulicher aber waren vielleicht die Zustimmungskundgebungen die dem Vottragenden wiederholt zutheil wurden, als er auf das disharmonische Wesen der westlichen Juden hinwies und mit schwungvollen Worten die psychische Läuterung, die Verinnerlichung und die Berechtigung des harmonischen Lebens und Auslebens für den Juden wie für jeden anderen Menschen in Anspruch nahm und den Nachweis führte, dass dieses Ziel nur durch das zionistische Judenthum erreicht werden könne. Ebenso sei die Erlösung aus der Verderbnis des Ostens nur auf Grund der Erfüllung des zionistischen Programmes in absehbarer Zeit erreichbar. Immer wieder erneuerte sich der Beifall der Versammlung, als der Redner geschlossen hatte, und die anwesenden Führer der Grazer Juden erklärten in ebenso loyaler als offener Weise dem Redner ihre volle Zustimmung sowie ihre Sympathie und ihre Anhänglichkeit für den Zionismus. Es muss überhaupt rühmend bemerkt werden, wie diese jüdischen Bürger, die persönlich nicht allzuviel unter dem Judenhass zu leiden haben, voll Begeisterung die zionistische Rettungsaction begrüßten und auch wiederholt ihr klares Verständnis für die Wichtigkeit einer nationalen Reorganisation der Judenheit bekundeten. Nachdem noch Herr Advocat Dr. Weiß in begeisternder Weise die von den Gegnern des Zionismus meist erhobenen Einwürfe besprochen und übersichtlich die Organisation und den Fortschritt der zionistischen Bewegung unter großem Beifall dargestellt hatte, sprach noch Herr jur. cancl. E. Kronberger, der ein wirkungsvolles Gleichnis „Ahasver und der jetzige Jude" vortrug und einzelne Punkte des zionistischen Programmes näher ausführte. Auch eine hebräische Rede wurde von einem Beretnsmitgliede gesprochen. Die kurzen Ansprachen der Herren Pollack, Neumann und noch mehrerer anderer fanden freundlichen Beifall, der sich zum Jubel steigerte, als der Toast auf den Führer der Zionisten, auf das Actionscomite und seinen Delegierten ausgebracht wurde. Hierauf trug Herr Obercantor Weiß, lebhaft acclamiert, ein von ihm sehr hübsch componiertes Zionslied vor, worauf die Verlesung der eingelaufenen zahlreichen Telegramme und Briefe begann. Auch Fürst Friedrich Wrede und. Baron Manteuffel sandten herzliche Grüße und Wünsche zur Gründung des Zionvereines in Graz. Tie Verlesung dieser zwei Briefe wurden mit lebhaftem Applaus begrüßt. So vertief dieses schöne, in Graz noch nie dagewesene jüdische Fest der Jugend, welches auch ein Fest der Alten war. Ein gutes Zeichen war es, dass zahlreiche Damen sich zu diesem Feste eingesunden hatten, welche mit lebhaftem Jntereffe den tchönen Vorträgen lauschten. Und so hoffen wir, dass der Zionismus nicht nur einen glänzenden Einzug in die Kreise der Grazer Juden gehalten hat, sondern dass Graz das Agitationscentrum für die Mpenländer und ganz Südösterreich sein werde. Die Grazer Juden werden zeigen, dass eine Sache, die sie in die Hand genommen haben, des Erfolges sicher sein kann.