Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 50 (16.12.1898)
- Article
- Wien
- Date
- 1898-12-16
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 Sk. 50 Dr. Schalit. Die Pausen zwischen den einzelnen Reden wurden durch Sololieder der Herren Dr. Poborsky und Dr. S. Neuberger und 'Chorgesänge würdig ausgefüllt. Das Publicum, welches in vergnügter Stimmung Saal und Galerien dicht gefüllt hatte, verblieb bis zum Schlüsse des Commerses, der erst um 1 Uhr erfolgte. Wien. Die jüd.-akad. Verbindung „Unitas" veranstaltete am 7. d. M. im großen Festsaale des „Hotel Continental" ihre diesjährige Makkabäerfeier, welche einen glänzenden Verlauf nahm. Der Saal war lange vor Beginn dicht gefüllt. Man bemerkte Herrn Dr. H e r z l mit Frau Gemahlin, Herrn Dr. Kahn mit Frau Gemahlin, Herrn Dr. K o k e s ch, "Herrn Hofburgschauspieler H o fm ei st er, die Vertreter sämmtlicher Wiener Verbindungen, viele bekannte jüdische Bürger und zahlreiche Damen. Der Präses Fischer begrüßte die Anwesenden und ertheilte das Wort zur Festrede cand. ph.il. Salo Deutsch, der ein glänzendes Gemälde der Makkabäerzeit vor unseren Augen entrollte. Die Tendenzrede hielt cand. jur. Hugo Benedikt, der die hohe sociale Aufgabe des Zionismus, seine classenausgleichende Kraft besprach und der mit seinen tiefdurchdachten Worten stürmischen Beifall fand. Engländer sprach auf unsere Führer, worauf Dr. Th. H e r z l das Wort ergriff und in launiger Weise die Damen zur Mitarbeiterschaft aufforderte. Der zweite Theil des Abends wurde durch die Concertsängerin Fräulein Rica Oppenheim eröffnet, welche für ihren Liedervortrag von der Zuhörerschaft lebhaft acclamiert wurde. Herr Fritz Blum sprach hierauf mit edlem, jugendlichem Feuer Coppäe's „Der milde Andrä"; der nachfolgende Vortrag einer Scene aus „Uriel Acosta" mit seinen Anklängen an den Charakter des Abends erweckte stürmische Begeisterung. Dann wurde flott getanzt bis in die Morgenstunden, ein günstiges Omen für den Ball der Verbindung, der im Jänner stattfindet. Die „Unitas" kann mit ihrem neuerlichen Erfolge zufrieden sein. Dic Herren Benedikt, Fischer, Munk und Nagel stock haben sich um das Gelingen des Abends sehr verdient gemacht. Lemberg. Am 12. d. M. hat der galizische conservative zionistische Verein unter dem Namen „Dorsche Schlom Zion"-Verein eine großartige Chanukafeier im Saale des hiesigen Handwerkervereines „Jad Charuzim“ abgehalten Die Eröffnungsansprache des Präsidenten des Vereines, Herrn Dr. Munk, die Festrede des Herrn Ahron Marcus aus Krakau, die Zionslieder des Synagogen-Cantors S ch o r r, der Vortrag von I. H o ch f e l d über die Colonialbank, das von ihm verfasste Festgedicht und besonders der Vortrag in hebräischer Sprache eines Schülers aus der neuhebräischen Schule des Herrn Isaak Alwin fanden allgemeinen Beifall. Um 10 Uhr versammelte sich ein großer Theil der Gesinnungsgenossen zu einem Commerse im Saale des Vereines ..Dorsche Zion“, woman sich bei Palästinawein unterhielt. Es wurden Toaste auf Dr. H e r z l, Dr. G a st e r. auf den Gast Ahron Marcus, den Präsidenten und Schriftführer des Vereines „Dorsche Sclilom Zion“ ausgebracht. Dre ganze Feier - hat den Beweis geliefert, dass Orthodoxie und Fortschritt mit vereinten Kräften an unserer heiligen Sache arbeiten können. Tarnow. Donnerstag den 8. December veranstaltete die zionistische Jugend in Tarnow eine Makkabäerfeier, die im März'schen Tempel abgehalten wurde. Dieselbe war ungemein stark besucht, der Zuzug dauerte fort, bis der ganze Saal, der über 2000 Köpfe fasst, dicht gefüllt war. Es war ein weihevoller Abend, der alle Gemüther bis ins Innerste rührte. Nachdem der seit kurzem hier wellende Cantor Heller die Chanukalichter angezündet hatte, sang er mit vorzüglicher Chorbegleitung einige Psalmlieder in hebräischer Sprache! Advocat Dr. A. Salz begrüßte die zahlreiche Versammlung mit einer längeren Ansprache, in der er auf die gegenwärtige Lage der Juden hinwies und alle zum Festhalten am zionistischen Gedanken aufforderte. Dann hielt der rührige Redacteur des „Hamagid", Herr I. S. Fuchs, die Festrede in einem classischen Hebräisch aus dem Stegreif. Er beleuchtete in derselben die „zionistische Bewegung" zur Zeit der Makkabäer und hob hervor, dass schon damals der Zionismus in einen „politischen" und „religiösen" zerfiel, dessen Parteien aber in ihrem Ziele sich vollständig einig waren. Die trefflichen Analogien dieses Redners haben das Publicum überaus gefesselt. Hierauf ergriff Herr Dr. I. G ün zi g aus Krakau das Wort zur deutschen Festrede. In seinem