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Die Welt · 1898-12-16 · 50 (16.12.1898) · p. 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
50 (16.12.1898)
Article
Die Goldschilds
Date
1898-12-16
Page
16 (sequence 2)
Language
German
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. &eite 16 311. 5Ö Germanen -hatte es in einem einzigen Abende erreicht. Doctor David Goldschild war sein Beruf verleidet. - Allerdings war sein Geist viel zu rührig und kräftig, als dass er in einer dauernden Muße hätte Befriedigung finden können. Kurz entschlofien schritt der nun 31jährige Mann daran, sich ein neues Leben zurechtzuzimmern. Er holte in den Stunden der ttefsten Niedergeschlagenheit seine medicinischen Bücher wieder hervor. Während der Jahre, die er dem Journalismus geopfert, waren seine ärztlichen Kenntnisse fast brach gelegen. Nur dem engsten Freundeskreise und der Armut hatten sie zu Wiederhollenmalen gute Dienste geleistet. Manches war daher nachzuholen. Die neuesten Errungenschaften dieser nie stillestehendeu Wifienschaft mussten somit gründlich durchdacht und ihre Anwendung und Wirkung unter berufener Leitung erprobt werden. David Goldschild war ebenso ein gewissenhafter Arzt, wie er ein gewissenhafter Journalist gewesen war. Schon nach wenigen Monaten aber konnte er mit gutem Gewifien an seine Thüre ein blankes Mesiingschild befestigen, auf dem gedruckt stand: Dr. David Goldschild, ordiniert von 11—2 Uhr. Im Herbste dieses Jahres sollte ihm eine seltsame Be- - friedigung widerfahren. Eines Tages ttat ein vornehm gekleideter Herr in sein Ordinattonszimmer. Es war niemand Geringerer als Jsak Goldschild. Einen Augenblick standen sich die zwei Männer schweigend gegenüber. „Was willst Du von mir?" fragte der Arzt dann kalt und gemessen. Es kam ihm nicht einmal in den Sinn, zu forschen, wieso der Vetter wieder in Wien auftauche. Er hatte mit ihm nicht das Geringste gemein. „Ich komme. Dich um Deinen ärztlichen Rath zu bitten," erwiderte Jsak, sichtlich verlegen. Als ihn aber der Doctor durch eine' Handbewegung zum Sitzen einlud, fügte er rasch hinzu: „Nein, nein — es handelt sich nicht um mich — sondern um mein Kind!" „Du hast ein Kind?" rief David, unwillkürlich wärmer, als es sich bei so frostigen Beziehungen schickte. „Und das erfahre ich erst jetzt?" „Ja, einen Knaben," bestätigte der andere kurz. „Er ist ein Jah^ alt, aber er macht mir schon Verdruss." Mit diesem unzarten Scherze wollte er über das Peinliche der Lage sich hinweghelfen. Dann fuhr er fort, zu erzählen, wie das Kind der Mutter bei der Geburt säst das Leben gekostet und gar schlecht veranlagt zu sein scheine. Die Aerzte und Wärterinnen fteilich, die vertrösteten den Vater damit, dass viele Kinder dergleichen Anormalitäten zeigten, und dann doch ganz prächtige Menschen würden. Aber der kluge Jsak war nun einmal missttauisch. Da ihn seine Geschäfte nach Wien geführt, hätte er sich keinen besseren Rath gewusst, als den Vetter zu bitten, den Knaben zu untersuchen. „Es gibt hier besiere und berühmtere Aerzte als mich," wehrte David ab. „Aber keinen einzigen, in den ich größeres Berttauen hätte," unterbrach ihn Jsak rasch. „Und darauf kommt es ja an. Siehst Du — Du — Du wirst mir die Wahrheit sagen!" Ohne weiter zu widersprechen, erhob sich der Doctor. Er hatte von seinem neuen Berufe eine zu hohe Achtung, als dass er sich berechtigt gewähnt hätte, die Ausübung seines Wisiens von persönlicher Neigung abhängig zu machen. „Ich bin bereit," erklärte er