Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 49 (9.12.1898)
- Date
- 1898-12-09
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
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8-1 Ked Artion 3 Erscheint jeden Freitag. 1 2-B Preise der Anreisen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an Die viermal gespaltene Petit¬ Wie» die Redaction oder Administration: Wien, IX., Tückenzeile 10 kr. IX.. Tückenstraße 9. straße 9, zu richten. Lelenbon Nr. 8605. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 15 kr. j Manuscripte nicht zurückgesendet. | :-m lilPilf ItllltlPtfV * Oesterreich-Ungarn; halbjährig 3 fl. — 6 Kr., ganzjährig 6 fl. — 12 Kr.: Für das Ausland: Deutschland *'*'“*' ♦ ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 0 Mk.85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schioeiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Ets., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Ur. 49. Wien, 9. Decembrr 1898. 2. Jahrgang. Zündet Lichter au! Von Dr. I. Bergmann. Zwei Parteien gab es in Israel zur Zeit der Makkabäer: Hellenisten und Chassidim. Zu den Hellenisten zählten vor Allem die Leichtsinnigen. Das Judenthum mit seiner ernsten und sittlichen Weltanschauung war ihren Gelüsten hinderlich, und sie beschlossen, es abzuwerfen. Abzuwerfen um jeden Preis. Edel war es zwar nicht, das theure Erbe der Väter, für welches sie oft geblutet, so ganz ohne Ehrfurcht und Schonung aufzugeben. Aber sie ivollten an den griechischen Spielen theilnehmen, an den Orgien sich berauschen, sie verzerrten darum den Leib, die Seele, damit man sie nicht als Juden erkenne. Ihr Judenthum verfolgte sie auf der Straße wie ein Schatten. Sie schloffen es darum in die Rumpelkammer der Vergangenheit, der Geschichte. Zu den Hellenisten gehörten auch die mit gebrochenem Rückgrat und niedriger Sclavenseele, die Ehrfurcht und Dankbarkeit mit Kriecherei verwechseln. Kaum hatte der syrische König ihnen griechische Cultur angepriesen — und in aller Eile wurden sie hellenistischer als die Hellenen. Sie überlegten gar nicht, dass auch die jüdische Weltanschauung Großes und Erhabenes in sich berge, dass der jüdische Volksgeist von tiefem Ernst und hoher Sittlichkeit durchdrungen sei. Sie dachten gar nicht darüber nach, dass es unnatürlich sei, dass ein Volk zu etwas werde, wozu es nicht geschaffen ist, sie erwogen nicht, dass es unmöglich sei, dass ein ganzes lebensfähiges Volk seinen Geist aushauche. Rein. Sie beschloßen sofort den Tod des jüdischen Volksgeistes und wünschten das Ende des Judenthums herbei. Sie sind nun selbst todt, das Judenlyum hat sie alle überlebt. Ist es denn nicht viel natürlicher, dass das Volk seinen eigenen Geist frei entwickelnd und in sich selbst wurzelnd, so zum Wohle der Menschheit groß und stark werde? Das Leben der Gesellschaft ist durch das Leben des Einzelnen bedingt, der wahre Altruismus nur durch den gar nicht unedlen Egoismus. Zerstört einer sein Leben, so entzieht er es auch der Gesellschaft. Am besten erfüllt ein Volk seinen Beruf, wenn es in sich selbst, lebt, wenn es sich selbst nicht verleugnend durch Vertiefung seines nationalen Lebens und Entfaltung seines nationalen Geistes zum Wohle der Menschheit lebt. Hat die Menschheit nicht an den erhabenen jüdischen Propheten mehr gewonnen als an unserer ganzen jüdisch-griechischen Literatur? Wie viel inniger und natürlicher sind uns die palästinensischen Rabbinen mit ihren weisen, ethischen Sprüchen als der allegoristische Philo! Die jüdischen Sittenbücher des Mittelalters sind gewiss viel tiefer und reiner, als das Amalgam der aristotelischen Philosophie mit der Bibel, wie es die Religionsphilosophen scharfsinnig zustande brachten. Ein Verbrechen wäre es an unseren Vätern, eine Sünde auch an der Menschheit, wollte das Volk sich selbst ausgeben. Den Tod des Judenthums wollten die Hellenisten, aber das Volk der Juden wollte leben und durste seinen nationalen Geist, seine Weltanschauung nicht aufgeben. Sie sind nun selbst todt, todt in der Geschichte des Judenthums für alle Zeiten, weil das Volk unsterblich ist. Todt sind sie Alle. Zündet Lichter an! Die Chassidim — so erzählt die Geschichte der Makkabäerzeit — vertrauten auf Gott, dass er ihre Unthätigkeit unterstützen werde. Ihr Blick reichte nicht über die Wände des engen Lehrhaujes hinaus. Wenn sie nur dem Gesetzesstudium obliegen konnten, wollten sie das syrische Joch ruhig tragen. Was galt ihnen die Sclaverei und die Verbannung aus der heiligen Stadt, wenn nur der jüdische Volksgeist fortleben konnte? Die Thora war ihnen Alles, mehr als Israel, das Judenthum stand ihnen höher als die Juden. Sie waren freilich Feinde der Hellenisten, weil sie ihr schädlich Sinnen und Wirken gegen das Judenthum begriffen, aber sie selbst wollten nicht einsehen, dass durch die Unterdrückung und Verbannung der Juden, auch das Judenthum leide. Hat nicht darum Moses zuerst sein Volk aus der ägyptischen Sclaverei befreit und erst dann ihm die große Lehre gegeben, dass es in Freiheit sie beherzige? Hat nicht David dem Volke zuerst Ruhe wiedergegeben und dann erst an den Tempelvau gedacht? Hat nicht Esra das Volk aus der Verbannung erst heimgesührt und es dann erst das Gesetz gelehrt und den Volksgeist gehoben? Und später. Der große Rabbi Akiba verließ das Lehrhaus, um für sein Volk zu kämpfen. Wie tonnte die Lehre sich entfalten, wenn das Volk von den römischen Soldaten bedrängt und bedrückt wurde? Ist die weise, große Thal R. Jochanan b. Sakkai's, der nach der Zerstreuung der Juden im Lehr-