Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1898-12-02 · 48 (2.12.1898) · p. None

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
48 (2.12.1898)
Date
1898-12-02
Page
None (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315742-3315791--09281-3364681
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kedartion und Administration: Wien IX.. Türkenstraße 9. Telephon Nr. 8805. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstraße 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 10 kr. Einzelne Nummern 15 kr. * Oesterreich-Ungarn; halbjährig 3 fl. — 6 Kr., ganzjährig 6 fl. — 12 Kr.: Für das Ausland: Deutschland r * * ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Nr. 48. Wie«, 2. December 1898. 2. Jahrgang. Ad schied ««d Wiedersehen. Epilog zur Palästinafahrt Wilhelms EL Von O. Erter. Bevor der deutsche Kaiser die Fahrt antrat, kam Großherzog Friedrich von Baden zum Abschiednehmen nach Potsdam, und bevor der Kaiser ins Potsdamer Schloss heimkehrte, besuchte er den Großherzog im Schlosse von Baden-Baden, um bei ihm einige Stunden freudigen Wiedersehens zu verbringen. Beim Abschiede hatte der Kaiser den Großherzog für die Zeit seiner Abwesenheit in der Fremde gleichsam als Reichsverweser bestellt, und als die Beiden sich nach sechswöchentlicher Trennung wiedersahen, war die Begrüßung, wie Augenzeugen berichten, sehr bewegt und von ergreifender Herzlichkeit. Es ist in dem Verhältnisse des Kaisers zum Großherzog so viel anheimelnd Menschliches und Inniges, dass uns bedünkt, man dürfe an den politischen Räthsellösern, die noch immer die Bedeutung und den Erfolg der Orientreise Wilhelms II. mit ihrem skeptischen Spürsinn zu verkennen suchen, gelassen vorübergehen, um desto ehrfurchtsvoller bei dem Bilde zu verweilen, welches diese in ihrer Art einzige Beziehung zwischen den beiden Fürsten darbietet. Es sind aber auch zwei fürstliche. Persönlichkeiten, deren jede für sich das lebhafteste und sympathischeste Interesse erzwingt; der Oheim ein gütiger, weiser, von geklärtestem.Idealismus erfüllter Herr in weißen Haaren, der Neffe feurig, jung, thalkräftig und von einer Fülle großer Conceptionen, welche der ganzen Welt immer neue Anregung gewähren. Man sagt niemandem etwas Neues, wenn man daran erinnert, dass Großherzog Friedrich von Baden in gerader Linie von dem alten Kaiser Wilhelm her die große nationale Tradition des neuen Deutschen Reiches verkörpert; als Gemahl der einzigen Tochter des alten Kaisers war er der erste unter den deutschen Fürsten, welcher sich der zur Errichtung des Reiches und des Kaiserthums führenden Entwicklung anschloss. Ja, es hat vielleicht niemals ein Fürst in seiner edlen, bürgerlichen Einfachheit so tiefe Blicke in eine große und complicierte Volksseele gethan,. wie Großherzog Friedrich in die deutsche, und niemals hinwiederum ist so wie er ein Fürst von dankbarer, nationaler Verehrung umgeben gewesen. Er hat die erste Militärconvention mit Preußen geschlossen, die, ohne vorherige schwere Prüfungen im nationalen Bruderkriege, der Vorläufer der übrigen Militärconventionen war, welche das Fundament der deutschen Einigung bildeten, und als am 18. Jänner 1871 im Schlosse von Versailles die Kaiserproclamation erfolgte, da war es Großherzog Friedrich, welcher zuerst mit begeistertem Zurufe den neuen Kaiser begrüßte. Das ist unvergessen, und unvergessen wird auch für alle Zeiten das milde, volksfreundliche Walten des Großherzogs sein, welches die schöne, südwestliche Ecke des Deutschen Reiches mit gedeihlichem Frieden und behaglicher Wohlfahrt erfüllt. Kein enges Vorurtheil politischer oder confessioneller Art trübt dieses Walten, nur muthwillige Aufdringlichkeit hat zeitweilig sogenannte culturkämpferische Bewegungen im Lande Baden verursacht, an der höchsten Regierungsstelle aber haben auch ausgezeichnete, durch Geist und Charakter hervorragende Juden, wie Ellstätter, im Sinne des aufgeklärten und duldsamen Landesfürsten gewirkt. Großherzog Friedrich hat bereits die Schwelle des Greisenalters überschritten; als schwere Krankheit vor Jahresfrist ihn befiel, blickte das ganze deutsche Volk mit tief aufrichtiger Sorge nach seinem Krankenlager, die von freudiger Antheilnahme verscheucht wurde, als der Großherzog wieder hergestellt war. Das deutsche Volk verbindet mit seiner Gestalt dankbare nationale Erinnerungen, es denkt sich dieselbe gerne im Vereine mit der hohen Gestalt des ersten Kaisers, wie mit derjenigen Kaiser Friedrichs, der als „unser Fritz" wie eine unauslöschliche Idealfigur dauernd im Gedächtnisse derSüddeutschen fortlebt. Und in diese fast schon zur Legende gewordene Erinnerung spielt die nationale Freude an der deutschen Lieblingsuniversität Heidelberg hinein, die stets wie ein kostbares Juwel der Lehrfreiheit auch von dem Großherzog beivahrt und gepflegt wurde. v Kaiser Wilhelm II., der selbst in Rastlosem Eifer die Ueberlieferung forlspinnt, welche ihm Großvater und Vater hinterlassen haben, folgt dem natürlichen Zuge nicht bloß seiner feurigen nationalen Empfindung, sondern auch seinen hochgespannten idealen Zielen, indem er dem badischen Oheim hingebendfte Verehrung widmet. Nicht bloß, weil Großherzog Friedrich und Großherzogin Luise seine nächsten Angehörigen aus der vorigen Generation sind, sondern weil edle Wahlverwandtschaft der Gesinnungen und der Weltanschauung den Resten mit dem Oheim ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.