einfach. Eine Stunde später sprach er im Gasthofe „Zum goldenen Lamm", wo Jsak Absteigequartier genommen, vor. Man führte ihn in ein lichtes, sonniges Zimmer des ersten Stockwerkes. Herausgeber: K.Lsfchgrrrr. Berantrv. Red.: DrLiirgrn. Wer Hier hieß Frau Arabella Goldschild den Arzt willkommen und führte ihn, nachdem sie ihn versichert, sie kenne den Vetter bereits lange aus Jsaks Schilderungen, an die Wiege ihres Kindes. Nun schienen die grauen Gedanken, die sich der Vater über seinen Sprössling machte, allerdings keineswegs unbegründet. Der kleine Moriz — so hieß der Knabe — war ein gar hässliches und obendrein schwächliches Geschöpf, desien unförnilich großer, birnenförmiger Kopf und erschreckend magere Glieder beim besten Willen nicht zu großen Hoffnungen berechtigten. — Frau Arabella jedoch schien die Mutterliebe mit völliger Blindheit geschlagen zu haben. Sie zeigte den misslungenen jungen Weltbürger mit sichtlichem Stolze und wurde nicht müde, den Arzt auf allerlei, ihrer Meinung nach „gar reizende" Eigenschaften aufmerksam zu machen. Einsilbig untersuchte dieser das Kind. Dann wandte er sich an seine neue Base. „Der Knabe ist sehr schwächlich," meinte er ausweichend, „und das Reisen seiner Entwicklung unzuträglich." Frau Arabella nickte. „Was ist da zu machen?" erwiderte sie dumpf. „Ich vermag mich nicht von dem Kinde zu ttennen. Wenn es jemandem gelingt, es großzuziehen —so bin sicherlich ich es. Jsak hat soviel Geschäfte, dass wir fast immer unterwegs sind." Ihre Sprache und eine ttaurige Abspannung ihrer schönen Züge verriethen, dass auch sie selbst des ruhelosen Lebens müde sei. „So lass Deinen Maun doch allein reisen," rieth der Arzt. „Nein — davon kann überhaupt nicht die Rede sein!" fuhr Frau Goldschild beinahe hefttg auf, so dass der Doctor sie befremdet anblickte. Ihr Gespräch wurde hier durch den Eintritt des Gatten unterbrochen. Mit knappen Worten fragte er nach der Ansicht des Arztes. „Das Kind wird leben," erkärte dieser ebenso kurz. _(Fortsetzung folgt.)_ Kriestasttll der Redaktion. Correspondenzen zur „zionistischen Bewegung" und „Bereinsnachrichten" gelangen nur dann znur Abdrucke, wenn die Zuschriften das Stempelzeicheu des betreffende« Vereines tragen. I. Jak..Berlin. Durch einen Verstoß behindert. Wie Sie sehen, bereits fortgesetzt. I. Abr., Moskau. Bureau des Zionistencongresses, Wien, II., Rembrandtstraße 11. Bielitzcr Freunde. Herzlichen Dank und Gruß. „Chowewe Erez Israel" und „Haschachar", Krakau. Herzlichen Dank. A. Z. Kor. ... Das Buch miD aus dem Verlage „Tuschijah", Warschau. In diesem Verlage, sowie im Verlage „Achiasaf", Warschau sind die neuesten Erscheinungen der hebräischen Literatur zu bekommen. S. Druckmanu, Eisenau. Uebersetzungen des schrieben Dukes und Dessauer. Beide bei A. Faust in Krakau. Lehrbuch für Kinder ,,“C“T£Sn" daselbst. Da mit Jahresschluss eine große Anzahl von Abonnements ablauft, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung erfolge. Abonnenten des Auslandes abonnieren am billigsten mit recommandierten Briefen, kleine Münze kann mit Briefmarken beglichen werden. Reflectanten auf Einbanddecken des Jahrganges 1898 wollen Bestellungen bis Ende dieses Monats anmelden und gleichzeitig den entfallenden Geldbetrag einsenden. Die Einbanddecke kostet fl. 1.20, hierzu Porto für Oesterreich-Ungarn und Deutschland 15 kr., für das übrige Ausland 33 kr. mrr. Buchdruckerei „Industrie" (S. Bergmann), VIII., Schlöffelg. II.

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