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Die Welt · 1898-12-09 · 49 (9.12.1898) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
49 (9.12.1898)
Article
David Levi, ein italienischer Dichterveteran
Date
1898-12-09
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Rr. 49 Sette 7 mächtigen Vorgehens um Verzeihung bat und zugleich beschwor, von ihrem Plane abzustehen. Sie willigten ein und der wiedergefundene Sohn begab sich im Frühjahr 1836 in überglücklicher Stimmung an die Universität in Pisa. Mit einem wahren Heißhunger warf er sich im Drange nach Erkenntnis auf die Philosophie. Er vertiefte sich in die verschiedenen philosophischen Weltanschauungen, musste sich indes zu seinem großen Leidwesen schließlich sagen, die Geschichte der Philosophie sei ein Golgatha gekreuzigter Systeme. Auf dem langen Umwege über die Beden, deren Studium damals im Schwange war, fand er endlich den Stein der Weisen in der durch erhabene Klarheit überwältigenden Bibel. Er besang sie in einem herrlichen Gedichte, dessen erste drei Strophen lauten: Gleich wie vor hehrem, gewaltigen Bau Mit himmelwärts strebenden Thürmen, Der mächtig hineinragt ins ewige Blau Und trotzet den Winden und Stürmen Und tausend Geschlechter schon unter sich weit. Sah rauschen vorüber im Strome der Zeit: So beug' ich vor dir mich, du ewiges Buch, Du bringst uns den Segen, du bannest den Fluch. Denn wie des Himmels erhabene Pracht Des Allherrn Größe verkündet. So lehrst du uns kennen die ewige Macht, Von Sterblichen nimmer ergründet. Dein Wort, es erfüllt uns mit heiligem Grau'n, Es bebet die Seele in ahnendem Schau'n, Und freudiger schlägt mir das Herz in der Brust, So dein ich gedenke voll seliger Lust. So komm' denn, du freundliches Buch, das allein Uns bleibet als theures Vermächtnis; Prophet und Altar du und Vaterland mein,' Du wahrest der Väter Gedächtnis. Wenn zuckend vom Wehe sich windet das Herz Und tief in der Seele uns wühlet der Schmerz, So kommst du und öffnest, du Bote des Herrn, Die rosigen Pforten der Hoffnung uns gern. In dem Glauben der Väter fand er den höchsten und reinsten Ausdruck seiner eigenen Ideale, und zugleich mit der Liebe zu seinem Baterlande erstarkte in seinem Innern immer mehr die Liebe zum Judenthum. Das Studium der Geschichte Israels ließ ihn eine gewiffe Aehnlichkeit zwischen dem Schicksal Italiens und dem Palästinas entdecken, und der Schmerz über das Unglück beider Länder machte sich Lust in den Versen: Und zweifachen Zions Verbannter ich bin. Zu zweifachem Zion, ach, zieht es mich hin: Doch wehe! im Elend muss beide ich schauen. Und einsam und traurig durch düsteres Thal Sich wälzet der Jordan und stöhnet, o Qual! Die Woge des Tibers, sie seufzet, o Grauen! Und ein andermal entringt sich ihm die Klage: Zivn! — Italien! o Leuchten der Welt, Die ihr das nächtliche Dunkel erhellt. Zum Lichte ihr führtet die Völker, zum Glanz, Im Ruhm, wie im Leiden seid Schwestern ihr ganz. Die Gipfel des Schönen und Wahren so steil Erklömmet ihr beide, der Menschheit zum Heil. Zu göttlicher Höhe den Menschengeist trug Empor euer mächtiger, glänzender Flug. Zion! — Italien! mein Herz, mein Gemüth In flammender Liebe für "euch nur erglüht. Zion! — Italien! vor Sehnsucht verzehrt. Nur euch meine dürstende Seele begehrt. Verwitwet und einsam irrt Rahel umher. Und Niemand erleichtert ihr Schicksal, so schwer. In Fesseln verschmachtet Italien als Magd, Und Niemand die Feffel zu lösen ihr wagt. Allein Levi war nicht der Mann der sanften Resignation und ruhigen Beschaulichkeit; sein feuriges Temperament drängte ihn zu thätigem Eingreifen in den Gang der Ereigniffe. Kaum zwanzig Jcchre alt, war er beretts in den von Mazzini gegründeten und über ganz Italien verbreiteten politischen Geheimbund „La giovane ltalia“ eingetreten. Bei seinen wiederholten Reisen von Pisa nach Piemont hatte er Gelegenheit, dem