begeisternden Vortrage wies der Redner auf die hohe Bedeutung des Makkabäersieges als erstes und einziges Beispiel der Selbfthllfe in der jüdischen Geschichte. Die glänzenden Ausführungen des Redners wurden mit stürmischem Beifall ausgenommen. Es folgten noch verschiedene Declamationen. Mit einem Schlussworre, in deutscher Sprache gehalten vom Redacteur Herrn Fuchs, gerichtet an die zionistische Jugend, worin er sie zur eiftigen Theilnahme an die zionistische Bewegung ermahnte, schloss die erhebende Feier in der Synagoge. Nach der Feier fand ein Commers statt, an dem gegen hundert Herren und Damen theilnahmen. Gliniany. Das Comitö zur Gründung eines „Jüdischnationalen Lesevereines" veranstaltete Donnerstag den 8. d. M. in der hiesigen Synagoge eine Mcckkabäerfeier. bei der kein Jude des Städtchens fehlte. Nach der Eröffnungsrede unseres Vorsitzenden, Herrn Leo Wolf, producierte die Musik mit einem Kinderchor zusammen nationale Stücke, worauf die zionistische Festrede des Herrn M. Balaban unter sehr großen Beifall folgte. A P ali»ktin>r-A«sltr>l»«g in Frankfurt a. M. Am Sonntag, den 4. December wurde am hiesigen Platze die von den Colonisationsvereinen „Esra" veranstaltete Palästina-Ausstellung vor einem zahlreichen, geladenen, auserlesenen Publicum durch einen feierlichen Act eröffnet. Herr Rechtsanwalt Plotke wies in seiner Eröffnungsansprache auf die hohe Bedeutung dieser Ausstellung hin, welche den Juden die Resultate der noch jungen jüdischen Colonien in Palästina vor Augen führen soll. In bewegten Worten bemerkte der Redner unter anderem, dass das Heilige Land, die Wiege von Religion und Cultur, für uns Juden nicht mehr die Stätte ist, wo der fromme Pilger sich an der Klagemauer nur in historischen Reminiscenzen ergeht, sondern wieder eine Stätte des Friedens und der ernsten Culturarbeit geworden ist. Unter Hinweis auf die Palästinareise des deutschen Kaisers hob Herr Plotke hervor, dass immer weitere Kreise ihr Jntereffe dem gelobten Lande zuwenden. Die Mitglieder der Colonisationsvereine „Esr a" dürsten als Juden und als Deutsche doppelt stolz sein, dass sie die Colonisätiousbestrebungen unter den Juden in so ersprießlicher. Weise gefördert haben, wovon die hier ausgestellten Erzeugnisse der jüdischen Ackerbauer und Handwerker in Palästina ein so beredtes Zeugnis ablegen! — Der Redner schloss seine officielle Eröffnungsrede mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät den deutschen Kaiser, in das die Versammlung lebhaft einstimmte. Als zweiter Redner trat Herr W. B a m b u s aus Berlin auf, der über die Entstehung und gedeihliche Entwicklung der jüdischen Colonien in Palästina der Versammlung Mittheilungen machte. Sehr sympathisch berührten die Ausführungen des Präsidenten der „Esra"-Vereine, des Herrn Dorn, der in warm empfundenen Worten schilderte, welche Qualen und schier übermenschliche Schwierigkeiten die tapferen jüdischen Colonisten zu überwinden hatten. In besonders ehrender Weise gedachte Herr Dorn jener colonisatorischen Pionniere aus Russland, welche chre Schritte nach dem gelobten Lande lenkten, um sich hier eine neue Heimstätte zu gründen. Die aus den akademischen Hörsälen verwiesenen ruffischen Studenten zeigen der Welt, dass jüdischer Fleiß und jüdische Energie auch hinter dem Pfluge viel zu erreichen vermögen. Die jüdischen Colonisten haben in verhältnismäßig kurzer Zeit und mit äußerst schwachen ökonomischen Kräften das verwahrloste und verödete Land in blühende Gärten verwandelt und damit auch das judenfeindliche Märchen, dass die Juden zur Landarbeit zu faul und unfähig seien, einfür allemal gründlich widerlegt. Man muss dem Juden nur Gelegenheit geben zur Entfaltung feiner Kräfte auf diesem Arbeitsgebiete. Herr Dorn schloss seine begeisterte Ansprache mit dem Appell an die Versammlung, das edle Colonisationswerk thatkrästig zu unterstützen, „damit die Zahl unserer Colonisten von nur tausenden sich auf zehntausende und hunderttausende vermehren möge!" Diese Ansprache machte sichtlichen Eindruck auf die Versammlung. Bor Abschluss des feierlichen Actes brachte Herr Cantor O g u t s ch mit seinem Synagogenchor ein „Schir-Hamaaloth" in trefflicher Weise zu Gehör. Es folgte nun ein Rundgang durch die Ausstellungsräume, wo die verschiedenen Gruppen der Ausstellungsobjecte in geschmackvoller und zweckmäßiger Anordnung untergebracht sind. Dargereichte Kostproben des köstlichen Weines fanden den Beifall selbst verwöhnter Weinkenner. Ueber die äußere Ausstattung sei noch bemerkt, dass der mittlere Saal der Ausstellung mit dem Bildnis Seiner