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Die Welt · 1898-11-25 · 47 (25.11.1898) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
47 (25.11.1898)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1898-11-25
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 47 Serie 13 Vkremsullchrilhlen. Wien. (Verein jüdischer Mädchen „Hadassa".) Der Verein „H adassa" veranstaltete am 14.d. einen geselligen Abend in Güth's Restaurant, welcher einen sehr animierten Verlauf nahm. — Der nächste Vortragsnachmittag des Vereines findet Sonntag den 27. d., 4 Uhr, im Verein „Zion", 2. Bez., Rembrandtstraße 11. statt und find Gäste herzlich willkommen. Wien. In der nächsten Zeit findet folgender Cyklus von Vorlesungen des Herrn Dr. Nathan Birnbaunr (Mathras Acher) statt. 1. Entwicklungsgeschichte des zionistischen Gedankens. Dienstag,den 29.November 1898. 2. Geschichtliche Analogien zum Zionismus. Montag, den 9. Jänner 1899. 3. Das Menschenmaterial des Zionismus. Montag, den 6. Februar 1899. 4. Zionismus und Socialismus. Montag, den 13. März 1899. Ort der Vorlesungen: Saal des Niederösterreichischen Gewerbevereines, 1. Bez., Eschenbachgasse 11. Beginn 8 Uhr abends. Eintrittskarten erhältlich im Locale der akadedemifchen Verbindung „Unitas", 9. Bez. Hahngasse 33. Für die Vorträge gibt fich ein allseitiges Interesse kund. Wie«. An dem dieswöchentlichen Vortrags- und Discusfionsabend der academischen Verbindung „M a c c a b ä a", referierte der derzeitige Vicepräses Steiner vor einem zahlreichen Auditorium über das Thema „Der Zionismus und die Studenten". Krakau. Am 30. October wurde die II. ordentliche Generalversammlung des Vereines „Przedswit (Haschachar)” abgehalten, wobei die Wahlen vorgenommen wurden, die folgendes Resultat ergaben : Vorsitzender: Herr S. G o l d w a s s e r; Stellvertreter: Herr Herschdörfer; Secretär: Herr Opfer: Cassier: Dr. med. S chudnak; Ausschussmitglieder: Herr E t t i n g e r, Herr H i l f st e i n, Herr I e z o w e r, Herr N e h m e r, Herr Wahrhaftig; deren Vertreter: Herr Ehotiner, Herr Mirtenbaum, Herr Schalit. Aus Sophia schreibt man uns: Das hiesige Landescomite gibt ein zionistisches Blatt „El Dia" (der Tag) genannt, heraus, welches in spaniolischer Sprache mit einer Beilage in bulgarischer Sprache wöchentlich einmal erscheint. Der spaniolische Theil bezweckt die Propaganda des Zionismus unter den spaniolischen Juden. Der bulgarische Theil bezweckt, wie aus dem Programm zu ersehen ist, nebst der zionistischen Propaganda unter den gebildeten Kreisen der hiesigen Juden auch deren Vertheidigung gegen antisemitische Angriffe und Beschuldigungen. Letztere Aufgabe unternahm das Blatt nur deshalb, weil kein Judenblatt in bulgarischer Sprache existiert. Das Programm, dessen Verfasser Herr Earl Herbst ist, beginnt: Unser Programm ist jenes, welches wir in unserer constituierenden Volksversammlung in Basel feierlich proclamiert haben : „Der Zionismus erstrebt, für das jüdische Volk, die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Wenn wir unser Programm sagen, so verstehen wir darunter unser, der Zionisten, Programm, der Vertreter des wiedererwachten nationalen Gedankens im Judenthum. Und unser Blatt wird unser Programm haben, denn es ist unser Organ, das nur für dieses, unser heiliges Ideal kämpfen wird. Dies will jedoch nicht heißen, dass unser Blatt ein einseitiges Parteiorgan sein wird. Der Zionismus ist nicht eine Partei, denn er bedeutet das ganze Judenthum mit seinem geistigen und materiellen Leben. Um die Endziele des Zionismus erreichen zu können, oder besser gesagt noch, indem wir dafür arbeiten, müssen wir für die Verbesserung der socialen Bedingungen unseres Lebens L-orge tragen, wenigstens soweit, als dies in der Macht unserer eigenen Kräfte liegt rc. m | e u I J_le t o«. Gheltodichler. Von Max Aram. I. Aron David Bern st ei n.