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Die Welt · 1898-12-23 · 51 (23.12.1898) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
51 (23.12.1898)
Date
1898-12-23
Page
None (sequence 1)
Language
German
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8- Aedartion 3 Erscheint jeden Freitag. E l-8 Preise der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an Die viermal gespaltene Petit¬ Wien die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenzeile 10 kr. IX. Türkenstraße 9. straße 9, zu richten. Telephon Nr. 8805. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 18 kr. U-1 Z Manuscripte nicht zurückgesendet. g 1-B Oesterreich-Ungarn; halbjährig 3 fl. — 6 Kr., ganzjährig 6 fl.12 Kr.: Für das Ausland: Deutschland ♦ ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Fres., halbjährig 8 Frcs. 50 Ets., Amercka ganzjährig 3 Doll. 40. Nr. 51. Wien, 23. Decrmber 1898. 2. Jahrgang. Da mit Jahresschluss eine große Anzahl von Abonnements abläuft, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung erfolge. Abonnenten des Auslandes abonnieren am billigsten mit recommandierten Briefen, kleine Münze kann mit Briefmarken beglichen werden. Reflectanten auf Einbanddecken des Jahrganges 1898 wollen Bestellungen bis Ende dieses Monats anmelden und gleichzeitig den entfallenden Geldbetrag einsenden. Die Einbanddecke kostet fl. 1.20, hierzu Porto für Oesterreich-Ungarn und Deutschland 15 kr., für das übrige Ausland 33 kr. Iudealham «ad Romantik. Von S. Lublinski. Genau vor hundert Jahren etablierte sich inDeutschland, unter der Aegide Friedrich Schlegels, die romantische Schule und das geistige Leben Deutschlands erhielt auf dem Höhepunkte seiner Entwicklung einen Stoß, dessen Wellenkreise heute noch nachzittern und manchmal überschäumen. Die neue Schule war geboren aus dem Schoß des Zeitalters der Humanität, zu dem sie doch zugleich in den entschiedensten Gegensatz trat. „Alle Menschen sind gleich", lautete die Losung in den Tagen Lessings, Herders, Goethes und Schillers. Man bemühte sich um allgemeingiltige Normen der Aesthetik und Lebensführung, die man bei den Hellenen gefunden zu haben vermeinte. Der Deutsche, der sich eben noch voll nationaler Empfindlichkeit gegen den übermächtigen Einfluss der französischen Cultur ausgelehnt hatte, zog nun ganz und gar sein ursprüngliches, nordisch rauhes Gewand aus und hüllte sich in den Mantel Platos, welcher angeblich das unfehlbare Normalkleid für die gesammte Menschheit darstellte. Man gab sich redliche Mühe, die moderne Gesellschaft und Literatur, die Philosophie und Belletristik in diese angeblich allgemein menschlichen Formen gewaltsam hineinzupressen, und es lässt sich nicht leugnen, dass bedeutende Werke und unvergängliche Geistesthaien aus diesem Ringen Hervorgiengen. Aber warum gerade die Griechen? Und warum .nur die Griechen? Den ersten Romantikern wollte es durchaus nicht in den Kopf, dass ein einziges kleines Volk bestimmt sein sollte, der Träger des absolut Allgemeinmenschlichen zu sein, während andere Völker und Nationen zu dem Allgemeingut menschlicher Bildung angeblich gar nichts beigetragen hatten. Sie entwickelten vielmehr den fruchtbaren Gedanken, dass in den Cultur- und Phantasieschöpfungen aller Nationen Elemente und Beiträge zu einem gesammtmenschlichen Culturvolke erhalten wären, und aus den grundverschiedenen äußeren Formen der orientalischen und occidentalischen, nordischen und romanischen Mythologien suchten sie durch Vergleiche und Umdeutung das Gleichartige langsam herauszuschälen. Der hellenische Herkules, der phönicische Melkart, der nordische Thor und manche Erscheinungen der indischen Mythologie wurden als ebenbürtig nebeneinander gestellt, und ein ganz verstiegener Romantiker, wie Zacharias Werner, wagte sogar den Vergleich zwischen Isis und Maria. Eine besondere Aufmerksamkeit wurde den mystischen Geheimlehren der einzelnen Religionen zugewendet, weil ja zu allen Zeiten der unterirdische Aberglaube sich völlig gleich blieb, ob er nun in Hellas und Rom oder in Aegypten oder am Ganges oder bei den Malayen oder in den Urwäldern Germaniens zur Blüte gelangte. Darum mussten die Romantiker, die in ihrer Frühzeit vor allen Dingen nach dem ewig Menschlichen und Gleichbedeutenden bei allen Völkern und Nationen suchten, für diese mystische Nacht, in welcher, wie Hegel spottete, freilich alle Kühe schwarz waren, eine besonders zärtliche Vorliebe hegen. Jedenfalls ist festzuhalten: die Romantiker acceptierten ursprüglich den Grundsatz des Zeitalters der Aufklärung und Humanität, dass alle Menschen gleich wären und dass man darum Gesetze und Normen aufzustellen habe, die für alle Völker und Nationen Geltung härten. Sie waren aber vorurtheilsfrei und umfassend genug, diese allgemein menschliche Norm nicht nur bei den Hellenen, sondern auch bei den Orientalen, ja sogar bei den Halbwilden zu suchen. Wo ein Menschenmund Lieder gesungen und ein Menschengehirn dem Welträthsel nachgesonen hatte, da war auch schon der Romantiker bei der Hand, um zu übersetzen, anzuempsinden und mit ganz anders gearteten Producten anderer Nationen sorgsam zu vergleichen, bis sich seinem forschenden Auge ein allgemein menschliches Gesetz offenbarte. Seine Vergleiche und Studien umkreisten den Erdball von Polynesien bis in das Herz Deutschlands, und der Romantiker war damit nur der in das Geistige versetzte Nachkomme der großen Reisenden des achtzehnten und eiu Vorempfinder der großen Reisenden des neunzehnten Jahrhunderts. Im achtzehnten Jahrhundet begannen die Coloinalkriege: damals eroberten die Engländer Indien, damals

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