Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 50 (16.12.1898)
- Article
- Palästina-Ausstellung in Frankfurt a. M.
- Date
- 1898-12-16
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 50 Majestät des Sultans Abdul H a m i d II. geschmückt ist. Die Wände der Ausstellungsräume tragen zahlreiche zionistische Citate aus den Propheten in hebräischer Schrift, und es ist charakteristisch für den ganzen Geist der Ausstellung, dass am Eingänge dem Besucher der Ausstellung jener herrliche und ergreifende Vers unseres königlichen Sängers in stolzer Quadratschrist entgegenprangt: "TE' rron — LX» — fürwahr eine echte und rechte zionistische Signatur, wie sie eine jüdische Colonialausstellung nicht würdiger tragen kann! Fasse ich mm diese Aeußerlichkeiten mit dem Inhalt der vernommenen Ansprachen und mit den Eindrücken und Stimmungen des bei der Frankfurter Palästina-Ausstellung anwesenden jüdischen Publicums jy einem Gesammtbilde zusammen, so muss ich gestehen, dass ich das Bewusstsein hatte, in der Gesellschaft gutgesinnter Zionisten strenger Observanz zu verwegen. Aber — wie sagte doch der Patriarch von Jerusalem? „Der Zionismus wird verbrannt!" . . . 8. R. Die jüdische ColMmlbmik. Kundmachung. An die wohllöblichen Vertrauensmänner und Leiter der bisherigen Borsnbscription anf die zu gründende Indische Colonialbank. Der Unterzeichnete Seeretär ist von dem augenblicklich hier tagenden Baukcomite beauftragt worden, die ergebene Bitte an die sämmtlicheu Herren Vertrauensmänner und Leiter der bisherigen Borsnbscription des In- und Auslandes zn richte», bis spätestens den 25. December die Borsnbscriptionen abznschlietzeu und die Copie» der letzteren au den Unterzeichneten in Londo» einseuden zu wollen. Ferner werden die bisherigen einzelnen Subskribenten gebeten, an den Unterzeichneten eine Mittheilnng mit folgendem Inhalte möglichst sofort abznsenden: a) Wie viele Actien fie gezeichnet. b) Wie viel Geld fie eingezahlt. v) Bei wem fie diese Zahlung geleistet haben. 6) Deutliche Adrefie des Snbscribeuten. Diese Information ist nur für das Sekretariat bestimmt, nm znr Aufklärung von etwaigen Jrrthümer» zn dienen; es wird daher unr in letzterem Falle auf die Postkarten von London ans geantwortet. Im Uebrigen beehrt fich der ergebenst Unterzeichnete dem verchrlichcu Publicum mitzntheilen, dass die regelrechte Subscription baldigst beginnen, dir Prospekte veröffentlicht und die Annahmestellen für die regelrechte Subscription in kürzester Zeit in der „Welt"", sowie in anderen Zcitnnge» bekannt gemacht werden. Londo», den 12. Deeember 1898. Der Secretär des Bankcomites: James H. Loewe. Broad Street Avenue. London E. C. Köln, 14. December. (Telegramm.) Das Bankcomitv hat in den letzten Tagen in London die Statuten gründlich durchberathen und einstimmig angenommen. Ferner wurde die Registrierung beschlossen, und die nöthigen Anordnungen wurden getroffen. W. P Tribime. Sehr geehrter Herr Redacteur! Wir bitten um die Veröffentlichung folgenden Aufrufes der Jüdischen Bereinigung „Jordania" in Wren. Jüdische Beamte und Handlungs-Angestellte! Der allgemeine Judenhass, unter dessen Folgen der größte Theil unseres Volles materiell und physisch. seine Gesammtheit jedoch moralisch zu leiden hat, zwingt den intelligenten Juden, Mittel und Wege zu finden, diesem Uebel in radikaler Weise abzuhelsen. Dazu ist vor allem die Wiederlangung des nationalen Selbstbewusstseins nöthig. Jeder Jude muss aushören, in