Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 50 (16.12.1898)
- Article
- London
- Date
- 1898-12-16
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 5(j betonte die Wichtigkeit einer englisch-jüdischen Bibliothek sür die Londoner Judenschast. Eine Resolution, die Bestrebungen des „Young Zion Institute“ in dieser Richtung zu unterstützen, ward nach eingehenden Begründungen durch die Herren I. de Haas und C o w e n einstimmig angenommen. Mehrere Redner nahmen gegen die letzte antizionistische Rede Doctor Adlers Stellung, in besonders wirkungsvollen Worten Herr B. Ritter. Er sagte: „Dr. Adler unternimmt es, Jeremias gegen den Zionismus auszuspielen. Wenn er damit Recht hätte, so müssten entweder die russischen und polnischen Rabbiner, die an dem Baseler Congress theilnahmen, nichts vom Jeremias verstehen oder Reformer sein. Die Juden Russlands und Polens geben aber kein Jota ihrer religiösen Ueberzeugungen auf. Thäten sie das, so gienge es ihnen ebenso gut, wie ihren englischen Brüdern. Peinlich berührt Dr. Adlers Wort von den „Bettlern, die nach Palästina gehen würden." Es scheint, dass der Herr Oberrabbiuer den Bettlern gram ist, weil sie sich selber helfen wollen." — Bevor der Vorsitzende die Versammlung schloss, bemerkte er, alle gegen Dr. Adler gerichteten Auffasiungen seien nicht im persönlichen Sinne zu nehmen. Wenn man bedenkt, in welcher roh-persönlichen Manier wir angegriffen, wie unsere Führer täglich in den Koth gezerrt werden, so erkennt man in Mr. Greenberg's Worten eine Lection, die — verschwendet wird. W Ukremsmihrichtell. Wien. Die Makkabäer-Feier des Arbeiter- und Privatangestelltenvereines „A ch w a h" findet Samstag den 17. d. M. im Restaurationssaale W e i ß (früher Breuer), II., Kleine Schiffgasse 8, unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte statt. Beginn präcise 8 Uhr abends. Die werten Gesinnungsgenossen werden hierzu freundlichst eingeladen. Auch Damen sind herzlichst willlommen. Entree frei. Wie«. Der Vortragsnachmittag der „Hadassa" am 11. December gestaltete sich zu einer solennen Makkabäerfeier. Nach kurzer Begrüßung der zahlreich Erschienenen durch die Präsidentin zündete Herr Rabb.-Cand. M. Hoch die Ehanukalichter an, worauf Herr Tag eine kurze geistvolle Einleitung über die Bedeutung des Makkabäerfestes gab, die allgemeinen Beifall fand. Den eigentlichen Vortrag über die Makkabäerkämpfe hielt Frl. Gelbtuch, welche in trefflicher Weise ein klares Geschichtsbild entwarf. Suiaty«, den iS. November 1898. Auf Anregung des Herrn L. Handel wurde gestern abends im großen Beth- Lamidrasch eine zahlreich besuchte Volksversammlung abgehakten. Die Discussion eröffnete Herr M. L i e b m a n. dann hielt Herr Josef M. Sinnreich eine gediegene zionistische Tendenzrede, in der er die Ziele des politischen Zionismus und die Gegner unserer Bewegung besprach. Aus Thora, Talmud und der Geschichte wies Redner nach, dass in ihren Erlösungsbestrebungen auch Moses und Esra von einem Theile der Juden bis aufs Messer bekämpft wurden und dass es auch bei der letzten Erlösung so geschehen werde. Lebhafter Beifall lohnte den Reder. Die Wirkung dieser Rede war so groß, dass sich sofort ein Verein „Si ch r o n-Z i o n" constituirte, der auf dem Boden des Baseler Programms steht. An der Spitze des Vereines stehen die Herren H. F. Kreisler, Ehrenpräsident; E. R ath, Präsident, L. Handel, dessen Stellvertreter und S. Sch ärf, Eontrolor; M. Ungar, I. M. Sinnreich, I. I. Reifler und I. B l u m m e r, Ausschussmitglieder. Sarajevo. Die hiesige sephardisch-jüdische Gemeinde veranstaltete am 18. Kislev einen Jubiläums-Gottesdienst, bei welchem ein von einem aschkenasischen Glaubensgenossen verfasstes Gedicht in hebräischer und croatischer Sprache vorgetragen wurde. Der Gottesdienst hatte einen würdigen, feierlichen Verlauf. P Zeitschnsteurmdslhau. Das Hamburger „Israelitische Familicnblatt" schreibt unter dem Titel „Die zionistische Abordnung beim deutschen Kaiser" unter anderem folgendes: „Rasch ferttg ist eine dieser Zeitungen mtt ihrem Latein. Sie brachte zuerst die Notiz über die jüdische Deputatton mit dem Album, ohne jede Randglosse. ... In der nächsten Nummer bringt sie dann die Notiz über den Empfang der zionistischen Deputation. Da aber über den Inhalt der Ansprache Dr. Herzls und die Antwort des deutschen Kaisers Seite 13 nichts mitgetheilt wurde, so muss man selbstverständlich combinieren oder frei erfinden, was bekanntlich den Zionisten gegenüber vielfach nicht mehr als Sünde gilt. Nun entwickelt man folgende Logik: Auf Anftage hat man gehört, dass die Deputation, welche das Album überreicht habe, eine Deputatton der Templer, einer christlichen Secte, gewesen sei.