Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1898-12-02 · 48 (2.12.1898) · p. 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
48 (2.12.1898)
Article
Entlehnt
Date
1898-12-02
Page
6 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315742-3315791-3364568--09297-3364686
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

j*#w<r Nr. 48 „Entlehnt" Bon Dr. S. Werner. Endlich ein kleines Geständnis. Herr Dr. Bloch beqnemt sich zuzugeben, dass er etwas »entlehnt" habe. EnÜehnt ist ein hübscher Ausdruck, der dort besonders paffend angebracht ist, wo der von dieser »Entlehnung" Betroffene nichts von ihr weiß. Allerdings hat Dr. Bloch diesmal nur zugestanden, dass er etwas dem antisemitischen Blatte »Ruch Katolicky" entlehnt habe; aber auch das ist schon bemerkenswert. Vielleicht wird sich der Herausgeber der „Wochenschrift" später einmal dazu herbeilaffen, noch andere Entlehnungen einzubekeunen. Wir glauben, dass der Zeitpunkt nicht allzuferne ist, in dem sich auch dieses Bekenntnis einstellen wird. Herr Bloch darf sich darauf verlaffen, dass man ihm dabei zu Hilfe kommen wird — selbst gegen seinen Willen. Auch den Artikel in Nr. 47 seiner wöchentlichen Entleerungen hat er ja gegen seinen Willen schreiben müssen. Ich habe ihm nachgcwiesen, dass er gelogen, dass er denunciert und dass er mala Licke falsch berichtet habe. Da er keinen Gegenbeweis antreten kann, so lässt er seine Wuth in unfläthigster Weise au mir aus. Das ist nichts Verwunderliches. Etwas Aehnliches musste man von diesem Manne nach seinen Antecedentien erwarten. Heiter berührt es allerdings, wenn er den Spieß umzudrehen versucht und mich gerne der Unwahrheit zeihen möchte. Es hat ihn offenbar beleidigt, dass ich ihn so gering taxiert habe. Darum will ich den Sachverhalt nochmals erzählen: Als die »Welt" zu erscheinen begann, wendete sich Dr. Bloch an das Actionscomite der Zionisten und versprach, demselben acht Seiten seines Blattes wöchentlich zur Verfügung zu stellen. Dagegen sollte man die „Welt" nicht weiter herausgeben und ihm den Entgang von Abonnentengeldern vergüten, welcher durch diese Schwenkung der „Wochenschrift" eintreten könnte. Wer die Verbreitung dieses Blattes kennt, weiß, dass es sich da gewiss nicht um tausende, sondern wirklich nur um wenige hundert Gulden hätte handeln können, umsomehr, da viele Juden, welche jetzt von der „Wochenschrift" nichts wiffen wollen, sie dann nothgedrungen abonniert hätten. Wenn jetzt Herr Bloch diese Vergütung höher anschlägt, so muss man annehmen, dass er auch andere Vortheile bei diesem projectierten Geschäftchen voraussah, die er unter dem Titel »Vergütung von Abonnentenentgang" hcranszuschlagen hoffte. Wenn ich also seine geschäftlichen Practiken bisher nicht in ihrer ganzen Größe erfasst dabe, so hat mich nunmehr seine Entrüstung eines Befferen belehrt. Ich bekenne, Herr Bloch hat sich zwar anscheinend nur um einige hundert Gulden zu einem Frontwechsel herbeilaffen wollen, aber das war nur Schein. Er hätte ein paar tausend herausgeschlagen. Ein solches Vorgehen, bei dem Herr Bloch, nach seinem jetzigen Auftreten zu schließen, gegen seine „Ueberzeugung" gehandelt hätte, ist zwar nicht anständig, aber es bringt Geld ein, und das hat Herr Bloch immer zu schätzen gewusst. Vielleicht wird der Herausgeber der „Wochenschrift" nach dieser Klarstellung wieder irgendwo etwas entlehnen, um seine Unschuld zu betheuern. Wir haben mit dieser Erklärung die Sache erledigt. Außer diesem von mir übrigens nur in aller Kürze berührten Punkte weiß Herr Bloch nichts vorzubringen als Roheiten und Beschimpfungen. Halt, doch noch etwas. Da er seine Notizen nicht vertheidigen kann, gibt er sich wenigstens Mühe, als Bertheidiger der Tallisweber zu erscheinen. Wir wollen auf die ungeheuerliche Frivolität, die in diesem Gebühren liegt, gar nicht eingehen. Wen Herr Bloch durch diese Phrasendrescherei täuschen zu können glaubt, wiffen