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Die Welt · 1898-12-16 · 50 (16.12.1898) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
50 (16.12.1898)
Article
Eine Erwiderung
Date
1898-12-16
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 50 JPHOWC Seite 7 Kritik von einigem Nutzen; da er aber Persönliches treibt, so verfehlt er sein Ziel, überstürzt sich fortwährend in falschen oder belanglosen Anschuldigungen und stellt sich bloß. (Fortsetzung folgt). V Neues Arbe«. Bon Be» Esra. Die assimilationssüchtige Plutokratie hat abgewirtschaftet, dieser Wahrheit muss man ins Auge sehen lernen. Der gespenstischgroteske Schatten des traditionellen Egel-Hasahab, die Herrschaft des Geldprotzenthums, wird von der Bndfläche jüdischer Gemeindeverwaltungen weggefegt werden. Ein unermessliches Achrenfeld der Zionssaat dehnt sich vor unseren Augen aus, nicht nur im Lande der Verheißung, am Jordan, sondern überall, an der Donau, am Rhein, an der Spree und an der Weichsel. Es hilft nichts, dass man sich hie und da von gegnerischer Seite in hysterischen Exclamationen erschöpft, es hilft nichts, dass man, von einem Tollwuthanfall erfasst, die Polizei anruft, geharnischte Proteste erlässt, in allgemeine Zeitungen unfläthige Beschimpfungen des Zionismus hinernschmuggelt. Ein Umschwung macht pch geltend, die unselige Construction des „Auch- und Bauch-Judenthums" löst sich auf. Die Formel, unter welcher die Umänderung vollzogen werden wird, lässt sich zur Zeit noch nicht genau übersehen, allein die Richtung leidet keinen Zweifel, in welcher die Reform sich vollziehen wird, das Jüdisch-Volksthümliche wird einen Sieg über das leere und herrschsüchtige Mandarinenthum sammt feinem Gepränge und Pomp davontragen. Neues Leben wird aus den Ruinen hervorbluhen. Thöricht und. absurd ist es, die Parole von der Eroberung der Gemeindevorstände so zu deuten, als ob es sich darum handelte, sofort sämmtliche Gemeinde - Ehrenämter unter erklärte Zionisten zu vertheilen. Diese gegnerische Deutung beruht auf dem durchsichtigen Kniffe, den Zionismus als einen engherzigen Fractionsstandpunkt oder gar als persönliches Streberthum zu kennzeichnen. Ohne Empfindung für die Regungen der Volksseele, gewöhnt, sich von subalternen, persönlichen Erwägungen leiten zu lassen, kann sich eben die Gegnerschaft nicht zum Bewusstsein eines nationalen Gedankens erheben und sucht überall das Persönliche, das Niedrige, das Sofort-Praktische. Diese Borniertheit ist bezeichnend. Nein, es handelt sich nicht um eine totale und sofortige Personaländerung. Wir können heute vielleicht nur wenig, vielleicht auch nichts gegen den ehernen Fels des Börsenjudenthums ausrichten. Wenn wir sagen, diese „führende" Partei habe abgewirtschaftet, so ist damit nicht gemeint, die bekannte Sorte der Parade- Juden sei mit einemmale verschwunden, sondern dass der Zionismus als Umgestaltungsidee seine Laufbahn begonnen hat, dass er die frivole, unjüdische Assimilation in ihrer ganzen Widersinnigkeit enthüllt, dass er um das große, einigende Banner die begeisterte Jugend geschart, und dass die herrschende jüdische Partei entweder sich einer Mauserung unterwerfen oder sich ganz zurückziehen muss. Diesem unaufhaltsam sich entwickelnden Zionsgedanken auf seinen vielfach verschlungenen Pfaden zu folgen, ist keine leichte Aufgabe. Das Ueberhandnehmen des Börsengeistes und der .Geldherrschast, das seltsame