Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 49 (9.12.1898)
- Article
- Paris
- Date
- 1898-12-09
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3315709-3315742-3315792--09490-3364878- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. '4Ü SM#** Waldeck-Rousseau, wonach dem Cassationshos das Riecht eingeräumt werden soll, den Aufschub jedweder gerichtlichen Verfolgung anzuordnen, welche der Revision eines Processes etwa hinderlich sein könnte, seinen Bericht, welcher in dem Anträge gipfelt, den erwähnten Vorschlag in Berathung zu ziehen, und hiefür die Dringlichkeit verlangt. Nach einer längeren Debatte, an welcher mehrere Senatoren und der Ministerpräsident D u p u y theilnahmen, wurde die Dringlichkeit mit 129 gegen 125 Stimmen abgelehnt. England. London. Einen interessanten Brief veröffentlicht der rJe\vish World“ aus der Feder Mr. Lehmann C o h n's. „Mein Vater", heißt es darin, „war ein guter Hebräer, aufrichtiger Orthodoxer und . tüchtiger Soldat, der den höchsten militärischen Rang innehatte, den ein Jude in der hannoveranisch-englifchen Armee erreichen konnte. Er betheiligte sich an der Schlacht bei Leipzig im Jahre 1813, an der Schlacht bei Waterloo und — glaubte Zeit seines Lebens an die Wiederaufrichtung eines jüdischen Reiches in Palästina. Ost ermahnte er mich, meine Kräfte in den Tienst der jüdischen Renaissance zu stellen. Und wirklich glaube ich, dass meines Vaters Ideal in Erfüllung gehen wird — allen Gegnern zutrotz!" London. Auf einem Meeting des Wohlthätigkeits- Vereines auswärtiger jüdischer Frauen sprach Dr. Gast er über die Wohlthätigkeit der Last End-Juden, die umso höher zu bewerten sei, als sie von schwer arbeitenden Leuten ausgehe. Die East-Ender brauchten sich nicht „Fremde" zu nennen, sie seien ebenso gut Engländer, wie die anderen. Ein fünfjähriger Aufenthalt auf englischem Boden begründe die englische Staatsangehörigkeit. Die Juden des East End hätten keinen Grund, sich von den West-Endern Lectivnen crtheilen zu laßen. Das Einzige, was sie begehrten, sei: allein gelassen zu werden, um sich nach ihren eigenen Anschauungen über Glauben und Nation zu entwickeln. Die Worte Dr. Gaster's entfesselten stürmischen Beifall.^ ä* a Nkreiusmchrichtkll. Wie«. Herr Mathias Acher «Tr. Nathan Birnbaum) eröffnete am 29. November einen Cyclus von zionistischen Borträgen mit dem Thema „Entwicklungsgeschichte des zionistischen Gedankens". In streng wissenschaftlicher Art und mit tiefer Gründlichkeit gab er ein genaues Bild der Entwicklung des Zionismus vom „passiven" Zionismus der mittelalterlichen Ghettojuden bis zum „activen" der emancipierten Nationaljuden. Der nächste Vortrag (9. Jänner 1899) handelt über „Geschichtliche Analogien zum Zionismus". Wie». (Jüdisch-akademische Verbind« ng „M a c c a b ä a".) Am 19. v. Ai. fand der diessemestrige Eröffnungscommers der jüd.-akadem. Verbindung „Maccabäa" statt. Ein zahlreiches Publicum füllte die Räume. Unter den Gästen befanden sich die Mitglieder des Aclionscomitös Dr. K o k e s ch, Dr. w ch n ir e r, Dr. Birnbaum, Reichsrathsabgeordneter Doctor Strauche r, ferner Dr. Stieglitz, die alten Herren der Verbindung „Kadimah" Dr. Wass ermann und Dr. S ch a l i t, sowie auch die Verbindungen „Kadimah", „Jvria", „Unitas", der theologische Verein, die Vereine „Jordania", „Barkochba", „Achwah" und die Mädchenvereine „Moriah", „Hadassa". Präses Liquornik eröffnete den Commers. Techn. G o l d n e r erörterte in der mit Beifall aufgenommenen Feftrede die Ziele der „Maccabäa." Die zionistische Tendenzrede hielt Vicepräses Steiner. Im Namen der „Füchse" sprach Techn. I u n g m a n n. Unter großer Spannung' der Anwesenden ergriff Dr. S ch n i r e r das Wort: „Ich komme von dem Vaterlande", sprach er, und schilderte in ausgezeichneter Weise das erfreuliche Btihen und Gedeihen der jüdischen Eolonien in Palästina. Reichsrathsabgeordneter Tr. Straucher erklärte, dass nur eine große, von den breiten Massen der Völker getragene Vollsbewegung das Judenthum aus der jetzigen „Schlamaftlk" reißen könnte. Er betonte seine Sympathie für den Zwnismus. Mit einem Hoch auf die jüdische Station schloss er seine Rede. Nachdem noch phil. Fischer die Verbindung „Maccabäa" im Namen der Verbindungen „K a d i m a h", „I v r l a", „U n i t a s", Serr Hausner im Namen des Theologenvereines und Herr targulies im Namen der „Barko chb a" beglückwünscht hatten, sprachen noch die Herren Dr. Stieglitz, Dr. S ch a l i t, Piekarski und Deutsch,danndieVertreterin der„Hadassah", worauf der officielle Theil seinen Abschluss fand. Wien. Am 2. November l. I. hat der jüd.