Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 47 (25.11.1898)
- Article
- Antizionistische Logik
- Date
- 1898-11-25
- Page
- 5 (sequence 2)
- Language
- German
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M Teile 5 freien Amerika eine neue Nation! Die Völker bewundern sie wegen ihres Muthes, ihrer Ausdauer, ihrer Rechtschaffenheil, den Zionisten aber, an dem Hass und Verfolgung ein ebenso grausames Werk gethan haben, möchten unsere Gegner zu einem Feigling stempeln, weil er seine Gedanken dem alten Lande seiner Ahnen zuwendet und seine Nation in ihrer ureigenen Heimat wieder heimisch machen will und weil er sich die Kraft zutraut, für den Osten eben dasselbe, wenn nicht mehr, zu thun als die Puritaner für ihren Westen geleistet haben. Bismarck sagte im Jahre 1871: „Ich fand stets, dass die Juden mit besonderer Intelligenz und Fähigkeit für administrative Thätigkeit begabt sind". Die Antizionisten belieben nicht, derselben Meinung zu sein, die der Mann von Blut und Eisen von unserem Volke hatte. Der erste Baseler Congress war die erste parlamentarische Zusammenkunft von Inden, sein Erfolg ganz außer Frage; der zweite Congress nbertras noch seinen Vorgänger. Jedoch man versichert uns in aller Ruhe: Juden können sich nicht selber regieren. Friedrich von Schlegel begründet in seiner Philosophie der Geschichte die Maxime, dass Nationen nicht aushören zu existieren, selbst wenn sie durch das Leben unter fremden Völkern ihrer alten Sprache entfremdet werden. Was aber gilt den Antizionisten die Geschichte? Und was gilt sie den Rabbinern, die am Sabbath andächtig beten: „Wir sind ein Volk" und am Sonntag ohne Betrübnis den Tod der jüdischen Nation verkünden, der angeblich in der Diaspora und durch sie erfolgt wäre. Dem Zionismus, der als Verkünder von Idealen austritt, wird vorgeworsen, er sei unpraktisch. Die praktischen Vorschläge des Zionismus sollen wieder zu wenig idealistisch und spirituell sein. Ja, liebe Leute, zuerst entzückt uns jede Wolke durch ihre pittoresken Gestaltungen, dann aber, wenn sie zur Erde herniederkommen soll, um sie zu befruchten, nimmt sie die Form ganz materieller Regentropfen an'. Wer das nicht begreifen mag, gehört wirklich zu dem „Volke von hartem Nacken". Der eine von diesen Stubenphilosophen nennt den Zionismus einen mechanischen Messias, mit dem er sich nicht befreunden könne, der Andere meint, einen wirklich bloß Mechanischen Messias würde er ganz gerne unterstützen. Der Zionismus ist - angeblich gegen die Schrift, weil einige sonderbare Schriftgelehrte die Bibel an der Hand einer vollkommen neuen Mischna eigener Erfindung auslegen. Er ist antireligiös, denn er ist tolerant. Und weil es Leute gibt, die ihre guten Argumente nicht zugunsten lendenlahmer Sophismen verläugnen mögen, so ist der Zionismus eine Bewegung, die Hass und Bitterkeit erzeugt. Natürlich den Hass der Lichthaffer, die Bitterkeit der über die Wahrheit Erbitterten! Aber dies ist nicht alles! Wenn unsere Opposition bereits alles gesagt und gethan hat, um uns zu widerlegen, wenn sie sozusagen ihr leichtes Geschütz ausgebraucht hat, dann werden die schweren Geschütze auf den Kampfplatz gefahren und mit einer, des Sieges gewärtigen Geberde Feuer an die Zündschnur gelegt. Das Argument, mit dem man gewiss ist, uus am heftigsten zu erschrecken, kleidet sich in die beliebte Form eines Orakelspruches: „'s ist gefährlich!" Das wird emphatisch wiederholt, mit dem hohen Ernst weitausschauender Denker. Ist man nun einer von den Gutmüthigen, die da glaubeil, jede Pulvertonne sei voll, deren Füllung mit schwerem Nachdruck behauptet wird, dann schaudert's einen über den Rücken und man drückt sich vom Kampfplatz weg. Tenn wo so ernste Leute so viel Nachdruck aufwendcn, wird die Sache wohl schon richtig sein! Ist man aber Jude, das heißt: Neugierig und untersnchungssnchtig zugleich, dann