Schauspiel, dass man an die Spitze der Gemeinden leere Titeljuden stellt, die eine jüdische Nationalität verleugnen, die das jüdische Volk von oben herab behandeln, das Vordringen des crassen Jgnorantenthums, das Beiseiteschieben der Vulniicke-Lstsostnruiin, die Arroganz, vas strafwürdige, epiphanische Bestreben, den jüdischen Stamm einfach zu denaturieren, indem man ihm, und nur ihm, jede positive Lebensäußerung verbietet und höchstens nur das Protestieren gestattet — diese Symptome des Verfalles werden vom Zionismus in das richtige Licht gestellt. Sie werden nicht beschönigt und nicht verschleiert, sie werden nicht durch die bestrickende Anmuth homiletischer Beredsamkeit phrasenhaft ausgeschmückt, sondern ojfen und ehrlich verurtheilt und durch die erdrückende Wucht der geschaffenen Thatsache einer nationalen Eoneentration moralisch niedergeschmettert. Gleichviel, ob so- und soviele Zionisten in einen Vorstand hineingewählt werden oder nicht, gleichviel, ob in Wien, Paris oder Braila; wo es nur ein lebensfähiges Judenrhum gibt, wo es nur nicht so verknöchert ist, dass es zu keiner Neubildung die Eigenschaften besitzt, tritt der Zionismus, mittelbar oder unmittelbar, als beftuchtender Gedanke auf. Was die Opposition nicht scharf genug rügen und verdammen kann, die Vielseitigkeit und Mannigfaltigkeit des Zionismus, ist sein entscheidender Vorzug vor allen anderen Richtungen, sein vornehmlicher Anspruch, die Leitidee des Judenthums zu sein. Wenn der Zionismus z. B. in der Gemeindeordnung allgemeines, gleiches und directes Wahlrecht beansprucht, so entspricht dies nicht der Begierde, diesen oder jenen Zionisten zu wählen^ sondern es ist ein nothwendiges Ergebnis einer humanen und jüdischen Weltanschauung, es ist ein integrierender Theil eines Systems, welches auf Recht und Bolksthum beruht. Seit die Anschauung sich mehr und mehr eingebürgert, dass das Wählen kein Privilegium, sondern ein natürliches und unveräußerliches Menschenrecht ist, hat man den Kreis der Berechtigten immer weiter nnd weiter gezogen. Es ist ein lächerliches Arrangement, dass die reichen Juden sich von den halbreichen wählen lasten. Es ist dies überall, sowohl in Wien, als in Paris oder in Warschau. Ueberall dasselbe Regime der Selbstverleugnungs-Schablone, der kleinmüthigen Kriecherei, überall ein versteckter Ingrimm gegen jüdisches Volksthum seitens derjenigen, die unter Juden schalten und walten wollen, weil sie es anderwärts nicht können. Wann dieses Regime, dessen Erscheinungen uns oft die Schamröthe ins Gesicht treiben, thatsächlich aufhören wird, lässt sich nicht genau voraussehen, aber dass es vom Zionismus in eine unlogische, jeder Wahrheit entbehrende Situation hineingedrängt worden ist, unterliegt keinem Zweifel. Es genügt, die Gehässigkeiten, die Provocationen und die halsbrecherischen Versuche zu merken, welche dieses bankerotte System, das immer als Kläger auftritt, wo es geklagt sein muss, im Verzweiflungskampfe mit dem Zionismus unternimmt. Wie ein verspäteter Ton aus Münchhausens eingefrorener Trompete erscheinen uns die aus diesem Lager erschallenden Rufe: wir wollen oas Judenthum, die Religion retten. Nein, Ihr werdet das Judenthum nicht retten, Ihr werdet die Religion nicht retten! Euer ist das Zerftörungswerk, Euer ist die Fahnenflucht, Ihr habt dem Judenthum seine Eigenart, seine Individualität, sein Volksthum, seinen Jntellect