Bunde vortreffliche Dienste zu leisten, indem er in den verschiedenen Städten, in denen er sich aushielt, theils neue Zweigvereine gründete, theils den Gedankenaustausch unrer den bereits bestehenden vermittelte. Trotz dieser politischen Thätigkeit hatte er jedoch die Studien nicht vernachlässigt und er war gerade im Begriffe, sich für die Entlassungsprüfung vvrzubereiten, als er durch einen unliebsamen Vorfall gezwungen wurde, Pisa den Rücken zu kehren. Bei einem Streite zwischen ihm und einem Collegen aus der Schweiz, ließ sich dieser zu einer beleidigenden Aeußerung über die Juden im Allgemeinen Hinreißen. Als Antwort darauf erfolgte eine kräftige Ohrfeige, und ein Duell war unvermeidlich. Dasselbe fand in einem Walde nächst Pisa statt und fiel zu Ungunsten des Schweizers aus, welcher schwer verwundet nach Hause getragen wurde. Die Sache wurde ruchbar, und Levi musste, von der Polizei verfolgt, eiligst das Weite suchen. Mit Hilfe des Marchese Domenico Franzoni, der ihm seinen Reisepass zur Verfügung stellte, floh er nach Genua und von dort nach Chieri. 18471 erwarb er den Doctorgrad an der Universität zu Siena und reiste dann nach Paris, wo die Elite der italienischen Patrioten versammelt war. Kaum angelangt, trat er in Beziehung zu Terenzio Mamiani. Giuseppe La Farina, Giovanni Berchet und anderen hervorragenden Mitgliedern der italienischen Emigration. Hier lernte er auch Mazzini kennen, der von London öfter insgeheim nach Paris kam, um seinen Gesinnungsgenossen Verhaltungsmaßregeln zu geben und wichtige Parteiangelegenheiten mit ihnen zu berathen. Bei einer solchen Beräthung wurden die Rollen für die tollkühne Unternehmung der Brüder Attilio und Emilio Bandiero, welche die Abschüttlung des österreichischen Joches planten, vertheilt. Levi wurde zuerst nach Piemont und dann mit dem Grasen Bevilacqua nach Venedig gesendet, um das Feuer der Begeisterung für die Einheit und Freiheit Italiens zu schüren. Allein das waghalsige Unternehmen der Brüder Bandiera misslang. Sie fielen bei ihrer Landung in Calabrien in die Hände der Oesterreicher, wurden wegen Hochverrathes zum Tode verurteilt und am 5. Juli 18447 in Cosenza erschaffen. Als die Kunde davon nach der Lagunenstadt gedrungen war, widmete unser Dichter dem Andenken der jugendlichen Märtyrer eine erschütternde Elegie, welche in den leidenschaftlichen Appell ausklingt: Vertheilet sie, diese Gebeine, und jegliche Stadt Vom Meere bis hin zu den Alpen bewahre ein^ Stück. Nicht weinen jetzt sollt ihr, nicht klagen, nur küpen sie satt. Und schwören zum Himmel erhebend den Blick, Wenn einst sich Italien erhoben in stammender Glut, Zu rächen, zu sühnen der Märtyrer Blut. 8. Jacobs. (Schluss folgt.) Die Mieaer Cultnsgcmcindc. Von Dr. T. Werner. Viel Lärm um nichts. Das ist alles, was sich von den letzten Cultuswahlen sagen lässt. Wer Gelegenheit hatte, die Wahlvorbereitungen kennen zu lernen, der hat sich gewiss eines beschämenden Gefühles nicht erwehren können. Es ist zweifellos, dass es in Wien viele Juden gibt, welche mit der Führung der Cultusgemeinde unzufrieden sind. Es ist jene dumpfe Unzuftiedenheit, die sich jahrelang ansammelt, ehe sie in einem vehementen Ausbruche alles wegsegt, was ihre Beranlaffung war. Es ist der Zorn der rechtlosen Menge, welche wenige Leute in lächerlicher und nur durch chre Unkenntnis des Nothwendigen erklärlicher Weise mit den wichtigsten und ernstesten Institutionen eine Art Sport treiben sieht. Es ist auch die bittere Erkenntnis, dass es ganz von dem Belieben einer kleinen Clique abhänge, ob die Wiener Juden auf Jahre hinaus durch fähige oder untaugliche Männer geführt, beschützt oder in die traurigste Lage gebracht werden sollen. Diese Unzufriedenen fühlen, dass ein Unrecht an ihnen geschehe. Sie nennen auch die eine oder andere Sache, einen

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