Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 48 (2.12.1898)
- Article
- Wien
- Date
- 1898-12-02
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 Nr. 48 Unter stürmischem Beifall sprach der Vorsitzende dem Redner dem Dank für seine Ausführungen aus und eröffnete die Discussion. Vicepräses Josef Barkan setzte unter beifälliger Zustimmung die Ziele der Congresse auseinander, während die Herren Schreier, Js. Kollisch, Felsenberg, Mar,er. Ramm aus religiösen oder politischen Gründen mit dem Referenten polemisierten. Die Herren Dr. Schalit und Groß und schließlich der Referent in seinem Schlussworte beantworten die an sie gestellten Fragen zur lebhaften Befriedigung der Anwesenden mit großem Geschick, so dass beinahe alle Gegner nunmehr ihren Beitritt zum Vereine erklärten. Um einhalb zwei Uhr nachts erst schloss der Vorsitzende die Versammlung, die trotz des masienhaften Besuches, der Hunderte zum Stehen zwang, und der mitunter erregten Debatte äußerst würdevoll verlaufen war. Beitrittserklärungen zum Einzelverein „Mariahilf-Neubau" der schon heute über 100 Mitglieder zählt, sind an den Sitz des Vereines VI., Schmalzhofgasse 10 oder den Präses, Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. E. F. Weisl, VII., Mariahilferstraße 48, zu richten. Wie«. Aus Anlass des Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers findet Freitag, den 2. December l. I. abends 4'/^, Uhr im Bethause „Liwias Chen“ II., Obere Donaustraße 89 ein Festgottesdienst statt. Olmütz. Am 26. November fand die erste ordentliche Generalversammlung des Vereines „Z i o n", Olmütz, statt. Aus dem Rechenschaftsberichte, den der Vereinsobmann, Herr Braun, vorlegte, konnte man das stete Wachsen der zionistischen Partei in Olmütz erkennen. Besonders erwähnenswett ist, dass der Verein in diesem Jahre zwei Agitationsversammlungen auswärts, sieben in Olmütz und fünf große Feste veranstaltete, ferner dass er sich erfolgreich an den Eultuswahlen betheiligte. Auch die Gründung einer zionistischen Sängerriege verdient hervorgehoben zu werden. Herr Politzer hob in seinem Casiaberichte die günstige finanzielle Lage des Vereines hervor, der nach kaum dreivierteljährigem Bestände eine ansehnliche Summe an den Verband abzuliesern vermochte und jetzt neben einem bedeutenden Barvermögen auch über einen Lesecirkelfond und eine Bibliothek verfügt. In den neuen Ausschuss wurden gewählt die Herren Spitzer, Lau, Munk, Braun, I s n e r, P o l l <Vk, B i r n st e i n und L ö w y. Nachdem der neugewählte Obmann, Herr Spitzer, eine kurze Programmrede gehalten hatte, wurde die 'Versammlung geschlossen. Zuschriften sind direct an den Verein „Zion", Olmütz, zu richten. G Conchondtnstll. Oesterreich-Ungarn. Wien. Anlässlich des 50. Jahrestages der Thronbesteigung seiner Majestät finden in sämmtlichen Synagogen Wiens und Oesterreichs feierliche Gottesdienste und von Seite der jüdischen Gemeinden große Wohlthätigkeitsacte statt. Die Veranstaltungen der Wiener israelitischen Cultusgemeinde sind folgende: Donnerstag den 1. December d. I. um 10 Uhr vormittags nimmt der Vorstand die feierliche Grundsteinlegung des neu zu erbauenden Siechenhanses im IX. Bezirke, Seegasie 9, vor. In sämmtlichen Gotteshäusern der Gemeinde werden am 2. December feierliche Gottesdienste abgehalten. Um halb 1 Uhr mittags wird sich der Cultusvorstand im Sitzungssaale der Cultusgemeinde zu einer öffentlichen feierlichen Plenarsitzung versammeln. An demselben Tage werden anch die halbjährigen Zinsen der Kaiser Franz Joseph-Jubiläums- Stiftung eines Ungenanntseinwollenden für arme Waisen zur Verleihung gelangen. Brünn, 28. November 1898. Gestern, am 27. November, vollzogen sich am selben Tage wie in Wien die Ergänzungs- Wahlen für den Cultusvorstand in Brünn. Schon das officielle Wahlcomitö musste in Berücksichtigung der Stimmung Herrn Profeffor Brecher auf die officielle Sttmmliste setzen, von dem es, obwohl er selbständig candidierte, bekannt ist, dass er unserer Bewegung sympathisch gegenübersteht. Im letzten