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Die Welt · 1898-12-02 · 48 (2.12.1898) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
48 (2.12.1898)
Article
Transvaal
Date
1898-12-02
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 Nr 48 Bilder von endlosen Goldfeldern auf, in den Augen blinkt, in den Ohren klingt es — das gelbe Metall, das leidenschaftlich begehrte Ziel aller Genussstrebungen, das passende Symbol einer materialistischen Weltanschauung. Ich wollte, die Leute, die dem Transvaal den Vorzug angenehmer Rückständigkeit einräumen, weil nach ihrer Meinung dort noch das goldene Zeitalter herrscht, kämen einmal zu uns. Sie würden entdecken, dass der Transvaal ein fruchtbares Feld nicht nur für Gold, sondern auch für Ideen ist, und dass insbesondere die sacra fames unserer Zionisten nichts mit dem „verdammten Heißhunger" der ovidischcn Phrase zu thun hat. Allerdings sind wir heißhungrig, aber nach den leider so spät zu uns gelangenden Nachrichten aus dem ziouislischen Hauptlager. Wenn uns die Aussicht geboten wird, etwas neues zu hören, unseren zionistischen Anschauungenkreis zu erweitern, dann sind wir Feuer und Flammen. Das bewies unter anderem in glänzender Weise unser unlängst abgehaltenes Meeting, an dem über 500 Personen theilnahmen. Fast sämmtliche Vereine des Transvaal hatten Vertreter entsendet. Der Vorsitzende, Mr. H. Solomon, hob mit Genugthuung die Thatsache hervor, dass die Johannesburger Vereinigung allein über 12 )0 Mitglieder, die übrigen Vereine zusammen 500) Mitglieder zählen. Eine der Hauptaufgaben der Transvaaler Zionisten sei die Erziehung der Kinder im nationalen Geiste. Mr. S. Lennox Loewe, der hierauf das Wort ergriff, erwähnte, dass seit der Gründung der Johannesbrrger Vereinigung am 11. April dieses Jahres bis jetzt 11 neue Vereine hinzugekommen feien. Die Idee der Colonialbank sei im ganzen Transvaal mit Jubel ausgenommen und einige tausend Shares iu wenigen Tagen gezeichnet worden. „Der zionistische Gedanke wurde in einer stattlichen Reihe öffentlicher Meetings verbreitet und das enorme Anschwellen der Mitgliederzahl in den verschiedenen Einzelverbindungen hat den Plan gezeitigt, ein jüdisches Blatt unter dem Titel „The African Jewisli Chroniele and Zionist News“ zu gründen." Es gelangte sodann ein Brief Mr. Herbert B e n t w i ch's zur Verlesung, der als einer der Congressdelegierten von Johannesburg einen längeren Bericht über die Resultate des zweiten Congresses lieferte. Nachdem von mehreren Rednern die Nothwendigkeit einer befferen körperlichen Erziehung der Jugend betont worden war, gelangte eine Resolution folgenden Inhaltes zur Annahme: „Es sei ein Centralcomrte aller zionistischen Vereine von ganz Südafrika mit dem Sitze in Johannesburg einzusetzen und während der Chanukawoche ein allgemeiner Congress in Johannesburg abzuhalten. Der Empfang der zionistischen Abordnung durch den deutschen Kaiser gab ernigen Blättern zu den geschmacklosesten Deutungen Anlass. Gegen.diese polemisiert nun die „Hazefirah", welche in mehreren Ärtckeln die Entstellungen und Verdrehungen nachzuweisen bemüht ist, welche sich unsere Gegner, im Triumphe über eine angebliche Niederlage des Zionismus, offenkundigen Thatsachen gegenüber zu Schulden kommen lassen. Schon die Thatsache allein — meint die „Hazefirah" — dass eine zionistische Deputation vom hohen Gaste aus türkischem Boden emsangen wurde, beweist, welche Fortschritte die zionistische Idee gemacht hat, die sich nunmehr in die Oeffenttichkeit wagen darf, ohne den Verdacht zu erregen, dass sie etwas Arges gegen die Türlei im Schilde führe. Bestünde ein solcher Verdacht in Constanlinopcl, so hätte cs. Kaiser Wilhelm ebensogut gewusst, wie mancher jüdische Scribler, und er würde schwerlich die Tactlosigkeit begangen haben, auf gastlichem Boden Leute zu empfangen, gegen die er nicht die geringste Pflicht, sein freundschaftlicher Gastgeber aber Grund zu Misstrauen habe . . . Alan mag der Sache weniger Bedeutung beimessen, als wir Zionisten es thun; aus der Antwort des Kaisers jedoch eine Rüge für die Zionisten abzuleiten, dazu gehört nicht mehr d.r Mangel jeder