Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 50 (16.12.1898)
- Article
- Aus Rumänien
- Date
- 1898-12-16
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 6 J*0*r Nr. 50 Vater und Brüder zu „Fremden" macht? Ist das etwas anderes als Hass und Zwietracht in eine Anzahl dort Menschen hineinzutragen, die sich jetzt mehr als je in Liebe und Eintracht zusammenschließen sollten, um den auf sie von allen Seiten heftig eindringenden Feinden die Stirne zu bieten? Gott beschütze uns vor solchen Freunden, diese Liebe ist zu viel für uns, sie erdrückt uns. Im übrigen möge Herr Cogalniceanu seine Kraft für eine besiere Sache sparen; er wird sie brauchen, wenn er es mit den Juden wirklich so gut meint. Durch die Blätter schwirrt eine kleine Notiz von inhaltsschwerer Bedeutung. „Das Gesetzproject des General Berendeni kommt demnächst zur Berathuug vor die gesetzgebende Körperschaft des Landes. Es ist manches daran geändert worden, der Recrutierungsparagraph aber, der sich auf die Fremden bezieht (man weiß, wer damit gemeint' ist) ist unverändert geblieb en." Hier ist eine Gelegenheit, sich die Sporen zu verdienen. Die internen jüdischen Angelegenheiten gehen ihn nichts an, sie sind in den Händen der Zionisten beffer aufgehoben. In Galatz ist ein Leseverein - gegründet worden, für den sich ein allseitiges Jnteresie unter der wohlhabenden Elaste der dortigen Judenschaft kundgibt. Der Verein soll ein Sammelpunkt für alles das werden, das jüdisch denkt und jüdisch fühlt.Vorstandsmitglieder der Section „Theodor Herz l" sind auch im Somit« des Lesevereines zu finden. Möge es dem neuen Vereine gut ergehen! So reiht sich Glied an Glied und die verbindende Kette wird immer länger imb länger, so lange, bis sie das gesammte, nach Athem und Leben ringende Judenthum mit eiserner Gewalt umspannt, alle eines Sinnes und eines Wollens! Eine Grmideruug. Bon Leo Mozki«. (Fortsetzung.) Gewarnt wurde hauptsächlich kurz von dem Inkrafttreten der Prohibitionsordre von 1891, weil man eine Ueberschwemmung seitens mittelloser Elemente befürchtete; vor der Infiltration wurde niemals gewarnt, in äußersten Fällen beschränkte man sich darauf, auf die Strenge des Verbotes hinzuweisen. Es ist geradezu komisch, dass dies noch erst erörtert zu werden braucht. Auf welcher Grundlage wurde denn die Colonisation ausgeführt? Wurden denn nicht die palästinensischen Juden als ungeeignetes Object stets zurückgewiesen? Man möge nur die echten palästinensischen Familien, die vereinzelt in Petha-Tikwah, Metule, Moza und noch einer oder der anderen Anstedlung als Colonisten wohnen, zusammenrechnen! Wie groß dürste die Anzahl derselben sein! Mußte nicht diese Methode die Infiltration mit zwingender Nothwendigkeit veranlassen? Es war wirklich originell und neu, diese völlige Verleugnung der Infiltration. So steht es um die wissentliche Unwahrheit, die ich begangen. So sieht das Gebäude der wistentlichen Unwahrheiten aus. Welche ist noch geblieben? Verwandelt sich nicht das Ganze in eine harte Beschuldigung gegen den Verfasser? Soll es Mode werden, dass man mit derartigen Waffen im zionistischen Lager kämpft? Man bedenke: Die erste wissentliche Unwahrheit bedeutet nichts weiter, als eine Umdrehung einer wirklichen Thatsache, die zweite stellt sich als eine wesentliche Entstellung heraus (da ich zum Schluss nicht mit N. Rapoport über die Schule, die ich ohne ihn besichtigte, sprach, sondern mst einem anderen Lehrer über die Mängel derselben); die dritte ist eine unverzeihliche Vertuschung eines „schrecklichen Uebels", das einen „verdorbenen Geist" hervorgerufen, die H. Bambus aus die Scheinoberaufsicht gründet; die vierte ist einfach lächerlich, nicht auf Thalsachen, sondern auf einer Auffassung von W. Bambus beruhend, nicht einmal eine übliche Verdrehung, sondern platt nichts, eben eine „vierte" wissentliche Unwahrheit, die fünfte dagegen schon ehrfurchtgebietender, da sie wenigstens eine Verleugnung der Wirklichkeit enthält, mst dem Heiligenscheine, der Colonisation dadurch zu nützen. Mit den „wistentlichen Unwahrheiten" ist das Arsenal der Beschuldigungen gegen mich nicht erschöpft. Außer kleinlichen Nebenbemerkungen, wie sie in antisemitischen und anttantisemitischen Polemiken üblich, werde ich noch an einer anderen Stelle in der heftigsten Weise angegriffen, nämlich hinsichtlich meiner Zahlenangaben. So heißt es: „In der Tabelle der jüdischen Colonien sind die Angaben des Terrains für Rosch-Pinah, Jep od- Hamaaloh, Sichron-Jacob, Mozah falsch, wahrscheinlich auch noch einige andere." Was das Wort „wahrscheinlich" anbetrifft, so ist der Witz klar. Von den wirklich angefochtenen vier Zahlen verdanke ich die ersten drei Herrn Dr. Joffe, dessen Gewissenhaftigkeit in Zweifel zu ziehen wohl auch Herr Bambus nicht wagen wird. Mozah ist mir von