*) Will man die Ghettogeschichte objectiv, gleichsam fremd und rein ästhetisch, betrachten, dann muss man dies immer festhalten, dass sie niemals als mehr gelten dürfte, denn ein *) Novellen; (Vögele der Maggid; Mendel Gibbor) Berlin 1892, Verlag von Freund und Jeckel. geringerer Bezirk der Poesie. Sie mag der Dorfgeschichte vergleichbar sein, von welcher Treitschke, immerhin ein feinsinniger Kritiker auch in uestlietiois-, sagt, dass ihr in der wahren, höheren Poesie Geltung und Duldung nur zukomme als Episode, wie sie der „Oberhof" darstelle in Jmmermann's Romane „Münchhausen". Diese gleichsam „specialistischen" Dichtungen liegen bereits an des Poesiekreises äußerster Peripherie, allwo die Mode herrscht anstatt der innersten centralen Kunstgesetze; große Talente oder gar Genies sind es nicht, welche sich daselbst ansiedeln. Die vielen Modespecialitäten der Siebzigerjahre in Deutschland, der archäologische, dann noch speeieller der ägyptische, der altgermanische Roman, die Gymnasialhumoreske, die Scholarenlyrik, die Berg- und Localepen, das Salon- und Militärlüstspiel als die unerfreulichsten und lächerlichsten Erscheinungen kennzeichnen Namen und Art. Aber das liebe gute Publicum, welches immer eifrig bemüht ist, das Nieveau der Poesie herabzuziehen zu seiner eigenen Trivialität, begünstigte herzlich jegliche „Specialität"; denn wie es überall des Modenwechsels bedarf, so wünscht es auch lieber eine politische Literatur, die von der Mode gelenkt wird, als dass sie abhängig sei von jenen innersten centralen Kunstgesetzen. Und so war auch infolge der Tyrannei des Publicums und der Nachgiebigkeit mancher naturalistischer Dichter die jüngste Literaturbewegung, während sie sich gerade gegen die oberfiächliche Publicums- und Modenliteratur wandte, bereits selber in Gefahr, eine Modelaune des Publicums darzustellen, indem sie sich einzig beschränkte auf die Arbeiter- oder auf die Großstadtgeschichte; bis glücklicherweise einige wahrhaftige größere Dichter in ernster Selbstentwicklung die naturalistische Poesie aus allen „spccialistischen" Beschränkungen hinaushoben zuin rein und unbefangen Menschlichen. Tie Ghettogeschichte aber hat für den Juden eine weit größere Bedeutung als eine rein ästhetische. Sticht als ob sie auf ihn wirkte im Sinne nationaler Dichtung, wie etwa die patriotische Lyrik der Befreiungskriege auf deu Deutschen, Schillert „Wilhelm Tell" auf den Schweizer, Walter Scott auf den Schotten; denn seitdem die nationale Selbständigkeit der Juden zerstört ist und sie unter den übrigen Völkern in dunklen, düsteren Ghettowinkeln wohnen, ist ihr ganzes Dasein gleichsam ein provisorisches und niedergedrückt von Schmach und Leiden, dass daraus nimmer eine nationale Erhebung herzuleiten wäre. Aber wenn auch auf andere Art, hat die Ghettogeschichte doch eine national sonderliche Bedeutung, und unendlich feine, zarte Fäden sind es, welche die psychologische Beziehung knüpfen. Aus den Ghettvmauern war der Jude mit der Emancipation herausgebrochen; aber indem sich nach Herzl's äußerst glücklichem und schlagkräftigem Worte „Das neue Ghetto" um ihn erhob, erfüllte sich die alte Tragik eines unseligen Lebenssch.cksales nur in einer anderen Form, wobei es gleich bleiben mochte, ob in einer liberalen Epoche die Assimilation äußerlich erreicht worden und der Jude noch an die liberale Humanitätsidee glauben durfte, oder vb er in einer antisemitischen Welt gar nicht mehr glauben konnte an schweifende Assimilationshoffnungen und ganz auf sich selber zurückgestoßen war. Auch wenn er noch optimistisch sein kann in Bezug auf die Kräftigkeit der Assimilation, so bleibt doch sein Dasein inmitten des modernen Culturlebens zumeist ein cvnstrniertes, wenn er sich seine neue Stellung nur durch Berstandesgaben erkämpft hat und sein Gemüth ihn nicht mit tausend Sehnsuchtsfäden an die andere Nationalität knüpft. Man könnte, aus einer anderen Sphäre, an das Beispiel Lothar Bucher's denken, der von Temperament und Naturbedingtheit Demokrat, sich später, verstandesmäßig wohl, Bismarck zugewandt, es zu hohen Ehren gebracht hat, aber nimmermehr seines^ Lebensrechtes froh geworden sein soll. Wer nicht aus der Selbstherrlichkeit lebt, die jeglicher auch der bescheidensten Persönlichkeit zukommt, der hat die Freude an seinem Leben dahin; und wohl mag man auch in diesem Sinne Goethe's Wort anweuden können, wie Volk und Knecht und Ueberwinder zu gleicher Zeit gestehen, dass höchstes Glück der Erdenkinder die Persönlichkeit sei. Der

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