Urtheilskraft und die größte Geschmacklosigkeit, sondern eme böswillige Verdrehung, die jeder Logik hohnsprechend entgegentritt. Als ob die Zionisten von Kaiser Wilhelm erwartet hätten, dass er ihrem Vertreter sagen würde: „Sie wollen das Reich Israel begründen? Gut, es soll geschehen; der Sultan hat nichts dreinzureden!" Das sind eben Vorstellungen über den Zionismus, wie sie sich die Gegner von demselben machen, das ist der Zionismus, den sie bekämpfen, der aber nicht besteht. Deshalb sieht ein Blatt in der Aeußerung des deutschen Kaisers, dass die Souveränität des Sultans respectiert werde, einen „strengen Verweis" gegen die „Judenstaatsfanatiker"; ein anderes Blatt erlaubt sich eine kleine Fälschung und verwandelt den Wortlaut: „volle Respectierung der Souveränität" in „volle Souveränität"; wieder ei» anderes findet in dem Geschenke des Kaisers an die Katholiken und dem Empfange einer Katholischen Abordnung einen Zusammenhang zwischen der Kaiserreise und der zukünftigen Herrschaft des Antisemitismus in falästina, und aus all dem wird — eine Niederlage des ionismus deduciert! Welche komische Einbildung der Phantasie: Kaiser Wilhelm grollt den Zionisten, weist sie in Schranken und — empfängt sie doch! Was mag ihn dazu, veranlasst haben? War es eine Deputation seiner, d. y. deutscher Juden? Und wie falsch werden seine Worte gedeutet, die doch so verständlich, ja noch mehr, ganz selbstverständlich sind. Und auf Grund solcher Deutungen bringt man im Anschlüsse Berichte über das Verbot der Einwanderung, das der Zionismus verschuldet haben soll! Solche Gegnerschaft kann dem Zionismus nur nützlich sein..." B. Bücherrinlaus. ErsterJahresberichtbes Vereines Juug-Ziou, Basel. 1898. Deutsche Worte. 1!. Monatsheft von Engelbert P e rn er sto r ser. Jude! Autorisierte Uebersetzung des französischen Sal T u i f. Von Louis Dolliv et. Berlin. 189'.). Das Buch der Bücher. Popularwistenschaftlich dargestellt wn Dr. S. Bernfeld. Berlin >899. Die deutschen Einheitsbestrebunge» «nd ihre Berwirktchung. Bon Dr. Eduard Loewenthal. Berlin. 1899. Handel und Verkehr im neunzehnten Jahrhundert. Von?. C. P h i l i p s o n. Berlin. 1899. Sämmtliche im Verlage Siegfried Cronbach. Sind originale Synagogen- und Bolksmelodieu bei den Judeu geschichtlch nachweisbar? Von Prof. Emil Bresl r u e r. Leipzig. Breitkopf und Härtel. Stenographischer Bericht des zweite» Baseler Conglesscs. (Ein Auszug im Jargon.) Warschau. Schuldberg & Cie. Die Zionisten und die Cultuswahle« in Wien. (Separatabdruck des Artikel: „Die jüdischen Gemeinden den — Irden", aus der „Zionist Rundschau") von H. B erlin er, Jewish Reiigions Life after the exile. By The Rev. T. K. Cheyne. G. P. Putnams Sons. New Y ork* and London. 1898. W Feuilleton. Unsere PalLstinnfahrt. Von Dr. I. Bodeuheimer. I. Abfahrt von Constautinopel. Klares Sonnenlicht flutete über das goldene Horn, als wn den Nikolai II. betraten,, einen eleganten Dampfer der rusischen Linie, der uns nach Alexandrien bringen sollte. Es wa am 19. October, vormittags, 10 Uhr. Unter gewaltigem Gehrei der Bootsleute und der Dragomane hatte unser Kaik endich den Quai verlaffen, an welchem aus Dutzenden von Kaftehäusern rauchende und trinkende Türken mit dem ruhigen Glcchmuth der Osmanen unserer Abfahrt zuschauten. Ob sie woh ahnten, welche merkwürdige Reise die kleine Schaar von Mänern aus dem Abendlaude anzutreten im Begriffe starrd? Ob sie wohl ahnten, dass wir unseren Fuß auf einen Theil ihre: Landes setzen wollten, nicht in der Absicht, es mit dem - Schirrte zu erobern, sondern den Weg zu ebnen, für eine sriediche Besiedelung mit der Pflugschar und der Egge? Dntznde der flinken Boote tanzten um uns her auf der lichtblau schimmernden Flut; weiß spritzten die Wogen empor, und kräftige Männer in den bunten Gewändern des Orients durchhnitten das Waffer mit schlanken Rudern. Wir stiegen die hhe Treppe zum Brrdeck des Schiffes hinan und ließen den irstauntcn Blick in d.'r Runde umherschwerfen. Bor uns lag!ie weite Bucht und der Hafen des goldenen Horns, in welchin unser Schiff ankerte. Rechts dehnte sich unabsehbar

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