*) Die Antwort aber, über welche die betreffende Notiz berichtete, hat der deutsche Kaiser nicht etwa den Templern gegeben, sondern den Zionisten, die der deutsche Kaiser mit seiner Antwort offenbar vernichten wollte. Damit hat das Combinattonstalent dieser Zeitung ihr Ende erreicht. Vorsichttger ist das andere Blatt an dem nur wenig fruchtbaren Baume unserer heimischen jüdischen Presse. Dieses bringt beide Notizen und setzt gleichzeitig der „Welt" die Pistole vor die Brust: Wenn Ihr verd.... Kerls nicht sofort mittheilt, was Euch der deutsche Kaper gesagt har, so nehmen wir an, er hat gesagt, was uns passt, nämlich: Colonisieren dürft Ihr, aber nur nach dem Recepte, das WIR verschreiben. Das ist die ganze Weisheit dieser — Führer des Judenthums, wo es sich um eine Lebensfrage des jüdischen Volkes handelt. Zu einer Zeit, da der erbittertste Kampf auf socialem und politischem Gebiete fast in der ganzen Welt gegen die Judenheit entbrannt ist, da in weiten Gebieten den Aermsten der Armen der letzte Rest von Hoffnung auf bessere Zeiten entzogen zu werden droht, da berichten führende Blätter der deuttchen Judenhcit als ein Weltereignis, dass ein jüdischer Einjähriger aus Hannover zum Reserveofsicier in einem bayerischen Reiterregiments ermannt worden ist. Für die hohe Auszeichnung, die den Führerrr einer bedeutenden jüdischen Volksbewegung zütheil geworden ist, haben sie kein Verständnis. Glauben denn jene Weisen, Se. Majestät der deutsche Kaiser lasse eine Abordnung von ernsten Männern, die den verschiedensten Berufen angehören, aus fernen Ländern nach Jerusalem kommen, um sie wie thörichte Knaben abzukanzeln? Errvägen diese großen Politiker nicht, ob der deutsche Kaiser irgendwelche Veranlassung haben könnte, der zionistischen Bewegung Abbruch zu thun? Oder glauben sie vielleicht, dass Se. Majestät nur dem Proteste der Herren Rabbiner zuhilfe kommen wollte? Wer die politische Thätigkeit unseres erhabenen Monarchen bisher mit offenen Augen verfolgt hat, der wird den großen Zug in den kaiserlichen Entschlüssen und Erwägungen nicht verkennen. Wie kindlich klein denken aber diese Herren über den Kaiser, dessen erste Regierungshandlung die Einberufung einer Conferenz zum Schutze der Arbeiter gewesen uud der sich soeben die Herzen der Völker des Orients im Sturme erobert hat. Wann ist sonst einem Juden von Seiten unseres erhabenen Monarchen eine solche Ehrung zutheil geworden, wie dem Zionistenführer Dr. Herzl, als der Kaiser kurz vor der Audienz der Deputation diesen ansprach, ihm freundlich die Hand reichte und sein ganzes Gefolge halten ließ, als er ihn unter dem Publicum an der Ackerbaüschule der „Alliance" bemerkte, welche auf dem Wege von Japa nach Jerusalem liegt! Ist das nicht ein größerer „Kiddusch hascliem". als die Ernennung eines Juden zum Reserveofsicier? Behandelt man wirklich so jemanden, dem man eine Lection ertheilen will? Das eine dieser Blätter spricht seine Verwunderung darüber aus, dass keine officielle Mittheilung über die bei der Audienz ausgetauschten Reden erfolgt. Vielleicht beweist aber das gerade, dass diese Reden über den Rahmen der Höflichkeit hinausgingen, welche gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten den Maßstab der Beurtheilung bildet. Vielleicht erweist diese Thatsache, was diesem Theile der jüdischen Presse so peinlich zu sein scheint, dass der Zionismus thatsächlich schon auf das Niveau der' diplomatischen Discussion erhoben ist. Es dürfte doch überhaupt den gegnerischen Blättern nicht unbekannt sein, dass die Diplomaten das Resultat einer polittschen Unterredung nicht sofort urbi et orbi dem ganzen versammelten Volke zu verkünden pflegen. Vielleicht beweist das Schweigen der Theilnehmer der zionistischen Deputation, dass sie in politischen Dingen besser Bescheid wissen, als diese Wortführer des deutschen.Judenthums. Durch den Empfang der Deputation durch unseren erhabenen' Monarchen ist der Beweis erbracht, dass der Zionismus-an allerhöchster Stelle nicht als vaterlandsfeindliche Bewegung betrachtet wird, wie seine Gegner denselben gerne brandmarken möchten. Oder ist es schon jemals vorgekommen, dass Se. Majestät der Kaiser eine Deputation von „Vaterlandsfeinden" zu empfangen geruhte? Boshaft kann man es daher nur nennen, wenn man die Antwort, die der Kaiser der anderen Deputation gegeben, als gegen den Zionismns gerichtet ausdeuten und umdeuten will. Es ist nun ganz auffallend und bezeichnend, welche Aufnahme diese Notizen in der jüdischen Presse Deutschlands bis jetzt gefunden haben und welche Bemerkungen an dieselben geknüpft worden sind, Nichts kennzeichnet treffender die Fähigkeit der Leiter dieser Zeitungen, in politischen Dingen ein Urtheil zu fällen oder das Interesse der Judenheit zu wahren, als ihr Verhalten in dieser Angelegenheit. *) Das ist eine irrthümliche Behauptung.