-akad. Verein „Bar Koch ba" seinen hebräischen Unterrichtscursus eröffnet. An demselben nahmen sämmtliche Mitglieder des Vereines theil. Den Unterricht leitet der Vicepräses stuck, phil. D. Rothblum. — Am 22. November hielt stuck, pliil. F. Waschitz einen Vortrag über den „Chassidismus", woran sich eine Tiscussion schloss, an der die Herren Bardach, Margulies, Hausner, Rothblum und Mehrer theilnahmen. — Am 29. November suchte eanck. phil. B. Hausner in einem Vorträge über „die Entstehung der Kabbala" an der Hand der kabbalistischen Fundamentalwerke in das Dunkel dieser Geheimlehre hineinzuleuchten. An der Discussion betheiligten sich Rothblum, Kruh, Waschitz, Margulies und Bardach. — Am 12. November fand ein Vortrag „Das Jahr 1848 und die Juden in Polen" von oanck. phil. B. Margulies statt. Wien. Der nächste Vortragsnachmittag des Vereines „Hadassa" findet Sonntag den 10. d M., 4 Uhr, im „Zion", III, Rembrandtstraße Nr. 11, statt, und sind Gäste herzlichst willkommen. Brünn. (Akademischer Verein „Zephira".) Die in der letzten Plenarversammlung vorgenomme Chargenwahl ergab folgendes Resultat: stuck, phil. T. Kern, Präses; stuck, jur. M. Diamant, Vice-Präses; stuck.jur. M. Kins brunner Schriftführer. Ung.-Hradisch. Die akademische Ferialverbindung „A ch i w a h" veranstaltet anlässlich des Chanukafestes am 11. Tecember 1898 im städt. Redoutensaale eine Makkabäerseier mit Tanzkränzchen. Das Reinerträgnis fällt den jüdischen Ortsarmen zu. Krakau. Der akademische Verein ..Hasehaehai*" veranstaltet am 11. December l. I. eine Makkaväerfeier. Riga, 10. Novmeber. Chol hamoed versammelte die Rigaer Zionisten zu einem fröhlichen Feste. Zionistische Lieder und musikalische Vorträge wurden von den Herren Ä s a r ch, H u r w i r s ch, Dr. L e w i t a h, Bloch u. a. meisterhaft zum Vortrage gebracht, worauf Rabbiner Tr. M i ch e l s o h n, Rabbiner Segol, Tr. Salkind, die Herren Ettingen, Edel, T a i z, T a w j e w, M e k l e r, Frl. Weinberg u. a. der Feier entsprechende Festreden zum Vortrage brachten. Das Referat, welches der Delegierte des zweiten Baseler Congresses k Herr L. Ettingen, hielt, fand den lebhaften Beifall aller Anwesenden. Der zionistische Verein in Riga zählt gegenwärtig circa 350 active Mitglieder. Die Mitglieder gehören allen Berufsarlen an. Präsident unserer Ortsgruppe ist der hiesige praktische Arzt A. Salkind, Vicepräsident L. Ettingen, Cassier M. L e w i t a s, Secretäre eanck. jur. Ph. Edel und M. T a i z. Vorträge wurden im Rigaer Verein gehalten von den Herren M. T a i z, 3.U. Sapir, L. Ettingen, M a r k u s ch e w i t s ch, 'M ekler, Ph. Edel, Lubarsky und I. Aj s e n st a d t u. a. ckehucki. W ZkitschristenmudschM. Der Petersburger „Kraj“ veröffentlicht in seiner Nummer 46 vom 2i. November einen größeren Artikel über die Judenfrage in Galizien". Der Lemberger Correspondent dieser Wochenschrift interviewte, „um ein Bild über den Stand der Judenrraae in Galizien auf Grund unmittelbare,- Zeugnisse von Leuten zu bekommen, die Anthell nehmen an dem socialen Leben Galiziens", die geistigen Führer aller «.!?) Parteiströmungen: die £ermi Dr. B, Gold mann als Repräsentanten der „alten furuschen J^elligenzgruppe^, Dr. A. Lilien „des jungen israelitischen, nicht zionistischen Flügel-, , den Reichsralhsabgeordneten £ C °si? ^1 ♦ W ro 1 f ö ,'bes gemäßigten Antisemitismus", den Redacteur B o h d a n C z a f k o v s k i „des radicalen Antisemitismus" und Prof Dr. A. Male cki „der außerhalb der Parteigrupplerung stehe". Einige Bemerkungen dieser Männer verdienen hier wiedergegeben zu werden. Dr. B. Goldmann, der, wie der Correspondent memr, „heute, da die zionistische Welle alle, «trome der israelitischen Jntelli- General ohne Armee der Assimiatlonsbewegung ist", schreibt die Schuld des Bankkraches der Assimilationsbewegung der ganzen galizischen Gesellschaft, besonders der Presse, zu. Der Bankerott trat ein, als einerseits die antisemitische «trymung, anderseits die zionistischen Bestrebungen Oberhand gewannen. „Einzelne Individuen können zwar diesen romungen w r p e r st e h e n, nicht aber die Massen, welche von der einen Seite abgestoßen, von der anderen aber rat t Erfolg angezogen werde n." Der °^Ea£ctaw^-.dass alles nur vorübergehend sei. Der Zionismus konnte nach seiner Meinung gute Fruchte erzeugen, wenn er,darauf gerichtet wäre, diejenigen Juden zu organisieren, welche imLande kein Brot find en und denen in Palästina oder irgendwo anders