Momente entschloffen sich die Brünner Zionisten, als ausgesprochenen Parteimann den Obmann des Zion-Vereines, Dr. Schreier, zu kandidieren. Bei der stürmischen Wahlbetheiligung, die in Brünn noch nicht vorkam (es wählten 414, über ein Drittheil der Wähler), errang unser Candidat 199 Stimmen und blieb gegenüber dem gewählten Dr. Spitzer nur um 9 Stimmen zurück. Profeffor Brecher erhielt über 270 Stimmen. Das ist das officielle Resultat; thatsächlich wäre unsere Sttmmenzahl in der überwiegenden Majorität, wenn nicht unsere Gesinnungsgenoffen aus dem Vorzimmer des Wahllocales entfernt worden wären, wo dann die Diener des Cultusvorstandes durch Manipulationen mit den Wahlzetteln und Aufdrängung von officiellen Listen viele nicht routinierte Wähler irregeführt haben. Wiewohl zu einem Wahlproteste unzählige Facta gegeben wären, begnügt sich die Partei mit dem großen Erfolge ihrer ersten Kraftprobe, der in unseren Reihen große Freude erweckte, auf den erbgeseffenen Vorstand und die jüdischen Spießer aber geradezu verblüffend und erschreckend wirkte. 2. Krakau. Der hiesige Zionsverein veranstaltet Sonntag den 4. December 7 Uhr abends eine Volksversammlung im Hotel Klein, bei welcher das hiezu eingeladene Mitglied des A. C., der Hof- und Gerichtsadvocat Herr Dr. Leopold Kahn aus Wien, den Vortrag halten wird, der als erster Punkt der Tagesordnung aufgestellt ist. Diese lautet: 1. Bericht über den zweiten Baseler Congress; a) Einleitung: Die Stellung des Juden in der Weltgeschichte: ein Blick in seine Vergangenheit und Gegenwart, ft) Der Baseler Zionistencongress: ein Ausblick in die Zukunft. 2. Discuffion und Interpellationen. Zum Eintritte in die Versammlung dient als Legitimation die Schekelquittung pro 1898/99. Kolomea. Am 20. d. M. erhielt der hiesige Verein „Beth Israel" vom Vereine „Zion" in Bohorodczany die telegraphische Meldung, dass der bekannte jüdische Gelehrte und Zionist Rabbiner Sch. Schreier aus Bohorodczany das Zeitliche gesegnet habe. Die Vereinsleitung ist sofort zu einer Sitzung zusammengetteten und hat nach einem Nachrufe seitens des Vorsitzenden, Herrn Dr. R o s e n h e ck, beschloffen, eine Abordnung bestehend aus den Herren Fadenhecht, Jurist Rotseld, Amkraut nnd Drimer zum Begräbnis zu entsenden, sowie eine Trauerandacht in der hiesigen großen Synagoge zu veranstalten. Sonntag am 21. d. M., um 3 Uhr nachmittag — zur gleichen Stunde, in der die irdischen Reste des Verblichenen bestattet wurden — fand in der mit schwarzem Flor drapierten großen Synagoge die Trauerandacht statt. Rabbiner Thum im schilderte in ergreifenden Worten die hohen Verdienste des Verblichenen um das jüdische Schriftthum, erwähnte seines regen Geistes, welcher sogar in dem vorgerückten Alter — er starb im 85. Lebensjahre — nicht ruhte und schöpferisch wirkte. Nachher ergriff Hr. Dr. R o s e n h e ck das Wort, um in beredter Weise, die Verdienste des Verblichenen um den Zionismus besonders in conservativen Kreisen zu beleuchten. Er gedachte der schweren Mühe, welche der Greis nicht scheute, um zur Conferenz der Zionisten ans Galizien und der Bukowina nach Kolomea zu kommen, und mit welcher Beharrlichkeit er den Berathungen bis in die späte Nachtstunde folgte. Schließlich bob Redner die Unerschrockenheit hervor, mit welcher der greise Rabbiner, der in einer jüdischen Gemeinde, welche sich gewiss würdig den übrigen Cnltusgemeinden im Lande anreiht, bei jeder Gelegenheit für den Zionismus eingetteten ist. Nach der Recitierung des „El mole rachmim". durch Herrn Sternberg schloss die Trauerandacht. Sr . . . . Deutschland. Berlin. In der vergangenen Woche fanden hier die Wahlen zum Repräsentanten-Collegium der jüdischen Gemeinde statt. Die Wahlbetheiligung war trotz der ungewöhnlichen Anstrengungen, die von den verschiedenen Parteien gemacht wurden, nicht besonders groß. Bon 16.895 Wahlberechtigten gaben 6153 ihre Stimme ab. Den Kernpunkt des Wählkampfes bildete die Frage des Sonntagsgottesdienstes, den die sogenannte liberale Partei neben dem bisherigen Sabbath-