wir nicht. Dass ihm — einige bezahlte Individuen ausgenommen — die Juden Kolomeas, die ihn, nach seinem ganzen Werte zu schätzen wiffen und aus ihrer Gesinnung auch kein Hehl machen, nicht auf den Leim gehen werden, ist klar. Dass er die gute Sache der Tallisweber gerade durch sein Eingreifen unheilbar discreditieren muss, ist nicht minder unzweifelhaft. Die Arbeiter sind heutzutage zu aufgeklärt, selbst in Kolomea, um einem jeden zu vertrauen, der den Mund voll Phrasen nimmt. Niemand hat geleugnet, dass die Tallisweber in großem Elend leben. Nur die Versuche des Herrn Bloch, die Zionisten als Ursache dieses Elendes hinzustellen, haben wir nach Gebühr beleuchtet. Und das hat er nicht entkräften können. Nun haben wir nie geglaubt, dass Herr Bloch das Handwerk, das er so lange treibt, aufgeben werde, auch wenn mau ihm gehörig auf die Finger klopft Wir wären auch rasch vom Gegentheil überzeugt worden, wenn wir es geglaubt hätten. Herr Bloch darf sich wirklich rühmen, dass er Napoleon weit über ist. Bekanntlich hat von.diesem Lord Colwey gesagte „Er spricht wenig, aber er lügt immer." Herr Bloch schreibt viel, aber dass er die Wahrheit berichtet, wird auch sein bester Freund von seinen Enunciationen nicht behaupten wollen. Wir können als Beleg dafür gleich ein „Malheur" anführen, das ihm in der letzten Nummer seines Blattes passiert ist. In einer Notiz aus Steyr sucht er wieder einmal dem Zionismus eins zu versetzen. Darüber schreibt uns ein Correspondent folgendes: Geehrt er Herr Redacteurl Zur Aufnahme in die nächste Nummer der „Welt" sende ich Ihnen folgende Berichtigung. In Nummer 47 der „Oesterr. Wochenschrift" ist ein Bericht aus Steyr vom 2t. November enthalten, der unter der Aufschrift „Zur Frage des Zionismus" erzählt, dass der hiesige Pfarrer Strobl gegen die „in letzter Zeit von jüdischer Seite auftretenden Judenstaatsideen und Colonisationsbestrebungen" sich gewendet habe. Dies wäre im Verlaufe einer am 2>. d. M. abgehaltenen Predigt geschehen. Die Nachricht hat hier in der jüdischen Gemeinde großes Aufsehen erregt, da man von dem Vorgänge nichts gewusst und und auch von christlicher Seite darüber nichts erfahren hatte. Anfangs dachte man, es wäre die Notiz aus der clerikalantisemitischen Steyrer Zeitung in die „Oesterr. Wochenschrift" übergegangen. Die Redaction des Blattes erklärte aber auf Befragen, dass sie weder von dieser Rede noch speciell von diesem Pafsus etwas veröffentlicht, noch überhaupt davon etwas gewusst habe. Eine directe Anfrage an authentischer Stelle ergab das Resultat, dass erklärt wurde, an diesem Sonntag sei das Thema „Palästina" gar nicht berührt worden. — Damit ist dieser Bericht als völlig unwahr erwiesen. Er ist es aber auch ebenso in den Details. Pfarrer Strobl war n i e in Rom; er kann daher „mit den politischen Bestrebungen des Vaticans" kaum so vertraut sein, wie der angezogene Bericht meint. Bedauerlich ist es nur, wenn unsere jüdische antizionistische Preffe mit solchen Berichten und Beweisen, an denen auch nicht ein Funken Wahrheit ist, die vielmehr ganz aus der Lust gegriffen sind, die jüdisch-nationale-zionistische Bewegung zu bekämpfen sucht. Auch in der größten Erbitterung sollte man nicht solche Mittel benützen, wie sie kurz nach dem I. (Kongresse ganz ähnlich versucht und jetzt wieder probiert wurden. Hochachtungsvoll Emil Kronberger. Steyr, 27. November 1898. Herr Dr. Bloch wird natürlich wieder erklären, dass er diese Notiz irgendwo entlehnt habe und damit sich und diejenigen beruhigen, die noch immer an zufällige Versehen von seiner Seite glauben wollen. Wozu noch weiter Beweise anführen! Herrn Bloch möchte ich nur noch einen Spruch von Sallet widmen, damit er den Effect ganz kennt, den seine übrigens etwas unorthographischen Schreibereien hervorbringen: »Wer eine Zeit lang Skandal erregt, Glaube nicht, dass er die Welt bewegt." G

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.