der Bezeichnung „I u d e" etwas anderes als den Namen seines eigenen Volkes zu sehen. Wir fühlen und sehen, dass alle bisherigen Versuche zur Bekämpfung des Judenhasses fruchtlos waren. Der Socialismus erstrebt die Befteiung der Menschheit. Der Zionismus ist der ersteSchritt auf diesem Wege, indem er dem freiheitlichsten Volke der Erde Gelegenheit und Möglichkeit zum Kampfe für die gesammte Menschheit gibt. Da wir hierzulande an den großen Arbeiten der Allgemeinheit nicht Mitarbeiten können, ohne ein Hemmnis für diese Arbeiten zu sein, hat sich ein Theil der Judenschast entschlossen, eine neue und gesundeEntwicklungs- Basis für das jüdische Volk zu schaffen. Dieser Gedanke ist keine Utopie. Wenn ein starkes Volk ein Ziel erreichen will, sind auch große Hindernisse zu überwinden. Die Revolution wurde vor ihrem Durchbruche von den philisterhaften Köpfen ebenfalls als utopisch bezeichnet, doch das Volk in seiner Gesammtheit wollte sie und setztesieauchdurch. Rust uns nicht entgegen: „Euere Idee ist nicht durchführbar", sondern kommt und helft, sie durchzusühren! Bevor Ihr eine Idee als utopisch verwerft, müsst Ihr sie kennen lernen: „Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte inPalästina für diejenigen Juden, di es ich an ihren jetzigen Wohnorten nicht assimilieren können oder wollen." Ergebenst Die jüdische Vereinigung „Jordani a". *) P Die Juden in Baden. In der „Karlsr. Ztg." lesen wir: Bei der jüngsten Tagung der israelitischen Landessynode wurden auch, wie wir erfahren, die wirtschaftlichen und socialen Verhältnisse der Israeliten in den Kreis einer nicht amtlichen Besprechung gezogen. Dabei wurde von den meisten Rednern anerkannt, dass ein nicht geringer Theil der israelitischen Bevölkerung sich in einem bemerkenswerten wirtschaftlichen Rückgänge befinde, und dass namentlich auf dem Lande, wenn auch in verschiedener Stärke, durch den Niedergang des immer entbehrlicher werdenden Zwischenhandels die Verhältniffe der Israeliten sich erheblich verschlechtert hätten. Der Gewinn, welchen dem gegenüber Einzelne im Wege der Ausnutzung der großcapitalistischen Richtung unseres Wirtschaftslebens erzielten, könne die Gesammtheit in keiner Weise entschädigen. Vielmehr leiden, wie unter Zustimmung der Versammlung ausgeführt wurde, die jüdischen Geschäftsleute, die in ihrer großen Mehrzahl nur mit beschränkten Mitteln arbeiten können, nicht nur in gleicher Weise, wie die christlichen, unter der erdrückenden Concurrenz der großcapitalistischen Betriebe, sondern überdies noch unter der Verallgemeinerung der gegen jene, soweit sie in jüdischen Händen sind, mit Recht oder Unrecht erhobenen Borwürfe. Bei dieser Sachlage wurde, im Anschluß an die in Baden bereits seit mehr als einem Jahrzehnt wirksamen Vereinsbestrebungen zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Israeliten, für nöthig erachtet, noch energischer als bisher die Ueberführung der israelitischen Jugend vom Kleinhandel zu productiven Berufsarten zu betreiben. Die Errichtung von Lehrlingsheimen, Acker- und Gartenbauschulen soll, in Verbindung mit den von den israelitischen Waisenvereinen geplanten Anstalten zunächst ins Auge gefasst werden. Von den Verhandlungen, die sich in unbefangener Weise über die einschlägigen Verhältnisse, ihre ' Gründe und die verschiedenen Mittel der Abhilfe verbreiteten, *) Anmerkung. Anmeldungen zum Beitritte in die „Jordania" zu richten an Robert Sereth, IX., Porzell angas s e 11. -