Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 48 (2.12.1898)
- Article
- Die Teufelsinsel als Sommerfrische
- Date
- 1898-12-02
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 48 PkJ^wdc Seite ll bei der französischen Regierung einen vollständigen Plan der Teufelsinsel ein, die mit einem großen Vergnügungslocal, Hotels, einem Aussichtsthurm mit elektrischen Fahrstühlen, elektrischem Licht, einer neuen Anlegestelle für Dampfschiffe, elektrischen Trams, Austern-S.alons, Bodegas, einer gedeckten Passage rings um das Dreyfus-Gefängnis u7 s. w. versehen werden soll, mit einem Worte: den Plan eines mit allem Comfort der Neuzeit ausgestatteten Badeortes. Der Herr Director bietet der französischen Regierung 25.000 Doll. Pacht, wenn man ihm die freie Verfügung über die Insel überließe, nachdem Dreyfus sie verlassen haben würde. Er verpflichtet sich, bei einer neuen Verurtheilung des Erhauptmannes die Insel im ursprünglichen Zustand zurückzunefern, vorausgesetzt, dass er vier Wochen srüher benachrichtigt wird. Der Herr Director will noch 500 ) Doll, mehr zahlen, wenn die Regierung gestatten würde, dass die Wächter des Gefangenen während der Pachtzeit auf der Insel bleiben, um Nachrichten über das Leben des Hauptmannes Dreyfus zu geben und zu bestimmten Zeiten Vorträge zu halten, damit man sich ganz in die Lage eines Deportierten versetzen könne. Der feinfühlende Unternehmer will wöchentlich ein Dampfschiff von Bahia abgehen lassen, das in 24 Stunden die Insel erreichen soll, so dass die Reise von Newyork aus kaum 56 Stunden dauern würde; Rundreisekarten nach der Teufelsinsel sollen zwölf Tage giltig sein und 125 Doll, kosten. Das Traurigste rst, dass bald nach dem Bekanntwerden dieses herrlichen Planes auf den zwei ersten Dampffchiffen alle Plätze belegt wurden. * Die siouißische Bewegung. Wien. Wir verständigen hiemit unsere Einzelvereine, dass das k. k. Ministerium des Innern mit Erlass vom 2>. October 1898 Z. 33220 die Aenderung unserer Verbandsstatuten zur Kenntnis genommen hat. Die wesentlichen Aenderungen bestehen darin, dass die Bestimmung über den Zweck des Verbandes dem Baseler Programme angepasst, und dass der Thätigkeit der Einzelvereine cin größerer Spielraum gewährt wurde. Die neuen Statuten werden in Druck gelegt und den Einzelvereinen, welche sich von nun ab nach denselben zu richten haben, zugesendet werden. Ein Musterstatut für neu zu gründende Einzelvereine wird demnächst veröffentlicht werden. Für die Leitung des „Zion" Dr. Max Rosenthal, Schriftführer; Dr. O. K o k e s ch, Obmann. Olmütz. Der Verein „Z i o n", O> l m ü tz, veranstaltet am 10. December eine Makkabäer-Feier, bei der der Vereinsobmann, Herr Wilhelm Spitzer, die Festrede halten wird. Bielitz. Der zionistische Bürgerverein „Haschachar" in Bielitz hielt am 19. d. im neuen Vereinslocale seine erste, ordentliche Generalversammlung ab. Präses Herr Rabinowitz besprach im allgemeinen die Ziele des Zionismus, die Gegner desselben und die Indolenz eines großen Theiles unseres Volles gegenüberseinen vitalsten Interessen. Hierauf widmete der Redner einige Worte den Äielitzer Verhältnissen. Hauptsächlich den Tendenzreden, die seinerzeit von Herrn Dr. Werner und Dr. Kahn hier gehalten wurden, sei es zu verdanken, dass der Verein heute El Mitglieder zähle und ein eigenes Lese- und Vereinslocal, sowie eine Reihe Zeitungen halten könne. Den Rechenschaftsbericht erstattete Herr Paul Brass. Für die Vereinsperiode 1898—99 wurden folgende Herren gewählt: Dr. Sternberg, Präses; Paul B r a f f, Vicepräses; M. D.^ Bravmann, 1. Cassier; Ignaz G u t t m a n n, 2 Cassier; Siegfried Schembeck, 1. Schriftführer; Alfred Rabinowitz, 2. Schriftführer; Adolf Mahner, hebräischer Schriftführer; L. K e l l n e r und Mar K l i p p e r als Beisitzende. Ein Antrag des Herrn Weiß, für Vereinsmitglieder einen hebräischen Curs einzurichten, wurde einstimmig angenommen. Das Bereins-Leselocal des „Haschachar verspricht der Mittelpunkt des jüdischen Mittelstandes von Bielitz-Biala zu werden. Kolomea. Es hat sich hier nach dem Muster der akademischen Verbände in Lemberg und Stanislaü ein Kölko akademickie (akademischer Cirkel) innerhalb des hiesigen Veremes „Beth Israel" gegründet, das sich Hebung des jüdisch-nationalen Bewusstseins unter der jüdisch-akademischen Jugend, Pflege der hebräischen Sprache, Literatur Geschichte und alles dessen, was das Programm der beiden Conqreffe in Basel umfasst, zum Ziele gesteckt hat. Der Verein constituierte sich am 21. l. M. und wählte in die Verwaltung die Akademiker: I. Fell, Präses, M. Lachs, Vicepräses, M. Rothfeld, Cassier, S. Herman, Schriftführer, I. Rappaport, Ersatzmann. L . . . s. Dwinsk. In einer zahlreich besuchten Versammlung der „Dwinsker zionistischen