geraubt, Ihr habt die pietätsvolle, altehrwürdige K e h i l l a in ein äußerlich prunkhaftes und innerlich leeres Phantom einer entnationalisierten quasi-confessionellen Gemeinde verwandelt. Euere Verbände, Euere Statuten, Euere Verhandlungen, die Predigten Euerer Seelsorger werden an dieser Thatsache nichts ändern. Todt, dumpf und öde bleibt es in Euerer Mitte. Weil der Jude nicht Jude sein darf, weiß er überhaupt nicht, wozu er da ist. Der Racentypus — ein Fatum; die nationale Idee, das Lebensprincip aller Völkerfamrlien — Euere Prediger verleugnen sie; jüdische Geschichte —archäologischer Kram; hebräisches Schriftthum — c’est du grec. Es ist eine Judenmüdigkeit, ein Hinsiechen, eine Form ohne Inhalt, Etwas, das weder die Jugend begeistern, noch das reife Alter befriedigen kann. In der reinen Lust des nationalen Ideals athmet die gepresste jüdische Seele freier; das Blut fließt rascher, der Gesichtskreis für Vergangenheit und Zukunft wird erweitert, das Herz wird mit edlen Empfindungen bereichert. Es ist neues Leben, neue Begeisterung, Stolz. Thatkraft, Selbstbewusstsein. Wer sich daran nicht erfrischt und erquicket, ist in jüdischer Beziehung stumpf und abgelebt. Re<iuisses.t . . . Warschau, im November. P Makkabäer-Feier«. Wie». (M a k k a b ä e r-E ommers der „Kadima h".) Samstag den 10. December fand im Ballsaale Ronacher der Makkabäer-Commers der akademischen Verbindung „Kadimah" statt, der einen glänzenden Verlaus nahm. Dem Feste wohnten zahlreiche alte Herren der Verbindung, Mitglieder des zionistischen Actionscomites, nebst vielen Bürgerfamilien bei, die sich zum größten Theil aus zionistischen Kreisen recrutierten. Anwesend waren die Herren Dr. M. T. S ch n i r e r, Dr. O. K o k e s ch, Doctor Leop. Kahn, Dr. Rosenthal, Ing. Seidener nebst vielen anderen Gönnern nnd Freunden der Verbindung. Den Sommers eröffnete der Präses der „Kadimah", stuck, teestu. Max Silberberg, der nach der feierlichen Begrüßung der zahlreich erschienenen Gäste stuck, rueck. Jul. Uprimny das Wort zur Festrede ertheilte. Der Redner wusste in glänzender Weise die Bedeutung des Tages hervorzuheben und erzielte durch die geistvolle und originelle Art seiner Ausführungen lebhaften Beifall. Die Tendenzrede des stuck, ineck. Siegfried B o g a d entwickelte in gediegener Weise das Programm der zionistischen Bewegung. Im Namen der „Kadimah" brachte Dr. Sigmund Krausz einen Toast auf das zionistische Actionscomite und die zionistische Deputation in Palästina aus. Im Namen der zionistischen Abordnung antwortete ihm der alte Herr der Verbindung, Dr.M. T. S chnirer. „Einem alten Kadimahner war es vergönnt, unsere Heimat zu schauen", begann er seine Rede, in welcher er rühmend die schöne Tradition der „Kadimah" hervorhob, alljährlich die Makkabäerfeier würdig zu begehen; er berührte die letzten wichtigen Ereignisse in der zionistischen Bewegung und schloss unter lebhaftester Acclamation mit einem Hoch auf die „junge Kadimah". Namens der Verbindung toastierte Präses . Silberberg auf die alten Herren. Hieraus hob zur. Feingold das einträchtige Zusammenwirken der zionistischen Verbindungen hervor und rühmte die zionistische Jugend als das impulsive Element im Zionismus. Wiederholt von Beifall unterbrochen wurde die Rede des Herrn Dr. L. K a h n. Es sprachen noch ineck. Arminsky und der alte Herr der Verbindung,

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