Herrn Ephraim Cohen, Direktor der Lämelschule, der sich mit der Beaufsichtigung dieses Gutes abgibt, angegeben. Die Angabe von Jessod-Hamaaloh ist mir auch von H. Ch. Cohen, Agronomen in Rosch-Pinah bestätigt, während er mir^ allerdings für Rosch-Pinah eine größere nannte Da ich die Differenz erst nach meiner Rückkehr merkte, zog ich die Angabe des Herrn Dr. Joffe vor, schon auch deswegen, weil dieselbe wie die anderen von ihm in einer für eine größere Arbeit angeferttgten Tabelle eigenhändig geschrieben ist, dre noch vor meiner Abreise durchgesehen wurde, während die andere Angabe durch einen Schreibfehler meinerseits entstanden sein konnte. Was die anderen Terrainangaben anbelangt, so verdanke ich 23 von ihnen der Freundlichkeit des Herrn Dr. Joffe, Vorsitzenden des von den russischen Zionsfteunden in Jaffa eingesetzten Actionscomitös, zwei seinem Collegen Herrn Eisenstadt, diejenige von Rechowoth Herrn Lewin-Epstein, Verwalter dieserColonie, während ich nur zwei aus Veröffentlichungen nachtragen musste. Weiter: „In der Tabelle der Seelenzahl auf den jüdischen Colonien sind mindestens die Angaben für Sichron-Jacob, besten Töchtercolonien, Jestod-Hamaaloh und Rischon-Lezion falsch, wahrscheinlich auch die Ziffern für Pethah-Tikwah, Ekron rc. rc." Was Jessod-Hamaaloh anbetrifft, so habe ich die Seelenzahl derselben einer veröffentlichten Schätzung entnommen und direct mit dem Wörtchen „etwa" versehen, nachher noch ausdrücklich in meinem Referate erwähnt, dass diese Zahl auch größer sein mag. Was Sichron-Jacob mit den Töchtercolonien Scheweja und Emel-Djemal anbetrifft, so sind diese Zahlen dem Palastina- Almanach für 5659 entnommen, wo ausdrücklich hinzugefügt ist, dass sie einer genauen neueren Privatstatiftik entstammen; in der Bambus'schen Broschüre von 1897 „Die jüdischen Colonien in Palästtna" ist die Seelenzahl auf circa 1000 angegeben, nachdem er vorher bemerkt, dass zu Sichron-Jacob auch die vier kleineren Dörfer Scheweja, Em-el-Djemal, Tantura und Em-el-Tut hinzugerechnet werden müffen. Bei mir ist die Zahl 1078 angegeben, also ist die Differenz nicht allzu groß; sollte Herr Bambus jetzt behaupten, dass er nur die Seelenzahl von Sichron-Jacob gemeint, obgleich die Angabe des Terrains dem widerspricht, so würde meine Angabe 870 von der seinigen nicht allzusehr differieren, wenn man bedenkt, dass er nur von einer Schätzung spricht. Bon Sichron-Jacob und seinen Töchtercolonien, wie von ein paar anderen, gilt noch das von Herrn Bambus im November 1895 in der „Jüd. Presse" geschriebene Wort: „Leider fehlen die genauen Zahlen, da die Administration auf ihren Colonien aus nicht recht verständlichen Gründen die Bekanntgabe der officiellen Zistern verweigert." In diesem Falle musste ich mich mit einer veröffentlichten Privatstattstik behelfen. Gerade auf der von ihm erwähnten Ädministrationsscheu gegen Bekanntgabe osticieller Daten hat wohl Herr Bambus gebaut, indem er mit solcher Gewissheit meine Zahl als falsch bezeichnete, ohne es wissen zu können, und wenn er auch seine Angabe damit widerlegt. Ich glaube übrigens, dass die Privatstattstik sich als richtig erweisen wird. Die Angaben über Rischon-Lezion und Petha-Tikwah, die angefochten werden, sind neuesten Datums und entstammen sorgfälttgen Statistiken des Herrn Eisenstadt, eines Mannes, der seit fast einem Decennium mit der Colonisation Palästinas in idealer Weise sich beschäftigt und fpeciell auch stattstische Tabellen anferttgt, ebenso verdanke ich ihm die Angabe von Ekron, wo ich allerdings das fluctuierende Element der Arbeiter aus Versehen unerwähnt ließ. Wenn man von Rosch- Pinah und dem kaum in Betracht kommenden winzigen Moza absieht (Mikweh-Jsrael, das von mir ebenso wie Rosch-Pinah und Moza nach Veröffentlichungen schätzungsweise mit Vermerk „etwa" angegeben worden, ist nachträglich nach dem neuesten Allianceberichte corrigiert), so verdanke ich die übrigen Zahlen über die Colonien den diesjährigen Tabellen des Herrn Eisenstadt; nicht genug kann ich demselben danken für dre Tage, die wir in gemeinsamer Arbeit (Notierung eines umfangreichen statistischen Materials) zugebracht; leider habe ich während des Vortrages nur einen Theil meiner Berechnungen verwenden können, die ich auf dem Rückwege und die letzte Woche vor dem Congresse aus jenem Material angestellt habe. Uebrigens ist es wohl möglich, dass in meinen Angaben ein paar Versehen sich finden könnten, was. wohl erklärlich ist bei der Kürze der Zeit, über welche die unausgesetzte Arbeit dreier Monate von der Minute der Abfahrt bis zum Abende vor dem Congresse mit völliger Nichtbeachtung aller hygienischen Regeln, des Schlafes u. s. w. selbstverständlich doch nicht ganz hat hinweghelfen können. Würde Herr Bambus in statthafter Form auf solche Versehen Hinweisen, so wäre seine