geht man mnthig auf die Kanone los und schaut vor allem nach, ob sie wirklich einen Explosivstoff birgt, und ob nicht das behauptete Pulver etwa bloß — behauptet wurde. Nämlich, wenn man fragt: „W a s ist denn gefährlich und in welcher Weise soll es gefährlich sein?", dann merkte man schnell, dass das Orakel ein richtiges Delphisches, und dass der schwere Ernst hypokritischer Herkunft ist. Aber der interessanteste Gegner ist doch der Herr, der in der Discuffion aufbegehrt und Euch niederschlägt mit der Constatierung: er habe die Frage fünf Jahre, fünf volle Jahre studiert, er habe der Sache einen großen Theil nicht nur seiner Zeit, sondern auch seines Denkens gewidmet. Ihm zu glauben, ist besser, denn an seinem Worte zweifeln! E r spricht die offenkundige Wahrheit! Und wenn Ihr aus die Sache eingeht und Fragen stellt, so bleibt er die Antwort schuldig — nicht weil es mit seinen „Studien", sondern weil es mit seinem Gedächtnis nicht die richtige Bewandtnis hat! Aber wir Zionisten haben keine Logik, kein Verständnis, wir sind Ignoranten. Wir, die für das Studium der complicierten Jndenprobleme mehr gethan haben, als alle Generationen vor uns. Von denen, die selber Denkarbeit verrichten, verlangen wir keine Anerkennung dafür. Schlegel hat gesagt: Israel unterscheide sich von den anderen Nationen dadurch, dass es der Menschheit eine Hoffnung zum Geschenke zu geben habe. Nun denn, die Menschheit sollten wir auffordern, zu hoffen, aber den fünf Millionen Menschen, die von Sorge und Nvth betäubt sind, unser Blut und Fleisch, die Brüder unseres Glaubens, unseres Märtyrerthums, ihnen sollten wir sagen: „Ihr habt Euren Zweck erfüllt, geht, verschwindet einer nach dem andern im wandernden Nebel der Zeiten! Geht und verschwindet, damit ersüllc Ihr Eure Bestimmung! Geht, Euch erwartet das große Nichts, ein tiefes Grab: in das steigt hinein, wir errichten ein Denkmal zu Eurem Gedächtnis und lassen untilgbare Lettern Eure Geschichte verkünden!" Welcher Heroismus! Verschwinden, sterben! Aber der Bettler dankt Gott für die Krume, die er von der Erde aushebt, denn er will leben. Jawohl, er hat den Wunsch: z u leben! Narren, Narren, diese Zionisten! . . . J de Haas. Wien, 23. November. Genüße Wiener Kreise sind mit der Kopfbedeckung mancher Juden sehr unzufrieden. Weil diese Juden den Doctorhut der Medicin besitzen, müffen sie, entgegen jeder vernünftigen Weltordnung. aus Veranlassung ihrer christlichen Patienten zahlreiche bittere Pillen schlucken. Wenn ein jüdischer Arzt dem leidenden christlichen Mitbürger den Puls fühlt, so fühlt dieser als Gegenleistung Widerwillen, und wenn der Jude die Temperatur des fiebernden Nichtjuden prüfen will, so wünscht dieser, der Jude möge sich einem Berufe zuwenden, wo man sich mehr mit dem Steigen und Fallen der Course als mit dem Steigen und Fallen der Quecksilbersäule zu beschäftigen hat, — und das ist eigentlich sehr unvernünftig von den christlichen Patienten. Tenn ein denkender Judenfeind sollte es doch mit hoffnungsvoller Genugthuung begrüßen, wenn sich recht viele Juden dem gefährlichen Berufe des Arztes widmen. Wie wir noch in der Volksschule waren, haben sich unsere Lehrer einen höchst unziemlichen Spass mir uns erlaubt. Tie Schelme haben uns eingeredet, dass in Amerika Tag ist, wenn es bei uns finster ist. Und jetzt müssen wir aus den Zeitungen erfahren, dass ein- und dieselbe Finsternis, die in Europa herrscht, auch der neuen Welt beschieden ist. Die weiße Bevölkerung der Südstaaten von Nordamerika ist nämlich von demselben Wunsche beseelt, wie der Gras von Fiesco. — Der Mohr kann gehen! — Warum die Weißen von Virginia, Carolina, Tenessee re. ihre Mohren los sein wollen i Die Neger haben eine unheilbare Hautkrankheit — sic siud schwarz. Und obzwar das dermatologische Uebel nichtdirect ansteckend ist, sondern höchstens lheilweise vererbt werden