Vereinigung" fanden am 13. November die Vorstandswahlen statt, die folgendes Resultat ergaben: Vorsitzender: Herr Fabrikenbesitzer S. I. Sachs, Vice- Präses: Herr S t e in, Cafsenwart: Herr Banquicr Dr. ph. M. Wittenberg, Cassier: Herr I. Bidermann, Schriftführer: Herr I. Melamed, Ausschussmitglieder die Herren: Dr. Schäpiro, Albert Sachs, Dr. P o w i tz k i, Ingenieur Mowschenson und I. Berlin, geschäftsführender Secretär: Herr B. G i l b o. Kairo, deu 12. November 18 -8. Seit zwei Jahren etwa wirkt hier der Verein „B a r - K o ch b a", der viel seines Aufschwunges dem leider so früh verstorbenen Joseph Sterner verdankt. Der Verein, dem bisher meistens Aschkenasim angehören, hat ein eigenes geräumiges Vereinslocal in der Nähe der Muski, das zugleich ein gut eingerichtetes Lesezimmer enthält. Auf Veranlaffung des Vereines hielt uns gestern Abend Herr Dr. Heinrich L o e w e einen Vortrag über den Zionismus, zft dem außer den Mitgliedern der Vereine „Bar-Kochba" und „TVX m;2" auch sehr zahlreiche Gäste erschienen. Ec hielt zue. ,r eine zündende Ansprache, über die Neubelebung und die Nothwendigkeit der hebräischen Svrache besonders für den Jugendunterricht, ohne die jede jüdische Cullurbewegung in der Luft schweben müsste und gab zugleich einen gedrängten Ueberblick über den heutigen Stand der hebräischen Literatur undder neuen Sprachbewegung besonders im heiligen Lande. Dieser improvisierte Vortrag machte um so größeren Eindruck, als der Redner ihn im sefardischen Idiom der hebräischen Sprache hielt. Für die nicht hebräisch verstehenden Aschkenasim folgte sodann ein Vortrag in deutscher Sprache über Wesen und Ziele des politischen und culturellen Zionismus. In der Discufsion sprachen sodann außer dem Vorsitzenden der Rabbiner und die Herren Ir min, Friedman, Gries und andere mit lebyr.fter Sympathie für den Zionismus, und Herr Friedman brachte ein enthusiastisch aufgenommenes Hoch stuf Dr. Theodor Her;!, Dr. Max Nordan und Dr. Heinrich Loewe aus, das letzterer ma einem Hoch auf den Zionismus und die jüdische Nation beantwortete. — Im Laufe des heutigen Tages haben sich infolge des gestrigen Vortrages schon sehr zahlreiche Herren als neue Mitglieder bei dem Vorsitzenden des Vereines „Bar-Kochba" eintragen lasten. Auch die Zeichnungen für die Bank nehmen hier einen weiteren günstigen Fortgang. 8. . P Nnklusnachrichten. Wien. „Das Comit« zur Gründung einer Ortsgruppe des „Zion" im VI. und VII. Bezirke Wiens hatte behufs Constituierung des Vereines eine Versammlung in Löbl's neuen Terastensaal einberufen und zugleich durch ein Flugblatt die Bevölkerung mit den Grundlehren des Zionismus vertraut gemacht. Die Erwartungen des vorbereitenden Comit4s wurden durch den geradezu massenhaften Besuch der jüdischen Kreste der Bezirke Mariahilf und Neubau weit übertroffen. Eine solch' imponierende Versammlung jüdischer Bürger hatte man in diesem Theile Wiens noch nie gesehen. Ihr Zustandekommen ist der werbenden und erhebenden Macht des Zionismus allein zuzuschreiben. Nach 8 Uhr eröffnete der Vorsitzende Dr. E. F. Weis! die Versammlung und begrüßte die Anwesenden mit warmen, beifällig aufgenommenen Worten, vor allem die Vertreter der verschiedenen Zion-Vereine, die zur Begründung des neuen Brudervereines herbeigeeilt waren und Herrn Dr. Kornfeld aus Brünn, der als Gast zugegen war. Die Wahl des Ausschustes der Ortsgruppe „Mariahilf- Neubau" wurde darauf per Acclamation vollzogen, so dass die Leitung des Vereines nunmehr aus den Herren Dr. E. F. Weisl, Josef Barkan, Dr. Leo Sopher, Ludwig Spira, Moriz Wohl, Wolfg. Sternberg, Max Bernhardt, Hermann Sonnenschein als Ausschussmitgliedern und den Herren Jak. Philipp und Bernhardt Simon als Cassarevisoren zusammengesetzt ist. Den Glanz des Abends bildete die Festrede des Herrn Dr. Kahn. In dem ersten Theile seiner Rede widerlegte Dr. Kahn die Märe von dem Untergange der jüdischen Nation, die ja noch bis 1848 als solche in allen Gesetzen und Verordnungen bezeichnet und anerkannt worden sei. Vor den Wahlen nur spreche mar. 3. B. vonjüdischen Polen,nachden Wahlen von polnischen Juden. Er wies dann auf die großartige Thätigkeit einzelner Juden auf allen Gebieten menschlicher Cultur und anderseits auf das Dahinsicchen der Juden als Gesammtheit hin. Vergleiche man den gegenwärtigen Zustand des jüdischen Volkes mit dem im Alterthum, im eigenen Lande, und anderseits das culturelle Leben im jüdischen mir dem im römischen und griechischen Staate, so erkenne man die Ursache des Unterschiedes in den eminent socialpolitischen Bestimmungen der Bibel, die in dem Grundsätze; „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" gipfeln und zur praktischen gesetzlichen Anwendung wieder die Concentration der Juden im eigenen Lande voraussetzen.